Profilbild von subechto

subechto

Lesejury Star
offline

subechto ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit subechto über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.06.2017

Was ist real?

Die Jagd - Am falschen Ort
0

Jonas Keller wird zufällig Zeuge, wie ein Mafia-Boss seine Freundin und deren Lover erschießt - und geht zur Polizei. Seine Aussage vor Gericht bringt Torrini ins Gefängnis. Aber Jonas‘ bisheriges Leben ...

Jonas Keller wird zufällig Zeuge, wie ein Mafia-Boss seine Freundin und deren Lover erschießt - und geht zur Polizei. Seine Aussage vor Gericht bringt Torrini ins Gefängnis. Aber Jonas‘ bisheriges Leben ist damit vorbei. Denn ab jetzt ist er ein Gejagter. Seine Freundin trennt sich von ihm. Zunächst versucht er es alleine, später wird er in einem Zeugenschutz-Programm betreut. Merkwürdige Dinge geschehen und Jonas muss lernen, sich zu wehren, wenn er überleben will.
Erzählt wird diese unglaubliche Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Jonas. Das schafft Nähe. Und so hat der Leser Verständnis für Jonas, der moralisch mehr als fragwürdige Dinge tut. Man fiebert mit ihm mit, ob er es wohl schafft, der Mafia zu entkommen.
Claus Probst kannte ich bisher nicht. Das wird sich nun ändern. Denn Story und Stil haben mir gefallen. Kurze Kapitel sorgen für Dynamik. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die Geschichte lässt sich flott und flüssig lesen. Eine Geschichte mit stetig steigender Spannung bis zum rasanten Showdown, der nochmal alles in Frage stellt.

Fazit: Thriller made in Germany. Packend, schnell und überraschend!

Veröffentlicht am 25.06.2017

Gestatten, Sommerfeldt, Arzt und Killer

Totenstille im Watt
0


„Es ist viel schwieriger, eine gute Fischsuppe zu kochen, als an eine neue Identität zu kommen. Meine ist perfekt. Ich heiße neuerdings Dr. Bernhard Sommerfeldt.“ So beginnt der neue Krimi von Klaus-Peter ...


„Es ist viel schwieriger, eine gute Fischsuppe zu kochen, als an eine neue Identität zu kommen. Meine ist perfekt. Ich heiße neuerdings Dr. Bernhard Sommerfeldt.“ So beginnt der neue Krimi von Klaus-Peter Wolf um einen praktischen Arzt.
Sommerfeldt hieß nicht immer Sommerfeldt und er war auch nicht immer Arzt. Aber Sommerfeldt ist auf der Flucht. Vor seiner Familie, den Gläubigern und der Polizei. Eines Tages taucht er in Ostfriesland auf und lässt sich als Arzt in Norddeich nieder.
Sommerfeldt ist ein Mann mit Killerinstinkten. Hochgebildet. Charmant. Gefährlich. Dr. Bernhard Sommerfeldt, der Arzt, dem die Frauen vertrauen. Denn er kümmert sich nicht nur um misshandelte Frauen und Kinder, sondern entsorgt auch schon mal den gewalttätigen Ehemann und Vater.
Am Anfang mordet er noch subtil. Doch als er die Lehrerin Beate kennenlernt, die Liebe seines Lebens, mutiert Sommerfelfdt zu einer Art Racheengel. Denn Beate wird von ihrem Ex erpresst. Schon bald hat er mindestens sechs Tote auf dem Gewissen. Das kann natürlich nicht gut gehen…
Erzählt wird diese wunderbar schräge Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Sommerfeldt. Das schafft Nähe. Und so hat der Leser Verständnis für den Killer. Man fiebert mit ihm mit, ob er es wohl schafft, dem Arm des Gesetzes zu entkommen. Auch mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht.
Wenn Sie Ostfriesland, das Watt und das Meer lieben, dann müssen Sie auch Dr. Bernhard Sommerfeldt kennenlernen. Hervorzuheben sind die Cameo-Auftritte von Figuren aus den anderen Ostfriesenkrimis, z.B. die von Rupert, Ann Kathrin Klaasen und Weller.

Fazit: Gelungener Auftakt einer neuen Reihe um einen unkonventionellen Helden. Ein Krimi, der mich nicht nur bestens unterhalten, sondern auch noch köstlich amüsiert hat.

Veröffentlicht am 31.05.2017

Zwischen Wahn und Wirklichkeit

AMNESIA - Ich muss mich erinnern
0


Nach „Hotline“ und „Schuld bist du“ ist „Amnesia - Ich muss mich erinnern“ der dritte Thriller von Jutta Maria Herrmann über die Abgründe der menschlichen Psyche. Worum geht es?
Helen hat Lungenkrebs. ...


Nach „Hotline“ und „Schuld bist du“ ist „Amnesia - Ich muss mich erinnern“ der dritte Thriller von Jutta Maria Herrmann über die Abgründe der menschlichen Psyche. Worum geht es?
Helen hat Lungenkrebs. Ihr Freund hat sie verlassen. Weder ihre Mutter, noch ihre jüngere Schwester Kristin wissen, dass Helen unheilbar krank ist. Helen fährt nach Hause, um sich mit ihrer Familie auszusöhnen. Und dann ist da auch noch Leon, Kristins Ehemann, den Helen von früher kennt.
Kristin ist schwanger und wird anscheinend von ihrem Mann misshandelt. Am nächsten Tag ist Leon tot - grausam ermordet. Helen konnte Leon nicht leiden, wegen dieser „unseligen Geschichte“. Aber ist sie deshalb auch seine Mörderin? Helen kann sich nicht erinnern. Durch die starken Medikamente hat sie Blackouts und Wahnvorstellungen…
Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Helen erzählt. Das schafft Nähe und so fiebert man - im wahrsten Sinne des Wortes - mit ihr mit. Was ist wahr und was ist nur das Ergebnis unserer Fantasie? Merkwürdige Dinge geschehen. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Und schon ist Helen mittendrin in einem perfiden Spiel.
„Amnesia“ ist ein packender Psychothriller, der ohne Exzesse auskommt. Es gibt keinen psychopathischen Serienkiller, keine Ermittler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und keine willfährigen Opfer. Stattdessen lotet die Autorin komplexe Beziehungsgeflechte aus, mit der Erkenntnis, dass Menschen sich über ihre Schwächen definieren, manche aber auch über sich hinauswachsen.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Helen ist mir ans Herz gewachsen. Trotz ihrer Krankheit ist sie eine starke Frau. Ein bewegendes Einzelschicksal, ein mysteriöser Mord und eine große Prise Spannung. Gut finde ich auch, dass es einen Soundtrack zum Roman gibt.

Fazit: Durch und durch ein fesselnder Thriller mit Gänsehautgarantie!

Veröffentlicht am 29.05.2017

Politischer Thriller mit brisantem Inhalt

Blutzucker
0


Das schon aus „Tag Null“ bekannte Personal, Kommissar Berg und seine Kollegin Landers, ermittelt wieder. Dennoch handelt es sich bei „Blutzucker“ um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, ...


Das schon aus „Tag Null“ bekannte Personal, Kommissar Berg und seine Kollegin Landers, ermittelt wieder. Dennoch handelt es sich bei „Blutzucker“ um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Der Vorgänger hatte mich begeistert und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Leif Tewes thematisiert in seinem aktuellen Roman versteckten Zucker in Lebensmitteln. Auf einer gefährlichen Spurensuche von Frankfurt über Zürich bis nach Kolumbien deckt der Autor skrupellose Machenschaften und Zusammenhänge zwischen Food- und Pharmaindustrie auf. Es geht um Macht und Gier. Aber auch um eine große Liebe - und Rache.
Nicole ist tot. Sie war Journalistin und wollte zusammen mit Paul, einem Lebensmittelchemiker, den tödlichen Betrug mit verstecktem Zucker aufdecken. In Rückblenden wird erzählt, wie sie sich kennen und lieben lernten. Bis zu ihrer Reise nach Kolumbien, wo Nicole von einer Autobombe zerfetzt wird.
Steckt Pauls Arbeitgeber dahinter? WorldFood ist eine globale Lebensmittelfirma, die einen Pharmakonzern für Diabetesmedikamente aufgekauft hat.
Schwere Kost und eine Menge Informationen, dennoch hochspannend und bestens recherchiert. Selbst der Humor kommt nicht zu kurz. Gut finde ich, dass es einen Soundtrack zum Roman gibt.
Auch mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht. Neben dem Kriminalfall gibt es Anspielungen zu weiteren Themen wie Vielschichtigkeit, ohne um Verständnis für Selbstjustiz zu werben. Denn es gibt nicht nur Schwarz und Weiß.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Berg und Landers sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Zumal der Kommissar die Verbrecher nicht zwingend immer fängt oder fangen will.

Fazit: Brillanter Roman noir um die zentrale Frage: Was genau essen wir eigentlich?

Veröffentlicht am 26.04.2017

Die toten Vier

Die Grausamen
0


Unzählige Male schon ist die dreizehnjährige Tessa Gibson in dem noblen Vorort, in dem sie lebt, von ihrer besten Freundin Sarah aus nach Hause gelaufen. Doch in dieser Nacht kommt sie dort nicht an, ...


Unzählige Male schon ist die dreizehnjährige Tessa Gibson in dem noblen Vorort, in dem sie lebt, von ihrer besten Freundin Sarah aus nach Hause gelaufen. Doch in dieser Nacht kommt sie dort nicht an, sondern verschwindet spurlos. Tessas Familie zerbricht - der Fall wird nie aufgeklärt, Tessas Leiche nie gefunden.
Zwanzig Jahre später rollen zwei abgehalfterte Ermittler, die in das Ressort Cold Cases strafversetzt wurden, den Fall neu auf. Gabriel ist Alkoholiker, traumatisiert von einer Familientragödie. Marta, eine ehemalige Drogenfahnderin, hat bei der Verfolgung eines Dealers versehentlich ihren Partner erschossen.
Die beiden stoßen auf eine heiße Spur: Kurz nach Tessas Verschwinden ereigneten sich vier brutale Morde an jungen, weißen Männern. Wo ist die Verbindung? Bei ihren Nachforschungen wird schnell klar, dass die Polizeiführung keinerlei Interesse an der Wahrheit hat. Ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt…
John Katzenbach ist mit „Die Grausamen“ erneut ein großer Wurf gelungen. Cold Cases faszinieren mich immer wieder. Der neue Roman ist spannend und unterhaltsam. Eine gute Mischung aus Psychothriller und Krimi. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Wie man es vom Autor gewohnt ist, lässt sich das Buch flüssig lesen.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Gabriel, genannt Gabe, und Marta sind mir sofort ans Herz gewachsen. Und so fiebert man mit beiden Protagonisten mit, wie Katzenbach sie in den vermeintlichen Untergang schickt. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Nichts ist, wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Fast jeder hat ein Geheimnis.
Die Geschichte nimmt viele überraschende Wendungen, bis zum unerwarteten Ende. Ein wirklich starkes Buch, das einen enormen Spannungsbogen bietet.

Fazit: Genialer Ermittler-Krimi. Abgründig und packend zugleich!