Gut recherchiert
RAVNA – Die Tote in den NachtbergenInhalt: Jedes Jahr zu Mittsommer treffen sich die samischen Familien in ihrem Sommerlager im Gebirge am Fuße der Nachtberge, hoch über dem nördlichen Polarkreis, um ihre Rentierherden auf die Sommerweiden ...
Inhalt: Jedes Jahr zu Mittsommer treffen sich die samischen Familien in ihrem Sommerlager im Gebirge am Fuße der Nachtberge, hoch über dem nördlichen Polarkreis, um ihre Rentierherden auf die Sommerweiden zu treiben. Doch unter den Familien gibt es deutliche Spannungen.
Auch die 19-jährige Ravna Persen, Studentin der Polizeihochschule in Oslo, nimmt sich Urlaub und kehrt in ihre Heimat zurück. Als sie eine Abkürzung nehmen will, um verirrte Rentiere zu suchen, stürzt sie in eine alte Bärenhöhle. Auf ihrem mühevollen Weg hinaus macht sie eine grauenvolle Entdeckung: sie findet den skelettierten Körper eines Mädchens. Schnell ist klar, dass es sich um die vor zehn Jahren spurlos verschwundene Linnea Berger, die Tochter eines norwegischen Tierarztes, handelt - und um Mord! Kommissar Rune Thor erwartet von Ravna Unterstützung bei den Ermittlungen, was bei den Rentierzüchtern überhaupt nicht gern gesehen wird.
Meine Meinung: „Ravna - Die Tote in den Nachtbergen“ ist ein All-Age-Thriller und bereits der zweite Teil der Ravna- Rheihe von Elisabeth Herrmann, aber auch ohne Vorwissen zu lesen.
Der Schreibstil der Autorin lässt sich leicht und flüssig lesen und sie schildert sehr anschaulich und interessant die Kultur und das Leben der Samen. Auch zahlreiche samische Ausdrücke werden in Fußnoten übersetzt. Obwohl fast alle Samen inzwischen in größeren Städten wohnen und ein modernes Leben führen, pflegen sie noch ihre Traditionen und treffen sich regelmäßig, um die Rentiere auf die Sommerweiden zu treiben.
Der Schauplatz, die Sommersiedlung mitten in einem kargen Gebirge, ist äußerst selten in Romanen zu finden und ich fand es sehr interessant und vor allem eindrucksvoll, darüber zu lesen. Zudem fand ich es faszinierend, mehr über den Mittsommer und wie die Menschen damit umgehen, dass die Sonne den ganzen Tag nicht untergeht, zu erfahren. Auch der Konflikt zwischen den Samen (den Ureinwohnern) und den Norwegern, der nach wie vor besteht, wird deutlich.
Ravna ist eine starke junge Protagonistin, die mir auch in diesem Buch wieder gut gefallen hat. Sie ist hin- und hergerissen zwischen dem Zugehörigkeitsgefühl zu ihren Landsleuten und ihrer Aufgabe als zukünftige Polizistin mit dem dringenden Wunsch, den Tod des jungen Mädchens aufzuklären. Insgesamt gibt es viele Charaktere und eine Übersicht am Anfang oder Ende des Buches wäre für mich hilfreich gewesen. Auch hätte ich mir kurze Erklärungen/Rückblicke zum ersten Teil gewünscht, da ich inzwischen vieles nicht mehr im Gedächtnis habe (statt der Fußnote: nachzulesen in: Ravna - Tod in der Arktis)
Bei dem Kriminalfall hätte ich mir mehr Spannung gewünscht, da gab es kaum Höhen und Tiefen. Die Auflösung war für mich völlig überraschend und kam auch ziemlich plötzlich. Als Thriller würde ich das Buch nicht bezeichnen.
Fazit: Ein gut recherchierter und unterhaltsamer zweiter Fall für Ravna, aber leider nicht so spannend wie ihr erster Fall.