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Veröffentlicht am 11.01.2023

Das kleine Büchlein ist die perfekte Lektüre um vom grauen Alltag abschalten zu können

Der Genitiv ist dem Streber sein Sex
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In insgesamt 46 Kurzgeschichten, die kolumnenartig von Markus Barth verfasst wurden, lässt der Autor den Leser auf sehr humorige Art und Weise nicht nur an diversen Kindheits- und Lebenserinnerungen teilhaben, ...

In insgesamt 46 Kurzgeschichten, die kolumnenartig von Markus Barth verfasst wurden, lässt der Autor den Leser auf sehr humorige Art und Weise nicht nur an diversen Kindheits- und Lebenserinnerungen teilhaben, sondern regt stellenweise auf witzige Art und Weise sogar zum Nachdenken an, wenn er sich zum Beispiel in „Tot aber glücklich“ über ein typisches Klischee der Oköfleischesser lustig macht- die da nämlich jedes Mal vor dem Essen fragen, ob denn das Schlachttier, in diesem Fall ein Lamm, das sie vor sich auf dem Teller haben auch ein glücklich gehaltenes Tier war. Kann man denn überhaupt davon ausgehen, dass das Lamm glücklich war, in seiner sehr begrenzten Lebenszeit? Aber auch andere typische Dinge unseres tagtäglichen Lebens, ob Promis, Verhaltensweisen, neue Sitten und Unsitten etc.- alles wird vom Autor augenzwinkernd und immer mit sehr viel Witz angesprochen.

Das kleine Büchlein ist die perfekte Lektüre um vom grauen Alltag abschalten zu können.

Ich habe mich beim Lesen sehr amüsiert und bei einigen Stories sogar herzhaft lachen müssen. Ist es ein Buch, das die Welt unbedingt braucht? Eigentlich nicht, aber definitiv macht es den Alltag bunter und humorvoller.

Markus Barth, nicht zu verwechseln mit Mario Barth, hat sich vor seinem Buch bereits einen Namen als Autor und Headwriter für Fernsehshows wie etwa die Wochenshow oder Ladykracher einen Namen gemacht und ist auch als Comedian unterwegs.

Folgende Geschichten befinden sich in dieser Anthologie, wobei ich meine Favoriten mit Sternchen gekennzeichnet habe:

Unter Kirmes- Ponys
Tot, aber glücklich

Der Genitiv ist dem Streber sein Sex
Allergie- Quartett

20 todsichere Methoden, berühmt zu werden
Frisch geduschte Jogger
007 in der Kreissparkasse

Bügelbücher
Housekeeping
Maria Furtwängler trägt die Nuance 8.13
Chrashkurs Karneval
Unsocial Timewasting
Mit Tutti Frutti stimmt was nicht

Schöner leben mit Franz Kafka
David Beckham ist an allem schuld
liebkuck
Dr.Feelgood und Mister Zahnstein
Exkrementen-Lyrik
Für schlechte Zeiten
Deko-Depp
Gefühlte Gefühle

I said a flip flop
Hauptstadt-Hasser
Die Schweinebraten-Verschwörung

Zur Geburt
Ich will Knöpfe!
Reinigen!
Mein digitaler Geburtstag

Indoor- Bananen-Esser
It's amazing

Jan-Torben, pack deine Brüste ein!
Lob auf den Landgasthof
Kopf nicht in Betrieb
Brustgeschirr!

Wünsch Dir nix!
Mama vs. iTunes
Hunger-Tinnitus
Nicht ohne meine Hartwurst
Pinguin, Küchenschabe und Co.

Der Classic-Rock-Schock
Die Entdeckung der Sauberkeit
Spannung!
Da lässt sich doch was am Preis machen
Eine Weihnachtsgeschichte
Wave your hands like you care
Zum Schlachten reicht's noch

Bonusmaterial

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2023

Unterhaltsame Familiensaga auf zwei Zeitebenen erzählt; zwar größtenteils sehr spannend- doch etwas weniger Tragik und Drama wären hier mehr gewesen

Der Garten über dem Meer
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Devon 1866:

Die junge Mary Rose Marchmont kann es nicht fassen, als ihre geliebte Mutter am Kindbettfieber stirbt und sie und ihren Vater trauernd zurücklässt. Auf dem Totenbett gibt die Mutter Mary Rose ...

Devon 1866:

Die junge Mary Rose Marchmont kann es nicht fassen, als ihre geliebte Mutter am Kindbettfieber stirbt und sie und ihren Vater trauernd zurücklässt. Auf dem Totenbett gibt die Mutter Mary Rose zuvor einen alten Ring, der laut einer Sage jeweils an alle weiblichen Mitglieder der Familie weitervererbt werden soll. Gerät der Ring in fremde Hände, wird ein Familienfluch ausgelöst.
Mary Rose steckt ihn ein, doch als ihr Vater einige Zeit später danach sucht, mag sie ihm nicht erzählen, dass sie im Besitz des Rings ist, da sie ihn für eine Weile behalten möchte. Doch auf dem Begräbnis der Mutter findet Mary Rose Vater den Ring und nimmt diesen, schwer erzürnt über Mary Rose Lügen, an sich.
Das führt zum ersten leichten Bruch zwischen Vater und Tochter. Ihr Verhältnis verschlechtert sich zusehends, als sich Mary Rose Vater in deren schöne, viel jüngere, französische Gouvernante verliebt, diese Hals über Kopf heiratet und ihr den Ring der verstorbenen Mutter ansteckt.
Veronique zeigt allerdings nach der Heirat ihr wahres Gesicht- sie versucht Mary Rose auszubooten und gegen ihren Vater aufzubringen. Trauriger Höhepunkt: Veronique beschuldigt Mary Rose, etwas Ungeheuerliches getan zu haben. Sie soll ihren kleinen Bruder in einem Anfall von Eifersucht getötet haben. Doch Mary Rose will, auch wenn ihr Vater sie verstoßen hat, nicht aufgeben und ersinnt einen Plan….

Devon Gegenwart:

Laura Marchmont, die bislang ledig und ohne Kind durchs Leben gegangen ist, lernt eines Tages den charismatischen Charles bei einer Vernissage kennen. Charles, geschieden und Vater von zwei Töchtern im Teenageralter und Laura können nicht genug voneinander bekommen, doch als Laura schließlich das erste Mal Charles Töchter trifft, fürchtet sie gleich, dass nun große Schwierigkeiten auf sie zukommen werden, da die Töchter keinesfalls davon angetan zu sein scheinen, dass ihr Vater eine neue Liebe gefunden hat. Dennoch nimmt sie kurze Zeit später den Heiratsantrag von Charles an und wird kurz darauf schwanger. Die Schwangerschaft beunruhigt Laura, denn sie trägt seit vielen Jahren ein Geheimnis mit sich herum, dass sie fürchten lässt, keine gute Mutter sein zu können.
Zudem findet sie heraus, dass eine Vorfahrin von ihr, einst in einem Haus lebte, dass auf dem gleichen Grundstück stand, wie das Haus, in dem Laura und Charles nun wohnen. Neugierig geworden beginnt sie mit ihrer Recherche, ist jedoch erschüttert, als sie erfährt, dass ihre Ahnin womöglich eine Mörderin gewesen sein könnte…

Ich mag Unterhaltungsromane, in denen dunkle Familiengeheimnisse aufgedeckt werden müssen und in denen starke Frauen im Fokus des Geschehens stehen und so stach mir auch Jane Corrys „Der Garten über dem Meer“ gleich ins Auge.
Die Geschichte wird auf gleich zwei Zeitebenen im Wechsel erzählt. Während der Leser es im viktorianischen Zeitalter mit Mary Rose Marchmont zu tun bekommt, ist es in der Gegenwart ihre Nachfahrin Laura, die den ihr zugedachten Platz im Leben erst noch finden muss.
Beide Frauen sind dann auch recht unterschiedlich gestrickt. Mary Rose ist ein junges Mädchen, das ein recht naives Weltbild besitzt, in allem nur das Gute zu sehen scheint und völlig arglos, wie ein Lamm auf die Schlachtbank geführt wird.

Obwohl Mary Rose Geschichte durchaus großen Unterhaltungswert besitzt und jede Menge Drama und Tragik zu bieten hat, fand ich allerdings schon irgendwann, dass es die Autorin etwas übertrieben hat damit. Ehrlich gesagt ist es schon befremdlich, dass Mary Rose geliebter Vater, der sein Töchterchen eigentlich besser kennen müsste, absolut kein Vertrauen zu Mary Rose besitzt und einer Fremden mehr Glauben schenkt, als seiner Tochter. Diese Passivität des Vaters zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch das Buch und lässt den Vater als recht schwachen Charakter erscheinen. Genauso schlecht weg kommen auch die anderen männlichen Akteure in diesem Buch. Ob Mary Rose Cousin oder auch Charles; alle sind energielose Geschöpfe, denen es an Durchsetzungsvermögen und Charakter fehlt, was sie ein wenig eindimensional und schablonenhaft wirken lässt. Überhaupt sind die Figuren in Jane Corrys Roman entweder durchweg böse, schwach oder hoffnungslos gut. Hier hätte ich mir ehrlich gesagt ein wenig facettenreicher gezeichnete Akteure gewünscht.

Auch hatte ich anfangs etwas Problem mit dem eigenwilligen Schreibstil der Autorin, der sich zwar flüssig lesen lässt, jedoch, besonders hinsichtlich der Dialoge, verhinderte, dass ich vertrauter mit den Figuren werden konnte. Viele Dialoge wirkten auf mich viel zu gestrafft wiedergegeben, teilweise wurde auf Antworten mancher Personen ganz verzichtet und stattdessen einfach die Story weitererzählt, woraus man zwar dann als Leser die Antworten der anderen Person schließen konnte, was einen die Personen aber auch nicht näher brachte.

Während ich Mary Rose Story in der Vergangenheit dennoch recht spannend erzählt fand, konnte mich die Story über Laura dann leider weniger packen, was auch viel daran lag, dass Laura einfach kein Sympathieträger war. Besonders in den Szenen in den sie sich um ihr neugeborenes Kind sorgt, ist sie teilweise unausstehlich, auch wenn sie einen guten Grund für ihr Verhalten hat, schießt sie jedoch dabei meilenweit übers Ziel hinaus.
Und auch hier bekommen es die Leser abermals mit einem sehr schwachen männlichen Charakter in Gestalt von Charles, zu tun, so dass man sich fragt, was Laura überhaupt an ihm findet.
Und dennoch, obwohl einiges zusammenkommt, was mir an „Der Garten über dem Meer“ weniger gut gefallen hat, komme ich nicht umhin zuzugeben, dass sich die 608 Seiten wie im Flug lesen ließen und zumindest Mary Rose Story meine Neugierde beim Lesen schürte. Wenn man in der Lage ist, die etwas schablonenhaft gezeichneten Charaktere nicht überaus kritisch zu beäugen und sich an den, wie ich finde, eigenwilligen Schreibstil gewöhnt hat, wird man sicherlich keine Langweile beim Lesen verspüren und die Story gebannt verfolgen.

Kurz gefasst: Dunkle Familiengeheimnisse die gelüftet werden müssen- Unterhaltsame Familiensaga auf zwei Zeitebenen erzählt; zwar größtenteils sehr spannend- doch etwas weniger Tragik und Drama wären hier mehr gewesen.

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Veröffentlicht am 11.01.2023

Ein sehr heiterer und beschwingter, christlicher Wild West Historical, der Gute Laune versprüht!

Detektivin aus Leidenschaft
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Ellie arbeitet als persönliche Assistentin einer Schauspielerin am Theater und als diese ein lukratives Angebot aus Europa erhält, glaubt Ellie ganz fest daran, dass auch sie mit nach Europa gehen darf. ...

Ellie arbeitet als persönliche Assistentin einer Schauspielerin am Theater und als diese ein lukratives Angebot aus Europa erhält, glaubt Ellie ganz fest daran, dass auch sie mit nach Europa gehen darf. Doch die leichtfertige Schauspielerin lässt sie stattdessen sitzen; schenkt ihr lediglich aus Mildtätigkeit eine alte Kiste mit Theaterkostümen und so ist Ellie von einem auf den anderen Tag arbeitslos.

Doch sie hadert nicht lange mit ihrem Schicksal. Als sie zufällig ein Gespräch zwischen zwei Männern belauscht, die eine Detektei betreiben und händeringend nach einer Detektivin suchen die in Arizona einen Fall von Silberdiebstahl aufklären soll, versucht Ellie die beiden davon zu überzeugen, dass sie die richtige Frau für diesen Job ist. Erst als sie sich den beiden auch noch in Kostümierung zeigt; schließlich sucht die Detektei eine ältere Frau und keine junge Dame wie es Ellie nun mal ist, geht Ellies Plan auf.

Zusammen mit einer Kollegin, die ihre junge und attraktive Nichte verkörpern muss, soll sie mit dem Zug direkt nach Pickford/Arizona reisen. Aber am Bahnhof wird Ellie mitgeteilt, dass die Kollegin keinesfalls mit von der Partie sein wird, da diese ihren Job wegen eines angenommenen Heiratsantrags an den Nagel gehängt hat. Guter Rat ist teuer! Da Ellie sich aber sehr gut vorstellen kann dass ihre Chefs von der Pinkerton-Detektei sie zurückrufen werden, sollten sie erfahren dass Ellie allein auf sich gestellt ist, reist sie heimlich und völlig allein nach Arizona und beginnt in Pickford eine Doppelrolle zu spielen. Tagsüber ist sie die betagte aber rüstige und neugierige Witwe Lavinia, und gegen Abend verdreht sie die Köpfe aller Männer des Ortes als attraktive Jessie.

Als Ellie einen ihrer Auftraggeber kennen lernt, beginnt ihr Herz sogleich schneller zu schlagen, denn der Silberminenbesitzer Steven ist ein attraktiver Mann. Leider darf sie sich ihm lediglich in Kostümierung zeigen, denn nicht einmal er darf erfahren, dass sie zur Pinkerton-Detektei gehört. Während Ellies Aufenthalt in dem beschaulichen Örtchen, kommt es dann allerdings immer wieder zu gefährlichen Situationen. Hat bereits jemand von den Silberminenräubern Ellies Maskerade durchschaut?

Auf Carol Cox’s christlichen Historical bin ich völlig zufällig gestoßen, als mir zunächst das sehr geschmackvolle Cover ins Auge fiel. Da historische Liebesromane die im Wilden Westen spielen leider eher Mangelware in deutscher Übersetzung sind und mir auch der Klappentext des Romans sehr zusagte, habe ich, trotz der Tatsache dass es sich hier um eine christlichen Roman handelt, zugegriffen und war gespannt.

Ellie ist eine mutige und abenteuerlustige junge Frau, die in der Vergangenheit jedoch nicht vom Glück begünstigt war und sich deswegen von Gott abgewandt hat. Auch auf ihr, wie sie meint, eher unscheinbares Äußeres ist sie nicht unbedingt stolz. Doch als sie die Möglichkeit erhält in verschiedene Rollen zu schlüpfen, bekommt ihr Selbstbewusstsein wieder Auftrieb. Dennoch befürchtet sie, dass sich Steven, wenn er sie eines Tages ohne Kostümierung sieht, von ihr abwenden könnte, da sie glaubt, dass ihr wahres Äußeres nicht so anziehend auf ihn wirken wird.
Auch Steven glaubt dass Gott ihn verlassen haben könnte, da bereits mehrmals die Erträge aus seiner Silbermine gestohlen wurden. Er hadert mit seinem Schicksal und hofft sehr, dass die Diebe überführt werden. Als er Lavinia und Jessie kennen lernt, fühlt er sich in der Gesellschaft beider Frauen wohl, doch nur Jessie weckt in ihm großes Interesse und er verliebt sich Hals über Kopf in die impulsive Frau.

Carol Cox Schreibstil kann man meiner Meinung nach ein wenig mit dem von Deborah Martin vergleichen. Nicht nur die beschwingte Leichtigkeit des Erzählens hat mich ans Buch fesseln können; auch die amüsante Story an sich hat mir oftmals beim Lesen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ebenfalls gut gefallen hat mir der Umgang der Dörfler mit Ellie/Lavinia/Jessie und die Art wie die Autorin ihren Lesern die Macken und Schrullen ihrer Nebenfiguren näherzubringen vermag und sie dennoch sympathisch erscheinen lässt.
Dadurch dass Carol Cox nebenbei noch einen interessanten Kriminalfall in ihre Story eingebaut hat, kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf und besonders ab der Mitte wird es recht spannend; wenn auch in gemäßigtem Rahmen.

Während mich „Detektivin aus Leidenschaft“ aus genannten Gründen sehr fesseln konnte, hatte ich jedoch ein paar Probleme mit dem Aufbau der Liebesgeschichte. Zwar erfährt man sehr viel über Ellies Charakter, wie sie gestrickt ist, was sie antreibt und warum sie voller Selbstzweifel ist, doch leider versäumt es die Autorin ihre andere Hauptfigur, Steven, genauso vielschichtig darzustellen.
Sicherlich ist Steven ein sehr aufrechter, sympathischer Mann, keine Frage, doch ein wenig mehr Konturen hätte ich mir schon bei ihm gewünscht. Zudem verhält er sich meiner Meinung nach im Gegenzug zu Ellie lange Zeit zu passiv; ein wenig mehr auf den Leib geschriebene Abenteuerlust hätte ihn vielleicht noch interessanter erscheinen lassen. Auch verbringt Steven eigentlich viel mehr Zeit mit Lavinia als mit Jessie, ein paar tiefschürfende Gespräche mehr zwischen ihm und Jessie hätte die Liebesgeschichte noch überzeugender wirken lassen.

Die christlichen Einflüsse in diesem Roman wurden eher dezent eingestreut, so dass dieser Roman auch Leser von regulären Historicals ansprechen könnte, die ohne Liebesszenen auskommen können. Allerdings gibt es vom christlichen Standpunkt von meiner Seite aus dazu noch etwas anzumerken. Die Versuche der Autorin ihrem Roman durch diverse eingefügte Gottesdienste, Betszenarien etc. ein wenig christliche Impulse zu verleihen, fand ich nicht ganz so geglückt, da sie zum einen nach meinem Empfinden ein wenig lieblos in die Story eingebettet wurden und zum anderen für den Verlauf der Geschichte überhaupt keinen Zweck erfüllten. Das Heldenpaar verlässt sich in seinen Bemühungen nämlich nicht auf Gott allein, sondern versucht aktiv die momentane Lebenssituation zu verändern. Auch werden beide im Laufe des Romans nicht geläutert o.ä. sondern bleiben im Großen und Ganzen so wie sie charakterlich von jeher gestrickt sind.

Kurz gefasst: Ein sehr heiterer und beschwingter, christlicher Wild West Historical, der Gute Laune versprüht!

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Veröffentlicht am 01.09.2022

Atmosphärischer, packender Historienroman, ein gelungenes Sequel zur „Kreuz-Trilogie“

Das Kreuz des Pilgers
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Im Jahr des Herren 1379:

Reinhild trifft, während sie sich auf Reisen mit ihrem Gemahl Gottfried befindet, auf eine andere Reisegruppe, zu der ihr bester Freund und entfernter Verwandter Palmiro gehört. ...

Im Jahr des Herren 1379:

Reinhild trifft, während sie sich auf Reisen mit ihrem Gemahl Gottfried befindet, auf eine andere Reisegruppe, zu der ihr bester Freund und entfernter Verwandter Palmiro gehört. An Palmiros Seite ist dessen enger Freund seit Kindertagen, Conlin von Langenreth. Palmiro und Conlin wollen nach einer langen und gefährlichen Reise ins Heilige Land nun endlich wieder heimkehren nach Koblenz. Doch der Tross wird in der Nacht überfallen und während des Gemetzels, das die Räuber veranstalten, wird ausgerechnet Reinhilds Gatte getötet. Conlin ist zwar genauso betrübt, ob dieses Verlustes wie Reinhild, doch scheint es, als ob Palmiro besonders vom Verlust Gottfrieds betroffen ist. Viel Zeit sich darüber Gedanken zu machen bleibt Conlin jedoch nicht, denn kaum zurück in Koblenz muss er sich dringenden Familienangelegenheiten widmen.

Conlins Bruder, das Familienoberhaupt, hat das Anwesen heruntergewirtschaftet, Schulden angehäuft und als wäre das nicht schon ausreichend, ist sein getrübter Geisteszustand alarmierend. Conlins Mutter ist in großer Sorge, auch um die hochschwangere Gattin des ältesten Sohnes, der sich zum regelrechten Wüterich entwickelt hat.
Obwohl Conlin sich, als er einst vom Vater enterbt wurde, geschworen hatte der Familie den Rücken zu kehren, kann er doch nicht aus seiner Haut und versucht den drohenden Bankrott der Langenreths abzuwenden.
Ausgerechnet Reinhild erweist sich dabei als Retterin in der Not. Genauso, wie der schlitzohrige Palmiro dem treuen Freund mit Rat und Tat zur Seite steht.

Dabei treiben auch Palmiro große Sorgen um. Stets muss er befürchten, dass sein Geheimnis gelüftet wird, welches er sogar all die Jahre vor Conlin verborgen gehalten hat. Hin und hergerissen ist er und hadert mit sich selbst. Öffentlich machen kann und darf er es nicht, denn dann würde er von den Menschen in Koblenz sicherlich zur Rechenschaft gezogen werden und seine Familie in große Verzweiflung stürzen.
Dazu haben Conlin und Palmiro aus dem Heiligen Land eine Reliquie mitgebracht, die sich schon einmal, vor vielen Jahren, im Familienbesitz befand – Das Kreuz des Zachäus.
Immer noch weist es die gleichen besonderen Fähigkeiten auf, wie einst. Kann Menschen die reinen Herzens sind von allen üblen Zeitgenossen unterscheiden und den Träger vor möglichem Unbill warnen. Und in der Tat hat sich jemand an Conlins und Palmiros Fersen geheftet, der im Auftrage eines religiösen und fanatischen Eiferers handelt. Können die Freunde drohendes Unheil abwenden?

Mit „Das Kreuz des Pilgers“, legt Petra Schier den ersten Teil ihrer neuen „Pilger-Reihe“ vor. Doch genau genommen handelt es sich dabei um ein Sequel zur „Kreuz-Trilogie“ die vor einigen Jahren im Rowohlt Verlag erschien. Und obwohl man „Das Kreuz des Pilgers“ durchaus auch ohne Vorwissen lesen kann, weil es einige Jahre später spielt, empfehle ich dennoch zunächst die Kreuz-Trilogie zu lesen. Empfehlens- und lesenswert ist sie sowieso, doch abgesehen davon werden sämtliche Haupt und Nebenfiguren der neuen Reihe dort schon eingeführt. Freilich sind Palmiro, Reinhild, Gottfried und Conlin da noch Kinder bzw. Teenager, doch so manches wichtige Ereignis, auf dass die Autorin in „Das Kreuz des Pilgers“ Bezug nimmt, nimmt in besagter „Kreuz-Trilogie ihren Anfang. Und wenn man nicht zunächst ständig, ob der vielen Akteure, in das durchaus hilfreiche Namensregister auf den ersten Seiten nachschauen möchte, sollte man gleich lieber einen Großeinkauf starten und sich „Die Eifelgräfin“, „Die Gewürzhändlerin“ und „Die Bastardtochter“ zuvor zu Gemüte führen, damit man sofort im Bilde ist. Ich finde einfach, dass es den Lesegenuss vervollständigt und die vielen offenen Fragen gleich klärt.

Zugegeben, die Handlung wird diesmal in einer etwas gemächlichen Gangart vorangetrieben, doch muss man auch bedenken, dass die Autorin die Geschichte aus gleich drei verschiedenen Blickwinkeln erzählt und alle Neueinsteiger zunächst einmal hinsichtlich der drei Hauptfiguren ins Bild gesetzt werden müssen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Petra Schier die „Kreuz-Trilogie“ sozusagen fortsetzt, denn mir waren sämtliche Haupt und Nebenfiguren damals schon sehr ans Herz gewachsen. Und natürlich will man dann auch in Erfahrung bringen, wie es den Romancharakteren bis dato ergangen ist. Wunderbar finde ich übrigens auch, dass die später einmal kriminalisierende Apothekentochter Adelina, einen kleinen, aber denkwürdigen Auftritt in diesem Buch hat. Und wer nun neugierig aufmerken sollte, dem empfehle ich auch diese tolle atmosphärische Histo-Krimireihe.
Wie man es von der Autorin gewohnt ist, sprüht auch der erste Teil der „Pilger“ Reihe vor historischem Flair. Ausdrucks und Umgangsformen sind der historischen Epoche angepasst, was den flüssigen Erzählstil jedoch in keiner Weise schmälert.
Wieder erfährt man viel über das damalige Weltbild der Menschen und man begreift beim Lesen sehr schnell, dass sich die Zeiten vielleicht ändern mögen- die Menschen in ihrem engstirnigen Denken jedoch nicht. Zumindest einige von ihnen vertreten nach wie vor festgefahrene Moralvorstellungen die angeblich gottgefällig sein sollen, vergessen aber, dass Liebe alles ist was man geben sollte und geben kann- ohne Vorbehalte!
Wunderbar und augenöffnend für besagte Zeitgenossen sind beispielsweise Palmiros Gedankengänge zum Thema auf den Seiten 466/467.

Einen kleinen Punktabzug habe ich vorgenommen, weil ich halt ein kleiner Romantiker bin und mir besagter Punkt ein wenig gefehlt hat, in diesem Band. Sowohl Reinhild als auch Conlin sind Figuren mit Ecken und Kanten, aber auch stur. Daher hätte ich sie dann und wann schon mal gerne geschüttelt- zumindest imaginär.
Zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse; die Lage für die drei Freunde spitzt sich dramatisch zu und Petra Schier lässt ihre Leser mit fiesen Cliffhangern zurück. Wie gut ist es da, dass der zweite Band nun bereits erschienen ist.

Kurz gefasst: Atmosphärischer, packender Historienroman, ein gelungenes Sequel zur „Kreuz-Trilogie“.

Kreuz-Trilogie:

1. Teil: Die Eifelgräfin
2. Teil: Die Gewürzhändlerin
3. Teil: Die Bastardtochter

Pilger- Reihe:

1. Teil: Das Kreuz des Pilgers
2. Teil: Das Geheimnis des Pilgers


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Veröffentlicht am 21.07.2022

Gelungener, sehr romantischer Historical mit einem sympathischen Heldenpaar!

Das Versprechen der Liebe
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Nachdem die junge Eve Cole bereits ihre lieben Verwandten, die sie nur zu gerne unter die Haube bringen möchten, dabei belauscht hat, wie sie, zugegeben, äußerst wagemutige und ausgefallene Pläne schmiedeten, ...

Nachdem die junge Eve Cole bereits ihre lieben Verwandten, die sie nur zu gerne unter die Haube bringen möchten, dabei belauscht hat, wie sie, zugegeben, äußerst wagemutige und ausgefallene Pläne schmiedeten, glaubt sie genau zu wissen, dass der Drohbrief, der kurz zuvor im Haus eintraf, keinesfalls echt ist und lässt sich nur zum Schein auf die darauf folgende Scharade ihrer Verwandten- wie sie glaubt, ein.
Für Evie wird als Beschützer der knorriger Einsiedler McAlistair bestimmt, der bereits seit Jahren in einer Waldhütte, ganz in der Nähe von Haldon Hall lebt. McAlistair hat eine dunkle Vergangenheit, doch ein Teil dieser Vergangenheit erlaubt es ihm nun, dank seiner besonderen Fähigkeiten, Evie beschützen zu können.

Und ganz nebenbei wächst ihm Evie im Laufe der überstürzten Reise auf ein abgelegenes Landgut, damit der mutmaßliche Attentäter, der Evie umbringen will sie nicht zu fassen bekommt, immer mehr ans Herz. Auch Evie ist schon seit langer Zeit heimlich in McAlistair verliebt, doch nervt es sie gewaltig, dass der wortkarge Mann von dem Gedanken besessen zu sein scheint, dass Evie ein zartes, reines und sanftes Persönchen ist und seine Beschützerinstinkte zu Hundertprozent bei ihr ausfährt.
Evie gelingt es durch ihre offene Art, langsam, Stück für Stück den äußeren Panzer, den sich McAlistair im Laufe der Zeit zugelegt hat, zu zerstören, doch weiß sie immer noch nicht, ob der Mann mehr von ihr möchte, als nur leidenschaftliche Küsse und ein Abenteuer. Und dann ist da auch noch der Attentäter, der ihnen dichter auf den Fersen ist, als sie glauben…

Nach einem, wie ich fand, eher mäßigen ersten Teil und einem dafür rundum gelungenen 2. Teil, war ich gespannt darauf, ob die Autorin das Level nun würde halten können und um es vorweg zu nehmen, auch „Das Versprechen der Liebe“, der dritte Teil der „Providence“ Reihe, besticht mit einem sehr sympathischen, authentisch wirkenden Heldenpaar, so dass es mich weniger gestört hat, dass die Spannung hier in dieser Geschichte rund um den gesponnenen Nebenplot, ein wenig zu kurz kam für meinen Geschmack und nicht wirklich viel innerhalb der Story passiert, außer dass auf den Leser hier eine wunderschöne Liebesgeschichte mit viel Romantik und humorvollen Passagen wartet.

Es ist eine Story, die über weite Strecken eher wie ein 2-Personen-Stück konzipiert wurde, was aber für die Glaubwürdigkeit der Love Story auch von Vorteil ist, da McAlistairs Erlebnisse in der Vergangenheit einige Narben auf seiner Seele hinterlassen haben und Evie mit viel Feingefühl und Warmherzigkeit aber auch Hartnäckigkeit ans Werk gehen muss, um seine innere Heilung voranzutreiben.
Und die Art und Weise, wie sich Evie um ihn bemüht, sorgt gleich zu Beginn des Romans dafür, dass man die Romanheldin einfach nur drücken und in sein Leserherz schließen möchte. Allerdings hat auch Evie einige traumatische Erlebnisse aufzuweisen, die sie aber bereits überwunden hat und mehr noch, sie lässt sich von ihrem Handicap nicht aufhalten und engagiert sich stark für Frauen in Not. Neben Evies starker Persönlichkeit kann aber auch McAlister bestehen. Dennoch, trotz all seiner Vorzüge, ob innerlich und äußerlich, erschien er mir etwas blasser als Evie gezeichnet und ich hätte mir hier und da ein wenig mehr Erzählungen oder Gedankengänge seinerseits in der Geschichte gewünscht. Der Schreibstil ist auch diesmal sehr ansprechend, so dass man schon gespannt auf den Folgeband sein kann.

Kurz gefasst: Gelungener, sehr romantischer Historical mit einem sympathischen Heldenpaar!

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