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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.07.2022

Wenn die Welt zerbricht

Baumschläfer
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Der 14-jährige Marius kommt aus so genannten schwierigen Verhältnissen: der Vater trinkt und ist gewalttätig, die Mutter nach einem Schlaganfall stark eingeschränkt und die 12-jährige Schwester Esther ...

Der 14-jährige Marius kommt aus so genannten schwierigen Verhältnissen: der Vater trinkt und ist gewalttätig, die Mutter nach einem Schlaganfall stark eingeschränkt und die 12-jährige Schwester Esther ist frühreif und aufsässig. Als Marius miterleben muss, wie sein Vater im Streit seine Mutter ersticht und ihn selber schwer verletzt, bricht seine ganze Welt zusammen. Er landet im Heim, doch die Betreuer sind mit dem schwer traumatisierten Jungen, der sich immer mehr in sich selber zurückzieht, überfordert. So geschieht das Unausweichliche: Marius läuft aus dem Heim weg und landet auf der Straße.

In 4 Kapiteln und vielen kurzen Abschnitten erzählt Christian Duda eine Geschichte, wie sie immer wieder passieren kann. Ein Mensch verliert jeglichen Halt, landet einsam in der Obdachlosigkeit, kämpft gegen Kälte, Hunger, Gewalt und Einsamkeit. Dass es sich hier um ein Kind handelt, macht die Sache noch schlimmer. Die Tatsache, dass dieses Buch von einem wahren Fall inspiriert wurde, macht es fast unerträglich. Die Gedanken des Jungen sind absolut authentisch beschrieben, die Verzweiflung, die Einsamkeit, die Trostlosigkeit. Das hat mich zutiefst berührt, Trauer, Wut, Fassungslosigkeit in mir aufkommen lassen. Dieses Buch hallt noch lange nach und lässt nachdenken.
Empfohlen ist es ab 14 Jahren.

Mein Fazit: ein wichtiger, schonungsloser Roman. Absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 29.06.2022

Von der Grausamkeit des Schweigens

Was ich nie gesagt habe
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Tom Monderath, der beliebte Kölner Nachrichtenmoderator hat sein großes Glück gefunden und alles könnte perfekt sein. Doch dann erhält er eine Nachricht, die sein Leben wieder einmal auf den Kopf stellt. ...

Tom Monderath, der beliebte Kölner Nachrichtenmoderator hat sein großes Glück gefunden und alles könnte perfekt sein. Doch dann erhält er eine Nachricht, die sein Leben wieder einmal auf den Kopf stellt. Durch einen DNA-Test erfährt Tom, dass er einen holländischen Halbbruder hat: Henk, der ihm wie ein Zwillingsbruder ähnelt und mit dem er sich sofort blind versteht. Als jedoch herauskommt, dass es noch mehr Halbgeschwister gibt, muss Tom erkennen, dass er kaum etwas über seinen Vater weiß. Wieder beginnt er zu recherchieren und wieder offenbart sich ihm ein trauriges Kapitel seiner Familie.

Auf zwei Erzählebenen offenbart Susanne Abel diesmal die Geschichte von Toms Vater, einem Jungen, der im Krieg fast seine ganze Familie verliert, in amerikanische Kriegsgefangenschaft gerät und schließlich als angehender Arzt in der jungen, traumatisierten Greta die Frau fürs Leben findet.
Dabei geht es in diesem Roman um weit mehr als eine Familiengeschichte: die Gräuel des Krieges, die unvorstellbaren Verbrechen der Nazi-Ärzte und die Anfänge der Kinderwunsch-Behandlungen sind die Hauptthemen dieses beeindruckenden Romans. Besonders die Frage, was die Tatsache, nicht zu wissen, woher man stammt, und die damit verbundenen seelischen Schmerzen stehen dabei im Vordergrund. Das ist so einfühlsam und berührend geschrieben, dass ich mir die Tränen wieder einmal nicht verkneifen konnte.

Mein Fazit: ein wichtiger, bewegender und zutiefst berührender Roman! Absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 25.06.2022

Spannender Thriller über Missbrauch, Demütigung und Rache

Nur du und ich
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Ein romantisches Wochenende zu zweit in einem abgelegenen Ferienhaus auf Long Island. Literaturprofessor Steven und seine schöne, deutlich jüngere Freundin, die Literaturstudentin Ellie, freuen sich auf ...

Ein romantisches Wochenende zu zweit in einem abgelegenen Ferienhaus auf Long Island. Literaturprofessor Steven und seine schöne, deutlich jüngere Freundin, die Literaturstudentin Ellie, freuen sich auf ein paar ruhige Tage zu zweit. Doch was voller Romantik und Leidenschaft beginnt entwickelt sich in kurzer Zeit zu einem Psychoduell der Sonderklasse. Denn hier ist wirklich nichts, wie es scheint und sowohl Steven als auch Ellie haben Geheimnisse. Das Einzige, das sicher ist: nur einer wird dieses Wochenende überleben.

Dieser Thriller ist ein wirklich beeindruckender Debütroman. Spannend und voller Wendungen lässt Laure van Rensburg die Geschichte dieser toxischen Beziehung aus den wechselnden Perspektiven von Steven und Ellie erstehen. Und immer wieder taucht eine dritte, zunächst namenlose Stimme auf, die langsam Klarheit ins Dunkel bringt. Es geht um Missbrauch, nicht um den sichtbaren, körperlich brutalen, sondern den leisen, durch Demütigungen, durch das Benutzt- und Fallengelassen-Werden. Das wird so eindrucksvoll und authentisch beschrieben, dass dieser Roman noch lange nachhallt. Das berührt und macht sehr nachdenklich.
ET des Buches ist der 30.06.2022

Mein Fazit: Spannender Thriller zu einem wichtigen und aktuellen Thema. Absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 14.06.2022

Hörgefühlt - ein mörderischer Podcast

Das Letzte, was du hörst
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Hörgefühlt heißt der Podcast, über den „Frauenflüsterer“ Marc Maria Hagen seine Anhänger/innen mit seiner charismatischen Stimme und seinen Aussagen in den Bann schlägt. So sehr, dass sie bereit sind, ...

Hörgefühlt heißt der Podcast, über den „Frauenflüsterer“ Marc Maria Hagen seine Anhänger/innen mit seiner charismatischen Stimme und seinen Aussagen in den Bann schlägt. So sehr, dass sie bereit sind, viel Geld für Coachings auszugeben. Doch der Mann hat Geheimnisse, seine Vergangenheit ist vollkommen unbekannt und auch Fotos gibt es keine von ihm. Als die Männer zweier Hörgefühlt-Anhängerinnen grausam ermordet werden und die beiden Frauen ebenfalls tot aufgefunden werden, beginnt Kommissarin Carola Barreis mit den Ermittlungen.

Spannend von der ersten Seite an zieht uns Andreas Winkelmann wieder einmal gekonnt in seinen Bann. Dabei wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und Zeitebenen erzählt. Mal erfahren wir die Dinge aus der Sicht von Roya, dann sind wir tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der äußerst sympathischen Kommissarin eingebunden und schließlich erzählt der Täter selber in Rückblenden von seiner Kindheit und dem Drang, der ihm zum Mörder macht. Das ist nicht nur abwechslungsreich sondern führt immer wieder auf die falsche Fährte und bietet viele Wendungen. Dabei sind die Charaktere sehr authentisch und glaubwürdig beschrieben. Vor allem Kommissarin Barreis und ihr alter Freund und Paul, seines Zeichens Gerichtsmediziner, haben es mir angetan.

Mein Fazit: ein typischer Winkelmann: spannend, immer wieder überraschend, absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 21.05.2022

Berührende Annäherung an den Vater

Vati
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Josef hatte kein einfaches Leben. Ein Kind aus armen Verhältnissen hat er Glück und findet Förderer, die sein Potential erkennen und seine Liebe zu Büchern fördern. Doch kurz vor der Matura muss er in ...

Josef hatte kein einfaches Leben. Ein Kind aus armen Verhältnissen hat er Glück und findet Förderer, die sein Potential erkennen und seine Liebe zu Büchern fördern. Doch kurz vor der Matura muss er in den Krieg und kommt als Kriegsversehrter zurück. Ein Bein wurde ihm genommen. Doch dafür findet er im Lazarett seine Frau Grete kennen, mit der er vier Kinder hat. Doch auch diese Glück ist nur von kurzer Dauer. Und so zieht sich der Witwer immer mehr aus der Welt.

Mit Vati begibt sich Monika Helfer auf die Suche nach einem Mann, den sie nie wirklich kennen lernen konnte und den immer ein Geheimnis zu umgeben schien. Gleichzeitig erzählt sie die Geschichte ihrer Familie und ihrer Kindheit. Wie schon in „Die Bagage“ geschieht das klar und authentisch, mit viel Wärme und äußerst berührend. Die Charakter sind liebevoll gezeichnet, die schwere Zeit des 2. Weltkrieges ebenso authentisch beschrieben wie die nicht immer einfachen Familienverhältnisse.

Mein Fazit: eine berührende Annäherung an den Vater. Absolut lesenswert

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