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Veröffentlicht am 01.08.2022

In den Fängen der Sekte

Der böse Hirte
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Inhalt:
Colter Shaw, ein Prämienjäger, verfolgt zwei Jugendliche in die Wälder Oregons. Doch als er beide gestellt hat, passiert das Unglaubliche: einer der beiden Jungen springt lächend in den Tod. Shaw ...

Inhalt:
Colter Shaw, ein Prämienjäger, verfolgt zwei Jugendliche in die Wälder Oregons. Doch als er beide gestellt hat, passiert das Unglaubliche: einer der beiden Jungen springt lächend in den Tod. Shaw will wissen, was dahintersteckt, und landet bei einer Sekte, die eigentlich recht harmlos wirkt.
Zum zweiten Mal schickt Deaver den Prämienjäger Colter Shaw auf die Jagd. Der Band ist auch ohne dass man den ersten Band gelesen hat, gut zu verstehen, auch wenn einigen Ereignisse um Shaws Familie aus dem ersten Band weitergeführt werden. Shaws Familiengeschichte und das Geheimnis, um den Tod seines Vaters machen Shaw zu einem in seinen Handlungen sehr rationalen Menschen, dennoch erscheint dieser recht ruhige Held auch immer wieder sehr mitfühlend und emotional, was ihn sehr sympathisch macht.
Das Erzähltempo ist für Deaver fast schon eher ruhig zu nennen, und auch wenn er nicht völlig darauf verzichtet, so hält er sich mit spektakulären Plot-Twists eher zurück. Dennoch ist die Handlung spannend und emotional, da man mit den Personen stets mitfühlt. Auch schafft es Deaver elegant auf eine zu einfache Schwarz-Weiß-Maleierei beim Thema Sekten zu verzichten.
Insgesamt kann man sagen, dass Deaver mit Colter Shaw wieder eine spannende und lesenswerte neue Thriller-Reihe geschaffen hat, die es mit dem Duo Lincoln Rhyme/Amelia Sachs locker mithalten kann.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Düster, mystisch, spannend – atmosphärisch dichter Thriller mit spannenden Charakteren

Die Stille des Todes
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Inspector Ayala, genannt Kraken, liegt im Koma und erzählt die vergangenen Ereignisse. Ein grausamer Doppelmord schreckt die Polizei auf, denn dieser setzt eine 20 Jahre alte Mordserie vor. Der Täter von ...

Inspector Ayala, genannt Kraken, liegt im Koma und erzählt die vergangenen Ereignisse. Ein grausamer Doppelmord schreckt die Polizei auf, denn dieser setzt eine 20 Jahre alte Mordserie vor. Der Täter von damals wurde verhaftet – von seinem Zwillingsbruder. Doch der Täter sitzt immer noch im Gefängnis, doch seine Entlassung steht bald bevor. und schon bald zeigt sich, dass die Mordserie noch lange nicht zu Ende ist. Hat man damals etwa den falschen Mann verurteilt?
Eva Garcia Saenz ist ein spannender Thriller gelungen. Eine interessante Vorgeschichte der Morde wird Stück für Stück enthüllt, Inspector Ayala und sein Team werden immer persönlicher in die Morde hineingezogen und alles endet mit einer überraschenden und überzeugenden Auflösung.
Neben der spannenden Handlung überzeugt der Thriller vor allem durch seine bis in die Nebencharaktere gut dargestellten Charaktere und durch die Einbindung des Baskenlandes, seine Natur, seine Dörfer und seine zuweilen mystischen Traditionen, die der Handlung noch eine gute zusätzliche unheimliche Note verleihen.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Die beklemmende Familiengeschichte dreier Brüder, die in ihre Vergangenheit zurückkehren

Die Überlebenden
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„Was sich hier auf der Steintreppe abspielt, das Weinen der drei Brüder, die geschwollenen Gesichter und all das Blut, ist nur der letzte Ring auf dem Wasser, der äußerste, der am weitesten vom Einschlagspunkt ...

„Was sich hier auf der Steintreppe abspielt, das Weinen der drei Brüder, die geschwollenen Gesichter und all das Blut, ist nur der letzte Ring auf dem Wasser, der äußerste, der am weitesten vom Einschlagspunkt entfernt ist.“ (Zitat S. 13)
Alex Schulmann erzählt ausgehend von diesem Endpunkt, die Kindheitsgeschichte der drei Brüder Nils, Benjamin und Pierre. Er beschreibt einzelne Episoden und Entwicklungen der Familie in chronologischer Abfolge. Abwechselnd dazu beschreibt er rückwärts diesen letzten Tag, dessen Ende man im ersten Kapitel erlebt. Wie Ringe im Wasser breiten sich die Ereignisse aus und ziehen sich umgekehrt zusammen, so dass ein immer dichteres Bild der Brüder und ihrer Eltern ergibt, wenn sich die Ringe durchdringen.
Neben dieser ungewöhnlichen Erzähltechnik entwickelt Schulmann ein Stimmungsbild der Familie, das beim Leser eine immer größer werdende Beklemmung erzeugt. Das Leben der Familie ist geprägt von Stimmungsschwankungen, Zuneigung, unterdrückten Gefühlen und Aggressivität, die aus einer großen Hilflosigkeit und Unfähigkeit, miteinander zu reden resultiert. Und dann gibt es noch den anfangs zitierten Einschlagpunkt …
Die wunderschöne, minimalistische Aufmachung der Hardcoverausgabe, die anspruchsvolle und emotionale Geschichte, die einen zum Nachdenken, zum Grübeln und Mitleiden anregt und die schönen malerischen Naturbilder machen das Buch zu einem unbedingten Leseerlebnis. Wie grandios der Autor diese komplexe Erzählweise umgesetzt hat, kann man auch erkennen, wenn man nachher das Buch auch mal von hinten nach vorne liest.

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Veröffentlicht am 08.11.2021

Eine der besten Krimireihen – grüezi

Frau Morgenstern und die Verschwörung
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Schweizer Humor in einem sprachlich genialen Krimi

Zum mittlerweile dritten Mal ermitteln die pensionierte Grundschullehrerin Violetta Morgenstern und der Ex-Söldner Miguel Schlunegger im Auftrag des ...

Schweizer Humor in einem sprachlich genialen Krimi

Zum mittlerweile dritten Mal ermitteln die pensionierte Grundschullehrerin Violetta Morgenstern und der Ex-Söldner Miguel Schlunegger im Auftrag des Schweizer Tell-Ministeriums. Eigentlich haben sie den Auftrag, einen vatikanischen Kardinal, der in einem Schweizer Kloster weilt, diskret zu eliminieren, doch ein Attentäter kommt ihnen zuvor. Auf der Suche nach dem Täter kommen sie einem ungeheuerlichen Geheimnis auf die Spur.

Marcel Huwylers dritter Kriminalroman um Violetta Morgenstern schafft es problemlos das hohe Niveau der ersten beiden Bände zu halten oder sogar noch zu übertreffen. Zum einen bietet das Geheimnis des ermordeten vatikanischen Priesters eine skurrile und spannende Handlung, zum anderen gelingt es, die bekannten Charaktere (auch die Nebenfiguren) in ihrem Zusammenspiel immer wieder witzig, emotional und voller Liebe zum Detail zu charakterisieren, alte Entwicklungen auszubauen und neue familiäre Neuigkeiten einzufügen. Gerade Miguel Schlunegger muss einige Neuigkeiten verkraften.

Immer wieder überraschend ist die sprachliche Gestaltung. Skurriler Witz ohne billigen Klamauk, poetische Formulierungen, ungewöhnliche Beschreibungen (nebst Schweizer Vokabular: Das Kebab-Hüsli) bieten dem Leser die Möglichkeit, sowohl mit den Protagonisten mitzufiebern und mitzuleiden als auch immer wieder zu schmunzeln. Man darf sich auf den vierten Band freuen.

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Veröffentlicht am 05.05.2021

Fantasy trifft Agatha Christie - faszinierende Unterhaltung

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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Stuart Turton hat mit seinem ersten Roman "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" einen Roman geschrieben, der gut unterhält, aber den Leser auch fordert.

Diese Rezension bespricht das bei Audiobuch erschienene ...

Stuart Turton hat mit seinem ersten Roman "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" einen Roman geschrieben, der gut unterhält, aber den Leser auch fordert.

Diese Rezension bespricht das bei Audiobuch erschienene Hörbuch, das von Frank Stieren gelesen wird. Und um es kurz zu machen: Frank Stieren macht einen sehr guten Job. Es macht Spaß, ihm zuzuhören, und er schafft es, den vielen und vielschichtigen Charakteren des Buches und ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Worum geht es in dem Roman? Vordergründig ist es ein klassisch, englischer Whodunit-Krimi. Das Krimi-Personal scheint ganz aus einem Krimi von Agatha Christie zu stammen. Auf dem verfallenen Familiensitz der Familie Hardcastle wird ein Maskenball stattfinden, an dessen Ende die Tochter Evelyn Hardcastle sterben wird. Aiden Bishop soll diesen Mord aufklären.

Doch hier hat Stuart Turton einen Plot entwickelt, den ich in dieser Form noch nie gelesen haben. Denn Aiden Bishop ist auf dem Landsitz Blackheath in einer Zeitschleife gefangen. Er wacht im Körper einer der Gäste auf und muss erfahren, dass er dieser Zeitschleife nur entkommen kann, wenn er bis zu Abend, den Mord, der noch passieren wird, aufklärt. Doch dazu hat er nicht nur den einen Tag Zeit, sondern er darf den Tag achtmal in acht verschiedenen Wirten durchleben.

Was folgt, ist ein von Stuart Turton grandios inzeniertes Verwirrspiel, denn Aiden Bishop muss ständig zwischen den Wirten hin- und herspringen und vor allem muss er mit den Charakteren seiner Wirte kämpfen, während er versucht, den Mord aufzuklären.

ich selbst habe großen Respekt vor Stuart Turton, denn er schafft es, in diesem sehr komplexen Plot, die Übersicht zu behalten und die Spannung, bis zum Schluss aufrechtzuhalten. Immer wieder werden neue Details des Mordes gebracht, neue Fragen tauchen auf und am Ende rutscht nach und nach jedes Puzzleteil an seinen Platz.

Noch spannender als die Frage nach dem Mörder ist dann die Frage, warum Aiden Bishop diese Zeitschleife durchleiden muss, und auch hier liefert Stuart Turton eine überrachende Erklärung, die der ganzen Handlung einen fast philosophischen Touch gibt.

Das Hörbuch hat mir sehr großen Spass gemacht, allerdings ist das Werk nichts, was man nebenher hören oder lesen kann. Ich habe immer wieder mal zurückhören müssen, um mich zu vergewissern, ob ich ein Detail noch richtig in Erinnerung habe (Hier ist vielleicht das Buch besser geeignet) . Aber dann zu erkennen, wie sich die Details plötzlich erklären ließen, war ein großer Spass für mich. Am Ende musste ich unbedingt weiter hören, fand es dann aber sehr schade, als das Hörbuch zu Ende war.

Ein großer Pluspunkt ist auch Stuart Turtons Sprache, die zum Beispiel Aiden Bishops Kampf in den fremden Körpern sehr gut und bildhaft beschreibt.

Von mir gibt es eine klare Hör- bzw. Leseempfehlung. Man muss aber wissen, worauf man sich bei diesem Werk einläßt.

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