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Veröffentlicht am 21.07.2022

Trotz toller Story und liebeswertem Heldenpaar, Punktabzüge wegen diverser Längen

The Duchess Circle - Ein delikater Liebesbrief
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Lady Henrietta lebt zusammen mit ihrer Halbschwester und ihrer Stiefmutter auf dem Land. Sie würde sehr gerne selbst heiraten und Kinder bekommen. Bislang glaubte sie jedoch, diese Möglichkeit bliebe ihr ...

Lady Henrietta lebt zusammen mit ihrer Halbschwester und ihrer Stiefmutter auf dem Land. Sie würde sehr gerne selbst heiraten und Kinder bekommen. Bislang glaubte sie jedoch, diese Möglichkeit bliebe ihr verwehrt, da sie durch ihre Mutter vererbt, ebenfalls eine sehr schwache Hüfte besitzt. Einst starb Henriettas Mutter bei ihrer Geburt und selbst konsultierte Ärzte der Umgebung rieten Henrietta davon ab, eine Familie gründen zu wollen.

Doch sie hat sich trotz großen Kinderwunsches mittlerweile mit ihrer Situation arrangiert. Das ändert sich jedoch, als sie auf die ausgebüxten Halbschwestern des Adligen Sir Simon Darby trifft, die sich sogleich in ihr Herz schließt. Da diese kurz zuvor ihr Kindermädchen in die Flucht schlugen, bietet Henrietta Sir Simon kurzerhand an, dass sie ihm helfen will, einen Ersatz zu finden. Währenddessen kommen sich Henrietta und Simon näher und trotz der Tatsache, dass sie sich in so vielen Dingen stark voneinander unterscheiden- so ist Simon ein sehr modebewusster Gentleman, der sich in Samt, Seide und feinster Spitze kleidet, hingegen trägt Henrietta eher zweckmäßige Kleidung und hat kein Auge für Farben oder Formen, erkennen sie im jeweils anderen einen Seelenverwandten.

Als Simon Henrietta während einer Kutschfahrt einen leidenschaftlichen Kuss raubt, werden sie dabei von Henriettas Stiefmutter überrascht. Während Henrietta nun glaubt, Simon wolle bei ihrer Stiefmutter um ihre Hand anhalten, kommt es jedoch ganz anders, als erhofft. Henriettas Stiefmutter erklärt Simon, dass Henriettas Gebrechen es auch völlig unmöglich machen würde, ehelichen Verkehr zu haben, da eine Schwangerschaft Henriettas Tod bedeuten könnte. Simon ist wie vor den Kopf gestoßen und zieht sich zurück. Doch Henrietta und Esme, die verwitwete Lady Rawlings und gleichzeitig Simons Tante, schmieden ein Komplott um Simon doch noch einzufangen.
Ein Liebesbrief, den sich Henrietta vor einiger Zeit selbst schrieb, wird während einer Tischgesellschaft an der auch neben anderen Simon teilnimmt, vorgetragen und dieser sorgt nicht nur für eine äußerst kompromittierende Situation sondern auch dafür, dass Simon als angeblicher Verfasser des Briefes keine andere Wahl bleibt, als Henrietta zu heiraten. Doch wie kann eine solche Ehe funktionieren? Und können beide dennoch glücklich werden, obwohl Henrietta nur dem Namen nach Simons Frau sein darf?

Nachdem ich vom ersten Teil dieser neuen Serie, in der gleich mehrere Ehepaare im Fokus des Geschehens stehen „Ein unerhörter Ehemann“, eigentlich ganz angetan war, da ich den beschwingten, sehr regencytypischen Schreibstil der Autorin so sehr mag, doch auch beim Lesen gegen Ende mit einigen Längen zu kämpfen hatte, war ich nun schon sehr gespannt darauf zu erfahren, ob die Autorin beim zweiten Teil noch eine kleine Schippe drauflegen würde.

Zum Positiven an „Ein delikater Liebesbrief“ gehört, dass man nun bereits mit allen Haupt und Nebenfiguren, die sich um Lady Esme scharren, vertraut ist und daher die gewisse Eingewöhnungszeit wegfällt, die ich noch beim ersten Teil benötigte. Ebenfalls spannend fand ich die Ausgangssituation zwischen Sir Simon und Henrietta, ihre Annäherung, der stets humorvolle, ungekünstelte Unterton mit dem sich beide begegnen und auch die Art und Weise wie Henrietta mit Simons Halbgeschwistern umgeht, hat mich einige Male schmunzeln lassen. Leider gibt es nun aber auch mehrere „aber“, die mich davon abhielten, dem Buch eine bessere Bewertung zu geben.

Fand ich Eloisa James Art, gleich mehrere Paare in einem Buch zusammenzubringen im ersten Teil noch interessant und erfrischend anders, ging mir dieses Verfahren in dieser Geschichte nun doch ziemlich gegen den Strich. Zudem es sich bei dem zweiten Hauptheldenpaar um die hochschwangere Esme und ihren langweiligen Marquis of Bonnington handelt.
Esme weiß nicht, wer der Vater ihres Kindes ist und als sie dann Bonnington unverhofft wieder begegnet, der sich in der Maskerade eines Gärtners auf ihren Besitz geschlichen hat, ist sie hin und hergerissen, da sie Bonnington immer noch liebt und es ihm angeblich genauso geht. Dieses Hin und Her und der Versuch aus dem langweiligen Bonnington plötzlich einen heißblütigen Abenteurer zu machen der sich total gewandelt hat, fand ich ziemlich langweilig umgesetzt und ich war so manches Mal nah dran, die Seiten die Bonningtons und Esmes Liebesgeschichte erzählten, weiterzublättern.

Aber auch Henriettas und Simons Liebesgeschichte konnte mich nicht hundertprozentig überzeugen. Bis zu dem Zeitpunkt, als Simon um Henriettas Hand anhalten möchte, wird die Geschichte sehr schön und romantisch geschildert; Simon und Henrietta sind dazu auch sympathische Hauptfiguren- doch die Sache mit dem Liebesbrief… na ja, ab diesem Zeitpunkt als Esme sich einmischt und beide Frauen Simon mit ihrer List überrumpeln, war irgendwie etwas die Luft heraus aus der Geschichte und ich konnte Henriettas Verhalten auch nicht mehr nachvollziehen.
Zwar sagt sie Simon, nachdem er kompromittiert wurde, die Wahrheit und bietet ihm an sich nicht auf eine Ehe mit ihr einzulassen, doch ein schales Gefühl blieb dennoch beim Lesen erhalten.

Nachdem sich das frischgebackene Ehepaar dann endlich zusammengerauft hat, kämpfte ich abermals gegen einige Längen im Buch an, bis die Autorin ihrer Heldin plötzlich eine Schwangerschaft auf den Leib schreibt. Diese und die Auflösung des Ganzen am Ende wirkt dann auch ein wenig an den Haaren herbeigezogen und es schleicht sich beim Leser schnell das Gefühl ein, als ob die Autorin mit diesen Szenen krampfhaft versucht hätte, lediglich noch einige Seiten mehr zu füllen.

Mir geht es mittlerweile bei Eloisa James Romanen ein wenig wie bei Emma Wildes Historicals. Ich glaube wenn sich beide Autorinnen auf lediglich eine Love Story im Roman besinnen würden und diese ein wenig spannender gestalteten und die Romane dann auch; zumindest im Falle von Eloisa James mit weniger Seiten auskommen würden, müsste man keine Längen innerhalb der Story mehr befürchten.

Kurz gefasst: Volle Punktzahl für den beschwingten Schreibstil, den Esprit und Humor mit dem die Autorin stets zu Werke geht und für ihr interessantes (Haupt)Heldenpaar, dennoch schlichen sich ab der Mitte des Buches viele Längen ein und auch das Happy Ending wirkte auf mich leider sehr gewollt, was am Ende für Punktabzüge sorgte.

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Veröffentlicht am 18.07.2022

Etwas langatmiger, aber netter erster Teil der Cosy Crime Reihe von Julia Chapman, in dem es von skurrilen Nebenfiguren nur so wimmelt

Rendezvous mit Todesfolge
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Das beschauliche Dörfchen Brunscliffe in den Yorkshire Dales, ist der Geburtsort des kürzlich aus dem Polizeidienst ausgeschiedenen Samson O’Brien. Doch Samson, der zuvor eine steile Karriere bei der Polizei ...

Das beschauliche Dörfchen Brunscliffe in den Yorkshire Dales, ist der Geburtsort des kürzlich aus dem Polizeidienst ausgeschiedenen Samson O’Brien. Doch Samson, der zuvor eine steile Karriere bei der Polizei machen konnte, hofft insgeheim, irgendwann wieder zurückkehren zu können in seinen Job. Jüngste Ermittlungen und Ereignisse machen es jedoch nötig, für eine Weile abzutauchen und wo wäre das besser möglich, als in Brunscliffe, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und eigentlich nie etwas Aufregendes geschieht.
Doch kurz nach seinem Eintreffen, muss Samson feststellen, dass die Kriminaliätsstatistik des Ortes kürzlich rapide angestiegen ist.
Ein junger Mann aus Brunscliffes Mitte der Gesellschaft ist verstorben und die Polizei geht, im Gegensatz zu Samson, von einem Selbstmord aus.

Samson, der eines der Ladengeschäfte von Delilah Metcalfe angemietet hat um dort eine Detektei zu betreiben, merkt auf, als ein weiterer Mann ums Leben kommt. Zwar sieht dieser Tod auf den ersten Blick nach einem tragischen Unglücksfall aus, doch fürchtet Samson mittlerweile, dass ein Serienkiller im Ort umgeht. Und rasch zieht er Parallelen zu Delilahs Dating-Agentur. Denn beide Verstorbenen waren fleißige Speed-Dater.
Delilah, die fürchtet, in den Fokus der Polizei zu geraten, schlägt Samson vor, mit ihm zusammenzuarbeiten. Nur gemeinsam können sie die Mordfälle aufklären, so denkt sie.

Und obwohl Samson und Delilah wie Hund und Katze und sich spinnefeind sind, müssen sie sich zusammenraufen. Immerhin scheint zumindest Delilahs Hund, Tolpuddle, Samson zu mögen…

Mit „Rendezvous mit Todesfolge“, erschien vor über einem Jahr Julia Chapmans erster Teil ihrer mittlerweile siebenbändigen, britischen Cosy-Crime Reihe über die Dales Detective Agentur. Und da ich eine Schwäche für britische Krimis habe und für Bücher, die mit einem ansprechenden Layout daherkommen, konnte ich beim Büchershoppen nicht wirklich widerstehen, als mir die ersten beiden Teile der Serie in die Hände fielen.
Bis ich mich durch meinen SUB durchgelesen hatte, dauerte es letztendlich dann doch noch eine Weile. Und das galt auch für besagtes Buch. Obwohl die Autorin durchaus einen beschwingten Schreibstil an den Tag legte, kam ich irgendwie nicht richtig hinein in die Geschichte. Das lag vor allem daran, dass in ersten Teilen einer Serie neben den Hauptfiguren, zumeist eine unzählige Anzahl an Nebenfiguren vorgestellt wird. In diesem Fall sind es die Dörfler, Delilahs Großfamilie und die, zugegeben witzigen Bewohner des Alterswohnheims. Bis man sämtliche Beziehungen durchschaut hat, vergeht eine ganze Weile und man sollte schon konzentriert dabei sein, sonst verliert man rasch den Faden. In Sachen Spannung kommt Julia Chapmans Roman erst im letzten Drittel so richtig in Fahrt und obwohl ich den Roman durchaus gut geschrieben fand, habe ich mich dennoch durch einige Längen kämpfen müssen. Diese sorgten am Ende dafür, dass ich das Buch nur in Etappen lesen konnte und fast drei Wochen dafür benötigt habe, was für mich Schnellleser eigentlich sehr selten ist. Die Autorin führt ihre Leser auf einige falsche Fährten und hat mit dem Heldenpaar durchaus Romanfiguren geschaffen, die neugierig machen. Allerdings blieb mir Delilah noch ein wenig fremd. Dazu hat sie eine äußerst nervige Art, aber vielleicht legt sich da ja auch noch im zweiten Teil, den ich hier schon zu Hause liegen habe.

Samsons Hintergrundgeschichte finde ich jedoch sehr spannend, so dass zumindest in dieser Hinsicht, meine Neugierde geschürt werden konnte. Und obwohl man schon ahnen kann, dass aus beiden sicherlich irgendwann ein Paar werden wird, bin ich auf die Annäherung der beiden Streithähne ebenso gespannt.

Kurz gefasst: Etwas langatmiger, aber netter erster Teil der Cosy Crime Reihe von Julia Chapman, in dem es von skurrilen Nebenfiguren nur so wimmelt.

Die Dales Detective Agentur:

1. Teil: Rendezvous mit Todesfolge
2. Teil: Mord mit Heimtücke
3. Teil: Ein Dorf voller Geheimnisse
4. Teil: Date With Poison (noch nicht übersetzt)
5. Teil: Date With Danger (noch nicht übersetzt)
6. Teil: Date With Deceit (noch nicht übersetzt)
7. Teil: Date With Betrayal (noch nicht übersetzt)

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Veröffentlicht am 02.06.2022

Mein ist die Rache- Schnörkelloser skandinavischer Krimi der Kajsa Coren Reihe

Der Mann, der nicht vergessen konnte
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Norwegen, 18 Jahre zuvor:

Eine verwitwete Hausfrau und Mutter wird ermordet auf ihrem Hof aufgefunden. Kari Biteruds Mörder jedoch, lässt sich nicht ermitteln…

Gegenwart:

Ein schwer kranker Mann ist ...

Norwegen, 18 Jahre zuvor:

Eine verwitwete Hausfrau und Mutter wird ermordet auf ihrem Hof aufgefunden. Kari Biteruds Mörder jedoch, lässt sich nicht ermitteln…

Gegenwart:

Ein schwer kranker Mann ist zurückgekehrt in seine Heimat Norwegen. Zum einen will er seine von langer Hand geplante Rache in die Tat umsetzen und zum anderen in Frieden sterben.

Kajsa Coren, eine Journalistin, ist, nach einer überstandenen Krankheit, zusammen mit ihrem Lebensgefährten, Oberkommissar Karsten Kjolas und den Kindern umgezogen. Doch ihrer ältesten Tochter fällt es sehr schwer, in der Schule, Anschluss zu finden. Und immer noch ist die Familie wegen Kajsas geschwächtem Gesundheitszustand in einer Art Schockstarre verfallen. Als Kajsa das Angebot bekommt, an einer TV Reportage und Kriminaldokumentation zu arbeiten, sagt sie gerne zu, denn sie erhofft sich dadurch die nötige Ablenkung. Bei ihren Recherchen stellt sie jedoch schon bald fest, dass sich hier gleich zwei spannende Themenbereiche ergeben, die sich dazu überschneiden. Und wäre das nicht schon ausreichend, kommt sie dazu ihrem Lebensgefährten in die Quere, der in einem Mordfall ermittelt. Auf einem abgelegenen Hof bei Oslo, wurde ein toter Mann gefunden, Identität unbekannt. Doch schon bald erfahren sie nicht nur den Namen des Mannes. Als ein weiterer Toter aufgefunden wird, vor seinem Tode schwer misshandelt, scheint es zunächst, als wäre er von dem ersten Opfer ermordet worden. Doch wie kann das sein?

„Der Mann, der nicht vergessen konnte“, gehörte zu einem Buchpaket, dass ich bei einer Adventverlosung gewann. Leider ist dieser Krimi bereits der vierte Teil der Reihe um die Journalistin Kajsa Coren. Und wieder bewahrheitet es sich, dass es Serien gibt, die man wirklich nur in der richtigen Reihenfolge lesen sollte, weil einem sonst das nötige Vorwissen fehlt. Zwar geht Trude Teige auf die wichtigsten Eckpunkte in der Vita ihrer Hauptfigur ein, doch hätte ich gerne noch ein wenig mehr Privates über Kajsa und Karsten erfahren und deren Vorgeschichte, denn sie bleiben in diesem Band relativ blass.

Im Fokus dieses soliden, schnörkellosen skandinavischen Krimis, stehen der Kriminalfall und die darin verwickelten Akteure, denen man im Wechsel, als Leser sozusagen über die Schulter schauen kann. Doch was haben ein frisch gebackener Minister und ein Redakteur gemeinsam? Diese Frage werde ich freilich nicht beantworten…
Nur so viel. Die Autorin verwebt hier Vergangenes und Gegenwart gekonnt miteinander und obwohl man sich so manches relativ fix zusammenreimen kann, denn die Anzahl Verdächtiger ist dazu überschaubar, bekommt man eine ansprechende Krimikost geboten- allerdings hätten es, ob der Spannungselemente, mehr sein können. Für eine bessere Bewertung meinerseits hat es dennoch nicht gereicht, denn der Krimi hebt sich meiner Meinung nach leider nicht ab und schrappt, obwohl er gut geschrieben wurde, nur ganz knapp an der Mittelmäßigkeit vorbei.

Kurz gefasst: Mein ist die Rache- Schnörkelloser skandinavischer Krimi der Kajsa Coren Reihe.

Kajsa Coren Reihe:

1. Teil: Totensommer
2. Teil: Das Mädchen, das schwieg
3. Teil: Die Frau, die verschwand
4. Teil: Der Mann, der nicht vergessen konnte



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Veröffentlicht am 27.05.2022

Zwei Frauen wagen einen Neuanfang- Leichter Unterhaltungsroman und Sommerlektüre in einem

Ein Sommer in Rimini
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Hamburg in den 50er Jahren:

Nach dem Krieg mit all seinen Schrecken und Entbehrungen, haben sich die beiden recht unterschiedlichen Frauen Nina und Henni zusammengetan. Beide sind verwitwet und haben ...

Hamburg in den 50er Jahren:

Nach dem Krieg mit all seinen Schrecken und Entbehrungen, haben sich die beiden recht unterschiedlichen Frauen Nina und Henni zusammengetan. Beide sind verwitwet und haben beinahe alles verloren. Zusammen ist es ihnen jedoch gelungen, eine kleine Wohnung zu finden, in der beide zusammenleben. Nina ist Köchin und obwohl ihr keine Aufstiegsmöglichkeiten beschieden sind in ihrem Job, da ihr Chef männliche Arbeitnehmer bevorzugt, hält sie tapfer durch und spart, genau wie Henni, jeden Pfennig.

Eines Tages kommt es jedoch zu einem Vorfall. Ausgerechnet Ninas eigenwillige Salatkreation bringt einen italienischen Gast des Lokals dazu, sie an seinen Tisch zu bitten. Der Herr entpuppt sich als Freund des Geschäftsführers, des Grand Hotels in Rimini. Und mehr noch- er will, dass Nina fortan dort arbeitet. Nina ist hin und hergerissen und bespricht das Angebot zunächst mit Henni. Die ist ganz aus dem Häuschen, als sie davon erfährt und redet Nina gut zu. Zudem passt es wunderbar dass Henni, von ihrem gesparten Geld, ein Auto anzahlen konnte das nun vor der Tür steht.

Beide Frauen wagen die Fahrt ins Ungewisse, doch sie ahnen genau, dass es im fernen Italien nur besser für sie werden kann. Ninas Neuanfang gestaltet sich jedoch nicht allzu leicht. In ihrer Probezeit muss sie zunächst die niedersten Arbeiten in der Küche verrichten und ihre italienischen Kolleginnen und Kollegen machen es ihr alles andere als einfach. Doch das Schwimmen im Meer, die freundlichen Gastwirte der Pension, in der beide Frauen untergekommen sind und das malerische Rimini entschädigen sie für all ihre Mühen. In Pietros Nähe schlägt Ninas Herz schließlich schneller, doch Piero will keine deutsche Frau. Kann sie seine Meinung ändern?

Ein Sommer in Rimini, führt seine Leser zurück in die 50er Jahre. Eine Zeit, in der den Menschen der Krieg noch sehr in den Knochen steckte und das Wirtschaftswunder längst noch nicht jeden erreicht hatte. Der Roman von Fenna Janssen erzählt die Geschichte von zwei Frauen, die in Italien schließlich einen Neuanfang wagen.
Während Henni eine ziemlich burschikose Frau ist, die bereits so manchen durch ihre offenen Worte brüskiert hat, ist Nina eher zurückhaltend und hat sich mit ihrem Schicksal arrangiert. Henni ist bei dem Frauengespann eigentlich der treibende Motor und sie muss Nina so manches Mal aus ihrer Lethargie reißen.
Dennoch mochte ich Nina ein wenig mehr und konnte gut nachvollziehen, wieso sie ein Problem damit hat, neue Menschen an sich heranzulassen.
Die Ausgangssituation der Geschichte fand ich dazu sehr spannend und ich erhoffte mir von der Lektüre einen schönen, bildhaften Urlaubs/Sommerschmöker.

Um es vorweg zu sagen, in der Tat ist Fenna Janssens Roman unterhaltsam und wer Sommerlektüre im Stile von Autoren wie etwa Janne Mommsen zu schätzen weiß, kann auch hier bedenkenlos zugreifen. Die Autorin beschreibt Ninas Arbeitsalltag glaubwürdig und man hofft als Leser natürlich, dass sie ihr Bindungsproblem überwinden kann. Mir fehlte zu einer besseren Bewertung des Romans, obwohl ich ihn durchaus mochte, mehr Tiefgang. Diverse Probleme der Romanfiguren lösten sich beinahe im Nu und die Dialoge der Figuren, hätten ebenfalls noch ein wenig mehr Tiefe gebrauchen können.
Bitte nicht falsch verstehen. Man bekommt hier durchaus einen gefälligen, leichten und soliden Unterhaltungsroman geboten, doch für meinen Geschmack war noch Luft nach oben gegeben. Und ich hätte mir dazu ein wenig mehr Beschreibungen der Örtlichkeiten gewünscht.

Kurz gefasst: Zwei Frauen wagen einen Neuanfang- Leichter Unterhaltungsroman und Sommerlektüre in einem.

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Veröffentlicht am 14.11.2021

Solider Auftaktband um einen Mann voller Geheimnisse, der im viktorianischen London auf detektivischen Pfaden wandelt

Das Haus in der Half Moon Street
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London 1880:

Leo Stanhope, Spross eines Pfarrers, arbeitet als Assistent für die Gerichtsmedizin und gilt als gewissenhafter Kollege. Keiner ahnt etwas von seinem brisanten Geheimnis, das ihn, falls es ...

London 1880:

Leo Stanhope, Spross eines Pfarrers, arbeitet als Assistent für die Gerichtsmedizin und gilt als gewissenhafter Kollege. Keiner ahnt etwas von seinem brisanten Geheimnis, das ihn, falls es jemals ans Tageslicht käme, einige Jahre Zuchthaus einbringen könnte. Obwohl er endlich mit sich im Reinen ist, macht es ihm trotzdem zu schaffen, dass seine Familie nicht damit leben konnte und mit ihm brach, da es ihn einst große Überwindung kostete, endlich zu sich und seiner Veranlagung zu stehen.
Daher hat er der ländlichen Idylle den Rücken gekehrt und lebt nun in der Großstadt, wo er bei einem freundlichen, verwitweten Apotheker, der mittlerweile mehr platonischer Freund als Vermieter ist, ein Zimmer gemietet hat. Doch die Apotheke hat schon mal bessere Zeiten erlebt und so bemüht sich Leo nach Kräften, seinen Freund und dessen halbwüchsige, naseweise Tochter, in allen möglichen Belangen zu unterstützen. Regelmäßig sucht Leo das Bordell in der Half Moon Street auf, denn dort arbeitet seine große Liebe, Maria. Er träumt insgeheim davon, ihr eines Tages ein besseres Leben bieten zu können, doch sein Schachpartner hält ihn für einen naiven Träumer.

Tatsächlich fällt Leo aus allen Wolken, als er eines Tages auf dem Seziertisch, ausgerechnet Marias sterbliche Überreste vor sich liegen sieht und bricht beinahe zusammen. Er beschließt auf Mördersuche zu gehen, doch die Polizei hat zunächst ihn als möglichen Täter im Visier. Leos Nachforschungen ergeben, dass Maria nicht ganz die Frau war, für die er sie hielt. Und es gab wohl auch einen Mann, den sie heiraten wollte. Obwohl Leos Enttäuschung groß ist, ob ihrer Lügen, will er dennoch nicht aufgeben und den wahren Täter entlarven. Denn die Polizei hat keine großen Ambitionen, den Mord an einer Prostituierten aufzuklären. Dabei bringt er sich jedoch in Lebensgefahr…

„Das Haus in der Half Moon Street“ ist der Auftaktband einer neuen historischen Krimireihe die im viktorianischen London spielt, was sogleich meine Neugierde weckte, da ich dieses Zeitalter sehr spannend finde. Leo Stanhope, die Hauptfigur dieser Reihe, ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Romancharakter. Damit spiele ich weniger auf sein Geheimnis an, sondern auf seine Fähigkeiten. Denn obwohl er keinesfalls der Polizei zugehörig ist, ist er außergewöhnlich scharfsinnig, empathisch und ein Meister des Schachspiels. Und trotz seiner Selbstsicherheit, nach außen hin getragen, ist er im Inneren doch ganz anders gestrickt. Von Zweifeln getrieben und in ständiger Furcht, dass sein Geheimnis irgendwann doch gelüftet wird. Ich habe lange überlegt, ob ich in meiner Rezension sein Geheimnis spoilern soll, denke aber, dass es nötig ist, um einige Punkte anzusprechen. Andererseits wird Leos Geheimnis eigentlich schon ganz am Anfang gelüftet und es mag womöglich auch Leser geben, denen die Thematik nicht liegt, da im Klappentext nichts davon Erwähnung findet. Also-
wer sich also lieber überraschen lassen möchte, liest an dieser Stelle bitte nicht weiter….

Alex Reeve erzählt in seinem Nachwort, wie es dazu kam, dass er sich für einen Transgenderprotagonisten als Romanhelden entschied und ich fand, dass er die Gedankenwelt der Hauptfigur unglaublich realistisch und nachvollziehbar geschildert hat, so dass man sich, auch als Außenstehender, sehr gut in Leo, die einst als Mädchen aufgezogen wurde, sich aber immer schon männlich fühlte, hineindenken kann.
Der Roman, wird aus der Sicht von Leo, also in „Ich-Form“ erzählt, was mir sehr gut gefallen hat, denn ansonsten hätte man womöglich zu wenig mit dem Protagonisten anfangen können, da er sich der Außenwelt gegenüber sehr wortkarg und zugeknöpft gibt. (aus nachvollziehbaren Gründen).

Die Nebenfiguren in diesem Roman blieben, abgesehen von zwei, drei Ausnahmen, allerdings recht blass, so dass es mir anfangs recht schwer fiel, sie auseinander zu halten, bzw. ihre Verbindungen nachzuvollziehen. Dazu zog sich die Handlung in der ersten Hälfte des Romans und Spannung kam leider so gut wie gar nicht auf. Erst ab der zweiten Hälfte änderte sich das gottlob. Der Autor hat dazu einige falsche Fährten eingebaut, so dass man wie Leo Stanhope auch, fast bis zum Ende im Dunklen tappt bezüglich der Mördersuche.
In Romanen ein No-Go, sind für mich „Raping-Szenen“. Sicherlich, Männer gingen damals nicht gerade zimperlich mit Frauen um, doch mir wäre es lieber gewesen, wenn der Autor dabei nicht ganz so ins Detail gegangen wäre. Dazu kommt die düstere, deprimierende Atmosphäre, die in großen Teilen in diesem Krimi vorherrscht, die sicherlich nicht jedermanns Sache sein mag. Ich erwähne das, damit zarter besaitete Leser vorab gewarnt sind.

Ich bin, ob meiner Bewertung, ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits ist „Das Haus in der Half Moon Street“ durchaus atmosphärisch geschrieben und weist historisches Flair auf. Dazu steht nicht nur, wie in vielen anderen Büchern, die Upper Class im Fokus, sondern auch mal der Durchschnittsbürger, was mir ebenfalls gut gefallen hat. Und Leo Stanhope hat durchaus Potential. Andererseits habe ich mich mit der ersten Hälfte des Romans recht schwer getan, während der Autor mich dann doch in der zweiten Hälfte richtig packen konnte mit seiner Story. Daher vergebe ich für den ersten Band erst einmal 3.5 von 5 Punkten und hoffe sehr, dass Leos Freunde und andere Nebenfiguren, in den Folgebänden, noch mehr an charakterlicher Tiefe gewinnen werden und der zweite Fall dann auch etwas spannender daher kommt.

Kurz gefasst: Solider Auftaktband um einen Mann voller Geheimnisse, der im viktorianischen London auf detektivischen Pfaden wandelt.

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