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Veröffentlicht am 05.07.2017

Fluffig leichter Unterhaltungsroman, auch als Urlaubsschmöker gut geeignet. Leider aber ohne viel Tiefgang

Landliebe
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Die Münchnerin Ellie hat momentan wirklich kein Glück. Erst verliert sie ihren Job und dann schändet sie, ohne es nur zu ahnen, ein teures Modern Art Kunstwerk, das ihr neuer Arbeitgeber erst einen Tag ...

Die Münchnerin Ellie hat momentan wirklich kein Glück. Erst verliert sie ihren Job und dann schändet sie, ohne es nur zu ahnen, ein teures Modern Art Kunstwerk, das ihr neuer Arbeitgeber erst einen Tag zuvor vom Künstler erhalten hatte. Und wieder steht sie nun ohne Arbeitsstelle dar- dazu auch noch mit fast zehntausend Euro Schulden.

Was soll sie nur tun? Gut, dass eine ihrer Freundinnen beim Fernsehen arbeitet. Diese sucht nämlich noch händeringend nach einer neuen Kandidatin für die Kuppelshow „Landliebe“. Ellies Gage würde genau zehntausend Euro betragen, somit wäre Ellie ihre Schulden auf einen Schlag los. Sie lässt sich also überreden, für vier Wochen eine heiratswillige Kandidatin zu mimen- ahnt jedoch nicht, worauf sie sich eingelassen hat. Denn sie muss für die Show nicht nur knappe Dirndl und High Heels tragen und geschminkt wie ein Pfingstochse herumlaufen, sondern auch noch ihr Gehirn auf Urlaub schicken. Gewünscht ist nämlich eine möglichst naiv und minderbemittelt wirkende Kandidatin, die den Weinbauern Tom dermaßen umschwärmt, dass dieser sich Hals über Kopf in sie verliebt.

Doch einen Haken an der Sache gibt es- Tom ist leider kein gewöhnlicher Kandidat. Er macht bei dieser Farce von Fernsehkuppelshow lediglich mit, weil er dringend die großzügige Gage benötigt, damit er sein Weingut, das sich seit vielen Jahrzehnten in Familienbesitz befindet, halten kann. Missernten haben es nämlich an den Rand des Ruins getrieben. Zudem will sich sein erbitterter Widersacher Marcus, der im gleichen Ort lebt, Toms Weingut unbedingt unter den Nagel reißen und schreckt dabei vor keiner Schandtat zurück. Als Tom Ellie zum ersten Mal begegnet, ist er erschreckt über ihre grell geschminkte Optik und ihre sehr enge Bekleidung. Ihm wäre die andere Kandidatin lieber, doch die ist leider nur eine Schauspielerin, eine Staffage, für die er sich nicht entscheiden darf.

Obwohl Ellie überaus freundlich ist, versucht Tom ihr anfangs, so gut es geht aus dem Wege zu gehen, doch das ist nicht so einfach, denn Ellie hat es sich in den Kopf gesetzt, auf seinem Hof mitzuarbeiten. Selbst ein harter Tag in den Weinbergen schreckt sie nicht ab, wobei sie zur Arbeit tatsächlich ohne aufreizende Kleidung und aufwendiges Make Up erscheint. Zwar gefällt Tom, was er nun vor sich sieht, doch fürchtet er sich vor Gefühlen oder Komplikationen. Schließlich hat ihn seine letzte Freundin Knall auf Fall verlassen, weil sie es nicht aushielt auf dem Land. Und einer Stadtpflanze wie Ellie kann es doch nur genauso gehen, oder?

Aufmerksam geworden auf den Roman „Landliebe“, bin ich nicht nur wegen des fröhlich poppigen Covers, sondern vor allem, weil man es hier mit einem Liebesroman zu tun bekommt, der in der Moselregion spielt. Da enge Verwandte von mir aus dieser Region stammen und ich schon selbst oft dort war, erhoffte ich mir also locker leichte, fluffige Unterhaltungslektüre, die mich in Urlaubsstimmung versetzen würde. Und tatsächlich wurden meine Erwartungen erfüllt, allerdings mit wenigen Einschränkungen. Zum einen hätte der Roman überall auf dem Land spielen können, weil die Autorin viel zu wenig Wissen über den Weinbau einfließen lässt. Und auch die Beschreibungen der Moselregion waren eher spärlich zu nennen, was ich total schade empfand. Dann hatte ich zudem ein Problem mit dem Romanhelden Tom. Er benimmt sich nicht nur störrisch, das hätte mich nicht wirklich gestört beim Lesen, sondern in gewissen Situationen sogar ziemlich unverschämt- sein schlechtes Benehmen zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch. Obwohl Ellie die Freundlichkeit und Güte in Person ist, benimmt er sich mehr wie eine unmündige „Rotzgöre“, als ein erwachsener Mann; letztendlich besagt die Storyline ja, dass er, genau wie Ellie, auf die Gage der Show angewiesen ist. Und solch ein Verhalten ist dann einfach unglaubwürdig.

Während ich die Romanheldin Ellie eigentlich gerne mochte, allerdings nicht nachvollziehen konnte, wieso sie sich in dem mürrischen Tom überhaupt verliebt, entwickelte ich immer mehr Antipathie gegen den Romanhelden, so leid es mir für die Autorin und ihren Roman auch tut.

Die Autorin kann definitiv gut schreiben, die Story liest sich lockerleicht und wenn man ein Buch nach dieser Erwartungshaltung auswählt, wird man hier ganz auf seine Kosten kommen. Ich hätte mir jedoch ab und an etwas weniger Vorhersehbarkeit und dafür mehr Tiefgang gewünscht. Selbst gewisse Konflikte lösen sich schnell und unproblematisch in Wohlgefallen auf und echte Spannungselemente sucht man hier vergebens, da die Rahmenhandlung um Toms Nebenbuhler viel zu knapp und lieblos abgehandelt wurde. Bedenkt man meine Kritikpunkte, könnte man meinen, dass ich mich beim Lesen lediglich durch das Buch gequält hätte. Doch eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Wer reine, leichte Unterhaltungslektüre im Stile eines „Sat 1 Filmfilms“ sucht, wird sich mit „Landliebe“ wunderbar amüsieren, denn die Story ist durchaus humorig und kurzweilig geschrieben. Mehr sollte man jedoch nicht erwarten.

Veröffentlicht am 08.06.2017

Solider Liebesroman, mit einer leider hauchdünnen Story und einem sympathischen Heldenpaar, das aber oftmals völlig irrational agiert

Dirty, Sexy, Love
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Alex hat beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen und Eric, ihre Onlinebekanntschaft zum Geburtstag zu überraschen, da er sich schon eine Weile rar bei ihr gemacht hat per E-Mail.

Sie platzt, aufgebrezelt, ...

Alex hat beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen und Eric, ihre Onlinebekanntschaft zum Geburtstag zu überraschen, da er sich schon eine Weile rar bei ihr gemacht hat per E-Mail.

Sie platzt, aufgebrezelt, mitten hinein, in die Party, die zu Erics Ehren in der „Dive-Bar“ gegeben wird. Doch Eric erkennt sie nicht, was Alex fassungslos werden lässt. Mit wem hat sie sich denn dann nur die vielen Monate ausgetauscht? Die Antwort auf ihre Frage, lässt nicht lange auf sich warten. Joe, der bärtige, langmähnige Bruder von Eric, gibt Alex gegenüber zu, dass er Erics Profil benutzt hat. Eigentlich anfangs nur, um seinem Bruder, dem Kindskopf, einmal eine vernünftige Freundin zu suchen. Doch dann wurde Alex im Laufe der Zeit zu einer echten Vertrauten für Joe und er brachte es nicht über sich, Alex die Wahrheit zu gestehen.

Alex ist außer sich vor Wut und stöckelt verärgert davon. Dumm nur, dass zwischenzeitlich ein Unwetter aufgezogen ist und sich nun wahre Sturzbäche über sie ergießen. Bis sie das einzige Hotel im Ort gefunden und eingecheckt hat, ist sie bereits vollkommen durchnässt und durchgefroren und wacht am nächsten Morgen mit einer dicken Erkältung auf, die sich im Laufe des Tages, den Alex eigentlich zur Abreise nutzen wollte, verschlimmert. Als Joe vor ihrer Hotelzimmertür steht, um sich zu entschuldigen und sie zum Frühstück überredet, lässt sich Alex einladen. Doch während des Frühstücks geht es ihr immer schlechter und sie bricht kurz darauf zusammen. Joe entpuppt sich als Retter in der Not und umsorgt sie in den nächsten Tagen, wie ein guter Freund. Obwohl Alex immer noch sauer ist, wegen seiner Lügerei, beschließt sie Joe eine Chance zu geben und noch ein paar Tage zu bleiben. Sie stellt fest, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben, doch dann taucht Joes Ex-Freundin auf und auch Eric, ist alles andere als angetan davon, dass Alex plötzlich so viel mit Joe zusammen ist…

Nachdem ich so begeistert war, vom Auftaktband der neuen „Dive-Bar“ Reihe von Kylie Scott, habe ich mich so sehr auf die Fortsetzung gefreut, in der nun Joe, Erics Bruder, die Frau fürs Leben findet. Nach dem Knalleffekt anfangs, als Alex entdeckt, dass sie die ganze Zeit über mit Erics Bruder E-Mails ausgetauscht hat und den Romanpassagen, in denen Joe Alex gesund pflegt, flaut die Geschichte leider immer mehr ab und plätschert spannungslos vor sich hin. Zugegeben, die Liebesszenen zwischen dem Heldenpaar mögen, wie man es von der Autorin gewohnt ist, „hot“ sein, doch ein „Bad Boy“ ist Joe absolut nicht. Eher der Typ romantischer, haariger Kuschelbär, der keinen Hehl daraus macht, es mit Alex ernst zu meinen.

Daher fand ich die Weiterentwicklung der Storyline ziemlich unglaubwürdig. Plötzlich ist Joe, der so pflichtbewusst und aufrichtig in allen Lebenslagen ist, (abgesehen von seiner E-Mail Schummelei) sich nicht mehr sicher was er will und schweigt sich einfach aus- benimmt sich also ziemlich unredlich, Alex gegenüber. Dass Alex nun trotz allem bei ihm ausharren will, obwohl er sie so verletzt hat, spricht nicht gerade für Alex Intelligenz, leider. Und für den Leser ist das Verhalten der Heldin ebenfalls absolut nicht nachvollziehbar. Die tragischen Ereignisse, die gegen Ende des Romans geschehen, die das Heldenpaar aber eigentlich nicht unmittelbar betreffen, nutzt die Autorin dann für einen letzten Zwist zwischen Alex und Joe, auf den sie meiner Meinung nach lieber hätte verzichten sollen.

Süß, aber etwas belanglos geschrieben, fand ich den E-Mailkontakt des Heldenpaars, der bevor sie sich persönlich kennenlernen, stattfand, doch immerhin bekommt man so zumindest das Gefühl, dass Alex und Joe viele Gemeinsamkeiten miteinander haben.

Die Liebesgeschichte ist an sich nicht schlecht geschrieben, kommt aber leider ohne echte Überraschungsmomente daher, so dass ich nicht unbedingt beim Lesen an der Geschichte kleben bleiben wollte. Ein echter Lesesog stellte sich also nicht bei mir ein und selbst kleine, witzige Auftritte von „Stage Dive“ Mitgliedern, konnten mich dann nicht mehr aufmuntern. 3.5 von 5 Punkten.

Veröffentlicht am 26.01.2026

Erotisches Histo-Romance Lesehäppchen, allerdings auch (zu) modern, für meinen Geschmack, geschrieben

Die gekaufte Braut des Duke
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London 1812:

Sebastian Rockliffe, Duke of Loxchester, staunt nicht schlecht, als er einer äußerst sonderbaren Brautversteigerung auf dem Lande beiwohnt. Ein Schafhirt ist seiner Gattin überdrüssig geworden ...

London 1812:

Sebastian Rockliffe, Duke of Loxchester, staunt nicht schlecht, als er einer äußerst sonderbaren Brautversteigerung auf dem Lande beiwohnt. Ein Schafhirt ist seiner Gattin überdrüssig geworden und möchte sie weitergeben. Sebastian entscheidet impulsiv mitzubieten, weil er die Chance sieht, seiner Mutter zuvorzukommen, die ihn in eine arrangierte Ehe drängen will. Er bietet eine wahnwitzig hohe Summe für die vermeintlich bürgerliche Schafhirtin, die zehn Meilen gegen den Wind riecht und nimmt sie mit, nachdem er sie ersteigert hat.

Emma kann es nicht fassen, dass sie als Racheobjekt dienen soll und obwohl sie Sebastian eigentlich verachten möchte, hat er etwas an sich, dass sie fasziniert. Sie verschweigt ihm, dass sie keinesfalls eine Bürgerliche ist und dass sie von ihrem echten Gatten vorgeführt werden sollte bei dieser Brautversteigerung, weil sie in Sebastian eine Chance sieht, von ihrem Mann fortzukommen, der sie so schändlich und lieblos behandelt hat….


„Die gekaufte Braut des Dukes“ von Mariah Stone ist eine unterhaltsame, erotische Histo-Romance der neuen Generation, sprich, wenn man sich mit modernem Schreibstil, bzw. Ausdruckweise arrangieren kann, wird man den Roman sicherlich besser bewerten, als ich. Interessant fand ich jedoch die Tatsache, dass es sich bei dieser Art Brautversteigerung nicht um reine Fiktion handelt. Tatsächlich war es wohl (allein!!!) unter armen Bürgerlichen oftmals Brauch, wenn man eine unglückliche Ehe führte, seine Gattin weiterzuversteigern, allerdings mit deren Einverständnis, weil eine Scheidung zu teuer gewesen wäre. Dieses Prozedere wurde von der Gerichtsbarkeit zähneknirschend geduldet.
Nichtsdestotrotz mochte ich die Ausgangssituation nicht wirklich, aber das ist ja nicht der Autorin anzulasten, sondern alleinige Geschmackssache.

Der Roman umfasst etwas über 150 Seiten Länge und ist, so weit ich es nachgelesen habe, eine Art Prequel zur „Dukes & Secrets“ Reihe. Ich hatte seinerzeit gleich mehrere Bücher der Autorin gekauft, unter anderem diesen Roman und „Tatsächlich Duke“, den dritten Teil der „Dukes & Secrets“ Reihe, der leider so gar nicht meinen Lesegeschmack treffen konnte. „Die gekaufte Braut des Dukes“ gefiel mir zwar im Gegensatz dazu ein Tickchen besser, doch fehlte mir für eine bessere Bewertung mehr Tiefe. Die Figuren mögen sympathisch gestrickt sein und man kann durchaus auch Sebastians Trauma nachvollziehen, doch fand ich das Timing der erzählten Liebesgeschichte nicht so geglückt. Zu schnell ist die große Liebe da und das obwohl noch so viele Geheimnisse zwischen den beiden stehen. Andererseits offenbart sich Sebastian, Emma viel zu schnell in Bezug auf sein familiäres Trauma; das passte nicht. Die Autorin drückt sich sehr gut aus, doch benutzt sie zu moderne Ausdrücke, die mich beim Lesen rausgeworfen haben. Ob einem der Roman gefällt hängt praktisch von der Erwartungshaltung des Lesers ab. Will man ein erotisches, unterhaltsames Histo-Romancehäppchen lesen, kann man durchaus einen Versuch wagen.
Richtig toll finde ich jedoch durchweg die Covergestaltung der Romane, die mich erst aufmerksam haben werden lassen auf die Bücher der Autorin.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Sowohl die Liebesgeschichte zwischen Phin und Mina, als auch die Nebenhandlung ziehen sich sehr in die Länge

Die Wahrheit deiner Berührung
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Eigentlich sollte Phineas Granville, ein englischer Spion, bereits längst von seinem Auftraggeber Ridland aus Hongkong abkommandiert worden sein, doch dessen Order lautet nun unverständlicherweise, dass ...

Eigentlich sollte Phineas Granville, ein englischer Spion, bereits längst von seinem Auftraggeber Ridland aus Hongkong abkommandiert worden sein, doch dessen Order lautet nun unverständlicherweise, dass Phin auf der Party des zwielichtigen Geschäftsmannes und eiskalten Ganoven Gerard Collins der Dinge harren soll, die da möglicherweise noch kommen. Missmutig hält sich Phin an einem Glas Brandy fest, als sich ihm die schöne Stieftochter von Collins, Mina Masters, die bereits in den Tagen zuvor ein Auge auf ihn geworfen hat, nähert. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie Phin will, doch Phin ist obwohl er Mina durchaus attraktiv findet, abgestoßen von ihrer eindeutigen Avancen und ihrem naiven, dummen Geplapper, das ihm den letzten Nerv raubt. Bevor er sich entfernen kann, schwinden ihm die Sinne, da sich in seinem Brandy Gift befand. Was Phin nicht ahnt- seine Tarnung ist aufgeflogen und er verdankt es lediglich Minas beherztem Eingreifen, die ihm kurz nach seinem Zusammenbruch, eine Art Gegenmittel verabreicht, dass er in letzter Minute vor Collins und seinen Schergen fliehen kann.

Vier Jahre vergehen in denen sich Phin immer wieder fragt, wie es Mina in der Zwischenzeit ergangen ist, nachdem ihr Stiefvater festgenommen wurde.
Mittlerweile hat Phin einen Adelstitel geerbt und braucht somit keine Dienste mehr für Ridland erledigen. Dennoch kann er keine Ruhe finden. Die Morde, die er im Auftrag der Krone und Ridlands begehen musste, lasten schwer auf seinem Gewissen und so sucht er schließlich Vergessen indem er Drogen nimmt.

Nachdem sich Mina und ihre Mutter ein neues Leben in England aufgebaut haben, gelingt es Minas Stiefvater aus dem Gefängnis zu flüchten und ihre Mutter zu entführen. Mina wird Ridlands Gewahrsam überstellt, der die junge Frau gegen ihren Willen in seinem Haus gefangen hält. Um einen Ausweg aus ihrer Misere zu finden, bittet sie Ridland darum Phin herzubestellen. Im Gegenzug will sie kooperieren und Ridland mitteilen, wo sich ihr Stiefvater eventuell aufhalten könnte. Während Ridland Phin rufen lässt, gelingt es Mina aber mit Hilfe eines Angestellten zu fliehen. Doch Phin findet sie und schon wieder ist sie ein Spielball in den Händen der Männer; glaubt sie zumindest. Während Phin vermutet, dass Ridland Mina als Köder eingesetzt hat und diese mit Ridland unter einer Decke steckt, versucht Mina verzweifelt Phin klarzumachen, dass sie völlig unschuldig ist. Wird es ihr gelingen Phins Vorurteile zu entkräften?

Meine Einschätzung:

Ich liebe Meredith Durans Historicals, da sie neben einem sehr anspruchsvollen, eleganten und zeitgemäßen Schreibstil zumeist mit sehr ungewöhnlichen und vielschichtigen Romancharakteren aufwarten kann. Obwohl beides auch in „Die Wahrheit Deiner Berührung“ zum Tragen kommt, fand ich leider nicht so sehr den Zugang zum Roman, wie es beim Vorgängerband „Rühr nicht an mein dunkles Herz“, der Fall war. Zudem zieht sich die Handlung ab etwa Seite 150 sehr in die Länge, da die Autorin sich beträchtlich in der Darstellung der Gefühlswelt ihrer Protagonisten ergeht, was in diesem Fall einfach „too much“ war.

Sicherlich mögen Phin und Mina keine einfachen Charaktere sein und man kann dank Meredith Durans Ausdruckskraft, deren Ängste und Nöte gut nachvollziehen, (vor allem was sie zu den Personen hat werden lassen die sie nun sind) doch ehrlich gesagt fand ich die immerwährenden Wiederholungen von Minas Ängsten, sich einem Mann auszuliefern oder Phins Qualen, (der im Auftrag der Krone als seelenlose Tötungsmaschine agieren musste, was ihm auch nach seiner aktiven Spionagelaufbahn noch verfolgt) irgendwann nur noch überflüssig und uninteressant.

Sowohl die Liebesgeschichte zwischen Phin und Mina, als auch die Nebenhandlung ziehen sich sehr in die Länge, weil sie in einem recht gemächlichen, fast schleppenden Tempo erzählt werden und selbst die auf hohem Niveau erscheinenden, geschliffenen und hintersinnigen Dialoge von Mina und Phin konnten meine Aufmerksamkeit nicht mehr lange fesseln. Die Suche nach Mutter und Stiefvater von Mina fand ich ebenfalls recht langatmig und zäh beschrieben, so dass selbst die amüsante und spritzige Szene im Zug diesen Roman meiner Meinung nach nicht mehr vor seiner Mittelmäßigkeit retten konnte, so leid es mir als Fan von Meredith Durans Romanen auch tut.
Dagegen hat mir die Charakterisierung von Mina sehr gut gefallen; eine clevere Frau, die in der Öffentlichkeit sehr überzeugend das Dummchen mimt und die selbst den Helden des Romans eine ganze zeitlang in die Irre führt.
Meredith Duran hat schon mehrmals bewiesen, dass ein historischer Liebesroman aus ihrer Feder so viel mehr sein kann, als andere allgemeine Unterhaltungs- und Frauenlektüre. Vor allem in Sachen Ausdrucksstärke, Tiefe und geschliffenem Schreibstil kann ihr im Historicalbereich momentan kaum jemand das Wasser reichen, finde ich. Doch diesmal krankt ihr aktueller Historical an der Langsamkeit des Erzählens und dem recht belanglos gestrickten Verlauf der Story, nachdem der Roman auf den ersten hundertfünfzig Seiten so vielversprechend begann.
Zuletzt noch ein kurzes Wort zur Übersetzung. Zwar ist diese im Großen und Ganzen als gelungen zu bezeichnen, doch ein „Hallihallo“ als Begrüßung oder einige Rechtschreibfehler innerhalb des Textes, sind mir dann doch etwas sauer aufgestoßen.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Die Autorin hat Talent zum Schreiben, doch leider konnten mich der Roman und seine Figuren zu keinem Moment berühren

Mein Leben in 80 B
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Ilse ist seit vielen Jahren mit dem rothaarigen Antonio verheiratet und hat mit ihm zwei Kinder. Während Hanna bereits im Teeniealter ist, hängt der zehnjährige Tom noch sehr an seiner Mutti und versucht ...

Ilse ist seit vielen Jahren mit dem rothaarigen Antonio verheiratet und hat mit ihm zwei Kinder. Während Hanna bereits im Teeniealter ist, hängt der zehnjährige Tom noch sehr an seiner Mutti und versucht sie dazu zu überreden, nicht zum 40.Geburtstag ihrer besten Freundin Elissa nach Sylt zu fahren, wo sie ein paar Tage bleiben möchte. Doch Toni bestärkt Ilse in ihrem Wunsch einmal auszuspannen, mit ihrer Freundin ungestört klönen zu können und so fährt Ilse tatsächlich. Das Essen, das für Elissas Geburtstagsparty gekocht wird, kommt vom knackigen und gut aussehenden Koch Oke, der zwar zunächst recht wortkarg ist, aber dann zunehmend aufblüht, als er in Ilse eine Feinschmeckerin erkennt. Obwohl Oke um die zehn Jahre jünger ist als Ilse, fühlt sie sich von Oke angezogen. Doch was hat das zu bedeuten? Eigentlich dachte Ilse bis vor kurzem, dass sie eine glückliche Ehe führt und ihren Mann über alles liebt. Ist das nur der Wunsch nach etwas Neuem, oder was steckt dahinter? Als sie wieder zu Hause angekommen, befürchten muss, dass Toni ebenfalls auf Freiersfüßen tappt, kommt sie das erste Mal so richtig ins Grübeln…

Meine Einschätzung:

„Mein Leben in 80B“ handelt von einer Ehefrau, die eigentlich all das hat, was andere sich wünschen; allerdings hat sich in den Jahren in denen sie verheiratet ist, ein wenig die Alltagsroutine eingeschlichen und so überdenkt sie ihre Ehe schließlich, als sie den bedeutend jüngeren Oke kennen lernt, der sie bewundert, was ihr unheimlich schmeichelt.

Im Grunde fand ich die Ausgangssituation des Romans sehr interessant, doch leider hat mir die Umsetzung des Ganzen dann doch nicht so sehr zugesagt, wie ich es mir gewünscht hätte.

Zum einen hatte ich das Problem, dass ich sowohl Ilse als auch ihre Freundin Elissa als recht unsympathische Charaktere empfunden habe, die von allen agierenden Figuren in diesem Buch die meisten Romanpassagen beherrschen. Vor allem Elissas Rat an Ilse, sie solle sich auf ihrem 40.Geburtstag mal ruhig austoben und eventuell sogar eine Affäre eingehen, fand ich ziemlich seltsam. Keine echte Freundin würde so etwas ihrer besten Freundin raten, sondern sie erst einmal darin bestärken über ihr Leben und ihre Beziehung/Ehe nachzudenken. Auch Ilses Verhalten, als sie befürchtet, dass ihr Mann fremdgeht, konnte ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Zuerst ihre Schmollerei und dann am Ende dieser Wutanfall, den sie wenige Tage später in seinem Beisein bekommt, anstatt ihn erst einmal von ihrem Verdacht zu erzählen und ihn zu fragen, ob er wirklich eine Affäre hat… das war für meinen Geschmack dann doch zu konstruiert, als wolle die Autorin auf Biegen und Brechen versuchen, zusätzliche Eheprobleme zu schaffen, wobei die Auflösung des Ganzen dann auch unheimlich schnell und unspektakulär abgehandelt wurde.

Im Grunde fehlt es dem Roman an tiefgründigen Gesprächen zwischen dem Ehepaar; auch wenn die Romanidee interessant war, hat sich die Autorin leider zuviel mit unwichtigen Nebensächlichkeiten aufgehalten (zum Beispiel die Aufzählung diverser Dessous, da Ilse in ihrer Freizeit Dessous auf Dessous-Parties verkauft, die Sache mit ihrer dünnen und unsympathischen ehemaligen Mitschülerin Sylvia, oder auch Ilses Shoppingbummel auf Sylt bei dem sie verschiedene Läden besucht, der für Lokalkolorit sorgen soll, leider aber für mich sehr langweilig zu lesen war) und den wirklich wichtigen Dingen (Ilses Seelenpein weil sie sich zu einem anderen hingezogen fühlt, ihrem schlechten Gewissen Toni und ihren Kindern gegenüber und die Aussprache zwischen Ilse und Oke) zu wenig Seitenzahlen gewidmet.

Die Autorin hat Talent zum Schreiben, doch leider konnten mich der Roman und seine Figuren zu keinem Moment berühren. So ist es leider nur nette Strandlektüre geworden, bei der man als Leser Tiefgang vermissen wird, was ich sehr schade fand.
Ein Pluspunkt dagegen sind die interessanten Rezepte auf den letzten Seiten des Romans

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