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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.06.2017

Lila Dahl

Lila
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Lila wird als kleines Kind von der Landstreicherin Doll „gerettet“. Man könnte auch sagen gekidnappt. Mit kleinen Gelegenheitsjobs schlägt sich Doll für beide durch, jahrelang tingeln sie durchs Land. ...

Lila wird als kleines Kind von der Landstreicherin Doll „gerettet“. Man könnte auch sagen gekidnappt. Mit kleinen Gelegenheitsjobs schlägt sich Doll für beide durch, jahrelang tingeln sie durchs Land. Auch als Erwachsene hat Lila den Drang zum Weiterziehen, Sesshaftwerden ist nichts für sie. Und dann passiert genau das.

„Lila“ bildet den dritten Band einer Trilogie rund um das Dörfchen Gilead. Ich kenne die Vorgänger nicht, kam aber auch ohne Vorwissen gut mit der Handlung zurecht. Lilas Lebensgeschichte ist außergewöhnlich, ihr Charakter schwierig. Verschlossen, misstrauisch, vorsichtig. Sicher etwas, was durch ihre Kindheit auf der Straße bedingt ist, trotzdem macht es das dem Leser schwer sich für sie zu erwärmen. Es fiel mir nicht leicht ihre Gedanken nachzuvollziehen, auch ihre Handlungen sind nicht immer verständlich. Einerseits sehnt sie sich nach Halt und Geborgenheit, andererseits kann sie von ihrem alten Ich nicht lassen. Dies wird auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dass die Autorin zwischen zwei Zeitebenen hin und herspringt: der alten Landstreicherin Lila wird ebenso viel Erzählzeit zugestanden wie der ehrbaren Frau des Priesters. Nicht immer ist sofort klar, welche Lila gerade spricht, ich fand es nicht ganz ideal gelöst. Der Erzählstil hat mir auch nicht ganz zugesagt, doch eher sperrig und recht emotionslos führt die Autorin durch die Handlung. Ich fand „Lila“ interessant zu lesen, konnte mich für die Protagonisten jedoch nicht so begeistern, dass ich zwingend auch die anderen Teile der Trilogie lesen müsste.

Veröffentlicht am 26.06.2017

Vorwitziges Federvieh trifft neurotischen Akademiker

Gray
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Augustus Huff lebt den Akademikertraum: Dozent in Cambridge, dezente Affäre mit einer tollen Kollegin, geachtet und respektiert. Seine größten Probleme waren bisher Studenten mit Prüfungsangst und seine ...

Augustus Huff lebt den Akademikertraum: Dozent in Cambridge, dezente Affäre mit einer tollen Kollegin, geachtet und respektiert. Seine größten Probleme waren bisher Studenten mit Prüfungsangst und seine eigenen kleinen Neurosen. Bis der junge Student Elliott Fairbanks vom Dach stürzt. Oder gestürzt wurde? Doch als wäre die Akademikerwelt von Huff durch diesen Vorfall nicht schon genug in Unruhe gebracht, „erbt“ er auch noch Elliotts Haustier. Der Graupapagei Gray bringt Huffs schöne Routine gehörig durcheinander.

Leonie Swann hat sich auf Tierromane spezialisiert: ihre Schafe aus „Glenkill“ und „Garou“ haben mich begeistert, auch den Flöhen aus „Dunkelsprung“ bin ich gerne durch ihre Geschichte gefolgt. Mit Gray hat die Autorin wieder voll ins Schwarze (oder sollte ich sagen Graue?) getroffen: ein vorlautes und rotzfreches Federvieh, das den ganzen Tag Songs von Lady Gaga krächzt; das schon mal den Schreibtisch seines offiziellen temporären Halters ins Chaos stürzt; das zudem sehr schlau ist und nicht nur Farben und Formen, sondern auch Gut und Böse auseinander halten kann. Herrlich komische Situationen sind vorprogrammiert. Kurzum: ich mochte Gray sehr gerne. Der tierische Anteil der Story ist somit hervorragend gelungen. Leider hat mich der Krimianteil nicht richtig begeistern können. Die Geschichte fügt sich zwar sehr gut in das akademische Milieu von Cambridge ein, auch die Atmosphäre ist glaubwürdig wiedergegeben. Allerdings fand ich die Fallentwicklung etwas mau, es kam kaum Spannung auf, dafür leider kleine Ungereimtheiten. Gerade Huffs Persönlichkeit entwickelt sich sehr unglaubwürdig: vom stillen Mäuslein, das ohne seine täglichen kleinen Routinen (Tür dreimal abschließen, ständiges Händewaschen etc.) die Krise kriegt und jetzt plötzlich zum mutigen Helden aufsteigt… so wirklich abnehmen konnte ich der Autorin diese Entwicklung nicht. Auch hatte ich das Gefühl, dass die Autorin sich diesmal betont Mühe gegeben hat, „einfach“ zu schreiben. Ihr letzter Roman „Dunkelsprung“ wurde oft als etwas sperrig beschrieben, das sollte hier wohl anders werden. Mir war es zu leicht erzählt, einfache Sätze, leichte Kost… mir hat das Besondere gefehlt.
Insgesamt kein schlechter Roman, Gray als „Figur“ machte für mich wieder einiges wett. Das beste Buch der Autorin war es für mich jedoch nicht.

Veröffentlicht am 14.01.2026

Josephine B

Sophie L.
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Olivia Finn ist Gedächtnisexpertin, und doch kann sie nur hilflos aus der Ferne zusehen wie ihre Großmutter immer mehr in die Demenz abrutscht. Während eines erneuten Schubs behauptet die alte Dame, zum ...

Olivia Finn ist Gedächtnisexpertin, und doch kann sie nur hilflos aus der Ferne zusehen wie ihre Großmutter immer mehr in die Demenz abrutscht. Während eines erneuten Schubs behauptet die alte Dame, zum Ende der Pariser Besatzung einen Mord begangen und danach ihren Namen geändert zu haben. Olivia muss nun nach Paris reisen und versuchen mit dem ältesten Freund und Therapeut ihrer Großmutter Licht ins Dunkel zu bringen.
Sophie L ist kein schlechtes Buch, aber leider nur ein mittelmäßiges. Die grundsätzliche Thematik der falschen/wahren Erinnerungen, gerade auch in Zusammenhang mit der Nachkriegszeit klang wahnsinnig ansprechend. Ein vielversprechender Plot wird aber peu à peu ins Unlogische geführt, v.a. wenn die Figuren doch recht merkwürdig-konstruiert agieren. Eine Fachfrau reagiert auf ihrem ureigenen Fachgebiet so, als hätte sie noch nicht mal den Wikipediaeintrag zum Thema gelesen; zieht bei mir als Leser nicht so recht. Die Figuren bleiben insgesamt ohne Tiefe, was der Handlung nicht wirklich gut tut und es umso schwerer macht etwaige Motive nachzuvollziehen.
Die Zeitsprünge nach 1945 haben mir gut gefallen, der Autor beleuchtet mit dem Hotel Lutetia einen kleinen speziellen Moment in der Geschichte. Man kann sich kaum vorstellen, wie Überlebende aus den KZs diese ersten Tage „zurück“ empfunden haben müssen. Auch hier lässt der Autor jedoch die Gelegenheit liegen, dem Buch etwas mehr Tiefe zu geben und hält sich mit oberflächlichen Beschreibungen auf (die werden dafür sehr gerne wiederholt wie etwa der Gestank oder die allgegenwärtige Lagerkluft).
Blake erzählt locker, in relativ einfacher Sprache und in z.T. sehr kurzen Kapiteln. Schon allein dadurch ergibt sich ein gewisser Sog, die Handlung hat zudem durchaus ihre spannenden Momente. Trotzdem fehlte mir doch einiges zum angepriesenen Thrillerhighlight; eine Anhäufung von Andeutungen zu schlimmschlimmen Dingen in der Vergangenheit von xyz reicht da einfach nicht aus. Ich wollte schon prinzipiell Bescheid wissen, aber überzeugt hat mich die Handlung auch nach Auflösung der Zusammenhänge nicht. Schade.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Liebesdrama erschlägt spannende Sportlerstory

The Favourites
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Für Kat steht seit frühester Kindheit der Lebenstraum fest: Eistänzerin werden. Die Beste natürlich, und einmal olympisches Gold erringen. Mit ihrem Ziehbruder Heath hat sie nicht nur im Sport den bestmöglichen ...

Für Kat steht seit frühester Kindheit der Lebenstraum fest: Eistänzerin werden. Die Beste natürlich, und einmal olympisches Gold erringen. Mit ihrem Ziehbruder Heath hat sie nicht nur im Sport den bestmöglichen Partner an ihrer Seite, sondern auch die große Liebe gefunden. Als sie dann auch noch ihr Idol Sheila Lin unter ihre Fittiche nimmt, scheint dem großen Traum nichts mehr im Weg zu stehen als harte Knochenarbeit. Doch es kommt alles anders…

Fargos Roman hat mich gefesselt, obwohl er mir thematisch eigentlich überhaupt nicht liegt. Aber die Autorin führt den Leser mittenrein in die Welt des Eistanzes und weiß durchaus Begeisterung zu wecken. Für die Durchsetzungskraft, für den eisernen Willen der Sportler. Das ging mir zuletzt ähnlich bei Reids Carrie Soto is back; auch da konnte ich mit der Welt des Tennis nichts anfangen, war aber schnell für die Handlung zu begeistern. Der Aufbau ähnelt sich etwas, aber Fargo schafft auch etwas ganz Eigenes. Ich mochte ihre/Kats Erzählstimme sehr. Doch der Sport macht nur die halbe Miete in diesem Roman, und das war für mich auch der Knackpunkt. Die On/Off-Liebe-Leidenschaft der (zunehmend unsympathischen bis nicht-zu-verstehenden) Hauptfiguren nimmt viel zu viel Raum ein, vor lauter Drama kann man manchmal gar nicht mehr die Buchseiten sehen. Was zu Beginn noch durchaus ausgewogen mit den sportlichen Aspekten nebenher lief, hat am Ende für mich die Handlung so erschlagen, dass mir eventuelle sportliche Entwicklungen nur noch egal waren. Hätte die Autorin sich hier etwas zurückgenommen, hätte das Buch ein Knaller sein können. So war ich am Ende fast froh die Lektüre beenden zu können. Schade.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Leider mehr erhofft

Dream Count
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Chia nimmt den Coronabedingten Lockdown zum Anlass Bilanz zu ziehen, was ihre Beziehungen angeht. Einige Männer haben sie in ihrem Leben über kurz oder lang bisher begleitet, geblieben ist keiner. Was ...

Chia nimmt den Coronabedingten Lockdown zum Anlass Bilanz zu ziehen, was ihre Beziehungen angeht. Einige Männer haben sie in ihrem Leben über kurz oder lang bisher begleitet, geblieben ist keiner. Was ihr dagegen bleibt, sind ihre Cousine Omelogor, ihre beste Freundin Zikora und nicht zuletzt ihre Haushälterin Kadiatou. Vier Frauen, die vieles eint, aber auch einiges trennt.
Ich habe bereits die anderen Romane der Autorin gelesen (z.T. auch verschlungen) und muss leider sagen, dass Dream Count nicht ganz an meine (vermutlich zu) hohen Erwartungen herankam. Das liegt zum einen am etwas chaotischen Aufbau, der Tatsache, dass ich mit Chia nicht ganz so viel anfangen konnte und nicht zuletzt dem Schluss des Romans. Dazwischen gibt es großartige Szenen, die die Autorin mit viel Feingefühl skizziert. Überhaupt hat mir ihr Schreibstil über weite Strecken wieder sehr gut gefallen, sie kann Situationen und Gefühle so authentisch rüberbringen. Auch thematisch kann der Roman viel, Kritik an patriachialen Strukturen, Rassismus, Sexismus, dem Arm-Reich-Gefälle undundund. Viel Stoff, der aber doch die Handlung dabei nicht überfrachtet.
Die vier Frauen sind sich in vielem sehr gegensätzlich, doch ihre nigerianische Herkunft eint sie ebenso wie die Tatsache, dass sie jede für sich viel mitgemacht haben. Die Autorin lässt jede der vier zu Wort kommen, dabei wechselt auch die Erzählperspektive, was zu Beginn etwas unerwartet kam. Zudem ist die Handlung nicht chronologisch, was die Zuordnung schon mal etwas erschwert. Hat man die Ereignisse aber für sich einsortiert, wird man auch meist belohnt. Mir haben die Handlungsstränge rund um Kadiatou und Omelogor am besten gefallen, wohingegen ich Chia bis zum Schluss weder sonderlich leiden noch verstehen konnte. Etwas einseitig fand ich die Darstellung von Männern im Allgemeinen, sie zeigen hauptsächlich negative Eigenschaften, was ich doch sehr vereinfacht finde. Natürlich ergibt sich das daraus, welche Erfahrungen die Frauen mit ihnen gemacht haben, doch an der ein oder anderen Stelle machte das die Message doch zu plakativ für meinen Geschmack.
Insgesamt ist Dream Count ein Roman, den man sich zwar etwas erarbeiten muss, den ich aber trotz einiger Kritikpunkte weiterempfehlen kann.

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