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Veröffentlicht am 08.07.2022

Es geht weiter

Himmel über dem Salzgarten
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Tabea Bach gelingt es wieder ganz wunderbar uns auf die Insel La Palma in ein verwunschenes und eher unberührtes Fleckchen Erde zu versetzen. Nachdem Julia sich im 1. Band in ein verfallenes Restaurant ...

Tabea Bach gelingt es wieder ganz wunderbar uns auf die Insel La Palma in ein verwunschenes und eher unberührtes Fleckchen Erde zu versetzen. Nachdem Julia sich im 1. Band in ein verfallenes Restaurant verliebt hat und es unter abenteuerlichen Umständen kaufte und sich zeitgleich in den früheren Besitzer verliebte, haben sich die ersten Wogen nun geglättet: Julia und Alvaro haben sich im Salzgarten niedergelassen, das Restaurant ist auf Vordermann gebracht und kann mit viel Unterstützung von Julias Freunden und Einheimischen eröffnet werden.
Wie zu erwarten war, funkt ihr Bruder Jens an allen Ecken und Enden dazwischen. In mehrfacher Hinsicht macht er ihr das Leben und den Start des Restaurants schwer, um selbst daraus Profit zu schlagen. Schließlich stellt sich heraus, dass er am Ufer des Salzgartens Felsen sprengen lassen will, um dort eine Tauchschule einzurichten. In seiner widerlichen Art findet er dazu sogar schnell Verbündete, die damit zu Feinden Julias und Alvaros werden.
Nur mit viel Mühen und v.a. Zusammenhalt, der auch mal über alte Traditionen hinwegsieht, gelingt es Alvaro und Julia, diese hinterhältigen Pläne zu boykottieren.
Es ist eine Erzählung, die wiedermal durch ihre detailreichen Landschafts- und Essensbeschreibungen besticht. Ein lesbarer Urlaub, ohne verreisen zu müssen. Die Figuren sind durchaus facettenreich dargestellt und der Kreis der Personen wird um einige interessante Menschen erweitert.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 11.02.2019

Berührendes Denkmal

Die Antwort auf Vielleicht
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Hendrik Winter erzählt auf einmalig berührende Weise von der Begegnung zwischen Taxifahrer Adam und der Krebspatientin Jessi. Die zum Teil auf wahren Erlebnissen des Autors beruhende Erzählung besticht ...

Hendrik Winter erzählt auf einmalig berührende Weise von der Begegnung zwischen Taxifahrer Adam und der Krebspatientin Jessi. Die zum Teil auf wahren Erlebnissen des Autors beruhende Erzählung besticht durch ihre Dramatik (Jessis Krebs ist unheilbar, sie kämpft um jeden einzelnen Tag, den sie noch mit ihrer kleinen Tochter verbringen kann), ihre Poesie (in Jessi schlummert eine famose Poetry-Slamerin), und ihre Tiefe (die Begegnungen mit Jessi beeindrucken den jungen Adam tief und verändern seine Einstellung zum Leben weitgreifend). Wir LeserInnen werden mitgenommen in vier intensive Wochen mit Höhen und Tiefen, wunderschönen Momenten, Zeiten tiefer Verzweiflung und machen uns daran, die eigenen Lebensfragen anzugehen.
Geschrieben ist die Erzählung nicht nur aus sehr fundierten Fachkenntnissen heraus, sondern auch mit dem feinen Humor, der Krebspatienten eigen ist. So versinkt die Geschichte an keiner Stelle im Elend, sondern bleibt trotz ihrer Dramatik ein Lebens-Mut-Macher. Sie erzählt gleichzeitig von den unterschiedlichen Bewältigungsstrategien, die Menschen (auch Angehörige) im Umgang mit einem schweren Schicksalsschlag entwickeln können.
Alles in allem berührt es zutiefst, wie die zarte Liebe zwischen Adam und Jessi in der kurzen Zeit, die ihr verbleibt, eine solche Dynamik entwickeln kann und beiden Menschen zu unvergesslichen Momenten verhilft. Und genau darum geht es doch angesichts von Leben und Tod: Momente zu schaffen, die aus der Eintönigkeit eines kurzen oder langen Lebens herausstechen, weil sie bis zum Rand gefüllt sind mit Liebe, Mut und Risiko.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Emotionen
  • Humor
  • Figuren
Veröffentlicht am 06.10.2025

Menschlich

Der Friesenhof
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Fenja Lüders hat es wieder geschafft: Mit „Der Friesenhof. Schicksalstage“ legt sie einen Roman vor, der Herz und Verstand gleichermaßen anspricht – ein Werk voller Tiefe, Wärme und norddeutscher Atmosphäre. ...

Fenja Lüders hat es wieder geschafft: Mit „Der Friesenhof. Schicksalstage“ legt sie einen Roman vor, der Herz und Verstand gleichermaßen anspricht – ein Werk voller Tiefe, Wärme und norddeutscher Atmosphäre. Wer Geschichten liebt, die menschliche Stärke, familiäre Bindung und historische Authentizität miteinander verweben, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen.
Lüders erweist sich einmal mehr als Meisterin der Figurenzeichnung. Jeder Charakter ist sorgfältig geformt, glaubwürdig und zutiefst menschlich. Sie versteht es, selbst Nebenfiguren mit Leben zu füllen, ihnen kleine Eigenheiten, Verletzlichkeiten und Träume zu schenken. Dabei vermeidet sie jedes Klischee. Stattdessen lädt sie die Leserinnen ein, den Figuren wirklich nahe zu kommen – fast so, als säße man selbst mit in der Küche des Friesenhofs, während draußen der Wind über das Land fegt.
Das große Verdienst Lüders’ liegt in ihrem ehrlichen Blick auf die 1950er Jahre. Sie verklärt nichts: Das Leben auf dem Land war hart, entbehrungsreich und von tiefen gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. Dennoch gelingt es der Autorin, gerade in dieser Schwere Momente des Miteinanders und der Hoffnung aufleuchten zu lassen. Armut, Trauer und Verantwortung sind ständige Begleiter, doch sie werden durch Solidarität, Mut und gegenseitigen Respekt getragen. Lüders zeigt damit eindringlich, dass die sogenannte „Wirtschaftswunderzeit“ nicht für alle ein Wunder war – aber für viele ein Neuanfang, den sie mit Würde und Zusammenhalt gestalteten.
Im Zentrum des Romans steht der Familienzusammenhalt auf dem Friesenhof – ein Thema, das Lüders mit großer emotionaler Tiefe darstellt. Es sind nicht spektakuläre Gesten, die diese Familie verbinden, sondern die kleinen, alltäglichen Zeichen der Fürsorge: ein geteiltes Stück Brot, ein tröstendes Wort, das gemeinsame Schweigen in schweren Momenten. Dieser Zusammenhalt, den Lüders so einfühlsam schildert, wirkt zeitlos und universell – eine stille, aber unerschütterliche Kraft, die das harte Schicksal erträglich macht.
Bemerkenswert ist, dass „Schicksalstage“ ohne das große, glitzernde Happy End auskommt – und genau darin seine Stärke entfaltet. Fenja Lüders zeigt, dass das Leben nicht perfekt verlaufen muss, um gut zu sein. Sie erzählt von Menschen, die Verluste hinnehmen, Kompromisse eingehen, aber dennoch Würde und Liebe bewahren. Diese leise, realistische Hoffnung eint alle Figuren und prägt den Ton des Romans. Das gute Leben, das hier geschildert wird, entsteht nicht durch Glück, sondern durch Mitmenschlichkeit.
„Der Friesenhof. Schicksalstage“ ist ein bewegender, atmosphärisch dichter Familienroman, der gleichzeitig historische Wirklichkeit, zwischenmenschliche Wärme und erzählerische Präzision vereint. Fenja Lüders schreibt ohne Pathos, aber mit einem tiefen Verständnis für das, was Menschen in schwierigen Zeiten zusammenhält. Sie beweist, dass Literatur auch dann tröstlich sein kann, wenn sie nicht alles zum Guten auflöst.
Ein beeindruckendes Buch – stark, ehrlich, menschlich.

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Veröffentlicht am 02.10.2023

herzallerliebst

Wilma Walnuss - Winter und Weihnachten im kleinen Baumhotel, Band 3
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Wunderschöne, kurze Geschichten. Absolut liebevoll erzählt. Die Kids können gar nicht genug davon bekommen. Protagonisten sind verschiedene Waldtiere, die sich in einem Waldhotel zusammenfinden und dort ...

Wunderschöne, kurze Geschichten. Absolut liebevoll erzählt. Die Kids können gar nicht genug davon bekommen. Protagonisten sind verschiedene Waldtiere, die sich in einem Waldhotel zusammenfinden und dort immer wieder neuen Figuren begegnen. Beeindruckend ist, wie sie wertschätzend und liebevoll miteinander umgehen, auch wenn jedem Tier seine Eigenheiten zugestanden wird.
Die Geschichten sind wunderschön illustriert.
Sprachlich ist das schöne Werk etwas herausfordernd: Die Sätze sind recht lang und es kommen pro Geschichte immer recht viele Figuren vor. Diese werden mal mit ihrer Tierart, mal mit ihrem Vornamen, mal mit ihrem Nachnamen oder ihrer Eigenschaft bezeichnet. Das macht es ein bisschen schwierig, nachzuvollziehen, wer wer ist - wenn man nicht ständig auf die Erklärung am Anfang zurückgreifen möchte. Das Papier, auf dem das Buch gedruckt wurde ist ziemlich glänzend und daher eher nicht für Kinderhände geeignet. Aber all das macht Kindern selbst ja bekanntlich gar nichts aus.

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Veröffentlicht am 30.08.2022

Wohlfühlemotionen

Das Goldblütenhaus - Im Licht der Hoffnung
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Gabriela Gross entfühlt uns wieder in das Imperium der Glanz-Familie an den Tegernsee. Im Mittelpunkt steht diesmal Ella, erfolgreiche Geschäftsfrau, geliebte Tochter, Schwester und Enkelin, gesegnet ...


Gabriela Gross entfühlt uns wieder in das Imperium der Glanz-Familie an den Tegernsee. Im Mittelpunkt steht diesmal Ella, erfolgreiche Geschäftsfrau, geliebte Tochter, Schwester und Enkelin, gesegnet mit einem wunderbar fürsorglichen Lebensgefährten. Der allerdings wohnt und arbeitet in Kopenhagen, weshalb wir mit den beiden einige wunderschöne Urlaubstage in Dänemark verbingen und auch dessen Familie kennenlernen. Doch so harmonisch kann das Leben als Romanheldin natürlich nicht verbleiben. Gleich mehrere Herausforderungen warten auf Ella, die ihr Leben und ihre Zukunftsplanung enorm erschüttern. Aber mit der ihr eigenen Lebensenergie und dem Willen, weiterzumachen, besteht sie alle souverän.
Wir lernen eine starke Frau kennen, die Schwäche zeigen kann, die sich für ihre Lieben einsetzt und ihr Leben in die Hand nimmt. Es gelingt Gabriela Gross ganz wunderbar, Emotionen und Atmosphären zu vermitteln. Ja, es ist eine außergewöhnlich schöne Welt, in die sie uns entführt und ja, die Dramen sind in ihrem jeweiligen Erscheinen ziemlich mächtig. Aber so groß, wie sie am Anfang gezeichnet werden, so schnell lassen sie sich am Ende dann doch irgendwie recht problemlos in den Griff bekommen. Für mein Geschmack hätte es der Erzählung gut getan, sich auf 1-2 Dramen/Erzählstränge zu fokussieren und diese viel detailgenauer auszuführen. So bleibt es bei einem herrlichen Wohlfühlroman, der ziemlich schnell vorangaloppiert, dabei durchaus in einzelnen Aspekten wichtige Gesellschaftsthemen (Nachhaltigkeit, Rasissmus) anspricht, im Wesentlichen aber den Wert des Zusammenhalts in der Familie und unter Freunden vor Augen führt.

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