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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.09.2022

Wendungsreich und absolut packend

Das siebte Mädchen
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„Das siebte Mädchen“ ist eins dieser Bücher, die von außen erstmal gar nicht so spektakulär daherkommen, mich inhaltlich aber absolut aus den Socken hauen. Ich glaube, dass mich selten ein Debüt so sehr ...

„Das siebte Mädchen“ ist eins dieser Bücher, die von außen erstmal gar nicht so spektakulär daherkommen, mich inhaltlich aber absolut aus den Socken hauen. Ich glaube, dass mich selten ein Debüt so sehr gepackt und begeistert hat, wie dieses Buch.

Zum Inhalt: Chloe Davis hat das Trauma ihrer Kindheit, dass ihr Vater ein Serienmörder ist, der auch ihre Freundin ermordet hat, überwunden indem die als Psychologin anderen hilft. Doch 20 Jahre nach der Mordserie ihres Vater verschwindet wieder ein Mädchen. Zufall? Dass Chloe das Opfer kannte wirft Fragen auf und schürt ihre Ängste, dass es eine Mordserie geben könnte.

Also erstmal finde ich die Haptik des Taschenbuchs total toll. Die Oberfläche fühlt sich sehr angenehm an und der Einband ist beim Umblättern sehr nachgiebig, ohne dass sich Leserillen bilden.

Protagonistin Chloe dient als Ich-Erzählerin der Geschichte. Die gesamte Handlung wird aus ihrer Perspektive erzählt. Was ich stilistisch toll gemacht finde ist, wie Erinnerungen und Gegenwart ineinander übergreifen, Geschehnisse überlappend erzählt werden und Handlungsepisoden wie Gedankenblitze in den Fließtext eingefügt werden. Das gibt dem Buch eine sehr interessante Struktur, die auch dazu dient den Leser zu verwirren und zu täuschen.

Gemeinsam mit Chloe versucht der Leser also zu entschlüsseln, wer der aktuelle Täter ist und wie das ganze mit den Ereignissen von vor 20 Jahren zusammenhängt. Dabei werden verschiedene Verdächtige präsentiert, Chloe selbst wirkt aber auch häufiger unglaubwürdig und paranoid, sodass man ihren Anschuldigen nicht blind glauben kann.

Der Titel spoilert meiner Meinung nach schon ein bisschen von der Handlung. Ich habe mir ziemlich schnell einiges zusammenreimen können, auch wenn ich auf den Plottwist am Ende in keinster Weise gefasst war. Das Buch ist fantastisch geschrieben, durch die Erzählperspektive sehr plastisch und detailreich und hat mich wirklich in seinen Bann gezogen. Atemlose Spannung, wie ich sie selten erlebe. Einfach grandios.

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Veröffentlicht am 05.09.2022

Geht unter die Haut

Nebelschimmer
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Ich schreibe das hier gefühlt mit Tränen in den Augen, so ergriffen bin ich von diesem Buch. Anya Omah erschafft mit ihren Büchern Geschichten, die unter die Haut gehen, Protagonisten, die sich ins Herz ...

Ich schreibe das hier gefühlt mit Tränen in den Augen, so ergriffen bin ich von diesem Buch. Anya Omah erschafft mit ihren Büchern Geschichten, die unter die Haut gehen, Protagonisten, die sich ins Herz stehlen und Emotionen, die einen nicht loslassen. Achja und Kunst, denn wie wahnsinnig schön ist dieses Buch bitte wieder geworden?! Ich liebe es, alles daran, jede einzelne Seite, Zeile, jedes Wort.

Zum Inhalt: nachdem Calla zurück aus L.A. ist, flüchtet sie sich direkt nach Lübeck, statt zu ihrer Familie nach Lüneburg. Zu groß ist die Angst, dort auf ihren Ex Jasper zu treffen, der sie während der Fernbeziehung per Telefon verlassen hat. Was sie nicht weiß: auch Jasper flüchtet vor Calla nach Lübeck. Und die zwei begegnen sich in den Restaurant, in dem sie zusammen arbeiten werden. Und sofort sprühen wieder Funken. Aber bevor sie dem nachgehen können, müssen sie erstmal all das ungesagte aus dem Weg schaffen.

„Nebelschimmer“ ist ein zweiter Band, da aber die Protagonisten wechseln ist es überhaupt nicht schlimm mit diesem Buch zu starten. Die Geschichte ist aus den wechselnden Perspektiven von Calla und Jasper erzählt, die als Ich-Erzähler fungieren, was eine ganz besondere Nähe schafft. Bin eigentlich kein Fan von Ich-Erzählern aber hier passt es einfach und reißt mich ganz besonders mit.

Ich liebe die Art wie Anya Omah Leichtigkeit mit Ernsthaftigkeit verknüpft, dem Buch Tiefe verleiht, ohne ihm die Gewitztheit zu nehmen. Es werden ernste, traurige Themen besprochen, aber es wird auch viel gelacht, gescherzt und geflirtet. Ich mag diese Kombination, die mich schon im ersten Band so verzaubert hat.

Und dann diese Girlpower. Ich liebe die Dynamik und Freundschaft zwischen den drei Mädels, die auch spürbar ist, wenn sie sich nicht am selben Ort aufhalten. Die Idee mit den Whats App Nachrichten finde ich immer noch toll und liebe es, an den Krisengesprächen teilzuhaben. Stilistisch einfach eine fantastische Lösung.

Ich habe das Buch gefühlt inhaliert, gelacht und geweint. So schön war das Buch. Und das Nachwort hat mich zusätzlich ergriffen. Ein Wahnsinnsbuch. Bitte mehr davon

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Veröffentlicht am 02.09.2022

Sanfter, vielschichtiger Roman

Jahre mit Martha
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„Jahre mit Martha“ war für mich ein echter Glückstreffer. Denn das Buch ist einfach eine Wucht. Es ist wundervoll geschrieben, erzählt nicht nur von einer ungewöhnlichen Liebe, sondern auch vom Erwachsenwerden ...

„Jahre mit Martha“ war für mich ein echter Glückstreffer. Denn das Buch ist einfach eine Wucht. Es ist wundervoll geschrieben, erzählt nicht nur von einer ungewöhnlichen Liebe, sondern auch vom Erwachsenwerden und dem Leben als Migrant in der der Bundesrepublik. Es ist ein Buch, über Begegnungen, die das Leben nachhaltig beeinflussen, über Erwartungshaltungen und das Zurückgewiesen werden. Und es klingt noch lange nach, nachdem man es aus der Hand gelegt hat.

Zum Inhalt: Jimmy, der eigentlich Željkos Draženko Kovačević heißt, und das Kind bosnischer Einwanderer ist, verliebt sich im Alter von 15 Jahren in die gut 20 Jahre ältere Martha. Sie ist Professorin in Heidelberg, er das Kind ihrer Putzfrau. Und trotzdem zieht es die beiden zueinander hin. Martha eröffnet Jimmy eine Welt der Bücher und der Kultur und nimmt ihn auf eine Art ernst, die er bisher nicht kannte. Die beiden bleiben über die Jahre in Kontakt, entwickeln sich zueinander hin und entfernen sich voneinander. Was bleibt ist eine prägende Zeit.

Die Geschichte umreißt einen jahrzehntelangen Zeitrahmen, die Übergänge in der Geschichte sind fließend, es werden hauptsächlich Schlüsselerlebnisse aus dem Leben von Jimmy erzählt. Dieser erzählt aus der Ich-Perspektive seine Erlebnisse, wie er Martha kennenlernte, wie sich ihre Wege kreuzten und verloren, wie sie einander wiederfanden und aufgaben. Er erzählt vom sozialen Aufstieg und dem Scheitern, von familiären Werten und der Suche nach der eigenen Identität. Die Erzählung wirkt wie eine Erinnerung, so als würde Jimmy uns Geschichten und Anekdoten aus seinem Leben erzählen. Die Wortwahl ist pointiert, man merkt Jimmy sein Bildungsniveau und die Liebe zu Worten, die er mit Zeitungen und Büchern kultiviert hat, an. Für den Leser ergibt sich daraus eine sprachlich versierte, clevere Erzählung, die ich beim Lesen sehr genossen habe.

Das Buch ist nicht einfach eine komplizierte Liebesgeschichte, wie man vielleicht auf den ersten Blick vermuten mag. Es geht viel um Herkunft und Heimat, um das Gefühl der Zugehörigkeit und das Leben als Migrantenkind. Jimmy will sich nicht mit dem Leben, das seine Eltern sich aufgebaut haben, abfinden. Er strebt nach höherer Bildung, nach Zugehörigkeit zu den kultivierten Kreisen der Gesellschaft, in denen sich Martha und auch sein Literaturprofessor an der Uni, bewegen.

Das Buch lässt sich wunderbar und flüssig lesen, die Ereignisse werden teilweise fast schon romantisch verklärt beschrieben, es erzeugt eine intime Atmosphäre, die zum Verweilen und Reflektieren einlädt. Es hat stellenweise was von einem Coming-Of-Age, lässt sich aber nicht in eine Schublade pressen. Für mich ein unerwartetes Highlight, bei dem ich gerne noch länger verweilt hätte. Ein Wahnsinns-Buch, das man lesen sollte.

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Veröffentlicht am 01.09.2022

Wie gut kennst du deine Nachbarn?

Was nebenan passiert ist
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„Was nebenan passiert ist“ hat ein sehr auffälliges Cover, das an andere Bücher aus dem Thriller-Genre erinnert. Das irritiert mich immer ein bisschen, weil ich direkt Assoziationen mit einer anderen Autorin ...

„Was nebenan passiert ist“ hat ein sehr auffälliges Cover, das an andere Bücher aus dem Thriller-Genre erinnert. Das irritiert mich immer ein bisschen, weil ich direkt Assoziationen mit einer anderen Autorin hatte. Ansonsten finde ich es optisch für einen Thriller sehr passend und einen echten Eyecatcher. Inhaltlich hat mich das Buch total überrascht, das Buch ist ein wendungsreicher, packender Thriller.

Zum Inhalt: Friederike hatte sich ihren Umzug in die ruhige Wohngegend des Düsseldorfer Vorstadtgebiets eigentlich anders vorgestellt. Mit ihrem Mann wollte sie eine Familie gründen, zur Ruhe kommen, häuslich werden. Stattdessen geht ihr Mann für einen Job nach München und Friederike verliert ihr Kind. Trost sucht sie in der Familie ihrer Nachbarin Alexa, deren Kinder es ihr besonders angetan haben. Bis ist eines Nachmittags die Nachbarstochter tot in ihrem Zimmer auffindet, den Vater schwer verletzte daneben. Von Alexa und ihrer anderen Tochter Rebecca keine Spur. Was ist nebenan passiert?

Die Geschichte wird aus Friederikes Perspektive erzählt, was den Leser auf zweierlei Art an ihrer Beschreibung der Vorkommnisse zweifeln lässt: erstens war sie selbst nicht anwesend und kann daher keine Fakten, sondern nur Mutmaßungen liefern. Zweitens wirkt sie als sehr unzuverlässige Erzählerin, da der Leser immer mehr von ihren eigenen, psychischen Problemen erfährt. Das lässt den Leser natürlich an allem zweifeln, was sie erzählt. Sie wirkt oft nicht vertrauenswürdig, hat aggressive Mordfantasien und wird immer verzweifelter in ihrem Wunsch nach einem Kind. Das hat die Autorin geschickt eingefädelt, dass ausgerechnet ihre Perspektive die ist, die der Leser teilt.

Es werden die Ereignisse vor und nach dem Mord geschildert, wobei nicht nur Alexas Leben auf den Prüfstand gestellt wird, sondern auch Friederikes Ehe. Besonders Friederikes unerfüllter Kinderwunsch ist ein zentrales Thema im Buch, was Friederike einerseits nahbar macht, aber auch die ganze Bandbreite ihrer Unsicherheiten und menschlichen Abgründe offenbart. Der Leser kann im Buch eigentlich niemandem so recht trauen, alle wirken auf ihrer Art verdächtig, auch wenn niemand ein schlüssiges Motiv zu haben scheint. Es hat mir sehr gefallen, wie hier mit dem Leser gespielt wird.

Das Buch ist wirklich fesselnd, auch wenn der eigentliche Mord nur kurz erwähnt wird und nur den Rahmen für die restliche Handlung vorgibt. Aber diese Unterschwellige Bedrohlichkeit, die Anschuldigungen und Vorwürfe sorgen dafür, dass man als Leser dranbleiben und den Fall lösen will. Die eigentliche Auflösung habe ich tatsächlich nicht kommen sehen, was ich super fand.

Alles in allem hat mir das Buch unerwartet gut gefallen. Die Autorin hat es geschaffte, die Ereignisse und Personen sehr bildhaft darzustellen, sodass ich mich gut in die Geschehnisse hineinversetzen konnte. Ein wirklich stimmungsvoller Thriller, und das ganz ohne blutige und grausame Passagen!

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Veröffentlicht am 29.08.2022

Psychothriller vom Feinsten

Blutige Stufen (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 12)
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„Blutige Stufen“ ist der inzwischen 12. Band der erfolgreichen Thrillerreihe von Chris Carter. Die Fälle des Ermittlerduos Robert Hunter und Carlos Garcia sind abgeschlossen und unabhängig voneinander ...

„Blutige Stufen“ ist der inzwischen 12. Band der erfolgreichen Thrillerreihe von Chris Carter. Die Fälle des Ermittlerduos Robert Hunter und Carlos Garcia sind abgeschlossen und unabhängig voneinander lesbar. Ich selbst kannte vorher nur 3 der anderen Bücher und hatte nicht das Gefühl dadurch eingeschränkt in meinem Leseerlebnis zu sein. Und das hatte es absolut in sich und ist nichts für schwache Nerven.

Zum Inhalt: ein bestialischer Mord an einer jungen Frau erschüttert die Polizei von Los Angeles. Die grauenhaft zugerichtete Leiche des Opfers ist dabei nicht mal das schlimmste. Der Täter schien sein Opfer vorher noch kontaktiert zu haben. Und es kommt noch schlimmer. Den Angehörigen und der Polizei hinterlässt er nicht nur eine Botschaft, er schickt ihnen auch ein Beweisvideo seiner Tat. Was bezweckt er damit? Und wen hat er als nächstes im Visier?

Chris Carter ist dafür bekannt mit Reizen nicht zu geizen. So auch hier. Sehr bildhaft und detailliert werden die Todesumstände der Opfer geschildert, was definitiv eine heftige Nummer ist. Sanfte Gemüter könnten sich hier abgestoßen fühlen. Schlimmer fand ich aber die bedrohliche, nervenaufreibende Atmosphäre im Buch, wenn der Täter sich ein neues Opfer gesucht hat und beginnt es einzuschüchtern. Ich hatte das Gefühl, mich selbst in einer gefährlichen Lage zu befinden, auch meine Nerven waren bis zum zerreißen gespannt. Der Spannungsfaden ist keine Sekunde abgerissen und hat sich mit jeden neuen Opfer crescendoartig in die Höhe gesteigert.

Das Ermittlerduo ist echt auf Zack, man merkt beim Lesen aber genauso, dass der Fall auch ihnen an die Substanz geht. Das mag ich an den Chris Carter Büchern- er kann nicht nur gut mit Gewalt und Grausamkeit jonglieren, er versteht sich auch auf die zarten Untertöne menschlicher Emotionen und Empathie. Das macht die Ermittlungen und die Ermittler sehr authentisch. Zudem mag ich die kleinen Abstecher in das Privatleben des Ermittlerduos, die nie Überhand gewinnen, sie dadurch aber nahbarer machen, sodass ich stärker mit ihnen mitfiebere.

Der Fall ist einfach unfassbar mitreißend. Dieses Buch habe ich wie im Wahn gelesen, so dringend habe ich auf die Auflösung des Falls gehofft. Das Ende ist schlüssig aufgelöst mit beeindruckendem Showdown. Natürlich wie immer in solchen Büchern etwas überzogen, aber es passte zur Gesamthandlung des Buches. Thrillerkunst vom feinsten kann ich da nur sagen.

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