Profilbild von carola1475

carola1475

Lesejury Star
offline

carola1475 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit carola1475 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2022

Pirlo, Mahler und die Große Freiheit

Pirlo - Falsche Zeugen
0

Im zweiten Band um die Strafverteidiger Dr. Pirlo und seine Partnerin Sophie Mahler geht es um den getöteten Anführer einer Nazi-Rockergang und den mordverdächtigen Spross einer albanischen Clanfamilie. ...

Im zweiten Band um die Strafverteidiger Dr. Pirlo und seine Partnerin Sophie Mahler geht es um den getöteten Anführer einer Nazi-Rockergang und den mordverdächtigen Spross einer albanischen Clanfamilie. Eigentlich hatten die beiden Gruppierungen bisher mehr oder weniger friedlich in Düsseldorf koexistiert. Es gibt keine Zeugen der Tat und die Indizien sprechen gegen den jungen Clanangehörigen. Die Ermittlungen von Pirlo und Sophie gestalten sich äußerst schwierig und bringen die beiden wiederholt in gefährliche Situationen.

Ingo Bott, selbst erfolgreicher Strafverteidiger mit eigener Kanzlei, ist wieder ein spannender und unterhaltsamer Justizkrimi gelungen, in dem er nicht nur die Vorgehensweise der Verteidigung und das Geschehen in der Hauptverhandlung authentisch beschreibt, sondern auch die Clanstrukturen glaubwürdig schildert. Die Figurenzeichnung aller Charaktere ist lebensnah und überzeugend, auch Pirlos Ambivalenz seiner eigenen Familie gegenüber und die daraus entstehenden inneren Konflikte finde ich gut und nachvollziehbar dargestellt. Und auch Sophie hat ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Familie. Der chaotische Pirlo und die gründliche Sophie Mahler arbeiten perfekt zusammen, sie ergänzen und mögen sich. Sophie ist in dieser Geschichte eine gleichberechtigte Kollegin, sie trägt zur Aufklärung des Falls sogar mehr bei als Pirlo.
Obwohl die Protagonisten dadurch sehr nah- und greifbar werden, haben mir in diesem zweiten Band die Überlegungen, Befindlichkeiten und Erlebnisse der Beiden auf privater Ebene etwas zu viel Raum eingenommen. Auch diese persönlichen Aspekte werden vom Autor dennoch einfühlsam und glaubhaft beschrieben.

Ingos Botts Schreibstil ist unverwechselbar mit vielen kurzen Sätzen, wiederkehrenden Pirlo-typischen Ausdrücken, temporeich, humorvoll und ironisch. Die Erzählperspektive wechselt zwischen Pirlo und Sophie. Auch Düsseldorfer Lokalkolorit kommt nicht zu kurz und macht wieder viel Spaß.

Ich vergebe 4,5 Sterne und freue mich jetzt schon auf den nächsten Band, der im Sommer 2023 erscheinen soll.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2022

Spannend und überzeugend

Das letzte Grab
0

Die Frankfurter Strafverteidigerin Carla Winter ist schockiert, als sie erfährt, dass ihr Ex-Mann Felix bei einem tödlichen Autounfall in der Türkei verbrannt ist. Am gleichen Tag findet sie ihr Haus durchsucht ...

Die Frankfurter Strafverteidigerin Carla Winter ist schockiert, als sie erfährt, dass ihr Ex-Mann Felix bei einem tödlichen Autounfall in der Türkei verbrannt ist. Am gleichen Tag findet sie ihr Haus durchsucht und verwüstet wieder und ihren One-Night-Stand ermordet. Wer hat da was gesucht und schreckt auch vor Mord nicht zurück und besteht eine Verbindung zu Felix Winter? Um Antworten auf diese Fragen zu finden und mehr über ihren geschiedenen Mann und sein Leben im Nahen Osten zu erfahren, aber auch, um ihrem Verfolger zu entkommen, reaktiviert Carla alte berufliche Beziehungen und reist in die Türkei.

Der spannende Krimi wird aus Carlas Perspektive erzählt und ist gleichzeitig action- und temporeiche Abenteuergeschichte und auch Politthriller. Das Cover passt zum Buch. Der Autor vermittelt interessante und wie mir scheint, gut recherchierte Einblicke in das lukrative internationale Geschäft mit dem Schmuggel antiker Raubkunst und den darin verstrickten Parteien. Es gelingt ihm auch, die Atmosphäre der uralten eindrucksvollen Stadt Mardin im Norden Mesopotamiens einzufangen, an anderer Stelle wird z. B. ein Duisburger Problemviertel authentisch angesprochen.

Lukas Erlers Schreibstil ist direkt und schnörkellos, kein Wort ist da zu viel. Er schreibt lebendig, auch humorvoll und bildhaft, so dass ich Setting und Personen immer vor Augen hatte. Alle Charaktere, vor allem auch die Nebenfiguren, sind glaubwürdig, ihr Verhalten überzeugend beschrieben, während mir die Protagonistin einen Tick zu tough dargestellt wird, zu cool, zu clever und zu schlagfertig. Dennoch würde ich mich freuen, Carla Winter bei einem weiteren ungewöhnlichen Fall wieder zu begleiten.

„Das letzte Grab“ hat mich bestens unterhalten und mit Thema und Umsetzung überzeugt, ich kann das Buch jedem Krimi-Leser uneingeschränkt empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.07.2022

Spannend, aktuell, überzeugend

Im Feuer
0

Auch in Schweden und den USA hat der Klimawandel in der nahen Zukunft des Jahres 2023 zu Hitzewellen mit anhaltender Dürre und vielen verheerenden Feuern geführt. Die Ermittlerin Lilly Hed hat sich aus ...

Auch in Schweden und den USA hat der Klimawandel in der nahen Zukunft des Jahres 2023 zu Hitzewellen mit anhaltender Dürre und vielen verheerenden Feuern geführt. Die Ermittlerin Lilly Hed hat sich aus Stockholm in das 60 km entfernte Nynäshamn versetzen lassen, um Abstand zu ihrem Leben in der Hauptstadt zu gewinnen und wieder zu sich zu kommen. Sie nimmt ihren Dienst in dem idyllischen Ort auf und muss sich mit aufgebrachten Menschen auseinandersetzen, die das Verbot von offenem Feuer und der Bewässerung des Gartens nicht akzeptieren wollen. Und dann ereignen sich mehrere Brände, die auch Menschenleben fordern. Waren das Unfälle oder Brandanschläge?

Lillys Ermittlungen und mehr noch die gefährliche und kräftezehrende Arbeit der Feuerwehrleute werden packend und spannend beschrieben, die Bedrohung durch die Naturgewalt Feuer wird sehr greifbar.

Jesper, der Chef der Feuerwehr, wird etwas klischeehaft beschrieben in seinen Bemühungen um Lilly, die beruflich eine toughe und doch einfühlsame Polizistin, aber privat eine sehr verletzte und verunsicherte Frau ist. Sie ist eine glaubhaft und nahbar dargestellte Protagonistin, deren Ängste und Zweifel ich nachvollziehen konnte.

Der Schreibstil ist einfach und lebendig, angenehm und flüssig zu lesen, der Spannungsbogen bleibt bis zum Ende erhalten. Das Cover gefällt mir mit seiner passenden Gestaltung und der bedrohlich wirkenden Farbgebung.
Rückblenden in die Zeit vor über 20 Jahren aus der Perspektive einer zunächst unbenannten Person lassen den Leser über die Zusammenhänge rätseln.

Gelungen umgesetzte Themen sind nicht nur der Klimawandel, sondern auch Mobbing und Ausgrenzung, manipulative, toxische Männer und Gewalt gegen Frauen.
Dieser Auftakt zu einer neuen skandinavischen Krimi-Reihe hat mich bis zur überraschenden Auflösung gut unterhalten und ich kann ihn jedem Krimi-Fan empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.06.2022

Intelligente und spannende Science-Fiction

Cybionic – Der unabwendbare Anfang
0

In diesem Sci-Fi-Tech-Thriller begleitet der Leser Sala auf der Suche nach seiner spurlos verschwundenen Schwester. Die hochbegabte Informatikstudentin hat zuletzt über künstliche Intelligenz und selbstlernende ...

In diesem Sci-Fi-Tech-Thriller begleitet der Leser Sala auf der Suche nach seiner spurlos verschwundenen Schwester. Die hochbegabte Informatikstudentin hat zuletzt über künstliche Intelligenz und selbstlernende Algorithmen geforscht.

Bei Einblicken in sein Studentenleben und Salas Suche quer durch die Stadt entsteht ein authentisches Berlin-Gefühl, und ebenso sind die technischen Beschreibungen sehr gut und glaubhaft recherchiert. Die Entwicklung der Algorithmen von der Zeit des Zweiten Weltkriegs bis heute hat mich fasziniert.
Spannung ist von Anfang an da und wird immer weiter aufgebaut. Dazu trägt auch eine zweite, zunächst mysteriöse Erzählperspektive bei. Zu Beginn findet Sala nur häppchenweise Informationen. Großartig, wie es Meike Eggers gelingt, ausgehend nur von Ellas Foto und ihrem Wohnhaus, ein Rätsel zu entwickeln, wobei Sala sich beobachtet und zunehmend bedroht fühlt, je mehr er herausfindet.

Theoretische und technische Einzelheiten zu künstlicher Intelligenz werden auch für den Laien verständlich und mit scheinbarer Leichtigkeit erklärt und bringen die Handlung voran und ein lebendiger, angenehm zu lesender Schreibstil lässt im Kopf des Lesers Bilder entstehen. Um so bedauerlicher ist es, dass bei den Protagonisten keinerlei Emotionen geschildert werden, so dass vom Leser eine Beziehung zu den Charakteren nicht aufgebaut wird. Merkwürdigerweise werden Gefühle nur beim Antagonisten Steve beschrieben, der Menschen verachtet und nur „seiner“ KI zugetan ist und dabei Grenzen überschreitet.

Meike Eggers wirft in ihrem Buch nicht nur zukunftsgerichtete Fragen auf wie die nach einer vielleicht unaufhaltsamen Symbiogenese zwischen Mensch und selbstlernendem Algorithmus, sondern stellt auch ethische Fragen, z.B. wo ist der Sitz der Seele, was ist das Bewusstsein und gibt es ein Weltbewusstsein.

Titel (eine gelungene Wortschöpfung!) und Cover mit angedeutetem Schaltplan globaler Vernetzung und, im Dunklen kaum zu erkennen, dem Berliner Fernsehturm, sind sehr gut gewählt und gefallen mir.
„Cybionic – Der unabwendbare Anfang“ ist der erste Teil einer Trilogie, und hat ein nicht ganz rundes Ende, einige Entwicklungen werden nicht abgeschlossen. Dennoch hat das Buch mich bestens unterhalten und mir viel zu denken gegeben, und ich freue mich auf den Folgeband.

Ich vergebe 4,5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.05.2022

Aufgeben ist keine Option

Perfect World. Nichts scheint, wie es ist
0

Evas Ehemann Daniel verschwindet überraschend, sie verliert am gleichen Tag ihren Job und als wäre das noch nicht genug, kann sie gerade noch die Entführung ihres Sohns verhindern, von ihrer Tochter gibt ...

Evas Ehemann Daniel verschwindet überraschend, sie verliert am gleichen Tag ihren Job und als wäre das noch nicht genug, kann sie gerade noch die Entführung ihres Sohns verhindern, von ihrer Tochter gibt es keine Spur.

Evas bis dahin heile Welt steht plötzlich Kopf, wem kann sie vertrauen, wie findet sie heraus, was eigentlich los ist? Es gibt viele Wendungen, die Protagonistin wird zur Löwenmutter, stellt sich der Mafia entgegen und kämpft um ihr Leben und das ihrer Kinder. Unterstützt wird Eva lediglich von zwei rätselhaften Personen, denen sie nicht vertrauen kann, es aber muss.
Spannend und voller Action entwickelt sich ein wahrer Thriller, der weder Eva noch dem Leser die kleinste Ruhepause lässt.

Selbst am Ende der Geschichte gibt es noch einmal eine überraschende Wendung, die Eva und den Leser sprachlos zurück lässt. Nichts ist, wie es scheint.

Das Cover ist einfallsreich gestaltet und sehr gelungen, der Schreibstil ist abwechslungsreich, lebendig und bildhaft, auch humorvoll, die Geschichte ist schnell und angenehm zu lesen. Die Ich-Erzählperspektive der Protagonistin verleiht der Figur Tiefe und ich bin als Leser mitten drin im Geschehen und folge Evas Gedankengängen. In kursiv gesetzten, rückblickenden Überlegungen räumt sie ein, dass sie vielleicht hier und da anders hätte handeln können und gegen Ende bescherten mir diese Einschübe einen aha-Effekt, der mich schmunzeln ließ. Eine sehr schöne Idee lieber Autor!

Dieser durchgehend spannende, actionreiche Thriller mit einer toughen Protagonistin, für die Aufgeben keine Option ist, hat mich bestens unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere