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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2022

In der Elbmarsch

Die Rückkehr der Kraniche
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Als Wilhelmine Hansen eines Tages stürzt und ins Krankenhaus kommt, stürzt sie damit auch ihre Tochter Grete in ein Gefühlschaos. Denn Grete, beinahe fünfzig Jahre alt, hat das alte Haus in der Elbmarsch ...

Als Wilhelmine Hansen eines Tages stürzt und ins Krankenhaus kommt, stürzt sie damit auch ihre Tochter Grete in ein Gefühlschaos. Denn Grete, beinahe fünfzig Jahre alt, hat das alte Haus in der Elbmarsch und ihre Mutter nie verlassen und arbeitet als Vogelwartin in der Gegend. Doch jetzt, als es ihrer Mutter so schlecht geht, informiert sie auch ihre jüngere Schwester Freya und ihre Tochter Anne. Zu beiden hat sie ein gespanntes Verhältnis, zu der einen, weil diese die Elbmarsch Knall auf Fall verlassen hat, um in Berlin zu wohnen und zu ihrer Tochter, weil sie ihr nie den Namen ihres Erzeugers genannt hat. Doch jetzt sind sie alle unter einem Dach, die drei Generationen, jeder beladen mit Geheimnissen, Konflikten und Gefühlen, denen sie nicht mehr aus den Weg gehen können.

Ich mag die Krimis von Romy Fölck, die ebenfalls in der Elbmarsch spielen, und so war es keine Frage, dass ich dieses Buch ebenfalls lesen musste. Auch hier beweist die Autorin wieder ihre Kunst der leisen Töne, die dennoch nachhallen. Die Charakterzeichnungen der vier Frauen sind nordisch klar, etwas spröde und manchmal möchte man sie schütteln, jede einzelne, damit sie endlich mal auf einander zugehen und sich entgegenkommen. Manchmal waren die Charaktere ein wenig zu distanziert für meine Verhältnisse, aber im Großen und Ganzen, aber das ist genau das richtige Buch für die kühler werdenden Abende und um nach einem langen Tag mal so richtig zu entschleunigen.

Veröffentlicht am 14.08.2022

Krieg der Götter

Lore. Die Spiele haben begonnen. Sie kämpft um ihr Leben
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Alle sieben Jahre werden die Götter des Pantheons für genau sieben Tage lang sterblich. In dieser Zeit werden sie einerseits von ausgebildeten Jägern der eigenen Familie gejagt, andererseits jagen eben ...

Alle sieben Jahre werden die Götter des Pantheons für genau sieben Tage lang sterblich. In dieser Zeit werden sie einerseits von ausgebildeten Jägern der eigenen Familie gejagt, andererseits jagen eben diese Jäger die anderen Götter und versuchen, sie zu töten. Lore ist eine solche Jägerin, doch seit sie in der letzten Jagdzeit ihre Familie verloren hat, will sie mit dem ganzen Götterkrieg und Blutvergießen nichts mehr zu tun haben. Doch dann tritt ausgerechnet Castor zurück in ihr Leben - und er ist der neue Apollo. Als wäre das nicht genug, erscheint auch Athene, die Göttin, schwerverletzt, und bietet ihr ein Bündnis an: Wenn Lore ihr hilft, wird sie zusammen mit ihr den Mörder ihrer Familie richten. Doch wem kann Lore überhaupt trauen?

Ich muss zugeben, dass mich der Anfang des Buches ganz schön verwirrt hat. Man wird erstmal richtig ins Geschehen geworfen, ohne große Erklärungen zu erhalten und ich hatte anfangs mehrmals das Gefühl, die Fortsetzung eines anderen Buches zu lesen. Doch je weiter ich kam, desto mehr fuchste ich mich in die Geschichte ein, die dann einen echten Sog entwickelt. Mir gefällt wirklich gut, dass es nicht um eine kitschige Liebesbeziehung geht, auch wenn Liebe vorkommt, und auch wenn ich mir noch immer nicht sicher bin, ob ich den Schluss so mag, wie er ist, hat er doch am Ende gepasst. Irgendwie. Denn die Quintessenz der Geschichte lautet wohl auf gewisse Weise: Man braucht doch einfach nur miteinander zu reden, dann kann man sich schon einigen, ohne sich die Köpfe einzuschlagen.

Veröffentlicht am 12.08.2022

Verflixt und zugehext!

Fairy Tale Camp 1: Das märchenhafte Internat
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Marie Brunner ist zwölf und das typische, ganz normale Mädchen. Am letzten Tag vor den großen Ferien passiert ihr bei der Vertretungslehrerin ein Missgeschick - doch anstatt bestraft zu werden, wird sie ...

Marie Brunner ist zwölf und das typische, ganz normale Mädchen. Am letzten Tag vor den großen Ferien passiert ihr bei der Vertretungslehrerin ein Missgeschick - doch anstatt bestraft zu werden, wird sie in ein Sommercamp eingeladen. Als sie in Schloss Fairy Tale eintrifft, glaubt Marie noch, dass sie wegen ihres Zeichentalents eingeladen wurde, doch schnell wird sie eines Besseren belehrt: Sie und die anderen Jugendlichen sind alles Nachfahren von Märchenfiguren, die hier unter anderem lernen, ihre magischen Fähigkeiten zu beherrschen. Bald findet sie Freunde: den bösen Wolf Will, Jake mit seinen besonderen Haaren, Ro und andere. Doch auch Widersacher lassen nicht lange auf sich warten und Marie rutscht in das Abenteuer ihres Lebens.

Das ist eine schöne, kurzweilige Geschichte, die ich gern gehört habe. Die Sprecherin passt gut zu der jugendlichen Heldin und hatte hörbar Spaß bei der Sache. Es gab nette Einfälle und Ideen und mir gefiel, dass Wert auf Freundschaft und Zusammenhalt gelegt wurde. Was mir weniger gefiel, waren ein paar logische Sachen. Jemand wird eines Verbrechens beschuldigt und dieser Jemand erhält keine Verteidigung oder es wird nicht einmal versucht, ihm das Verbrechen nachzuweisen, er wird gleich einfach mal des Camps verwiesen. Ich denke mir, angenommen, er hätte das Verbrechen wirklich begangen, wäre er aber gut weggekommen. Allgemein scheint hier nicht viel Wert darauf gelegt zu werden, Dingen auf den Grund zu gehen. Oh, jemand hat Jolanda ihre Magie geraubt? Na ja. Pech. Dann ist sie halt für immer eine Nachtigall. Als Maries Mutter verschwand, schien auch nicht die Polizei eingeschaltet worden zu sein; klar, passiert ja ständig, dass Mütter vom Erdboden verschwinden. Dazu kommt, dass nicht ein einziges Mal irgendwas Vernünftiges gegessen wird in der Geschichte. Rein theoretisch müssten die alle mit ihren zwölf Jahren schon kurz vor Herzverfettung stehen und rollen statt laufen. Aber okay, ist halt ein Märchen und als solches war es nett und ich würde mir auch gern die Fortsetzung anhören.

Veröffentlicht am 25.07.2022

Viel Feind, viel Ehr

Das letzte Grab
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Carla Winter geht es richtig gut. Sie ist Anfang vierzig, hat eine gut gehende Anwaltspraxis in Frankfurt und lebt ihr Leben, wie es ihr in den Sinn kommt. Umso größer ist der Schock, als ihr plötzlich ...

Carla Winter geht es richtig gut. Sie ist Anfang vierzig, hat eine gut gehende Anwaltspraxis in Frankfurt und lebt ihr Leben, wie es ihr in den Sinn kommt. Umso größer ist der Schock, als ihr plötzlich mitgeteilt wird, dass ihr Ex-Mann in der Türkei getötet wurde. Ein Autounfall oder etwas anderes? Die Polizei tappt im Dunkeln. Und Carla tappt zuhause über die Leiche ihres One--Night-Stands, den jemand umgebracht hat. Und ihr droht dasselbe, sollte sie nicht ein wertvolles Kunstobjekt aufspüren, bei dem ihr Ex die Finger mit im Spiel hatte. Eine rasante Jagd entwickelt sich, bei der ihr ein Killer stets auf den Fersen ist ...

Hier geht es wirklich Schlag auf Schlag. Kaum lernt man Carla kennen, wird sie nicht nur über den Tod ihres Ex-Mannes unterrichtet, sondern stolpert auf der Stelle in gefährliche Machenschaften, in die er verstrickt war. Was mir gut gefällt ist, dass es sich hier wirklich mal um einen Thriller handelt, der mit schnellen, rasanten Kapiteln nicht nur die Protagonistin, sondern auch die LeserInnen in Atem hält. Mag sein, dass das ein wenig zu Lasten der Charakterisierung geht und einige Szenen waren arg glücklich, aus denen sie entkommen konnte, aber wer zu diesem Buch greift, erwartet ja auch keine tiefschürfende Philosophie, sondern Action, Intrigen und hier und da ein paar Morde. Nicht mehr und nicht weniger erhält man dann auch.

Veröffentlicht am 25.07.2022

Ein einziger Moment

Lost-Moments-Reihe, Band 1 - The Moment I Lost You
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Auf einer Party wie jeder anderen: Mia amüsiert sich - zumindest solange, bis etwas Schreckliches passiert. Ihr Freund Brant liegt auf dem Küchenboden, ein junger Mann namens Nathan steht mit einem blutigen ...

Auf einer Party wie jeder anderen: Mia amüsiert sich - zumindest solange, bis etwas Schreckliches passiert. Ihr Freund Brant liegt auf dem Küchenboden, ein junger Mann namens Nathan steht mit einem blutigen Messer daneben. Und dann passiert das Undenkbare. Brant stirbt.

Vier Jahre später ist Mia noch immer traurig, noch immer erschüttert, sie geht regelmäßig zu Treffen mit anderen Trauernden und hat eine Psychologin, mit der sie sich ebenfalls regelmäßig trifft. Erneut wird ihre Welt erschüttert, als sie Nathan wiedersieht, den Mann, den sie für den Mörder von Brant hält. Er ist auf Bewährung draußen und immer wieder laufen sie sich über den Weg. Je mehr sie sich kennenlernen, desto mehr erkennt Mia, dass sie alle einem Irrtum unterlagen - und dass Nathan so viel mehr ist als ein einziger furchtbarer Moment ...

Ich bin ja zugegebenermaßen kein großer Freund von NA. Normalerweise hasse ich einfach die als romantisch propagierten toxischen Beziehungen, in denen die Typen ihre Freundinnen wie den letzten Dreck behandeln. Das war hier überhaupt nicht der Fall, im Gegenteil. Zwischen den beiden Hauptcharakteren bestand zu jeder Zeit eine respektvolle Beziehung, selbst ganz zu Anfang. Für ihre Jugend war Mia eine reflektierte Frau, die immer wieder ihre Infos neu bewertete und sich auch von engen Freunden nicht (lange) aus der Bahn werfen ließ. Das mochte ich sehr. Ja, das Ende war vielleicht ein bisschen zu sehr Friede, Freude, alle haben sich lieb, und manche Entscheidungen hätte ich nicht oder anders getroffen. Alles in allem für dieses Genre etwas sehr Lesenswertes mit einem ernsten Thema im Hintergrund.