Profilbild von tigercat

tigercat

Lesejury Star
offline

tigercat ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tigercat über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2023

Aufblattet

Aufblattelt
0

Ich habe mich mal wieder von einem Cover verführen lassen, das in kräftigem Rot und Grün gehalten zur genaueren Betrachtung einlädt und dann hat der Klappentext mir den letzten kleinen Schubs gegeben. ...

Ich habe mich mal wieder von einem Cover verführen lassen, das in kräftigem Rot und Grün gehalten zur genaueren Betrachtung einlädt und dann hat der Klappentext mir den letzten kleinen Schubs gegeben. Dorftratsch ist immer interessant, sofern man nicht selbst betroffen ist. Und zu guter Letzt, es wurde mal wieder Zeit für etwas Neues und ein österreichischer Gartenkrimi ist definitiv etwas Neues für mich.

Doch nun zur Story.

Aufblattelt (aufblatteln (österr.) blamieren, bloßstellen, lächerlich machen, vorführen) ist schon der dritte Band um den Klub der grünen Daumen, deren Mitglieder im schönen Südburgenland zu Hause sind. Allerdings ist es meiner Meinung nach nicht zwingend notwendig, die ersten beiden Bände zu kennen.

In Aufblattelt stehen Vera, die als Journalistin für die Lokalzeitung arbeitet und Isabella im Mittelpunkt der Geschichte.


Isabella ist bis über beide Ohren in Ferdinand, den Stiefsohn des Grafen Bertl von Hohenfels verliebt, der genau wie sie als Umweltschützer aktiv ist, in seiner Familie fühlt sich die junge Frau allerdings nicht willkommen. Voller Standesdünkel lassen sie Isabella spüren, dass sie nicht wirklich dazugehört. Aber davon lassen sich Ferdinand und Isabella nicht beirren und sie bereiten eine typische Burgenländische Hochzeit vor, auf der es allerdings zu einem unschönen Zwischenfall kommt. Ferdinands Stiefschwester, Mimi, bricht tot zusammen. Ein bedauerlicher Unfall, wie es später heißt. Oder hat doch Isabellas Großmutter einen Fluch ausgesprochen?
Und es bleibt nicht bei dem einen Unglück.


Im Showgeschäft würde man jetzt sagen:

The Show must go on

Und genauso handelt die Familie von Hohenfels, es muss weitergehen, Geld muss verdient werden und das Ansehen der Familie darf unter keinen Umständen beschmutzt werden.

Auch Vera ist verliebt, allerdings unglücklich in Tom, der sich nicht binden will, außerdem versucht sie gerade Handwerker zu bekommen, die ihren Schuppen zu einem Wohnraum ausbauen sollen. (da war ich so sehr bei ihr, die Suche nach einem Handwerker ist in der heutigen Zeit ja schon fast eine eigene Geschichte wert). Weniger amüsant sind da schon die Probleme ihrer Tochter Letta, das Mädchen ist einsam seit ihre einzige Freundin weggezogen ist und schließt sich der älteren Delphina an, die als eine Art Au-pair-Mädchen bei den Hohenfels wohnt, die Brasilianerin ist die Tochter eines Geschäftsfreundes Bertl.

Doch nun genug getratscht, ich könnte noch stundenlang weitererzählen, denn es passiert eine Menge auf 440 Seiten.
Aber ist das auch spannend?
Auf jeden Fall ist es unterhaltsam, so sehr, dass sich die Seiten fast wie von selbst umblättern und ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Über jedem Kapitel erfährt man interessantes und manchmal skurriles aus der Natur, wusstet ihr z. B. das auf dem Konstanzer Konzil 1414–1418 beschlossen wurde, dass Biber Fische sind und deswegen auch während der Fastenzeit gegessen werden dürfen? Oder dass frei lebende Hühner nachts auf Bäumen schlafen?
Außerdem erfährt man während der Treffen des Klubs viel über Pflanzen und deren Wirkungen, da hätte ich mir tatsächlich das eine oder andere genaue Rezept gewünscht.
Etwas erstaunt über mich selber war ich bei der Sprache, die Autorin verwendet natürlich auch Burgenländischen Dialekt und ich habe das meiste davon tatsächlich verstanden, ohne dass ich auf die Fußnoten zurückgreifen musste. Diese Fußnoten sind aber sicherlich für den einen oder anderen sehr hilfreich.

Und nun genug getrascht, lest das Buch amüsiert euch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.09.2022

DIE TOTE IM EISBLOCK

Die Tote im Eisblock
0

Die Tote im Eisblock ist tatsächlich schon der 19. Band der Reihe um Dave Robicheaux, allerdings muss man nicht alle Vorgängerbände gelesen haben, ich kenne auch noch nicht alle und war trotzdem gleich ...

Die Tote im Eisblock ist tatsächlich schon der 19. Band der Reihe um Dave Robicheaux, allerdings muss man nicht alle Vorgängerbände gelesen haben, ich kenne auch noch nicht alle und war trotzdem gleich zu Beginn wieder ganz nah an Dave und Clete. Das möchte ich schon mal vorausschicken.



Burke lässt in diesem Band nichts aus, Korruption, Missbrauch, Mord, Drogenhandel, Folter, Rassismus, alles, was die Palette der Verbrechen zu bieten hat, mit all dem haben Dave und Clete zu tun. Und dabei dringen sie in die feinsten Kreise der Gesellschaft ein und einigen Geschäftsleuten treten sie gewaltig auf die Füße, so gewaltig, dass sie selbst und auch Daves Familie in Gefahr geraten.

Es dauert etwas, bis Dave und Clete alle Zusammenhänge aufdecken können und auch als Leser braucht man etwas Geduld, aber das macht nichts, es ist mörderisch spannend, quasi in Echtzeit dabei zu sein, bei den Ermittlungsfortschritten, aber auch bei den Rückschlägen, denn die gehören in Burkes Krimis dazu, seine Figuren scheinen mitten aus dem Leben gegriffen, sie lachen und weinen, sie bluten, sie kämpfen mit ihren inneren Dämonen und sie lieben und hassen. Ihre Methoden sind nicht immer ganz im Rahmen der Legalität, aber sie stehen immer auf der Seite derer, die sich nicht selbst wehren können und sie wissen, dass Recht und Gerechtigkeit nicht immer die gleiche Seite der Medaille sind.

Dave und Clete sind mir in den vorigen Bänden sehr ans Herz gewachsen, Dave ist schwierig, impulsiv, stur und löst Probleme auch gern mal mit Gewalt, während er auf der anderen Seite, sensibel und einfühlsam ist, doch während er sein privates Glück mit seiner Ziehtochter Alafair und seiner Frau Molly gefunden hat, hat Clete immer mehr mit seinem Vietnam Trauma zu kämpfen, dazu belasten ihn gesundheitliche Probleme und auch die Beziehung zu seiner Tochter gestaltet sich kompliziert von seinem nicht vorhandenen Glück mit Frauen muss man gar nicht erst sprechen.

Aber auch die weiteren Protagonisten sind sehr interessant beschrieben, auf den ersten Blick sind sie gebildet, anständig und wohlerzogen, doch das alles ist nur Fassade, ein Blick dahinter, wie ihn uns Burke ermöglicht, zeigt, was sie wirklich sind: Abschaum, sie leben in ihrer ganz eigenen Welt, als wären sie immun gegen Strafverfolgung, sie blicken mit einer Selbstverständlichkeit auf andere herab und begehen Verbrechen an Mensch und Natur ohne eine Spur von Schuld oder Reue zu empfinden, die bei jedem anderen ein Gefühl von Übelkeit auslöst.

Ich bin wieder einmal begeistert von Burkes Sprachgewalt, seinen authentischen Dialogen.

Ich zitiere mich an dieser Stelle einmal selbst, denn das beschreibt: Die Tote im Eisblock, genau.

Die Story ist wie ein Spinnennetz, alles ist irgendwie miteinander verbunden und wenn man an einer Stelle drauf tippt, zittert es an einem ganz anderen Ende.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2022

Der Geschmack von Freiheit

Töchter der Speicherstadt – Der Geschmack von Freiheit
0

Mit Der Traum von Freiheit geht die Kaffee-Saga weiter. In diesem Band beschreibt die Autorin die Zeit von 1929 bis 1944, einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, das Kaiserreich geht unter, ...

Mit Der Traum von Freiheit geht die Kaffee-Saga weiter. In diesem Band beschreibt die Autorin die Zeit von 1929 bis 1944, einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, das Kaiserreich geht unter, die Menschen haben sich noch nicht ganz von den Auswirkungen des 1. Weltkriegs erholt, als die Nazis an die Macht streben und mehr und mehr an Einfluss gewinnen.
Auch im Kaffeehandel nehmen die Nationalsozialisten immer mehr Einfluss, unerwünschte Mitglieder im altehrwürdigen Kaffeeverein werden gnadenlos ausgebootet. Es entsteht ein tiefer Graben in der Gesellschaft und in den Familien, auch durch die Familie Behmer geht ein Riss, während Maria und Cläre voller Sorge auf die politischen Entwicklungen schauen, begrüßt Gertruds Tochter Emma die neuen Machthaber, erhofft sie sich doch Einfluss und Macht für ihren Mann. Emma hatte im Gegensatz zu Cläre keine Probleme damit, sich um das Wohlergehen ihrer Familie und den reibungslosen Ablauf des Haushalts zu kümmern, wie es von den Frauen nach dem Großen Krieg wieder erwartet wurde, während Cläre mehr als eine Heirat und ein Leben als Hausfrau und Mutter vom Leben will, die junge Frau will Ökonomie studieren, doch die Chancen auf einen Studienplatz sind verschwindend gering. Die Hochzeit mit ihrem Verlobten Herbert Staller schiebt sie immer vor sich her, was diesem natürlich missfällt, erhofft er sich durch die Einheirat in eine renommierte Firma doch unschätzbare Vorteile.
Aber wie geht es eigentlich Maria, der Hauptperson des ersten Bandes? Nach all ihren Verlusten und Kämpfen hat sie ihren Biss nicht verloren, mit Herz und Verstand leitet sie weiterhin die Geschicke von Behmer&Söhne und scheut auch nicht ungewöhnliche Wege, um die Firma wieder in die Position zu bringen, die sie vor dem 1. Weltkrieg innehatte. Und sie trifft auf einen alten Bekannten, der fast vergessene Gefühle in ihr weckt. Ich habe es ja nicht so sehr mit Liebesgeschichten, aber diese hat mich wirklich berührt.



Es ist immer wieder beklemmend zu lesen, wie einfach es doch für die Nationalsozialisten war, die Macht zu ergreifen, wie einfach es war, Hass und Zwietracht gegen ihre jüdischen Mitmenschen zu säen. Um so wichtiger sind auch Unterhaltungsromane wie die Kaffee-Saga von Anja Marschall, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Dass die Autorin sich für den Zeitablauf der historischen Geschehnisse ein wenig künstlerische Freiheit genommen hat, kann ich ihr da verzeihen, vor allem da sie auch im Nachwort erklärt, warum sie das tat.

Interessant ist es auch über den Kaffeehandel zu lesen, Kaffee war ein knappes Gut und so wurden die Menschen sehr erfinderisch um wenigstens einen halbwegs trinkbaren Ersatz konsumieren zu können, das weckte in mir Erinnerungen an die Kaffeetafeln meiner Großmutter auf denen nicht nur Guter Bohnenkaffee, sondern auch Muckefuck für uns Kinder bereitstand. Kaffeeersatz wurde aus den ungewöhnlichsten Grundstoffen hergestellt, Kastanien, Eicheln und verschiedene Getreidesorten waren da wohl nicht die gesündesten Alternativen zu echten Kaffeebohnen.

Weitere Stimmen zum Buch findet ihr unter anderem bei

Frau Goethe liest

und bei

Ullas Leseecke

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2021

Mohnblumentod

Mohnblumentod
0

Mohnblumentod, ist der dritte Teil der Reihe um die Ermittlerin Charlie Lager, den ersten Löwenzahnkinder habe ich gelesen, sehr gern gelesen, der zweite Band Hagenbuttenblut, ist in der Flut der Neuerscheinungen, ...

Mohnblumentod, ist der dritte Teil der Reihe um die Ermittlerin Charlie Lager, den ersten Löwenzahnkinder habe ich gelesen, sehr gern gelesen, der zweite Band Hagenbuttenblut, ist in der Flut der Neuerscheinungen, leider an mir vorbeigegangen. Ich kann aber sagen, das trotz einiger Andeutungen auf die früheren Bände, Mohnblumentod auch alleinstehend gelesen werden kann.

Charlie hat ihre Probleme immer noch nicht überwunden und noch immer versucht sie die Probleme im Alkohol zu ertränken und ihre Einsamkeit mit wechselnden Männerbekanntschaften zu betäuben, das das nicht die Lösung sein kann, scheint sie noch nicht ganz zu realisieren. Trotz all ihrer Probleme konzetriert sie sich vollständig auf den neusten Fall der sie zurück in ihre Heimatregion rund um Gullspång In Karlsbad einer Kleinstadt in der Nähe verschwindet die 9 Monate alte Beatrice von der Terasse ihrer Eltern, es gibt keinerlei Hinweise auf ein mögliches Motive und auch Lösegeldforderungen bleiben aus.
Nach und nach decken Charlie und ihr neuer Kollege Greger Risse in Beatrice scheinbar so perfekten Familie auf, doch liefern diese die Erklärung für das Verschwinden des Kindes?

In einem weiteren Erzählstrang lernen wir Sara kennen, die von ihrer Tante nach dem Tod ihres alkoholkranken Vaters in Rödminnet, einem Heim für schwierige Teenager Mädchen untergebracht wird. Lange bleibt unklar welche Rolle Sara und ihre neugewonnene Freundin Lo und auch Rödminnet, in dem früher eine Irrenanstalt untergebracht war, in Charlies Leben spielen und welcher Zusammenhang mit dem Verschwinden des Babys besteht.
Erst nach und kommen Charlie und Greger den Geheimnissen der Vergangenheit auf die Spur, was ihnen allerdings ohne die Hilfe Saras, die Charlie von früher kennt, nicht gelungen wäre. Ein ungewöhnlicher Ansatz, aber sehr spannend und auch zwingend notwendig um alle Fäden aufzunehmen und zu verknüpfen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.07.2021

Nachttod

Nachttod
0

Hanna Duncker ist zurück auf Öland. Hier in ihrer Heimat kennt man sie nur als die Tochter von Lars Duncker, dem Mann, der vor sechzehn Jahren einen grausamen Mord beging. Inzwischen ist Hanna diejenige, ...

Hanna Duncker ist zurück auf Öland. Hier in ihrer Heimat kennt man sie nur als die Tochter von Lars Duncker, dem Mann, der vor sechzehn Jahren einen grausamen Mord beging. Inzwischen ist Hanna diejenige, die Verbrecher jagt. Ihr erster Fall auf Öland: Ein toter Teenager, mitten in der Nacht erstochen an einem beliebten Ausflugsziel. Und niemand kennt seine Mutter besser als Hanna. Die Ermittlungen werden für Hanna zu einer Abrechnung mit ihrer eigenen Jugend, und Nachforschungen im Fall ihres Vaters reißen alte Wunden auf. Nicht alle sind froh darüber, dass die Tochter von Lars Duncker zurückgekehrt ist.


Der erste Fall, mit dem Hanna Duncker nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat konfrontiert wird, ist besonders tragisch, das Opfer ist Joel Forslund, der Sohn ihrer ehemals besten Freundin, zu der sie den Kontakt nach ihrem Weggang vollkommen verlor. Kontakte in ihr Heimatdorf hat Hanna aber auch zu niemandem sonst aufrechterhalten, so wie es ihr jetzt auch schwerfällt mit ihren neuen Kollegen auf eine normale Art umzugehen, die Ereignisse, die zu ihrem Weggang führten, lasten zu schwer auf der jungen Frau.
Gemeinsam mit ihrem Kollegen Erik ermittelt Hanna in Joels näherem Umfeld und kommt dabei einem Geheimnis des Jungen auf die Spur, das wohl ein Motiv sein könnte, doch an Motiven mangelt es nicht und so rätseln nicht nur Hanna und Erik, auch als Leser folgt man so manch falscher Spur.

Nachttod ist der erste Teil einer neuen Reihe der Autorin Johanna Mo und so ist es verständlich, dass die Charaktere die auch in den weiteren Teilen eine große Rolle spielen werden ausführlich vorgestellt werden. Was bei Erik auch gut gelingt, der erfahrene, etwas redselige Ermittler, macht einen sehr sympathischen Eindruck, er bemüht sich sehr ein freundschaftliches Verhältnis zu Hanna aufzubauen, was der gemeinsamen Arbeit nur zugutekommen könnte.
Ganz im Gegensatz zu Hanna, die so gut wie alles abblockt, was mit ihrer Vergangenheit zu tun hat, auf Fragen nach ihrer Familie reagiert sie distanziert, um nicht zu sagen, äußerst unfreundlich und stößt damit auch Menschen, die ihr wohlgesonnen sind vor den Kopf. Als die erfahrene Ermittlerin, als die sie uns vorgestellt wurde, sollte sie es besser wissen und sie sollte ihre Gefühle etwas besser im Griff haben.
Ich musste während des Lesens ausblenden, dass ich Hanna eigentlich nicht mag, zum Glück ändert sich das noch während des Lesens, um mich komplett auf den Mord und dessen Aufklärung konzentrieren zu können. Und diese Auflösung ist wirklich gut gelungen, absolut unerwartet und schlüssig, versöhnt sie mit ein paar kleinen Längen.

Alles in allem ist Nachttod wirklich lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere