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Veröffentlicht am 30.05.2022

Provencalische Ermittlungen zu Beginn der Pandemie

Geheimnisvolle Garrigue
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Die südfranzösische Küste birgt ebenso wie das Mittelmeer, an das sie grenzt nicht nur Erfreuliches wie köstliche Fische, Urlaubsvergnügen per Boot oder durch Plantschen am Strand, nein, man kann dort ...

Die südfranzösische Küste birgt ebenso wie das Mittelmeer, an das sie grenzt nicht nur Erfreuliches wie köstliche Fische, Urlaubsvergnügen per Boot oder durch Plantschen am Strand, nein, man kann dort auch zu Tode kommen: Capitaine Roger Blanc, der zunächst eigentlich gegen seinen Willen aus Paris dorthin versetzt wurde, hat einen neuen, mittlerweile bereits den achten Fall in seinem somit nicht mehr neuen Wirkungskreis.

Und zwar ist es ein Fall mit Altlasten: Eine junge Frau verschwindet an einem Kanal, der durch einen Berg führt, gleich an der Küste. Und es gibt deutliche Parallelen zu einem Aufsehen erregenden Fall, der bereits 23 Jahre zurück liegt und nie gelöst werden könnte.

Wobei es eigentlich vier Fälle waren: es verschwanden nacheinander vier junge Frauen und jedesmal wurde deren linker Schuh direkt vor dem Eingang in den Berg gefunden. Aber nicht mehr.

Blanc ermittelt einmal mehr im Team mit seinen bewährten Kollegen Fabienne und Marius, dazu stößt ein junger Kollege, Brigardier Sylvain, tragischerweise so etwas wie der Verlobte des Opfers.

Cay Rademacher versteht es wie immer, seine Leser komplett in die Provence zu versetzen. Beim Lesen wähnte ich mich wieder einmal zwischen malerischen Landschaften, sowie netten - und einigen wenigen nicht so netten - Einwohnern, Wein und idyllischen Dörfern mit lauschigen Ecken. Lokalkolorit pur also, nur die ausufernden langen Mahlzeiten und gemütlichen Miteinander fallen diesmal weg bzw. wesentlich kürzer aus, denn dieser Krimi spielt im März 2020 und wir erinnern uns alle daran, was damals sowohl uns als auch unserer französischen Nachbarn belastete: Corona war sowohl hier als auch dort ausgebrochen, der erste Lockdown wurde angesetzt mit entsprechend panischen Reaktionen. Wie man sich vorstellen kann, belastet dies auch die Ermittlungen, wobei sich im Team bereits ein Genesener befindet: Marius scheint eines der ersten französischen Corona-Opfer gewesen zu sein, hat die Krankheit jedoch gut überstanden.

Der Autor beweist, dass er sich nicht nur in Hamburg, wo seine großartigen Nachkriegskrimis um Oberinspektor Frank Stave angesiedelt sind, sondern auch in der Provence bestens auskennt. In diesem Band gibt er uns - so mein Eindruck - einen Einblick in die verschiedensten Charaktere, die einem dort so begegnen können - zu gerne würde ich erfahren, von wem oder von welchen Situationen er sich hat inspirieren lassen.

Insgesamt habe ich mich von diesem ebenso atmosphärischen wie spannenden Krimi mit wunderbar beschriebenen Charakteren bestens und auf höchstem Niveau unterhalten gefühlt und freue mich nun schon auf den nächsten Teil dieser Serie mit dem erwähnten recht ungewöhnlichen Ermittlerteam, das sich durch eine ganz spezielle Art von Teamgeist auszeichnet!

Veröffentlicht am 27.05.2022

In Adelskreisen

Düsteres Watt
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In Adelskreisen darf sich das Team um Liv Landers diesmal auf Sylt bewegen, denn eine zentrale Figur, nämlich Karl von Raboisen, wurde tot aufgefunden - in einem ziemlich dramatischen Zustand. Und bald ...

In Adelskreisen darf sich das Team um Liv Landers diesmal auf Sylt bewegen, denn eine zentrale Figur, nämlich Karl von Raboisen, wurde tot aufgefunden - in einem ziemlich dramatischen Zustand. Und bald schon wird den Ermittlern klar, dass die Begegnung mit seinem Umfeld, also den adligen Kreisen, gar kein "dürfen" sondern vielmehr ein "müssen" ist - die Charaktere, die ihnen in diesem Fall begegnen, sind durchgehend alles andere als Sympathieträger.

Zumindest die Erwachsenen. Sowohl der Adel als auch die Bediensteten. Es herrscht eine eiskalte Atmosphäre, die man am besten mit "jeder gegen jeden" beschreiben kann. Vor allem Liv fühlt sich also bald unter Druck gesetzt, als sich Jennifer, die ältere Tochter des Opfers - ein Mädchen im Teenager-Alter - zum Mord bekennt. Das kann ja wohl kaum stimmen!

In diesem Krimi zeigen sich klar die negativen Seiten der Reichen und Schönen, die Liv Landers als Sylterin, die allerdings die Insel schon längst verlassen hat, quasi herunterbeten kann. Um ihre noch auf der Insel lebende Verwandtschaft kommt sie nicht herum, ist diese doch sehr erfolgreich dabei, ihre Seele zu verkaufen und sich zu einem Teil des Jet Sets, zu dem die Raboisens gehören, zu machen.

Deswegen lebt sie auch nicht mehr auf der Insel und hält sich und ihre Tochter Sanna so gut wie möglich davon fern. Aber diesmal wollte sie dort eigentlich nur Urlaub im Kreise ihrer "wahren" Lieben machen und geriet gleich wieder in einen Fall.


Wie immer steht auch das Privatleben der Ermittlerin Liv Landers im Fokus der Handlung, das Autorin Sabine Weiss so geschickt mit der Krimihandlung verwoben hat, dass wei bei einem Puzzle alles genau zusammenpasst.

Ein mehr als runder Fall, ich wäre niemals auf die Auflösung gekommen. Ob Sie jetzt hier oder mit einem anderen Band starten, ich könnte mir vorstellen, dass sie wie ich diese Reihe, bei der sich die Protagonistin dank zahlreicher Alleinstellungsmerkmale von der Masse abhebt, lieben werden. . Auf den nächsten Fall freue ich mich jedenfalls schon jetzt!

Veröffentlicht am 23.05.2022

Eine Biographie in Rezepten!

Geschmack pur!
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in ungewöhnlicher Ansatz ist es, den der Sternekoch Thomas Rach hier mit seinem neuen Kochbuch verfolgt.

Es macht uns alle, die wir ihm auf seinen vielen von Rezepten flankierten Stationen des Lebens ...

in ungewöhnlicher Ansatz ist es, den der Sternekoch Thomas Rach hier mit seinem neuen Kochbuch verfolgt.

Es macht uns alle, die wir ihm auf seinen vielen von Rezepten flankierten Stationen des Lebens begleiten, zu seinen Reisegefährten. Nicht nur durch die Restaurants, in denen er sein Handwerk erlernte bzw. in späteren Jahren arbeitete, sondern auch in die Küche seiner Mutter und das Hamburger Kinocafé, in dem er während des Studiums jobbte. Hier gibt es die Möglichkeit, schnelle, schlichte und mehr als schmackhafte Rezepte auszuprobieren, aber wer Lust hat, kann ihm bis in die Sterneküche folgen und dort das ein oder andere Gericht nachkochen.

Das werde ich nicht tun: ich werde die Beschreibungen wie bisher genießen, mich an den Fotos laben, die Erlebnisse des Meisterkochs immer wieder verfolgen. Aber es gibt auch so genug Leckeres und nicht zu anspruchsvolles, was ich uns hier zu Hause gönnen kann.

Ein interessanter, stellenweise auch bewegender und rührender Ansatz. Auf jeden Fall etwas sehr Besonderes.

Veröffentlicht am 01.05.2022

Zwei Schwestern - zwei Schicksale

Die Wahrheit und andere Erinnerungen
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Dieses Buch handelt von den Schwestern Nicole und Samantha, die in jungen Jahren mit ihrer Mutter in einen Autounfall verwickelt waren, der zwar glimpflich ausging, aber dem Leben aller Beteiligten eine ...

Dieses Buch handelt von den Schwestern Nicole und Samantha, die in jungen Jahren mit ihrer Mutter in einen Autounfall verwickelt waren, der zwar glimpflich ausging, aber dem Leben aller Beteiligten eine neue Richtung gab. Denn danach trennten sich die Eltern Tina und Craig und die Töchter wuchsen jeweils bei einem Elternteil auf.

Ein Roman in Rückblenden, geschildert aus den Perspektiven beider Schwestern, doch auch andere Sichtweisen werden eingeblendet: die von den Partnern der Schwestern, der Eltern und der beiden anderen Frauen des Vaters.

Ich war sicher, dass dies ein trauriger Roman ist, doch das ist nicht der Fall. Stellenweise natürlich, doch ist es auch ein Buch, das neue Welten im Leben ganz normaler Menschen entdeckt, vieles aufdeckt, das man nie für möglich gehalten hätte.

Ein Buch über Wahrheiten und Lügen - und darüber, wie man sich selbst am meisten belügen kann. Die australische Autorin Imbi Neeme ist eine kraftvolle Stimme, die für Frauen aller Kontinente spricht. So sehe ich das jedenfalls!

Veröffentlicht am 25.04.2022

Ein warmherziges und kluges Buch

Großer Panda und Kleiner Drache
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Der große Panda und der kleine Drache sind gemeinsam unterwegs. Sie sind Weggefährten, ja Freunde.

Wie in vielen solchen Zweierkonstellationen nehmen sie jeweils eine Rolle ein: der kleine Drache ist ...


Der große Panda und der kleine Drache sind gemeinsam unterwegs. Sie sind Weggefährten, ja Freunde.

Wie in vielen solchen Zweierkonstellationen nehmen sie jeweils eine Rolle ein: der kleine Drache ist der Zweifler, der Ängstliche, der große Panda hingegen derjenige, der stets die positive Perspektive zu formulieren vermag. Er sieht das Gute in jeder Entwicklung und vermag es eindringlich und klug zu formulieren.

Durch die Zweifel und die Gedanken des kleinen Drachen erst auf den Weg gebracht, formuliert der große Panda ganz wundervolle Ideen und Gedanken.

So ermutigt er bspw. den kleinen Drachen, seinen eigenen Weg zu finden, auch wenn dieser von anderen nicht gemocht wird. In dem Fall sei es vorzuziehen, andere zu verlieren statt sich selbst. Am besten hat mir die Antwort des Großen Panda auf die Frage des kleinen Drachen, was er denn tue (S.63) gefallen. "Keine Ahnung", sagt der Große Panda, "aber es macht großen Spaß".

Genauso viel Spaß bereitet das Durchblättern, Schauen und Lesen durch dieses lebenskluge und so warmherzige Buch!