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Veröffentlicht am 30.05.2022

Angenehm spannende Krimiunterhaltung mit schönem Frankreichflair

Schatten über Saint-Tropez
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Der Kriminalroman "Schatten über Saint-Tropez" ist der erste Fall für Conny von Klarg von Sabine Vöhringer, der im Goldmann Verlag erscheint.

Journalistin Conny von Klarg ist gerade frisch getrennt von ...

Der Kriminalroman "Schatten über Saint-Tropez" ist der erste Fall für Conny von Klarg von Sabine Vöhringer, der im Goldmann Verlag erscheint.

Journalistin Conny von Klarg ist gerade frisch getrennt von ihrem Freund Félix und fährt für einen Reisebericht nach Saint-Tropez. Dort möchte sie ihre mütterliche Freundin und Hotelbesitzerin Simonette besuchen, doch statt sie im Hotel anzutreffen, befindet sich Simonette wegen Mordverdachts an Milliardär Henri Moreau in der Gendarmerie. Conny ist von Simonettes Unschuld überzeugt und sucht nach entlastenden Beweisen und den wahren Hintergründen des Mordfalls. Dabei stösst sie unter den Bewohnern des Küstenstädchens auf eine Mauer des Schweigens. Welche alten Geheimnisse sollen hier verborgen bleiben?

Bei diesem Krimi habe ich mich einerseits auf die wunderbare Kulisse der südfranzösichen Landschaft gefreut und außerdem auf das Kennenlernen der neuen Ermittlerin Conny von Klarg.

Conny möchte ihrer alten Freundin Simonette helfen, doch die verschweigt ihr wichtige Informationen. Was hat sie zu verbergen und welches Geheimnis möchte sie nicht ans Licht der Öffentlichkeit kommen lassen? Es ist ein etwas verzwickter Fall, weil viele Figuren involviert sind, die jeweiligen Beziehungen nicht auf Anhieb zu durchschauen sind und man nicht einschätzen kann, wer hier welche Interessen vertritt. Da gibt es Grundstücksspekulanten, die nur an ihren Profit denken und außerdem sorgen verschwundene Kunstwerke für große Fragezeichen. Ist Simonette an diesen Machenschaften beteiligt, Conny kann sich das nicht vorstellen. Aber wer hat den Milliardär Henri Moreau dann auf dem Gewissen?

Bei ihren Ermittlungen bringt sich Conny selbst in Gefahr, scheinbar bleiben ihre Nachforschungen nicht unbemerkt und dann taucht auch noch ihr Ex Félix wieder auf und ist ebenfalls im Fall unterwegs.

Der Fall ist von der Grundidee her interessant angelegt, leider entwickelt sich die Handlung durch einige Zeitsprünge und zahlreiche manchmal zu ausführlich eingebaute Nebenfiguren anfangs recht wirr. Diese unterschiedlichen Personen gedanklich zu ordnen hat mir den Einstieg in die Geschichte etwas erschwert und nur wenige sind für die Handlung wirklich wichtig. Der Einblick in Connys Leben lässt uns erfahren, wie sie Félix kennengelernt hat. Ihre Beziehung scheint nicht so harmonisch zu laufen, wie es sich Conny erhofft hat. Das Wiedersehen wühlt nun alte Erinnerungen auf.

Der roten Faden wird durch die Mordermittlung bis zum Ende durchgehalten. Für unterhaltsame Momente sorgen die stimmungsvollen Beschreibungen von Land und Leuten, von Lavendelduft und Thymia, dem erwähnten Mistral und der Küche Südfrankreichs, die beim Lesen Urlaubsgefühle aufkommen lassen. Zu diesem Flair passen auch die erwähnten Gemälde namhafter Künstler, die sich von diesem schöne Fleckchen Erde für ihre Werke inspirieren ließen.

Die Auflösung des unblutigen Falls entblättert sich Stück für Stück, Sabine Vöhringer legt durch die vielen Personen immer neue Fährten, die sich dann durch neue Wendungen als nichtig erweisen. So wird es insgesamt spannend, aber es ist schwierig, eigene Lösungsmodelle zur Tat zu entwickeln. Trotzdem habe ich diesen Krimi bis zum Ende gefesselt verfolgt und bin gespannt, wie sich Conny in ihrem nächsten Fall schlagen wird.

Ein fesselnder Urlaubskrimi, der Sehnsucht nach Saint-Tropez aufkommen lässt und mit der unerschrockenen Conny einfach für gute Unterhaltung sorgt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.05.2022

Venedig genießen mit allen Sinnen

Ein Bauch spaziert durch Venedig
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Im Rowohlt Verlag erscheint Vincent Klinks Erlebnis-Reiseführer "Ein Bauch spaziert durch Venedig".

Meisterkoch Vincent Klink geht mit diesem Buch auf kulinarische Entdeckungsreise in Venedig und zeigt ...

Im Rowohlt Verlag erscheint Vincent Klinks Erlebnis-Reiseführer "Ein Bauch spaziert durch Venedig".

Meisterkoch Vincent Klink geht mit diesem Buch auf kulinarische Entdeckungsreise in Venedig und zeigt uns nicht nur Kunst- und Kulturschätze, er gibt auch köstliche Einblicke in die sagenhaft köstliche venetianische Küche.

Klink reist in Richtung Venedig und nimmt uns mit in seine Stationen, Hotels und Reiserouten, die er in Wort und Bild unterhaltsam näher bringt. Er nächtigt in Südtirol, passiert die Dolomiten und schließlich spaziert er mit charmantem Plauderton durch Venedig. Dort beschreibt er anhand der Kirchen und Gebäude die Geschichte und kulturelle Entwicklung Venedigs und zeigt uns einige edle Hotels mitsamt ihrer Ausstattung und Besonderheiten. Dabei erwähnt er auch die illustren Gäste, natürlich nicht ohne die Köstlichkeiten der jeweiligen Küche zu erwähnen. Denn das ist ja sein Metier und so leidenschaftlich wie er kocht, so gern isst er auch. Dazu passt es, dass er gewissermaßen selbstironisch immer mal wieder seinen Bauch erwähnt. Daneben gibt er Anekdoten und Lebenseinblicke zu berühmtenr Dichtern und Malern (Tizian, Giotto, Tintoretto, Giorgione u.a.) zum Besten und man spürt das Lebensgefühl und die Historie so lebendig, als wäre man direkt vor Ort.

Ganz nebenbei werden einige Rezepte vorgestellt, die man der Cucina Veneziana, also der örtlichen Küche zuordnen kann. Pasta Fagioli, Risotto, Carpaccio, Pulposalat mit Limonenmarinade, geröstete Sepia, Vongole, Baccala Mantecato und einige weitere sind mitsamt der Zutatenliste und den Zubereitungshinweisen aufgeführt.

In einem Kapitel widmet sich Klink in seinen Ausfühungen insbesondere der venezianischen Küche.

Das Buch wird als kulinarisch verheißungsvolles Porträt Venetiens angekündigt und das kann ich voll und ganz unterschreiben. Es ist sehr unterhaltsam und ich konnte mir gut vorstellen, wie Vincent Klink doch etwas fußlahm entlang der sakralen Bauten durch Venedig läuft, müde auch vom reichhaltigen Essen samt Sambucca oder Wein.

Ganz nebenbei wird es interessant, denn die erwähnten Dichter, Denker und Künstler, sowie Promis sorgen für schöne Einblicke auf dieser Stadtführung, wo man Venedigs alte Architektur beschrieben bekommt. Man könnte das Buch als informativen und unterhaltsamen Reise- und Restaurantführer betiteln, wo sich Kunst-, Architektur- und Literaturinformationen neben kulinarischen Genüssen einfinden.

Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Meisterkoch so einen schönen Erzählstil besitzt und sich nicht nur der Küche Venedigs widmet, sondern sich darüber hinaus auch noch für Kunstschätze und Kulturelles interessiert und seinen Leser:innen näher bringt und damit dieses Buch in einen kulinarischen Reiseführer verwandelt. Irgendwie macht diese Lektüre nicht nur Sehnsucht nach Kunstschätzen und den schönen Gebäuden Venedigs, sondern auch sehr viel Appetit!

Veröffentlicht am 22.05.2022

Gut erzählter Unterhaltungsroman mit historisch bewegendem Kern

Die Liebenden von Nizza
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Im Goldmann Verlag erscheint Johanna Laurins Roman "Die Liebenden von Nizza".

Kunstexpertin Romy wird im Auftrag von Monsieur Fauberge von Rechtsanwalt Adam Gold als Detektivin im Fall eines verschwundenen ...

Im Goldmann Verlag erscheint Johanna Laurins Roman "Die Liebenden von Nizza".

Kunstexpertin Romy wird im Auftrag von Monsieur Fauberge von Rechtsanwalt Adam Gold als Detektivin im Fall eines verschwundenen Gemäldes angefragt. Die Aufklärung von Raubkunst liegt ihr am Herzen und so willigt sie ein und reist nach Süd-Frankreich. Dort macht sie sich mit Adam auf die Spurensuche nach dem dritten verschollenen Bild eines Triptychons, dem Gemälde "Die Liebenden von Nizza". Die anderen zwei Bilder wurden bereits gefunden und sind in einem Museum zu sehen.

"Verschwenden Sie nicht ihr Leben, Romy. Das ist der beste Rat, den ich Ihnen geben kann. Leben Sie." Zitat Seite 185

Johanna Laurin hat mit "Die Liebenden von Nizza" einen wunderschönen unterhaltsamen Roman vorgelegt, der einem verschwunden Gemälde auf die Schliche kommt, dass in den Wirren des 2. Weltkriegs in Südfrankreich verschwunden ist. Dabei lässt sie ihre Leser:innen in zwei Zeitperspektiven eintauchen. In der Gegenwart begleiten wir Kunstexpertin Romy und Anwalt Adam auf der Suche nach dem verschollenen Bild mit dem geheimnisvollen Liebespaar. Die Rückblenden führen in die Vergangenheit zwischen 1915 - 1944 und erfahren dort die Hintergründe zu Charlottes und Henris schicksalshaftem Lebensweg.

Ein sehr flüssiger, zeitbeschreibender und bildhafter Erzählstil führt durch die Handlung und fesselt bis zum Ende, um dort hinter das Rätsel und die Herausgabe des Bildes mitzuerleben. Auf atmosphärisch geschilderte Weise tauchen wir in die Zeit der Nazibesatzung und der Résistance ein und verfolgen die schreckliche Verfolgung jüdischer Menschen. Es ist ein bewegendes Bild, die Verwicklungen und Grausamkeiten der Figuren dieser Zeit mitzuerleben und es kommen einige Geheimnisse ans Licht.

Die Liebesgeschichte um Charlotte und Henri Fauberge, die Eltern von Romys Auftraggeber, wird mit der Entstehung des Gemäldes wunderbar erzählt. Die historischen Einblicke finde ich sehr schlüssig und für mich war dieser Handlungsstrang der interessantere, wobei auch die Herausgabe des Bildes sehr spannend gestaltet ist.

Dieser Roman wird eindringlich erzählt und die Vorgänge der Geschichte werden lebendig wiedergegeben. Ein wenig verliert sich für mich die Spannung im Mittelteil in den einigen Nebenhandlungen und ich konnte auch manchen Figuren nicht so nahe kommen, wie erhofft. Aber dennoch habe ich mit den Personen mitgelitten und mitgefiebert und ich habe die Schilderung der Schauplätze genossen.


Für alle Geschichtsinteressierten zeigt dieser Roman eine historisch interessante Reise nach Nizza, die mit einem Kunstraub und etwas Liebe für unterhaltsame Lesezeit sorgt. Die Bücher der Autorin kann ich allen sehr ans Herz legen.

Veröffentlicht am 16.05.2022

Schöne Liebesgeschichte mit Irlandflair und musikalischen Ohrwürmern

Ein Lied für Molly
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Claudia Winters Roman "Ein Lied für Molly" spielt in Irland und erscheint im Goldmann Verlag.

Bonnie Milligan lebt mit ihrem 6-jährigen Sohn Josh unverheiratet in Dublin, was dort nicht gerade gern gesehen ...

Claudia Winters Roman "Ein Lied für Molly" spielt in Irland und erscheint im Goldmann Verlag.

Bonnie Milligan lebt mit ihrem 6-jährigen Sohn Josh unverheiratet in Dublin, was dort nicht gerade gern gesehen wird. Ihr Job in einem Imbiss hält sie gerade so über Wasser. Als sie im Bus eine Mappe mit handgeschriebenen Noten findet, möchte sie den Besitzer des Liebesliedes ausfindig machen und es beginnt für sie eine abenteuerliche Reise an die Westküste Irlands, auf der sie der deutsche ehemalige Konzertpianist Robert Brenner begleitet. Auch er hat Interesse an den Noten. Aber warum?

Claudia Winter hat hier eine besondere Geschichte erdacht, die sie auf eine besondere Weise durch zahlreiche klassische oder irische Musiktitel bezaubernd untermalt. Beim Lesen vermischen sich die Klänge mit der Handlung und diese Verbindung finde ich richtig schön. Gleichzeitig lernt man bei den authentischen Schauplätzen der Reise durch Irland nicht nur Land und Leute, sondern auch die Küche näher kennen und bekommt richtig Reiselust. Es gibt passenderweise im Anhang ein paar Rezepte und auch eine Playlist der Autorin, durch die man den Roman noch ein bißchen mehr genießen kann.

Wie gewohnt ist der flüssige Erzählstil sehr bildhaft und führt auf gefühlvolle und abwechslungsreiche Weise durch die Handlung, wo sich allmählich ein Geheimnis aufklärt. Die Figuren haben Ecken und Kanten und sprühen vor Leben, sie tragen alle ihre Sorgen und Nöte mit sich. Bonnie, Josh und Robert habe ich auf ihrer Reise gern begleitet und sie sind mir dabei auch ans Herz gewachsen. Robert war nach seiner Karriere als Pianist Lehrer an einer Privatschule, jetzt ist er alt und bekommt durch die Reise noch einmal neuen Lebensmut.

Hier werden zwei Geschichten nebeneinander auf zwei Zeitschienen erzählt, einmal der aktuelle Part des Roadtrips von Bonnie und Robert nach Ballystone und dann die Story aus Roberts Vergangenheit, seine frühere Karriere, seine große Liebe zu Putzfrau Molly und ihren Sohn Mark, einen begabten Violinschüler, die er alle verloren hat. Ein wenig zu abrupt und schnell erfolgten meiner Meinung nach die häufigen Wechsel der Perspektive und Zeit, wobei das auch die Spannung erhöht hat.

Dieser schön zu lesende Roman verbindet einen Roadtrip durch Irland gefühlvoll mit Musik und besonderer Romantik und deckt dabei ein Geheimnis auf. Für schöne Lesestunden ist damit gesorgt und man sehnt sich automatisch an die erwähnten Schauplätze.

Veröffentlicht am 14.05.2022

Ein grundsolider Krimi um ein rätselhaftes Manuskript

Lavendel-Grab
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Der vierte Fall aus der Provence-Krimireihe von Carine Bernard heißt "Lavendelgrab" und erscheint im Knaur Verlag.

Lilou Braque hat ihr Praktikum als angehende Kommissarin in Carpentras beinah abgeschlossen, ...

Der vierte Fall aus der Provence-Krimireihe von Carine Bernard heißt "Lavendelgrab" und erscheint im Knaur Verlag.

Lilou Braque hat ihr Praktikum als angehende Kommissarin in Carpentras beinah abgeschlossen, als ein junger wissenschaftlicher Mitarbeiter einer Bibliothek vermisst wird. Er forschte an einem geheimnisumwitterten Buch im Bereich der Alchemie über ein lebensverlängerndes Elixier aus dem 17. Jahrhundert. Kurz darauf verschwindet auch noch Lilous Kollege Commandant Pouffin. Lilou vermutet einen Zusammenhang und macht sich auf die Suche.

In die Handlung taucht man dank des flüssigen Erzählstils schnell ein und wird von der Geschichte mitgezogen. Was steckt hinter diesem mysteriösen Manuskript? Anfangs beginnt die Suche noch recht schleppend, aber dann sorgen die verschiedenen Fährten für spannende Nachforschungen und erzählen auch einiges über Lilou und ihr Leben in Carpentras. Ihre Freundschaft mit Simon ist jetzt schon eine recht feste Beziehung und mittlerweile kommt sie auch mit ihren Kollegen von der Polizei gut klar.

Carine Bernard baut hier durch das mysteriöse Manuskript eine gewisse Grundspannung auf und sorgt mit geschickt gelegten Fährten für Rätselraten. Nach einem spannenden Finale wird der Täter überführt und die Auflösung wirkt stimmig gelöst, wie man es von einem guten Krimi erwartet.

Bei diesem Fall hat sich Praktikantin Lilou Braque mit ihrer Ermittlungsarbeit endlich die Anerkennung ihrer Kollegen verdient und niemand möchte sie gerne ziehen lassen. Auch Lilou fühlt sich hier in der Provence wohl, kann sie in dieser Polizeistelle bleiben?


Dieser Krimi hat mich wunderbar unterhalten, insgesamt fehlte mir jedoch das gewisse Etwas an Provence-Atmosphäre, um aus diesem Cosy Crime einen echten Urlaubskrimi zu machen.

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