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Veröffentlicht am 05.09.2022

Mehr Familientragödie mit Krimielementen statt Thriller. Trotz interessanter Hauptfigur mit einem unnachahmlichen Gespür für die Toten nicht so spannend wie Band 1.

Wer mit den Toten spricht
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Cassie Raven, von Beruf Sektionsassistentin, hat eine Affinität zum Tod, seitdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, als sie vier Jahre alt war. Dies dachte sie zumindest, bis ihre ...

Cassie Raven, von Beruf Sektionsassistentin, hat eine Affinität zum Tod, seitdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, als sie vier Jahre alt war. Dies dachte sie zumindest, bis ihre Großmutter ihr, nachdem sie sich von einem Schlaganfall erholt hatte, beichtet, dass ihr Vater ihre Mutter ermordet hat und dafür lange Zeit im Gefängnis saß. Inzwischen ist Callum auf freiem Fuß und schwört, dass er seiner Ehefrau Kath nie hätte etwas antun können. Cassie möchte ihrem Vater gern glauben und zieht die Ermittlungen der Polizei in Zweifel, nachdem sie mit Bekannten ihrer Eltern gesprochen hat und es zudem Unsauberkeiten bei der Obduktion der Leiche ihrer Mutter gegeben hat. Cassies Vater wurde aufgrund von Indizien und der Aussage eines Zeugen überführt, Beweise für sein brutales Handeln gab es keine.
Mit Hilfe von Detective Sergeant Phyllida Flyte, mit der Cassie in einem vergangenen Todesfall zusammenarbeitete, von dem sie persönlich betroffen war, versucht sie herauszufinden, was vor 21 Jahren passiert ist und wird dabei von ihren vagen Kindheitserinnerungen und ihrer Intuition unterstützt.
"Wer mit den Toten spricht" ist nach "Tote schweigen nie" Band 2 der Reihe um die ungewöhnliche Sektionsassistentin mit Goth-Affinität. Das Buch ist als Thriller deklariert, liest sich jedoch lange wie ein Familiendrama. Der Fokus liegt auf der tragischen Vergangenheit von Cassies Familie und der Suche nach der Wahrheit. Cassie hat zudem mit Schuldgefühlen zu kämpfen, da sie sich für den Tod ihrer Mutter, die mit einem kleinen Kind überfordert schien, verantwortlich fühlt.
Auch der Erzählstrang um die Polizistin Phyllida, deren Baby nach der Geburt verstorben ist, ist von einer privaten Tragödie und der Frage Phyllidas geprägt, ob der Tod ihrer Tochter hätte verhindert werden können.
Beide Protagonistinnen müssen mit unverarbeiteter Trauer umgehen und sind auf der Suche nach Antworten.
Spannung zur Aufklärung des Mordes an Katherine Raven baut sich nur gemächlich auf und zieht erst im letzten Drittel an, als Cassie bewusst wird, dass irgendjemand versucht, ihre Recherchen gewaltsam zu unterbinden.
Die Sektionsassistentin ist wie schon im ersten Band eine interessante Figur, die ausgesprochen empathisch im Umgang mit den Toten und ihren Angehörigen agiert und die eine enge Verbundenheit zu den Toten spürt. Gut hat mir deshalb der Beginn des Romans gefallen, als ihre Arbeit, die ihre Berufung scheint, in den Vordergrund rückte und sie Signale von einem jungen vermeintlich Suizidalen empfängt, um seinen Tod aufzuklären. Auch der Schluss ist spannend in Szene gesetzt und fesselt durch die zunehmende Gefahr, in die sich Cassie durch ihre vehementen Recherchen begibt. Die Suche nach der Wahrheit empfand ich jedoch als langatmig und für einen Thriller zu dramatisch und wenig dynamisch.
Nachdem sich Cassie nun mit der Vergangenheit versöhnen kann, hoffe ich auf weniger persönliche Dramen und mehr Spannung und Forensik sowie mehr von Cassies Eigenarten im Umgang mit den Toten in den Folgebänden der Reihe.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Roman über Selbstwert und die Suche nach sich selbst. Schönes Setting, eingängiger Schreibstil, aber eine etwas eindimensionale Geschichte, die zwar Mut machend, aber sehr voraussehbar ist.

Herz sucht Zuhause
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Charly ist bei einer Pflegefamilie aufgewachsen und obwohl es ihr dort an nichts mangelte, hat sie sich doch stets ein wenig fehl am Platz gefühlt und sich gefragt, wer sie eigentlich ist. Ihre beste Freundin ...

Charly ist bei einer Pflegefamilie aufgewachsen und obwohl es ihr dort an nichts mangelte, hat sie sich doch stets ein wenig fehl am Platz gefühlt und sich gefragt, wer sie eigentlich ist. Ihre beste Freundin Mia hat sie schon immer um ihr Selbstbewusstsein und ihre unbeschwerte Art beneidet. Als diese sie bittet, während ihres Urlaubs zwei Wochen nach Starnberg zu kommen, um ein paar Kleinigkeiten für sie zu erledigen, willigt Charly, die gerade von ihrem Freund verlassen wurde, bereitwillig ein. Sie zieht dort nicht nur in eine Traumwohnung, sondern nimmt aufgrund eines Missverständnisses den Job an, auf den Mia sich beworben hatte. Charly schlüpft immer tiefer in die Rolle von Mia, bis die Situation so festgefahren ist, dass sie aus der Nummer nicht mehr herauskommt. Problematisch wird es insbesondere, als sie sich in Stuntman Sebastian verliebt, den sie damit von Anbeginn belügt.
Der Roman wird aus den Perspektiven von Charly und Sebastian geschildert, wobei das Hauptaugenmerk auf Charly liegt. Sie ist eine junge Frau, die zutiefst verunsichert ist und ohne Wurzeln auf der Suche nach ihrer Identität ist. Ursächlich für ihre Verlorenheit und Einsamkeit ist, dass sie ihre Mutter nicht kennt und sich von ihr im Stich gelassen fühlt. So ist es erklärlich, dass sie überrumpelt in die Rolle ihrer besten Freundin schlüpft, der sie in ihrer Abwesenheit nur einen Gefallen tun sollte. Charly läuft damit Gefahr, die Menschen vor den Kopf zu stoßen, die sie inzwischen lieb gewonnen hat, klärt die Verwechslung aber erst auf, als es gar nicht mehr anders geht.
Sebastian, in den sie sich verliebt, ist Stuntman, weil er den Adrenalinrausch braucht. Er birgt eine Traurigkeit, die er vor Mia alias Charly versteckt.
Der Roman handelt von Selbstwert und der Suche nach sich selbst. Durch Charlys Rolle als Mia tritt Charly aus ihrer Komfortzone, traut sich beruflich mehr zu und lernt neue Menschen kennen. Spannend bleibt dabei, wie sie den Schlamassel auflösen wird und ob ihr das falsche Spiel verziehen wird. Sebastians Sicht ist dagegen weniger bedeutend. Warum aus seiner Trauer so ein Geheimnis gemacht wird, ist unverständlich. Für die Geschichte hat sie keinen Mehrwert und macht ihn als Person nicht interessanter. Auch die Rolle der Mia ist eher fraglich. Als beste Freundin ist es seltsam, dass Charly nicht merkt, dass Mia ihr etwas verheimlicht.
Die Geschichte spielt mit den Bavaria Filmstudios, dem Starnberger See und München an interessanten Schauplätzen und liest sich aufgrund des eingängigen Schreibstils leicht, tritt jedoch lange auf der Stelle, während man wartet, dass sich Charly und Sebastian näher kommen und die Bombe um Charlys Ich endlich platzt. Ihr Weg zur Selbstfindung ist Mut machend, aber auch sehr vorhersehbar.

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Veröffentlicht am 08.08.2022

Roman über eine Autistin - etwas spröde, nüchtern und wenig lebendig. Der Geschichte fehlt es an fesselnden Momenten, Dramatik und Witz.

Wie Ellie Carr zu leben lernt
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Elvira Carr ist 27 Jahre alt und lebt bei ihrer Mutter Agnes, ihr Vater ist bereits verstorben. Als Agnes einen Schlaganfall erleidet und letztlich ins Pflegeheim muss, ist Ellie zum ersten Mal in ihrem ...

Elvira Carr ist 27 Jahre alt und lebt bei ihrer Mutter Agnes, ihr Vater ist bereits verstorben. Als Agnes einen Schlaganfall erleidet und letztlich ins Pflegeheim muss, ist Ellie zum ersten Mal in ihrem Leben auf sich allein gestellt, was in ihrem Alter nicht weiter ungewöhnlich ist, aber Ellie ist Autistin. Ihr fällt es schwer, Emotionen zu zeigen und einzuordnen, zu kommunizieren und die "normalen" Menschen zu verstehen. Sie hat keinen Sinn für Ironie oder Redewendungen und nimmt jedes Wort für bare Münze. Ellie hat nach der Schule keinen Beruf erlernt und war seitdem rund um die Uhr mit der Betreuung ihrer körperlich gebrechlichen Mutter beschäftigt. Diese hat Ellie nicht viel zugetraut und ihre Entfaltungsmöglichkeiten - auch aus Schutz vor Anfeindungen - stark eingeschränkt. Ellie kennt das wirkliche Leben nicht, denn weiter bis zum Supermarkt ist sie kaum gekommen.

Aus Angst, selbst in ein Heim zu müssen, strengt sich Ellie an, ein eigenständiges, selbstständiges Leben zu führen und stellt für sich sieben Regeln auf, die ihr den Umgang mit anderen Menschen erleichtern sollen, um nicht unangenehm aufzufallen. Hilfe erhält sie von ihrer Nachbarin Sylvia, die die Carrs schon lange kennt und Ellie mit Rat und Tat zur Seite steht. Ellie wagt es sodann aus sich herauszugehen und nimmt sogar ein Ehrenamt in einem Tierpark an.
Auch wenn sie immer wieder auf Schwierigkeiten stößt, andere vor den Kopf stößt und selbst vom Verhalten der "normalen" Menschen irritiert ist, lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie stellt sich selbst zudem Fragen, auf die sie noch keine Antworten bekommen hat, denn das Verhältnis ihrer Eltern konnte sie nicht begreifen und auch welches Geheimnis ihr Vater verbarg, ist ihr bisher schleierhaft.

"Wie Ellie Carr zu Leben lernt" ist der passende Titel, denn er fasst den Inhalt des Romans treffend zusammen. Ellie ist Autistin, deshalb aber nicht weniger intelligent als andere Menschen. Sie hat Probleme mit dem Sozialverhalten und dem Umgang mit anderen Menschen. Diese Schwierigkeiten werden durch diverse Beispiele aus ihrem Alltag anschaulich geschildert. Auch wenn man sich nicht wirklich in Ellies Denkweise hineinversetzen kann, ist es von außen betrachtet nachvollziehbar, weshalb die soziale Interaktion mit anderen gestört ist und sich Ellie in Gesellschaft unbeholfen und unsicher fühlt. Selbst wenn sie sich anstrengt, genau das Richtige zu tun, macht sie Fehler, mit denen sie nicht gerechnet hat.

Ihre Mutter wird als unsympathisch und herrisch dargestellt, die ihre Tochter unterdrückt und von der Außenwelt abgeschottet hat. Durch Ellies Erlebnisse und Erinnerungen muss jedoch auch in Betracht gezogen werden, dass sie Ellie vor Fettnäpfchen bewahren und vor Verletzungen schützen wollte. Dennoch wirkt sie verbittert und als würde sie Ellie für ihr Schicksal verantwortlich machen.

Die Geschichte ist etwas spröde, zu nüchtern und wenig lebendig. Das Leben eines autistischen Menschen wird dabei plakativ dargestellt. Ähnlich wie in einem Ratgeber werden typische Probleme von Autisten aneinandergereiht, um diese Entwicklungsstörung anderen Menschen näher zu bringen und Verständnis dafür aufzubringen. Die Gedanken von Ellie wiederholen sich, auch werden immer wieder in den Dialogen aufgesetzt Redewendungen verwendet, die künstlich für Probleme sorgen. Auf die Dauer ist Ellie enervierend begriffsstutzig und gutgläubig und der Roman entwickelt sich nach dem Einschnitt zu Beginn nicht wirklich weiter. Ellie macht, nachdem sie sich mit dem Alleinleben arrangiert hat, keine entscheidende persönliche Entwicklung mehr durch. Die Aufdeckung des Geheimnisses des Vaters hätte der Geschichte einen neuen Impuls verleihen können, sein Handeln wirkte jedoch unglaubwürdig und arg konstruiert. Die Aufklärung dieser Räuberpistole wird durch die Unbeholfenheit Ellies zäh in die Länge gezogen.
Ich habe schon mehrere Bücher über Autisten gelesen, aber bei diesem fehlte mir der Charme. Ein wenig Spannung kam durch Ellies Überlegungen hinsichtlich des Geheimnisses ihres Vaters auf, dennoch fehlte es dem Roman an fesselnden Momenten, Dramatik und Witz.

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Veröffentlicht am 06.08.2022

Oberflächlicher Roman mit unnahbaren Figuren und wenig Einblicken in Hemingways Leben. Letztlich bleibt unklar, was die Frauen an dem Lebemann so faszinierte.

Als Hemingway mich liebte
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1926 verbringen Ernest Hemingway und seine Ehefrau Hadley den Sommer in Antibes in Südfrankreich. Neben Cocktailpartys mit anderen aufstrebenden oder etablierten Künstlern verbringen sie die Tage mit Pauline ...

1926 verbringen Ernest Hemingway und seine Ehefrau Hadley den Sommer in Antibes in Südfrankreich. Neben Cocktailpartys mit anderen aufstrebenden oder etablierten Künstlern verbringen sie die Tage mit Pauline "Fife" Pfeiffer, die Hadley eingeladen hat. Sie ist ihre Freundin und gleichzeitig die Geliebte ihres Ehemanns. Hadley hatte den Plan, Ernest mit der dauerhaften Anwesenheit von Fife und der unsäglichen Ménage-à-troi von ihr zu lösen, doch der Plan ging nach hinten los. Nach einem Ultimatum von 100 Tagen erfolgte die endgültige Trennung. Ernest heiratet Fife, doch auch sie wird mit ihm eine Ehe zu dritt führen, die deshalb ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist.
Insgesamt viermal wird Ernest Hemingway heiraten und keine seiner Ehefrauen, die mit seiner Untreue ganz unterschiedlich umgehen, glücklich machen.
"Als Hemingway mich liebte" ist ein Roman über die vier Ehefrauen von Ernest Hemingway und sollte deshalb besser "Als ich Hemingway liebte" heißen. Aus der Perspektive aller vier Frauen werden chronologisch ihre Affären und Ehen mit Hemingway beschrieben, wobei in ihren Erzählungen Rückblenden in die Vergangenheit erfolgen, was mit Dopplungen einzelner Szenen verbunden ist.
Alle Frauen scheinen dem Charme von Hemingway verfallen, dem es offenbar aufgrund seiner Ausstrahlung, schon als er noch nicht als Schriftsteller erfolgreich war, mühelos gelungen ist, unverhohlen mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig zu führen und von einer Ehe nahtlos in die nächste überzugehen. Leidtragende sind die Ehefrauen, die ihren Mann vor den Augen der anderen teilen müssen.
Aufgrund der beschränkten Sicht der Ehefrauen und der ständigen Abwesenheit Hemingways erfährt man nur wenig über den Schriftsteller und Kriegsberichterstatter als Person. Seine Rastlosigkeit und Untreue werden damit genauso wenig erklärbar, wie seine Anziehungskraft, die die Frauen an ihn bindet. Auch wenn man die Gefühlswelt der Frauen nachempfinden kann, bleibt nicht nachvollziehbar, was sie an diesem Mann so faszinierend finden.
Jede Frau ist unterschiedlich und geht anders mit Ernest um, leidet mehr oder weniger stark unter seinen Affären. Während Hadley eher reflektiert und nüchtern ist, erscheint Fife leidenschaftlich und besitzergreifend. Martha ist selbstbewusst und bietet Ernest die Stirn, lässt sich jedoch auch über sieben Jahre hinweg betrügen. Marys Sichtweise ist stark vom Tod Hemingways geprägt, so dass sie selbst reichlich blass und unscheinbar bleibt. Davon abgesehen ändern sich die Situationen der vier Frauen bis auf die Schauplätze nur marginal, was die Geschichte etwas ermüdend eintönig gestaltet.
Ein wenig mehr Persönlichkeit Ernest Hemingways, zu seinem Schreiben und Wirken als Schriftsteller und Kriegsberichterstatter, mehr Alltag aus den Ehen und weniger Erniedrigung der Frauen hätten diesem fiktiven Roman, der aufgrund der Recherchen sicher nah am Leben von Hemingway und seinen Ehefrauen ist, gut getan. Nach meinem Empfinden wäre es besser gewesen, sich auf eine Ehefrau und eine Geliebte aus dem Leben Hemingways zu beschränken. So hätte der Roman mehr Tiefe erhalten und die Charaktere hätten nahbarer werden können.

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Veröffentlicht am 29.07.2022

Eine unglückliche Liebesgeschichte, eine Erzählung über Einsamkeit mit viel Mathematik, Lyrik und einer Protagonistin, die sich in ihrer Gedankenwelt verliert - zäh und ermüdend zu lesen.

Lehne deine Einsamkeit sanft an meine
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Rakel hat sich schon immer mit Zahlen wohler gefühlt als mit Menschen, hatte nie viele Freunde, aber dafür eine enge Beziehung zu ihren Eltern, vor allem zu ihrem Vater, der Wissenschaftler ist. Mit 19 ...

Rakel hat sich schon immer mit Zahlen wohler gefühlt als mit Menschen, hatte nie viele Freunde, aber dafür eine enge Beziehung zu ihren Eltern, vor allem zu ihrem Vater, der Wissenschaftler ist. Mit 19 Jahren und ihrem Faible für Mathematik zieht sie nach Oslo um zu studieren. Dort trifft sie auf den doppelt so alten Jakob, einen Dozenten, der von ihrem schnellen Verstand und ihrer Leidenschaft für mathematische Rätsel, Beweise und Herleitungen fasziniert ist.
Rakel verliebt sich in den verheirateten Mann und gibt sie ihm mit Haut und Haar hin. Als sie krank wird, ist er ihr einziger Halt. Neben der Diskussion über Mathematik lesen sie Gedichte und Jakob schreibt ihr selbst Gedichte. Sie leben in ihrer eigenen Welt, in der es nur sie beide gibt.
Während ihre nicht weiter diagnostizierte Krankheit fortschreitet und Jakob ihr Versprechungen macht, seine Frau zu verlassen, wenn die Kinder älter sind, macht Rakel Karriere als Akademikerin bis die Krankheit ihren Tribut fordert.

Rakel ist eine hochintelligente junge Frau, der es schwerfällt, auf andere Menschen zuzugehen und Bindungen einzugehen. Umso enger wird die Verbindung zu ihrem Professor, in dem sie in Bezug auf ihre Leidenschaft für Lyrik und Mathematik einen Seelenverwandten findet. Sie ist einerseits intelligent und andererseits schrecklich naiv. So entwickelt sich die Beziehung nach einem altbekannten Muster. Der verheiratete Mann macht Versprechen, vertröstet die unerfahrene Frau und wiegt sie damit in Sicherheit - wird sich aber letztlich nie für die Affäre und gegen die Familie entscheiden.

Rakel wird schon während der Beziehung zu Jakob krank, wobei die Krankheit nie benannt wird, so dass nur spekuliert werden kann wie groß die Rolle ihrer Psyche bei den körperlichen Symptomen ist.
Als sie nicht mehr arbeiten kann, beschäftigt sie sich intensiv mit dem Leben der Mathematikerin Sofja Kowalewkaja, das so viele Parallelen zu ihrem eigenen Leben aufweist. Rakel möchte von Sofjas Fehlern lernen, um nicht so unglücklich zu werden wie sie.
Während man im ersten Teil des Romans ein Verständnis für Algebra, Stochastik und damit verbundene Fragestellungen haben sollte, um den Dialogen von Rakel und Jakob zu folgen, sollte man im zweiten Teil ein Interesse für klassische Musik aufbringen.

Es ist ein Roman, der sich im Wesentlichen auf die Gefühlswelt und Gedanken von Rakel konzentriert und deshalb etwas eintönig ist. Zudem ist es schon fast deprimierend zu lesen wie Rakel ihr Potenzial nicht ausschöpft und so viel Zeit mit Jakob verschwendet.
Vor allem auf den letzten Seiten, in denen sich Rakel gedanklich wirr mit historischen Persönlichkeiten beschäftigt, ist das Buch recht zäh. Man gelangt zu keinen neuen Erkenntnissen über Rakel, die einerseits so rational und wissenschaftlich denken kann, andererseits jedoch so künstlerisch, emotional und verletzlich ist, und ihre weitere Zukunft.
"Lehne deine Einsamkeit sanft an meine" ist keine Liebesgeschichte als solche, sondern eine Geschichte über Einsamkeit, denn selbst als Rakel Jakob noch regelmäßig sieht, ist sie doch allein mit sich und ihren Träumen von einer anderen Zukunft.

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