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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2022

Definitiv kein Thriller, sondern ein dystopischer Roman

Das U-Boot
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Ehrlich gesagt weiß ich nicht warum „Das U-Boot“ des Autoren Hans Leister ins Genre Thriller eingeteilt wurde. Nur weil die Handlung auch spannende Momente bereithält, reicht es meiner Meinung nach noch ...

Ehrlich gesagt weiß ich nicht warum „Das U-Boot“ des Autoren Hans Leister ins Genre Thriller eingeteilt wurde. Nur weil die Handlung auch spannende Momente bereithält, reicht es meiner Meinung nach noch lange nicht aus ein Buch als Thriller zu bezeichnen. Wer also eine atemlose und super spannende Geschichte erwartet wird hier eher enttäuscht werden. Allerdings hat das Buch durchaus seine Stärken und konnte mich dadurch auch fesseln. Die ersten 160 Seiten passiert erst einmal recht wenig. Es geht ausführlich um den Alltag auf einem militärischen U-Boot, dem Leben in Israel und dem Gazastreifen und um das familiäre Geschehen rund um die beiden Hauptprotagonisten. Meisterhaft recherchiert hält der Autor hierbei zahlreiche technische Details und ausführliche Beschreibungen bereit. Hier spürt man seine Faszination für das U-Boot, aber auch wenn sich die Handlung flüssig las, hätte der richtig spannende Teil gerne schon früher beginnen können. Ab dem Zeitpunkt der Katastrophe wurde es nämlich erst richtig packend. Die Geschichte nimmt deutlich an Tempo auf und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Zwar gibt es auch hier vielfältige technische und naturwissenschaftliche Details, diese empfand ich allerdings zumeist als interessant und sie bremsten meinen Lesefluss auch nicht aus. Gut gefiel mir außerdem nicht nur die mitreißende Handlung, sondern auch mehrere unerwartete Wendungen, sowie die authentischen Charaktere. Ein recht großer Zeitsprung am Ende der Handlung war dann wieder für meinen Geschmack zu viel des Guten. Würde ich das Buch allein nach dem Mittelteil bewerten, bekäme es auf jeden Fall 5 Sterne. Durch den gemächlichen Einstieg und das irritierende Ende, gibt es allerdings einen Stern Abzug.

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Veröffentlicht am 09.06.2022

Zauberhafter Roman, voller besonderer Lebensgeschichten

Für immer und noch ein bisschen länger
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„Für immer und noch ein bisschen länger“ von Barbara Leciejewski wäre für mich eigentlich ein klares 5 Sterne Buch geworden. Allerdings gab es eine Sache, welche die perfekte Geschichte und meine Lesevergnügen ...

„Für immer und noch ein bisschen länger“ von Barbara Leciejewski wäre für mich eigentlich ein klares 5 Sterne Buch geworden. Allerdings gab es eine Sache, welche die perfekte Geschichte und meine Lesevergnügen soweit gestört haben, so dass ich dafür bedauerlicherweise einen Stern abziehen muss. Die Handlung beginnt Anfang des Jahres 2020 und in die wirklich wundervolle Geschichte drängt sich leider immer wieder das Thema Pandemie. Zwar wird der Virus nicht beim Namen genannt, dennoch hat mich die mehrmalige Erwähnung von Maßnahmen und Auswirkungen tatsächlich gestört. Ich lese Romane vor allem deshalb, um in eine andere Realität abzutauchen und so war mir dieses Thema einfach zu nah dran. Vor allem ist das Thema auch nicht essentiell wichtig für die Geschichte, diese hätte auch wunderbar ohne eine Erwähnung funktioniert, weswegen ich die Entscheidung der Autorin nicht verstehen kann. Ansonsten ist das Buch nämlich einfach nur perfekt. Sehr liebenswert erzählt, wirkt die Handlung wie aus dem Leben gegriffen, wobei die Protagonist:innen schnell mein Herz eroberten. Und auch wenn die meisten Kapitel aus Annas Sicht erzählt werden, kommt man hier auch den anderen Charakteren sehr nahe. Richtig emotional wird die Handlung auch durch die Erzählung der unterschiedlichen und bewegten Lebensgeschichten der WG-Bewohner:innen. Die Rückblicke sorgten ordentlich für Abwechslung, aber auch die übrigen Erzählstränge las ich richtig gerne. Obwohl sehr unterschiedliche Lebensthemen (Verlust, Trauer, Angststörung, Behinderung, und weitere) aufgegriffen werden, wirkt die Geschichte keinesfalls überladen und war rundum stimmig. Auch der Schreibstil gefiel mir richtig gut. Angenehm zu lesen, beschreibt er alles dennoch ausführlich und bildhaft. Da viele Gründe für das Buch sprechen, empfehle ich es allen weiter, die mit einem gewissen Virus in der Geschichte kein Problem haben.

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Veröffentlicht am 04.06.2022

Wohlfühlroman mit beschaulicher Atmosphäre und einer bezaubernden Geschichte

Die kleine Buchhandlung im alten Postamt
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Auch in ihrem neuen Roman „Die kleine Buchhandlung im alten Postamt“ entführt uns Autorin Rachael Lucas wieder ins idyllische englische Dorf Little Maudley mitten in den Cotswolds. Besonders gefreut habe ...

Auch in ihrem neuen Roman „Die kleine Buchhandlung im alten Postamt“ entführt uns Autorin Rachael Lucas wieder ins idyllische englische Dorf Little Maudley mitten in den Cotswolds. Besonders gefreut habe ich mich dabei über das Wiedersehen mit zahlreichen bekannten Protagonist:innen aus ihrem vorherigen Roman „Die kleine Bücherei in der Church Lane“. Die Hauptrollen spielen diesmal allerdings andere Charaktere, weswegen die beiden Bücher auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Im Vergleich gefiel mir das vorhergehende Buch zwar einen Ticken besser, aber auch dieser neue Roman liest sich total schön und macht einfach nur Spaß. Der Schreibstil liest sich sehr angenehm ist nicht zu einfach gehalten, schmückt aber auch nichts mehr als nötig aus. Dennoch konnte ich mir alles gut vorstellen, entdeckte manchen bekannten Ort wieder, wobei die Akzente der Handlung durchaus anders gesetzt wurden. Hauptprotagonistin Hannah bringt nämlich schon etwas Lebenserfahrung und auch einen Sohn im Teenageralter mit. Auch dadurch erscheint die Handlung richtig realistisch, wobei es dennoch nie langweilig wurde. Aufgewertet wird die Geschichte auch dadurch, dass sie einen längeren Zeitabschnitt abdeckt und sich so manche Beziehung nachvollziehbar entwickeln kann. Somit ist der Roman für alle perfekt geeignet, die eine entspannte Lektüre suchen und sich für gehaltvolle (Liebes-)Geschichten interessieren.

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Veröffentlicht am 29.05.2022

Eine Geschichte zwischen Fiktion und Autobiografie

heute graben
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Obwohl ich „heute graben“ des Autoren Mario Schlembach wirklich nur schwer in ein Genre einordnen kann, ist die Geschichte doch etwas Besonderes und genau dadurch lesenswert. Wenn man die Biografie des ...

Obwohl ich „heute graben“ des Autoren Mario Schlembach wirklich nur schwer in ein Genre einordnen kann, ist die Geschichte doch etwas Besonderes und genau dadurch lesenswert. Wenn man die Biografie des Autors allerdings näher betrachtet, zeigt sich auf jeden Fall so manche Parallele zum Erzähler seines Romans. Dieser junge Mann, der im Mittelpunkt der Erzählung steht ist ein durchaus interessanter Charakter und gibt tiefgründige Einblicke in sein Leben auf dem Land. Im tagebuchartigen Stil geschrieben, ergibt sich ein aufschlussreiches Bild über das Leben als Totengräber, zahlreiche Liebeswirren, aber auch in Bezug auf die Krankheitsgeschichte des Erzählers Mario. Stilistisch gefiel mir der Roman wirklich gut. In kurzen prägnanten Sätzen bringt der Autor nicht nur die Gegebenheiten, sondern auch so manche universelle Wahrheit auf den Punkt. Die sehr unterschiedlichen Ausschnitte aus dem Leben des Protagonisten lesen sich abwechslungsreich, wobei ich die Anekdoten rund um den Friedhof und die Beschäftigung als Totengräber besonders gerne mochte. Hier schwang immer ein wunderbar schräger, aber auch trockener Humor mit, welcher mich häufiger zum schmunzeln brachte. Etwas wuchtiger kam hingegen die Lungenkrankheit daher, welche im Verlauf des Romans zunehmend Raum einnimmt und den Fokus hin zum Düsteren verschiebt. Und auch der „Liebesgeschichte“ rund um A. und den anderen Frauen haftet stets etwas melancholisches an. So war die Lektüre ein Wechselbad der Gefühle, welches mich mal faszinierte und mal irritierte.
Mein Fazit: Hebt sich im Stil und Inhalt, deutlich von anderen Romanen ab. Eigen, aber dennoch lesenswert!

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Veröffentlicht am 21.05.2022

Schräg und amüsant – Eine Geschichte über die Herausforderungen unterschiedlicher Generationen

Einatmen, ausrasten
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Obwohl Georgie Hall ihr Buch „Einatmen, ausrasten“ eher für Frauen ab 50 geschrieben hat, kann man die Geschichte dennoch gut auch als jüngerer Mensch lesen. Die Handlung vereint nämlich nicht nur Probleme ...

Obwohl Georgie Hall ihr Buch „Einatmen, ausrasten“ eher für Frauen ab 50 geschrieben hat, kann man die Geschichte dennoch gut auch als jüngerer Mensch lesen. Die Handlung vereint nämlich nicht nur Probleme wie Menopause und Ähnliches, sondern bildet geschickt eine Brücke über alle Generationen hinweg. Obwohl die Charaktere bunt aufgestellt sind, stehen doch vor allem starke Frauenfiguren im Mittelpunkt und gerade die Dialoge zwischen Mutter Eliza und Tochter Summer gefielen mir richtig gut. Obwohl an sich gar nicht so viel passiert, liest sich die Geschichte dennoch interessant und ergibt am Ende ein stimmiges Bild. Der Fokus liegt dabei eindeutig auf unterschiedlichen Beziehungsdynamiken und dem Familiengeschehen. Neben einigen ernsten Momenten, gab es immer wieder auch sehr humorvolle Passagen und auch wenn mir die Handlung stellenweise fast schon etwas zu melodramatisch war, fühlte ich mich gut unterhalten. Die Autorin schafft es auf jeden Fall Verständnis für die sehr unterschiedlichen Probleme und Sorgen der drei Generationen zu schaffen und stellt ihr Setting in Stratford-upon-Avon als lebendigen Hintergrund dar, welcher die Geschichte zusätzlich aufwertet. Durch die dargestellte Vielfalt, findet hier wirklich jede:r eine Figur zum hineinversetzen. Der Schreibstil gefiel mir im Großen und Ganzen gut, ab und zu ergaben sich zwar Längen, dennoch mochte ich die sprachliche Umsetzung, welche mit zahlreichen Zitaten aufgepeppt war, gerne. So war „Einatmen, ausrasten“ eine durchaus amüsante Lektüre, welche den eigenen Horizont erweitert und mich vor allem durch seine ausgereiften und authentischen Protagonist:innen überzeugte. Einen Punkt Abzug gibt es für etwas zu viel Drama und einige unnötige Nebenhandlungen.

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