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jules_jude

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.06.2022

Es hätte perfekt sein können...

Kein Sommer ohne dich
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In „Kein Sommer ohne dich“ treffen die Leser*innen auf Poppy und Alex, die beste Freunde seit dem College sind und die in den letzten zehn Jahren jeden Sommer zusammen verreist sind. Aber vor zwei Jahren ...

In „Kein Sommer ohne dich“ treffen die Leser*innen auf Poppy und Alex, die beste Freunde seit dem College sind und die in den letzten zehn Jahren jeden Sommer zusammen verreist sind. Aber vor zwei Jahren gab es einen Riss in ihrer Freundschaft und seitdem haben sie nicht miteinander gesprochen. Da Poppy mit ihrem Leben unzufrieden ist, obwohl sie ihren Traumjob hat, wendet sie sich erneut an Alex. Sie stimmen einer weiteren Reise zu und Poppy ist fest entschlossen, die Dinge endlich in Ordnung zu bringen.
Zu Beginn des Buches haben sich Poppy und Alex auseinandergelebt. Die Prämisse, dass die beiden Protagonisten zusammen einen Sommerurlaub verbringen, gibt der Geschichte ihre Struktur. Die Geschichte wird dann in einer Mischung aus Rückblenden auf vergangene Sommer und dem Handlungsverlauf in der Gegenwart erzählt. Die Rückblenden zeichnen ihre gemeinsame Freundschaft im Laufe der Jahre nach, während im Jetzt erzählt wird, wie sie versuchen, ihre zerbrechliche Beziehung wieder herzustellen und zu reparieren.

Das Buch ist locker und luftig geschrieben, oft auch humorvoll in seinen Ton und mit einigen zärtlichen Momenten und romantischen Spannungen zwischen Poppy und Alex versehen. Eigentlich die perfekte Sommerlektüre, doch leider konnte mich das Buch nicht so richtig begeistern, vor allem gegen Ende hat es sich für mich etwas gezogen. Vieles, was mir am Anfang des Buches gut gefallen hat, störte mich im weiteren Verlauf. So gefielen mir z. B. Poppy und Alex scherzhafte Gespräche zu Beginn, doch mit der Zeit verloren diese an Unterhaltungswert und wurden eher langweilig, lenkten sie doch von der eigentlichen Handlung ab. Besonders störte mich jedoch die Misskommunikation zwischen Poppy und Alex, beide waren unfähig, richtig über ihre Gefühle zu reden und was sie einerseits beide vom Leben wollen und was sie andererseits einander bedeuten. Als beide jung waren, hat das Verdrängen solcher Fragen noch Sinn gemacht, doch mit der Zeit hätte ich mir mehr persönliche Entwicklung diesbezüglich gewünscht, auch hätten so manche Spannungen zwischen Poppy und Alex vermieden werden können.

Trotz mancher Kritikpunkte war es alles in allem ein netter und kurzweiliger Roman über zwei Freunde, die mehr als nur freundschaftliche Gefühle füreinander empfinden. Liebhaber leichter und unterhaltsamer Liebesromane wird „Kein Sommer ohne dich“ bestimmt gut gefallen.

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Veröffentlicht am 05.06.2022

Amelia oder ein Leben während des Nordirlandkonfliktes - Glück, Fehlanzeige

Amelia
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Die Geschichte konzentriert sich auf die dysfunktionale Familie Lovett, insbesondere auf Amelia, die zu Beginn des Romans acht Jahre alt ist. Fast jedes Kapitel behandelt ein anderes Jahr ihres Lebens ...

Die Geschichte konzentriert sich auf die dysfunktionale Familie Lovett, insbesondere auf Amelia, die zu Beginn des Romans acht Jahre alt ist. Fast jedes Kapitel behandelt ein anderes Jahr ihres Lebens von 1969 bis 1994, die einzelnen Kapitel ähneln dabei eher einer Erzählung, als dass ein konkreter Handlungsverlauf erkennbar ist. Die Leserinnen begleiten in ihnen Amelia von der Schule über die Arbeit bis ins Erwachsenenleben und sehen, wie sie der Nordirlandkonflikt persönlich betrifft ist und wie sie unter dessen Auswirkungen leidet. Amelia hat es alles andere als leicht während dieser Zeit. Sie ist arm, entwickelt eine Essstörung, wird alkoholabhängig, wird Opfer sexuellen Missbrauchs, fühlt sich von ihrer Familie entfremdet und kämpft mit psychischen Problemen.

Erzählt wird ein deprimierendes Ereignis, eins nach dem anderen, glückliche Momente kommen nicht vor. Fans Gute-Laune-Bücher sind hier definitiv fehl am Platz. Da sich die Geschichte über fast 30 Jahre erstreckt, sind die Ereignisse außerdem nicht immer miteinander verknüpft, und es kann schwierig sein, den Überblick über das Geschehen zu behalten.
Gut gefallen hat mir die Charakterisierung von Amelia. Die Leser
innen wachsen mit ihr von klein bis ins Erwachsenenalter auf, wodurch man ihren Denkprozess zu verstehen lernt und ihr Zusammenbruch folglich umso emotionaler auf einen wirkt. Es ist klar, dass sie ein Opfer ihrer Situation ist und ihre Umstände wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen.
Hingegen weniger gut gefallen hat mir das einige Kapitel sich auf andere Charaktere konzentriert haben, die wenig Verbindung zu Amelia erkennen ließen. Die Änderung der Perspektive war teilweise verwirrend und die Kapitel waren auch vergleichsweise lang, wodurch ich schnell das Interesse am Weiterlesen verlor. Außerdem wurde das Lesen dadurch erschwert, dass die Figuren zum Teil an Geisteskrankheiten leiden, wodurch ihre Stimmen fragmentiert sind und schwerer zu verstehen.

Alles in allem ein Buch, das mir ein besseres Verständnis für die Auswirkungen des Nordirlandkonfliktes auf die einfachen Menschen vermittelt hat, mich jedoch inhaltlich und sprachlich nicht komplett überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 05.06.2022

Eine Geschichte, bei der nicht alle Fäden miteinander verknüpft wurden

Fischers Frau
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Erzählt wird in „Fischers Frau“ die Geschichte von den Pommerschen Fischerteppichen anhand der Lebenswege zweier Frauen, von Mia Sund in der Gegenwart und Nina, einer Teppichknüpferin ebenjener Pommerschen ...

Erzählt wird in „Fischers Frau“ die Geschichte von den Pommerschen Fischerteppichen anhand der Lebenswege zweier Frauen, von Mia Sund in der Gegenwart und Nina, einer Teppichknüpferin ebenjener Pommerschen Fischerteppiche in den 1920er-Jahren. Mia Sund, Faserarchäologin, wird ein Fischerteppich zur Prüfung auf Echtheit vorgelegt, der untypische Details wie z. B. ornamentale Borten aufweist, vorgelegt. Um das Rätsel um den Ursprung und die Geschichte hinter dem Teppich zu lösen, begibt sich die zurückgezogene lebende Mia auf eine Reise nach Zagreb und in die Vergangenheit.

Leider konnte mich der Roman nicht so sehr fesseln, wie es mir gerne gewünscht hätte. Ich hatte das Gefühl, dass die Karin Kalisa das Potenzial ihrer eigenen Geschichte nicht völlig ausschöpft. Meiner Meinung nach wirkten die Handlungsstränge von Mia und Nina alleine besser als verbunden. Verknüpft harmonisierten sie nicht wirklich, die Verbindung wirkte zu erzwungen bzw. konstruiert. Auch verliert die Autorin sich in ihrem poetischen und detailreichen Schreibstil und in Beschreibungen von Nebensächlichkeiten, die die Geschichte nicht unbedingt voranbringen und was somit zu einigen Längen in dem an sich eher dünnen Buch führt. Ebenso fiel es mir schwer, eine emotionale Nähe zu den Charakteren aufzubauen.

Das Faszinierendste an dem Roman sind und bleiben die Pommerschen Fischerteppiche und ihre Geschichte, die entstanden, als wegen der Überfischung Ende der 1920er-Jahre ein Fangverbot in Vorpommern verhängt wurde und die Fischer anfingen, die Teppiche zu knüpfen, um nicht in die Armut zu rutschen.

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Veröffentlicht am 02.02.2023

Leben oder Tod? - Vielversprechender Thriller mit schwacher Umsetzung

Die Herzchirurgin
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Die renommierte Chirurgin Anna Jones kommt eines Nachts nach Hause und stellt fest, dass ihr Sohn verschwunden ist, ihr Haus verwanzt ist und die Entführer ihr sagen, dass sie den Politiker und möglichen ...

Die renommierte Chirurgin Anna Jones kommt eines Nachts nach Hause und stellt fest, dass ihr Sohn verschwunden ist, ihr Haus verwanzt ist und die Entführer ihr sagen, dass sie den Politiker und möglichen Premierministerkandidaten Ahmed Shabir, während der Operation töten muss, sonst wird ihr Sohn Zack sterben. Die Krankenschwester Margot ist die Einzige, die sieht, was passiert, und wird deshalb in die Entführungsverschwörung verwickelt. Und dann ist da noch die Detektivin Rachel, die als Einzige glaubt, dass Anna etwas im Schilde führt, deren Team aber glaubt, dass sie sich aufgrund ihrer eigenen Tragödie auf das vermisste Kind konzentriert. Wie kann Anna sich und Zack aus dieser Situation befreien?

Nach starken Beginn wurde "Die Herzchirurgin" von Jack Jordan zum Ende hin leider immer schwächer und unglaubwürdiger.
Zunächst hat mir die Idee, eine Ärztin vor die Wahl zu stellen, ob sie einen Menschen auf dem OP-Tisch tötet, um so ihren Sohn zu retten, aber so auch gleichzeitig den von ihr geleisteten Hypokratischen Eid zu brechen, gut gefallen, ist es doch ein außergewöhnliches und Spannung versprechendes Konzept. Jedoch konnte die Umsetzung mich nicht so sehr begeistern, wie ich es mir erhofft habe. Der Großteil der Handlung spielt sich am Anfang und am Ende ab, in der Mitte passiert vergleichsweise wenig und das Buch beginnt sich zu ziehen. Abgesehen von den Szenen im Operationssaal kam für mich nicht richtig viel Spannung auf für einen Thriller mit einer so vielversprechenden Prämisse habe ich mir hierbei deutlich mehr erwartet.
Ebenso abträglich für den Spannungsbogen war auch, dass die Handlung aus drei verschiedenen Perspektiven der Ärztin und Herzchirurgin Anna Jones, der Krankenschwester Margot und der Polizistin Rachel jeweils aus der Ich-Perspektive erzählt wird. Zwar erhält man dadurch einen guten Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der jeweiligen Charaktere und kann mehr oder weniger nachvollziehen, was ihre Beweggründe sind und was sie planen. Besonders Annas Gedankengänge, wie sie versucht, das Dilemma, in dem sie steckt, zu lösen, waren anfangs interessant zu verfolgen, jedoch werden gleichzeitig auch manche Handlungspunkte vorweggenommen bzw. doppelt erzählt, sodass es an Überraschungsmomenten fehlt.
Zum Ende hinnimmt der Thriller dann zwar wieder an Fahrt auf, doch dafür nehmen dann aber auch Unstimmigkeiten und Unglaubwürdigkeiten in der Handlung zu.
Des Weiteren war mir keiner der drei Hauptpersonen wirklich sympathisch, sodass ich nicht wirklich mitfieberte und Interesse daran hatte, wie die Sache für alle drei ausgeht.

Alles in allem ist "Die Herzchirurgin" ein Thriller, der sich dank kurzer Kapitel und eines leicht zu lesenden Schreibstils schnell lesen lässt, aber besonders im Mittelteil an Spannung verliert und zum Ende zu unglaubwürdig meiner Meinung nach wird. Auch die Charakterzeichnung ist nicht wirklich überzeugend.
Kurz: Das Konzept war gut und vielversprechend, die Umsetzung eher wenig.

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Veröffentlicht am 04.11.2022

Eine Silvesterparty, die zu wünschen übrig lässt

Happy New Year – Zwei Familien, ein Albtraum
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2.5/5

"Happy New Year" von Malin Stehn beginnt mit einer Silvesterparty, zu der Fredrik und Nina von ihren Freunden Lollo und Max eingeladen werden. Etwas widerwillig überlassen sie ihrer Teenager-Tochter ...

2.5/5

"Happy New Year" von Malin Stehn beginnt mit einer Silvesterparty, zu der Fredrik und Nina von ihren Freunden Lollo und Max eingeladen werden. Etwas widerwillig überlassen sie ihrer Teenager-Tochter Smilla die Ausrichtung ihrer ersten "Erwachsenen"-Party, unterstützt von Lollos und Max' Tochter Jennifer, doch dann verschwindet Jennifer. Die Ereignisse, die sich im Laufe des Abends sich ereigneten, haben katastrophale Folgen für alle Beteiligten, und das Leben ist für keinen von ihnen nach dem Verschwinden von Jennifer mehr dasselbe, denn alle haben etwas zu verbergen.

Aus der Ich-Perspektive verschiedener handelnder Charaktere in kurzen Kapiteln erzählt, beginnt die Geschichte stark. Doch schon bald hat mich für die Spannung beim Lesen deutlich nachgelassen, erst gegen Ende nahm die Geschichte wieder an Fahrt auf. Die Auflösung, was hinter Jennifers Verschwinden steckte, wurde mir dann aber zu schnell und zu wenig glaubwürdig abgehandelt.
Ursache der fehlenden Spannung war, dass einerseits aufgrund der häufigen Perspektivenwechsel manche Handlungsstränge quasi doppelt erzählt werden und dass andererseits zwar durch die Ich-Perspektive eine emotionale Nähe zu den jeweiligen Charakteren hergestellt wurde, dies jedoch teils zu einer oberflächlichen und klischeehaften Charakterdarstellung führte. Hinzu kam, dass keine der Charaktere wirklich sympathische Charaktereigenschaften hatte, sodass es mir schwerfiel, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Dementsprechend verlor ich schnell das Interesse daran, wer schuldig war oder nicht oder was ihre Geheimnisse waren. Nach Lesen des Klappentextes habe ich mir deutlich mehr Spannung und überraschende Wendungen erhofft. So bleibe ich leider enttäuscht zurück.

Insgesamt ist "Happy New Year" eine kurzweilige Lektüre, die genug Wendungen hat, um einen zum Weiterlesen zu bewegen, die mich jedoch bezüglich der Handlung und des Spannungsbogens nicht wirklich überzeugen konnte. Bedingt durch die häufigen Perspektivenwechsel fehlte es vor allem im Mittelteil an Spannung. Ebenso war mir die Charakterzeichnung und die Handlung teils zu oberflächlich und klischeehaft. Für mich ist der Thriller eher eine Enttäuschung.

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