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Veröffentlicht am 09.06.2022

Gut recherchiert

RAVNA – Die Tote in den Nachtbergen
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Inhalt: Jedes Jahr zu Mittsommer treffen sich die samischen Familien in ihrem Sommerlager im Gebirge am Fuße der Nachtberge, hoch über dem nördlichen Polarkreis, um ihre Rentierherden auf die Sommerweiden ...

Inhalt: Jedes Jahr zu Mittsommer treffen sich die samischen Familien in ihrem Sommerlager im Gebirge am Fuße der Nachtberge, hoch über dem nördlichen Polarkreis, um ihre Rentierherden auf die Sommerweiden zu treiben. Doch unter den Familien gibt es deutliche Spannungen.
Auch die 19-jährige Ravna Persen, Studentin der Polizeihochschule in Oslo, nimmt sich Urlaub und kehrt in ihre Heimat zurück. Als sie eine Abkürzung nehmen will, um verirrte Rentiere zu suchen, stürzt sie in eine alte Bärenhöhle. Auf ihrem mühevollen Weg hinaus macht sie eine grauenvolle Entdeckung: sie findet den skelettierten Körper eines Mädchens. Schnell ist klar, dass es sich um die vor zehn Jahren spurlos verschwundene Linnea Berger, die Tochter eines norwegischen Tierarztes, handelt - und um Mord! Kommissar Rune Thor erwartet von Ravna Unterstützung bei den Ermittlungen, was bei den Rentierzüchtern überhaupt nicht gern gesehen wird.

Meine Meinung: „Ravna - Die Tote in den Nachtbergen“ ist ein All-Age-Thriller und bereits der zweite Teil der Ravna- Rheihe von Elisabeth Herrmann, aber auch ohne Vorwissen zu lesen.
Der Schreibstil der Autorin lässt sich leicht und flüssig lesen und sie schildert sehr anschaulich und interessant die Kultur und das Leben der Samen. Auch zahlreiche samische Ausdrücke werden in Fußnoten übersetzt. Obwohl fast alle Samen inzwischen in größeren Städten wohnen und ein modernes Leben führen, pflegen sie noch ihre Traditionen und treffen sich regelmäßig, um die Rentiere auf die Sommerweiden zu treiben.
Der Schauplatz, die Sommersiedlung mitten in einem kargen Gebirge, ist äußerst selten in Romanen zu finden und ich fand es sehr interessant und vor allem eindrucksvoll, darüber zu lesen. Zudem fand ich es faszinierend, mehr über den Mittsommer und wie die Menschen damit umgehen, dass die Sonne den ganzen Tag nicht untergeht, zu erfahren. Auch der Konflikt zwischen den Samen (den Ureinwohnern) und den Norwegern, der nach wie vor besteht, wird deutlich.
Ravna ist eine starke junge Protagonistin, die mir auch in diesem Buch wieder gut gefallen hat. Sie ist hin- und hergerissen zwischen dem Zugehörigkeitsgefühl zu ihren Landsleuten und ihrer Aufgabe als zukünftige Polizistin mit dem dringenden Wunsch, den Tod des jungen Mädchens aufzuklären. Insgesamt gibt es viele Charaktere und eine Übersicht am Anfang oder Ende des Buches wäre für mich hilfreich gewesen. Auch hätte ich mir kurze Erklärungen/Rückblicke zum ersten Teil gewünscht, da ich inzwischen vieles nicht mehr im Gedächtnis habe (statt der Fußnote: nachzulesen in: Ravna - Tod in der Arktis)
Bei dem Kriminalfall hätte ich mir mehr Spannung gewünscht, da gab es kaum Höhen und Tiefen. Die Auflösung war für mich völlig überraschend und kam auch ziemlich plötzlich. Als Thriller würde ich das Buch nicht bezeichnen.

Fazit: Ein gut recherchierter und unterhaltsamer zweiter Fall für Ravna, aber leider nicht so spannend wie ihr erster Fall.

Veröffentlicht am 08.06.2022

Humorvoller und unterhaltsamer Sommerroman

Die Liebe fliegt, wohin sie will
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Inhalt: Cleo liebt ihren Job als Stylistin in Berlin sehr, doch Zeit für Privates bleibt ihr wenig. Als sie überraschend in die Bretagne reisen soll, um dort für einige Wochen auf einem Biohof zu helfen, ...

Inhalt: Cleo liebt ihren Job als Stylistin in Berlin sehr, doch Zeit für Privates bleibt ihr wenig. Als sie überraschend in die Bretagne reisen soll, um dort für einige Wochen auf einem Biohof zu helfen, statt entspannt Urlaub zu machen, ist sie zunächst überhaupt nicht begeistert. Schon als Kind musste sie ihre Ferien auf dem Bauernhof von Onkel und Tante ihre Ferien verbringen. Ihre Eltern lebten sehr umweltbewusst und Cleo musste auf viele Dinge verzichten, die für ihre Freunde selbstverständlich waren. Nun hat sie die schlimmsten Vorstellungen, was sie die nächsten Wochen alles erwartet, doch schon bald gefällt es ihr sehr gut in der wunderschönen Bretagne und in der Hof-Gemeinschaft, sie findet neue Freunde, ihr Leben wird entschleunigt und auch der Farmer Finn ist gar nicht so übel...

Meine Meinung: „Die Liebe fliegt, wohin sie will“ ist mein erstes Buch von Franziska Jebens und ganz ehrlich gesagt, haben mich Cover und Titel zunächst abgeschreckt, denn ich bin absolut kein Fan von kitschigen Liebesromanen. Doch auf der Rückseite wird versprochen: "humorvoll, erfrischend und romantisch“ und das hat mich überzeugt, dem Buch eine Chance zu geben. Zum Glück!
Es hat ein paar Seiten gedauert, bis ich in die Geschichte gefunden hatte, doch spätestens, als Cleo in der Bretagne angekommen war, war ich voll in der Geschichte. Der Schreibstil der Autorin ist locker, leicht und humorvoll passt perfekt zu dem (fast) unbeschwerten Sommerroman.
Cleo mochte ich sehr gern, und auch alle anderen Charaktere (bis auf eine Ausnahme) sind sehr sympathisch und liebenswert, auch, oder vor allem, weil sie sehr verschieden und teilweise sehr eigenwillig sind. Und die beiden tollen Hunde habe ich ganz schnell ins Herz geschlossen.
Ich war noch nie in der Bretagne, aber Franziska Jebens hat die Gegend, das Meer und den Hof so bildhaft und schön beschrieben, dass ich am liebsten direkt meine Koffer packen würde, um dort Urlaub zu machen.

Fazit: Ein humorvoller und leichter Sommerroman mit einem wunderschönen Setting, tollen Charakteren und einer absoluten Wohlfühlatmosphäre. Es geht um darum, sich auf etwas Neues einzulassen, um Selbstfindung und natürlich auch um Liebe. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen!

Veröffentlicht am 30.05.2022

Komplexes Verwirrspiel

Freunde. Für immer.
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Inhalt: Seit dem College sind sie Freunde: Jonathan, Derrick, Keith, Stephanie und Maeve. Bis vor zehn Jahren gehörte auch noch Alice dazu, doch nach einem tragischen Ereignis nahm sie sich das Leben. ...

Inhalt: Seit dem College sind sie Freunde: Jonathan, Derrick, Keith, Stephanie und Maeve. Bis vor zehn Jahren gehörte auch noch Alice dazu, doch nach einem tragischen Ereignis nahm sie sich das Leben. Jetzt treffen sich die Freunde zu Jonathans Junggesellenabschied in seinem Haus in den Catskill Mountains wieder. Doch dann findet die Polizei den Wagen, mit dem Derrick und Keith am Samstag unterwegs waren - auf dem Beifahrersitz die Leiche eines Mannes mit zertrümmertem Gesicht, so dass eine Identifizierung nicht möglich ist. Der Fahrer des Wagens ist verschwunden. Detective Julia Scutt leitet die Ermittlungen und Erinnerungen an den zwanzig Jahre zurückliegenden Mord an ihrer Schwester werden wach.

Meine Meinung: Die Autorin erzählt die Geschichte im Wechsel aus den Perspektiven der Freunde, sowie aus der Sicht von Julia Scutt.
Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich alle Charaktere kennengelernt hatte, sie etwas einschätzen konnte und mich in der Handlung zurechtfand. Auch die Zeitsprünge haben mich teilweise verwirrt.
Keiner der Freunde und auch der anderen Charaktere der Geschichte war mir besonders sympathisch. Die Ausnahmen sind da nur Julia und ihr Kollege Dan. Auch Julia hat mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen, denn ihre geliebte ältere Schwester Jane wurde vor zwanzig Jahren ermordet und ebenfalls mit zertrümmertem Gesicht aufgefunden. Julia sieht Parallelen zu dem Fall. Auch hofft sie immer noch, dass Janes Mörder gefunden wird.
Die fünf Freunde, die alle aus vermögenden Familien kommen, haben ein dunkles gemeinsames Geheimnis, das ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt. Nur ganz langsam, Kapitel für Kapitel, kommt man der ganzen Wahrheit näher. Immer mehr Lügen, Intrigen und Geheimnisse kommen ans Licht und es gibt einige unvorhersehbare Überraschungen.

Fazit: „Freunde. Für immer“ ist ein komplexes Verwirrspiel, dessen subtile Spannung mich hauptsächlich gegen Ende mitgerissen hat.

Veröffentlicht am 01.05.2022

Warmherzige Geschichte

Der Geschichtenbäcker
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Inhalt: Nach einer Verletzung muss die gefeierte Baletttänzerin Sofie ihre Karriere aufgeben, was ihr Leben völlig aus der Bahn wirft. Nach einer Zeit des Nichtstun und der Unzufriedenheit nimmt sie auf ...

Inhalt: Nach einer Verletzung muss die gefeierte Baletttänzerin Sofie ihre Karriere aufgeben, was ihr Leben völlig aus der Bahn wirft. Nach einer Zeit des Nichtstun und der Unzufriedenheit nimmt sie auf Drängen der Arbeitsagentur eine Stelle in einer kleinen Bäckerei an, da ihr sonst das Arbeitslosengeld gestrichen wird. Ihr Plan ist, nach einigen Tagen wieder zu kündigen, doch Giacomo, der kluge italienische Bäcker, der seine Brote mit viel Liebe, Geduld und Poesie backt, erweckt in Sofie die Begeisterung für das Backen und den Mut für einen Neuanfang.

Meine Meinung: Schon auf den ersten Seiten gibt es ein ganz kurzes Wiedersehen mit dem Buchspazierer und Schascha, was ich sehr originell fand.
Carsten Henn schreibt sehr warmherzig und einfühlsam und die von ihm erdachten Charaktere sind größtenteils sympathisch und teilweise etwas skurril. Leider hat mich ausgerechnet Sofie nicht völlig überzeugt. Ich konnte zwar ihren Schmerz, nicht mehr tanzen zu können, nachvollziehen und habe mich später über ihre positive Wandlung gefreut, aber ihr Verhalten ihrem Mann Florian gegenüber fand ich ungerecht und egoistisch. Giacomo, den empathischen Bäcker, muss man dagegen einfach mögen. Durch seine einfühlsame und verständnisvolle Art Sofie gegenüber, erweckt er in ihr neuen Lebensmut und die Kraft, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Aufgelockert wird die Geschichte aber vor allem durch die kleine Anouk, Sofies fünfjährige Nichte, die sehr intensiv spielt, sie sei DIE Maria und alles und jeden segnet. Auch die alte Dackeldame Motte mochte ich sehr gerne.
Trotz wirklich vieler schöner Passagen hat mich das Buch nicht zu 100% überzeugt. Das lag zum einen an Sofies teilweise depressiver Stimmung und zum anderen an der Art, wie Giacomo seine Brote als „Geschichtenbäcker“ backt. Das traf leider gar nicht meinen Geschmack.

Fazit: Eine warmherzige, aber etwas unrealistische Geschichte voller kluger Gedanken.

Veröffentlicht am 18.04.2022

Solider Nordseekrimi

Nordwestnacht
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Inhalt: Der junge Polizeimeister Nils Scheffler unterstützt als Polizeiberater ein Filmteam, das in St. Peter Ording eine Folge der Krimireihe „Mörderischer Norden“ drehen will. Als großer Filmfan genießt ...

Inhalt: Der junge Polizeimeister Nils Scheffler unterstützt als Polizeiberater ein Filmteam, das in St. Peter Ording eine Folge der Krimireihe „Mörderischer Norden“ drehen will. Als großer Filmfan genießt er seine neue Aufgabe, lernt alle Teammitglieder kennen und verliebt sich in die 2. Hauptdarstellerin Julia. Dann wird die Leiche eines der Aufnahmeleiter gefunden - auf grausame Weise getötet - und Julia ist plötzlich spurlos verschwunden. Die Kommissare Hendrik Norberg und Anna Wagner beginnen zu ermitteln und auch Nils möchte unbedingt herausfinden, was mit Julia geschehen ist...

Meine Meinung: „Nord West Nacht“ ist bereits der dritte Fall für die Soko St. Peter Ording, lässt sich aber auch ohne Vorwissen problemlos lesen.
Der Schreibstil von Svea Jensen ist flüssig und sie erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven.
Die drei Ermittler Hendrik, Anna und Nils, die mir schon aus den Vorgängerkrimis bekannt waren, mag ich inzwischen richtig gern und die Einblicke in deren Privatleben haben genau die richtige Länge und gefallen mir gut. Auch die Beschreibungen von St. Peter Ording und der Umgebung finde ich sehr gelungen, vor allem, weil ich schon häufiger dort Urlaub gemacht habe und mir alles sehr gut vorstellen konnte.
Die Ermittlungen kommen nach dem qualvollen Tod des jungen Aufnahmeleiters erst einmal nur langsam in Fahrt und laufen in verschiedene Richtungen. Außerdem kommt es zu Kompetenzrangeleien mit der Mordkommission Flensburg, über die sich besonders Hendrik ärgert. Ganz langsam steigert sich die Spannung und die Krimihandlung wird dynamischer.

Fazit: Ein unterhaltsamer und solider Nordsee-Krimi, der mir hauptsächlich wegen seiner sympathischen Protagonisten und des Nordseefeelings gefallen hat.