Profilbild von minjo

minjo

Lesejury Profi
offline

minjo ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit minjo über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2024

Faszinierende Einblicke in die Welt der neuronalen Programmierung. So tickt unser Gehirn!

REMIND Dein Gehirn kann viel mehr, als du glaubst
0

"Im ersten Viertel unseres Lebens entwickeln wir unsere Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster. In den letzten drei Vierteln kämpfen wir gegen sie an."
Yvonne Diewald

Zum Inhalt:
Wer kennt es nicht; dieses ...

"Im ersten Viertel unseres Lebens entwickeln wir unsere Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster. In den letzten drei Vierteln kämpfen wir gegen sie an."
Yvonne Diewald

Zum Inhalt:
Wer kennt es nicht; dieses Gefühl, wieder einmal versagt zu haben, wenn die guten Vorsätze schon nach wenigen Wochen scheitern und damit der gefühlt tausendste Versuch einer Verbesserung auch schon wieder fehlschlägt. Unweigerlich geben wir uns selbst die Schuld daran, weil wir uns zu disziplinlos oder schwach halten. Was die meisten von uns nicht ahnen: wir sind hier ein Spielball von automatisch ablaufenden Programmierungen, die vor Jahren in unserem Gehirn angelegt und die durch wiederholtes Abspielen mit der Zeit so verstärkt wurden, dass es sehr schwer ist, aus diesem Hamsterrad einfach auszusteigen. Die neuronale Programmierung kann hier Abhilfe schaffen, indem sie neue Programmierungen aufbaut, verstärkt und "falsche", unliebsame Programmierungen im Gehirn wieder abbauen lässt. Das alles passiert natürlich nicht von heute auf morgen, doch die Autorin Yvonne Diewald verspricht mit ihrer erprobten REMIND-Methode eine Lösung für unsere individuellen Probleme.

Zum Buch:
Die Autorin Yvonne Diewald ist nicht nur studierte Neuwissenschaftlerin, sondern hat ihr umfangreiches Wissen über Jahrzehnte in der Praxis angewandt. Durch einen persönlichen Schicksalsschlag hat sie sich immer mehr mit der Funktionsweise des Gehirns und was es wirklich zu leisten imstande ist, beschäftigt und kann so auch aus persönlicher Erfahrung zu diesem großen Wissensbereich beitragen. Im ersten Teil berichtet sie von ihren persönlichen Erfahrungen und erklärt in den nachfolgenden Kapiteln in verständlicher Sprache - ohne Fachchinesisch - die Funktionen unserer internen Schaltzentrale. Sie gibt viele Beispiele und schließt die Kapitel jeweils mit einer Aufgabe ab, die jeden Leser dazu bringen solllte, sein eigenes Problem zu reflektieren, welche man gerne bearbeiten und auf Dauer loswerden möchte.

Persönliche Meinung:
Da ich mich vorher noch nie mit neuronaler Programmierung bzw. Gehirnentwicklung beschäftigt habe, folgte in diesem Buch ein Aha!-Moment nach dem anderen. Es ist ein faszinierendes Thema mit unglaublich spannenden Facetten, welches von der Autorin logisch aufbereitet und vermittelt wird. Ihre Erfahrungen mit ihrem Sohn lässt sie dabei immer wieder einfließen und gibt dem Inhalt eine wertvolle persönliche Note. Ganz besonders spannend fand ich die Einflüsse, die noch vor unserer Geburt und im Baby- und Kleinkindalter auf unser Gehirn einwirken und uns für den Rest unseres Lebens prägen. Mit diesen Informationen konnte ich wirklich etwas anfangen und habe inzwischen auch schon eine konkrete Ahnung, wo mein eigenes Problem herrührt. Mit der REMIND-Methode soll es gelingen, diese eingefahrenen Denk- und Verhaltensmuster wieder aufzulösen und durch neue Programmierungen zu ersetzen. Man bekommt schon beim lesen eine Ahnung, dass dies mit Arbeit verbunden sein wird und sich nicht nur duch die bloße Lektüre des Buches zum besseren ändert. Ich denke, wenn sich wirklich etwas bewegen soll, werde ich das Buch noch öfters zur Hand nehmen müssen. Nun ja, Rom ist ja auch nicht an einem Tag erbaut worden...

Fazit:
Sehr gut und leicht verständlich geschriebener Einstieg in die faszinierende Welt der neuronalen Programmierung. Es erweitert den Horizont ungemein, wenn man sich bisher noch nie mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Der Schlüssel zur dauerhaften positiven Veränderung liegt aber im "machen", deshalb liegt es an jedem selbst, ob man willens ist, mithilfe des Buches an sich zu arbeiten. Es könnte eine spannende Reise werden, auf der man viel über sich und seine Schaltzentrale lernt - und das sollten wir uns doch wirklich wert sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.02.2024

Lilly Bernstein's Geschichten treffen mitten ins Herz

Sturmmädchen
0

Elli, Käthe und Margot ... drei junge Frauen, die seit ihrer Kindheit fest miteinander befreundet sind, so unterschiedlich sie auch sein mögen.
1933, als das Unheil in Deutschland bereits seinen Lauf nimmt ...

Elli, Käthe und Margot ... drei junge Frauen, die seit ihrer Kindheit fest miteinander befreundet sind, so unterschiedlich sie auch sein mögen.
1933, als das Unheil in Deutschland bereits seinen Lauf nimmt und noch niemand an den nächsten Krieg denken möchte ... schon gar nicht Elli, Käthe und Margot, die in einem etwas abgelegenen Dorf in der Eifel, nahe der belgischen Grenze, noch nichts von der Gefahr ahnen, die bald ihre Freundschaft zu zerreissen droht.
Käthe, in armen und schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen, spricht der neuen Ideologie zu, verspricht sie sich davon doch eine Verbesserung ihrer Lebensumstände. Aufgehetzt durch die Parolen der NS, passt ihre Freundin Margot, eine Jüdin aus gutem Hause, nicht mehr in ihre Welt und sie wendet sich von ihr ab. Elli, die körperlich gehandicapte Tochter einer Hebamme, steht zwischen ihnen und versucht, zwischen Käthe und Margot zu vermitteln. Doch als der Hass auf Juden sich immer mehr zuspitzt, muss sich Elli entscheiden. Wird die Freundschaft der drei Mädchen und ihr gegebenes Versprechen "Alle für eine, eine für alle" diese stürmischen Zeiten überstehen?

Zum Buch:
Dies ist bereits der dritte "Mädchen"-Roman aus der Feder von Lilly Bernstein aka Lioba Werrelmann. Während "Findelmädchen" noch Verbindungen zum "Trümmermädchen" hat und man erfährt, was aus den Protagonisten des ersten Romans wurde, ist "Sturmmädchen" eine ganz neue, eigenständige Geschichte. Einzig die Zeit des 2. Weltkriegs und jeweils eine starke junge Frau im Mittelpunkt des Geschehens haben alle drei Romane gemeinsam. An sich ist auch die vorliegende Geschichte nicht neu: Freundschaften, die unter dem NS-Regime zu zerbrechen drohen / Hilfe bei der Flucht befreundeter Juden ins nahe Ausland. Viele historische Romane gibt es hierzu schon, doch es kommt eben immer darauf an, WIE eine Geschichte geschrieben wird und Lilly Bernstein hat definitiv die Gabe, ihren Figuren und Geschichten so viel Warmherzigkeit und Leben einzuhauchen, dass man vom ersten Kapitel an am Haken hängt.

Persönliche Meinung:
Auch diese Geschichte hat mich von Beginn an berührt und in Atem gehalten. Die Entwicklung der drei Mädchen in der Zeit zwischen 1933 bis 1940 und wie unterschiedlich ihr Leben in jenen Tagen verlief, als das NS-Regime immer grausamer das tägliche Leben aller Menschen veränderte, wurde sehr gut herausgearbeitet. Die Figuren und das Setting sind unglaublich bildstark und authentisch beschrieben, man konnte sich das Leben in diesem Eifel-Dörfchen wirklich lebhaft vorstellen. Dabei spart die Autorin auch nicht grausame Details aus, die einem wirklich unter die Haut gehen und einem nur zu deutlich vor Augen führen, was die Menschen in dieser Zeit erlitten haben. Mich hat besonders die Entwicklung von Elli vom naiven Mädchen zur selbstbewussten starken jungen Frau beeindruckt, die in diesem Roman auch die Hauptprotagonistin darstellt. Zwar konnte ich nicht alle ihre Verhaltensweisen nachvollziehen, aber dies tat dem Leseerlebnis keinen Abbruch. Auch die Liebe kam hier nicht zu kurz und ich würde mir wünschen, dass ich im nächsten "Mädchen"-Roman erfahre, wie es mit Elli und ihrer wachsenden Familie weitergeht.

Fazit:
Ein absolut lesenswerter historischer Roman, der einem nicht nur diese grausame Zeit aus der Perspektive drei junger Frauen nahebringt, sondern auch aufzeigt, wie echte Freunde in schwierigen Zeiten bereit sind, große persönliche Opfer zu bringen und dabei über sich selbst hinauswachsen. Absolute Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.06.2022

Solide Fortsetzung der Kluftinger-Reihe

Affenhitze (Kluftinger-Krimis 12)
0

Cover und Titel versprechen bereits einen neuen spannenden Fall für Kommissar Kluftinger, derzeit Interims-Polizeipräsident, und sein launiges Team.
In einer Tongrube im Ost-Allgäu haben Wissenschaftler ...

Cover und Titel versprechen bereits einen neuen spannenden Fall für Kommissar Kluftinger, derzeit Interims-Polizeipräsident, und sein launiges Team.
In einer Tongrube im Ost-Allgäu haben Wissenschaftler sensationelle Funde gemacht, u.a. Knochen des über 11 Millionen alten "Urzeitaffen Udo", der die Annahme der Paläontologen befeuerte, dass die Wiege der Menschheit im Allgäu zu verorten sein könnte. Priml! Wer hätte das gedacht??
Doch ausgerechnet bei einem Festakt wird im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten die Leiche von Professor Brunner gefunden. Sofort werden die Ermittlungen aufgenommen, die - wie es sich für einen Krimi gehört - in alle möglichen Richtungen gehen und mehrere Verdächtige ans Tageslicht befördern, die alle ein Motiv gehabt haben könnten.

Wer die Kluftinger-Reihe kennt, weiß, dass der jeweilige Fall immer nur einen Teil der Geschichte ausmacht und oftmals auch zur Nebensache mutiert, denn letztendlich geht es ja um "Klufti" selbst. So auch hier: Neben der Aufklärung des Falls ist er beschäftigt, die Tagesmutter seiner Enkelin zu beschatten, er entdeckt zudem die Welt der "Sozialmedien" und mutiert in kürzester Zeit zum unfreiwilligen lokalen Facebook-Star, lernt (mehr oder weniger gekonnt) das Drohnenfliegen und hilft seiner Frau tatkräftig bei der Ansammlung von Flohmarktkrempel. Auch Doktor Superschlau-Langhammer darf natürlich wieder nicht fehlen - ohne ihn wäre es auch nur halb so witzig. Doch auch sein Team, allen voran Richie Maier und Lucy Beer, sorgen für amüsante Szenen mit und rund um Klufti.

Das Buch ist schon dank des Covers ein richtiger Eyecatcher - fällt auf jeden Fall schnell ins Auge und ist auch von der Oberflächenstruktur super gemacht. Wie immer taucht man auch bei "Affenhitze" sehr schnell in die Geschichte ein, der Schreibstil der beiden Autoren ist erprobt flüssig und bildstark. Man kann gar nicht anders: Das Kopfkino fängt unweigerlich an zu laufen und zeigt einen herrlich kurzweiligen Film.

ABER: Als Leserin der ersten Stunde finde ich, dass es die Autoren immer mehr übertreiben, was die Tollpatschigkeit und Naivität ihres Hauptprotagonisten anbelangt. Das kratzt dann wirklich schon ordentlich an der Glaubwürdigkeit eines "Kommissars", so erheiternd sich manche Szene auch lesen lässt. Kluftinger verkommt mit den Jahren immer mehr zur Witzfigur, den man nicht mehr ernst nehmen kann (Stichwort "Sozialmedien"). Anscheinend tun es auch seine Erfinder inzwischen nicht mehr. Vielleicht sollten sie langsam über ein würdiges Ende
ihrer Kluftinger-Reihe nachdenken, bevor es immer mehr in völlige Unglaubwürdigkeit abdriftet. Das ist dann nämlich irgendwann auch nicht mehr lustig zu lesen.

Übrigens sind die Funde rund um Urzeitaffe Udo keine Erfindung der Autoren. Diese wurden tatsächlich vor wenigen Jahren von Wissenschaftlern der Uni Tübingen in der Tongrube Hammerschmiede in Pforzen / Allgäu gefunden.
Die Fakten dieser Entdeckung wurden sehr gut und vor allem wahrheitsgetreu im vorliegenden Kluftinger"Fall" eingearbeitet. Ach ja, eine Leiche unterm Bagger wurde bei den echten Ausgrabungen zum Glück nicht entdeckt ...

Fazit:
Kurzweilige und amüsante Lesestunden sind garantiert, perfekt für heiße Urlaubstage!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2025

Wo Thriller auf dem Cover steht, ist nicht immer einer drin

The Woman in Suite 11
0

Laura Blacklock aus New York wird zur Eröffnung eines Luxuxhotels am Genfer See eingeladen. Zunächst zögerlich nimmt sie die Einladung an, in der Hoffnung, nach ihrer Familienpause wieder in ihrem Job ...

Laura Blacklock aus New York wird zur Eröffnung eines Luxuxhotels am Genfer See eingeladen. Zunächst zögerlich nimmt sie die Einladung an, in der Hoffnung, nach ihrer Familienpause wieder in ihrem Job als Reisejournalistin Fuss fassen zu können.`Am Gala-Abend im Grandhotel stellt sie fest, dass nicht nur drei alte Bekannte, die mit ihr vor zehn Jahren auf dem Schiff Aurora waren, anwesend sind - sonder auch die Frau, die sie seit damals bis in ihre Albträume verfolgt und die seitdem auf der Flucht ist: Carrie, die Frau aus Suite 11 und seit Jahren geheimgehaltene Geliebte des Millionärs Marcus Leidmann, dem Eigentümer des Grandhotels. Carrie bringt sie dazu, mithilfe von Laura's britischen Passes nach England zu kommen, da sie ihr glaubhaft versichert, seit Jahren unter Leidmann zu leiden, der von ihrer Vergangenheit weiß und es als Druckmittel gegen sie verwendet. In dem Hotel in England kommt es zu einem Todesfall, ausgerechnet Marcus Leidmann stirbt in der Hotelwanne und verdächtigt wird Laura, denn Carrie hat ja niemand dort gesehen, da sie sich in Laura's Zimmer versteckt. Wie kann Laura beweisen, dass sie nichts mit dem Mord zu tun hat?

Zum Buch:
Dies ist der Nachfolgeroman von Ruth Ware's "The Woman in Cabin 10", der auf einem Schiff in den norwegischen Fjorden spielte. Sollte man den Vorgänger gelesen haben? Ja, in diesem Fall wäre das auf jeden Fall hilfreich! Ich kenne die Vorgeschichte nicht und war zunehmend irritiert, weil die Autorin ständig Bezug auf damalige Geschehnisse nimmt, allerdings immer nur andeutungsweise, so dass ich mir bis zum Schluss auf vieles keinen Reim machen konnte.
Da es sich lt. Cover um einen Thriller handelt, habe ich natürlich eine spannende
Handlung erwartet, musste jedoch bald feststellen, dass von Spannung durchweg bis zum Ende nichts zu spüren war. Die Handlung dümpelte zäh vor sich hin, selbst an sich spannende Szenen wie die Reise aus der Schweiz nach England war relativ nüchtern und spannungsarm beschrieben. So viel mehr hätte man aus Passagen wie diesen herausholen können bzw. müssen.
Mit vielen Charakteren hat man es in diesem Roman nicht zu tun, doch diese sind leider recht oberflächlich ausgearbeitet, es fehlt den meisten dadurch an Tiefe und Glaubwürdigkeit, allen voran der Hauptperson Laura.

Persönliche Meinung:
Wie man meiner o.a. Buchbeschreibung wahrscheinlich schon entnehmen kann, hat mich dieses Buch eher enttäuscht als gut unterhalten.
Zum einen ist es die Hauptperson Laura, die mir zu Beginn noch sehr sympathisch war, deren weiteres geradezu naives Verhalten im Verlauf der Geschichte für mich immer weniger nachvollziehbar war, so dass sie mich zum Ende hin nur noch nervte.
Die Handlung selbst hatte auch einige Schwachpunkte, die nicht gut ausgearbeitet und einfach zu sehr konstruiert war, um noch als glaubhaft durchzugehen. Dazu noch das törichte Verhalten von Laura, die nach ihren traumatischen Erfahrungen mit tlw. ihr bereits bekannten Personen noch immer gutgläubig von einer in die nächste Misere stolpert...
Letztlich hätte ich vielleicht über einiges hinwegsehen können, wenn nicht das wichtigste bei einem "Thriller" gefehlt hätte: Spannung! So ist leider nur ein spannungsarmer Krimi daraus geworden, keinesfalls aber ein Thriller. Schade!

Fazit:
Nette Geschichte für zwischendurch. Wer allerdings einen spannungs- und wendungsreichen Thriller erwartet, wird mit diesem Buch wahrscheinlich nicht ganz zufriedengestellt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.06.2025

Sind unangepasste Ermittler und Alleingänger die besseren Helden?

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
0

Dana Karasch, Art Mayer's Nachbarin, ist seit fast 1 1/2 Jahren verschwunden. Deren Tochter Milla ist inzwischen 8 Jahre alt und Art kümmert sich viel um sie, denn ihre Großmutter, bei der sie nun lebt, ...

Dana Karasch, Art Mayer's Nachbarin, ist seit fast 1 1/2 Jahren verschwunden. Deren Tochter Milla ist inzwischen 8 Jahre alt und Art kümmert sich viel um sie, denn ihre Großmutter, bei der sie nun lebt, leidet zunehmend unter Demenz. Es besteht die Gefahr, dass Milla ins Heim muss, sollte die Schule und Jugendamt auf diese Situation aufmerksam werden. Da sich in Dana's Vermisstenfall inzwischen nichts mehr bewegt, ermittelt er auf eigene Faust weiter und bittet sogar den Bundeskanzler um Hilfe. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse, als Art und Nora in einem längst verlassenen Trailerpark im Wald die Leiche eines hohen Richters finden und weitere Leichen auf dem Gelände gefunden werden...

Der neue Thriller "Die Nacht" von Marc Raabe ist der 3. Teil der Art Mayer-Serie.
Dieser ist Ermittler beim BKA und wird von Nele Tschaikowski tatkräftig unterstützt. Marc Raabe hat einen bildhaften, detailverliebten und atmosphärischen Schreibstil. Die Geschichte ist gut aufgebaut und von Anfang an tempo- und wendungsreich, der Spannungsbogen zieht sich bis zum Ende hin strammer, so dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen mag. Durch die Rückblicke in Dana's Vergangenheit bekommt man eine Ahnung davon, was damals geschah und welche Auswirkungen dies auf das Leben der Beteiligten hatte. Die Auflösung empfand ich nicht ganz schlüssig und hat auch nicht alle meine Fragen beantwortet.

Die Hauptperson Art Mayer wird als legendärer, aber gebrochener Ermittler dargestellt. Ein tougher, grantliger, unfreundlicher, oft ziemlich arroganter Typ, der sich nicht mal von vertrauten Personen wie Nele in die Karten schauen lässt und sich schon gar nicht an Regeln hält. Auch wenn er durchaus ein Herz hat, wie seine Zuneigung zur kleinen Milla beweist. Mich hat es aber zunehmend gestört, dass Art und auch Nele ständig ihr eigenes Ding durchgezogen haben und sich auch immer wieder wider besseren Wissens in gefährliche Situationen ohne Backup (bzw. wenigstens vollem Akku) begeben haben. Mich persönlich nervt es zunehmend, dass immer mehr Krmi- und Thrillerautoren ihre Ermittler so ähnlich darstellen wie Art Mayer und Nele Tschaikowsky: unangepasste "Helden", die ihr eigenes Ding durchziehen und auf Regeln pfeifen. Sie sind die einzig Cleveren und ihre Kollegen, die sich an Recht und Ordnung halten, sind das gemeine Fußvolk, die sie für Informationen und letztendlich zum Aufräumen anfunken. Ist das wirklich das Bild, dass als Vorbild vermittelt werden soll?

Was mir auch bei diesem Buch wieder aufgefallen ist, sind die vielen Rechtschreib- und Tippfehler, einmal sogar in der Titelüberschrift, z.B. S.355 "Dana - Am Tag ihres Verwindens". Können sich auch namhafte Verlage keine Korrekturleser mehr leisten? Sollten einem Lektoren wenigstens die groben Schnitzer nicht auffallen?

Insgesamt aber ein solider und spannender Thriller.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere