Die Verletzte und der Einsame
Try & TrustIch bin so sehr begeistert von der Soho-Reihe!
Nachdem ich "Fly & Forget" verschlungen habe, hatte ich Angst der zweite Teil würde mich enttäuschen, aber ich bin mir gar nicht sicher, ob ich ihn sogar ...
Ich bin so sehr begeistert von der Soho-Reihe!
Nachdem ich "Fly & Forget" verschlungen habe, hatte ich Angst der zweite Teil würde mich enttäuschen, aber ich bin mir gar nicht sicher, ob ich ihn sogar besser als den Vorgänger fand.
Vorab sollte wieder erwähnt werden, wie angenehm der Schreibstil der Autorin ist. Ich glaube, ich würde alles von ihr lesen.
evtl. SPIOLER..
In der Geschichte geht es um Matilda und Anthony und eigentlich auch um Briony. Matilda und Briony sind die besten Freundinnen und ihre Verbundenheit finde ich persönlich total bewegend. Anthony ist der beste Freund von Noah, der Mitbewohner der Mädels und mein Favorit! Noah taucht auch in dieser Geschichte häufiger auf und ich liebe ihn, weil er ein kleiner Trampel ist und absoluten Wiedererkennungswert hat. Vielleicht sollte generell erwähnt werden, dass alle Protagonisten sofort erkennbar sind. Theoretisch bräuchte gar nicht dazustehen, wer was sagt, denn man merkt es als Leser an der Art wie etwas gesagt wird. Jeder Charakter ist einzigartig mit seinen Besonderheiten und keiner ist unsympathisch. Matilda ist vorlaut, frech, loyal und lässt sich absolut nicht die Butter vom Brot nehmen. Ich habe mich während der Geschichte gewundert, warum sie so traumatisiert ist und sich gegen Gefühle so sehr verschließt. Nur, weil ihr Vater die Familie verlassen hat, noch dazu als sie bereits volljährig war, muss man nicht gleich alles und jeden in Frage stellen. Als sie im Laufe der Geschichte ein klärendes Gespräch mit Anthony hat, fragt sie sich selbst, ob ihre Probleme vielleicht gar nicht so groß sind wie sie denkt. Das fand ich super, Selbstreflektion geschieht leider viel zu selten, aber es gibt natürlich einen Unterschied zum Jammern oder wirklich wegen etwas zu leiden. Anfangs hassen sich Anthony und Matilda, weil er eigentlich mit ihrer besten Freundin anbendelt, die er tatächlich gern hat und schätzt, aber eben nicht liebt. Briony hingegen ist ihn verknallt und Matilda befürchtet, dass sie verletzt wird. Also konfrontiert sie Anthony und lässt sich auf den Deal ein sich von ihm akt malen zu lassen. Die Umstände der Situation waren so gut beschrieben. Tatsächlich war die Nacktheit nicht das Problem zwischen ihnen, sondern die Kunst - der Geruch nach Farbe. Denn wie sich später herausstellt, hat auch Matilda einst gern gezeichnet. Sie entdeckt durch Anthony ihr Hobby wieder und hier fand ich es z. Bsp. sehr schön, dass sie zeichnet, während er malt und dass trotzdem er der begabte Künstler ist und sie nicht auf einmal beide Karriere damit machen. Matilda schätzt einfach nur ihr Hobby.
Als sie sich kennenlernen, wenn auch widerwillig, stellt Matilda fest, dass sie ihn nicht hassen kann, weil er eben einfach kein schlechter Mensch ist und nichts Böses in sich trägt. Tatsächlich ist ihre Zurückweisung und Abneigung anfangs auch größer, denn er ist seit jeher fasziniert von ihr. Es ist so schön zu lesen, wie sie sich kennenlernen und verlieben, weil es so perfekt dargestellt ist.
Ich finde die Geschichte zudem total mutig. Denn Matilda ist schließlich kein Mädchen, das von der großen Liebe träumt oder auch nur von einer Beziehung. Sie ist jemand, die gern rumvögelt und auch kein Geheimnis darum macht. Diese Art von Frauen wird leider noch viel zu oft verurteilt, aber ich verurteile Matilda nicht. Ich mag sie, weil sie mutig und offen ist. Anthony hingegen ist tiefsinniger. Er hat zwar auch zwanglosen Sex, aber trotzdem muss der Mensch ihn interessieren und er muss die Frau mögen, auch wenn anschließend nichts Ernstes daraus wird. Ich mochte ihn sehr. Er hatte so viel Sympathie, obwohl er eigentlich immer allein war. Genau wie in Teil 1 hat man gemerkt, dass Noah für ihn wahrscheinlich am meisten Familie ist. Ich würde auch noch einen Teil über die zwei lesen. Alle Figuren tauchen hier auch regelmäßig auf, weshalb ich finde, dass man den ersten Teil schon vorher gelesen haben sollte. Ansich sind es ineinander abgeschlossene Geschichten, aber die Charaktere sind zu präsent und zu gut um sie nur teilweise zu erleben.
Ich bin so gespannt auf den letzten Teil, denn auch Briony hat mich inzwischen begeistert. Sie ist stark und irgendwie zerbrechlich aber loyal und ehrlich. Ich fand sie zum Ende des Buchs einfach klasse! Sie war erwachsen und kein bisschen selbstsüchtig, hat aber dennoch nicht verborgen, dass es ihr weh tut, dass Anthony sich nicht für sie entschieden hat.
Absolute Empfehlung!