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Veröffentlicht am 18.10.2022

Chapeau zum vierten Volltreffer

Frau Morgenstern und die Flucht
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Skurril, spannend, dramatisch, romantisch – auch der vierte Band bietet niveauvolle Krimikost

Beim vierten Mal ist alles anders, auch wenn es wie immer beginnt: mit der Planung einer Eliminierung. Und ...

Skurril, spannend, dramatisch, romantisch – auch der vierte Band bietet niveauvolle Krimikost

Beim vierten Mal ist alles anders, auch wenn es wie immer beginnt: mit der Planung einer Eliminierung. Und schon auf den ersten Seiten blitzt Huwylers Sprachfeuerwerk auf und führt den Leser gekonnt zu lustigen, skurrilen aber vor allem auch sehr traurigen Szenen, bis sich schließlich die Ereignisse so überschlagen, dass Morgenstern und Schlunegger sich auf der Flucht befinden vor dem Tell-Ministerium. Doch auch im Untergrund kümmern sie sich um die professionelle Liquidierung. Dann stoßen sie auf den Tod eines Jungen und einen Riesenskandal.

Die Handlung ist äußerst spannend, viele Handlungsfäden fügen sich perfekt zusammen, die Charaktere sehr genau portraitiert. Die Frage, was die Flucht mit Morgensterns und Schluneggers Freundschaft macht, spielt immer wieder eine Rolle. Gerade Morgenstern hat emotional dieses Mal viel zu verkraften.
Sprachlich ist es immer wieder schön zu lesen, wie Huwyler Schweizer Ausdrücke im Text unterbringt oder neue Wortschöpfungen kreiert („Er wischiwaschte …“). Und wieder hat Frau Morgenstern eine Sogwirkung, dass man das Buch eigentlich nicht aus der Hand legen kann.

Ich hoffe sehr, dass Band 5 bald folgt.

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Veröffentlicht am 08.09.2022

Humorvoller Krimi mit ernstem Hintergrund

Elbpakt
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Bereits zum siebten Mal bekommen es Philip, Hauke und Peter in Kophusen mit mysteriösen Ereignissen zu tun. Die alte Ursula Neumann meldet einen Einbruch, doch als Philip und Hauke bei ihr auftauchen, ...

Bereits zum siebten Mal bekommen es Philip, Hauke und Peter in Kophusen mit mysteriösen Ereignissen zu tun. Die alte Ursula Neumann meldet einen Einbruch, doch als Philip und Hauke bei ihr auftauchen, bestreitet sie dies. Dann taucht im Park einer Seniorenresidenz ein seltsames Grabkreuz auf und dann verschwindet Ursula Neumann spurlos.
Natürlich hängen diese Ereignisse miteinander zusammen und führen die drei zu einem schrecklichen Geheimnis in die Vergangenheit. Auch Haukes Familie scheint darin verwickelt zu sein.
Nicole Wollschläger schafft es wieder, dass der Leser schnell wieder in Kophausen ankommt und sich wohlfühlt. Die Charaktere einschließlich der Nebenfiguren sind wieder vortrefflich mit all ihren Eigenheiten getroffen. Zudem sorgen die Liebesgeschichten von Peter und Hauke für den richtigen Schuss Humor. Der Fall dagegen hat es in sich. Was die drei dort aus der Vergangenheit ans Licht holen, kann ganz schön an die Nieren gehen. Die Ermittlungsarbeit mach dabei wieder viel Spass, denn die wird wieder konsequent und mit dem richtigen Ernst betrieben bis hin zum spannenden und tragischen Showdown.
Die ELB-Krimireihe macht einfach Spass, egal ob in gelesener Form oder als von der Autorin selbst eingelesene Hörbuch (einschließlich plattdeutscher Aussprache – ich liebe Haukes Mutter !)
Auf ein Wiedersehen darf man sich freuen !

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Porträt zweier Außenseiter – humorvoll und hintergründig

Tschick
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Maik Klingenberg geht in die 8. Klasse eines Gymnasiums, ein recht guter Schüler, aber so langweilig, dass er nicht einmal einen Spitznamen hat und als einer der wenigen nicht auf die große Party seines ...

Maik Klingenberg geht in die 8. Klasse eines Gymnasiums, ein recht guter Schüler, aber so langweilig, dass er nicht einmal einen Spitznamen hat und als einer der wenigen nicht auf die große Party seines Schwarms Tatjana eingeladen wird. Auch der Neue in der Klasse, der einfach nur Tschick genannt wird, ist ein Außenseiter. Russischer Spätaussiedler und öfters mal betrunken im Unterricht.
Als Maiks Eltern ihn in den Sommerwochen allein in der Villa in Marzahn lassen (Vater muss mit seiner jungen Assistentin weg, die Mutter geht wieder mal in eine Entzugsklinik), sieht Maik einer entspannten, aber einsamen Zeit entgegen, bis Tschick plötzlich mit einem geklauten Lada kommt und ihn mit auf einen Trip in die Walachei nimmt. Ein Roadtrip der besonderen Art beginnt.

Wolfgang Herrndorf schafft eine tiefgründige Charakterisierung zweier Jugendlicher, bei denen man sich von den Klischees nicht blenden lassen darf. Maik, das einsame Kind aus einer (ehemals) wohlhabenden Familie, aber von den Eltern allein gelassen und in die Klassenschönheit unglücklich verliebt, lernt auf dem Trip, was wirklich wichtig ist im Leben. Tschick, der verwahrloste Sohn einer Aussiedlerfamilie, erweist sich immer wieder als sensibel und gefühlvoll. Diese Freundschaft lässt beide nicht nur räumlich aus ihrer Isolation ausbrechen.

Das Buch ist eine wundervolle Beschreibung über das Erwachsen werden, denn beide Jungen reifen auf die ein oder andere Weise heran. Vor allem aber erkennen sie, dass man bei allen Personen, denen sie auf ihrer Reise begegnen, hinter das Äußere schauen, und dass man Verantwortung übernehmen muss

Ein spannender Roman, wenn man aufmerksam auf die Zwischentöne hört.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Ein Thriller, der kaum Zeit zum Atmen lässt

Der Heimsucher – Jedem seine Strafe
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Nach seinem Überraschungserfolg „Der Behandler“ legt Thomas Herzsprung mit „Der Heimsucher“ den zweiten Band vor, in dem Falk Bachmann, Jan Hendrick und Juliane Klawitter einen Serienmörder jagen, der ...

Nach seinem Überraschungserfolg „Der Behandler“ legt Thomas Herzsprung mit „Der Heimsucher“ den zweiten Band vor, in dem Falk Bachmann, Jan Hendrick und Juliane Klawitter einen Serienmörder jagen, der Menschen für ihre Verfehlungen grausam büßen lässt, ihnen aber eine letzte Chance gibt, sich zu retten. Aber kennen Sie auswendig die Handynummer ihrer Liebsten?
Titel und Umschlaggestaltung schaffen einen sofortigen Wiedererkennungswert und schon nach dem ersten Kapitel ist man mitten in der Geschichte. Thomas Herzsprung legt ab der ersten Seite ein rasantes Tempo vor, mit kurzen Kapiteln und Cliffhangern, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.
Die Jagd nach dem Serienmörder stürzt die Protagonisten von einer Gefahr in die nächste und führt von einem Twist zum nächsten. Bis zur letzten Seite kann man nicht sicher sein, ob nicht eine neue Gefahr oder eine neue Wendung auftaucht. Auch führen die Ermittlungen in viele Richtungen. Religiöse Motive und Russenmafia sind nur zwei von vielen Themen, die miteinander verwoben sind. Zudem spielen auch private Motive eine große Rolle. Vielleicht ist die eine oder andere Wendung nicht notwendig, aber erstaunlich ist es, wie diese zahlreichen Motive am Ende alle einen Sinn ergeben.
Auch die Charakterisierung der Hauptprotagonisten wird stark vorangetrieben, ihr Leben gerät mehr als einmal aus der Bahn und die Jagd fordert viele Opfer von allen. Besonders Juliane Klawitter bekommt hier einen größeren Raum als noch im ersten Band.
Auch hier gibt es wieder eine spannende Playlist, die das Buch perfekt ergänzt.
Eine klare Leseempfehlung auch für Band 2, gespannt sein darf man wohl auf Band 3.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Spannend bis zum Schluss - Top-Thriller eines ungewöhnlichen Autors

Der Behandler
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Thomas Herzsprung, der bisher als Tommy Herzsprung eher durch seine (Gay-)Romance Romane bekannt geworden ist, legt seinem „inneren Kompass folgend“ mit „Der Behandler“ seinen ersten Thriller vor. ...

Thomas Herzsprung, der bisher als Tommy Herzsprung eher durch seine (Gay-)Romance Romane bekannt geworden ist, legt seinem „inneren Kompass folgend“ mit „Der Behandler“ seinen ersten Thriller vor.
Hauptkommissar Falk Bachmann wird, als er bei seinem im Sterben liegenden Vater im Pflegeheim ist, zum Fundort einer Frauenleiche im Frankfurter Stadtwald gerufen. Der Anblick der Leiche setzt ihm und seiner Kollegin, der Polizeipsychologin Juliane Klawitter zu und weist auf einen psychopathischen Mörder hin. Und tatsächlich taucht schon bald eine zweite Leiche auf.
Thomas Herzsprung schafft es von der ersten Seite an, große Spannung und ein hohes Erzähltempo zu erzielen. Kurze Kapitel, Cliffhanger und mehr als ein überraschender Twist in der Handlung lassen es kaum zu, das Buch einmal aus der Hand zu legen. Überraschend ist es dabei, wie er es schafft, eine Vielzahl von Themen (Mobbing, Prostitution, Familiengeheimnisse, die Neue Rechte) zu einer vielschichtigen Handlung zu verweben, deren Fäden am Ende zusammenfinden. Zudem versteht er es, ohne lange Beschreibung den Charakteren (auch den Nebencharakteren) Tiefe und hohen Wiedererkennungswert zu geben. Natürlich ist gerade Falk Bachmann eine Person mit vielen Problemen, nicht immer sympathisch, was gerade sein neuer Partner Jan Hartwick zu spüren bekommt, aber auch dieser hat seine Geheimnisse.
Ein in den Grundzügen routinierter Thriller (erstaunlich bei einem Erstlingswerk), der es aber schafft, sich durch seine bildgewaltige und anschauliche Schreibweise von der Vielzahl der Thriller sich abzuheben. Ein gelungenes Cover sowie eine spannende, den Inhalt perfekt erweiternde Playlist machen das Buch zu einem Thriller-Highlight. Gespannt sein darf man auf den wohl Ende November erscheinenden zweiten Band.

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