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Veröffentlicht am 28.09.2022

Die Vergangenheit holt einen immer ein

Der Sturm
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Der Sturm“ bringt alles mit, was ein dramatischer und atmosphärischer Thriller braucht: ein kleines Küstenstädtchen, das von einem dramatischen Ereignis heimgesucht wurde, die Geister der Vergangenheit, ...

Der Sturm“ bringt alles mit, was ein dramatischer und atmosphärischer Thriller braucht: ein kleines Küstenstädtchen, das von einem dramatischen Ereignis heimgesucht wurde, die Geister der Vergangenheit, die nicht ruhen und ein Geheimnis, das ans Licht drängt. Spannung vorprogrammiert.

Zum Inhalt: Zwölf Jahre ist es her, dass ein Sturm Kiernans Heimat heimgesucht und sein Leben für immer verändert hat. Denn in dieser Nacht ist sein großer Bruder ums Leben gekommen- als es Kiernan retten wollte. Und es war nicht die einzige Tragödie in dieser Nacht, denn es ist auch ein junges Mädchen verschwunden. Zwölf Jahre später drohen die Geheimnisse der Vergangenheit ans Licht zu kommen.

Die Geschichte rollt anhand eines aktuellen Kriminalfalls die Ereignisse von vor zwölf Jahren auf, was ich sehr gelungen inszeniert finde. Es gibt viele Nebencharaktere, die bereits in der Sturmnacht eine Rolle spielen und nun auch zum aktuellen Mordfall befragt werden. Dabei kommen auch Geheimnisse von vor zwölf Jahren ans Licht und alte Wunden werden wieder aufgerissen. Zusätzlich gibt es Rückblicke in die Vergangenheit.

Obwohl die Geschichte einen ziemlich ruhigen Ton anschlägt, ist sie doch sehr spannend. Das ergibt sich hauptsächlich aus der Getriebenheit des Protagonisten Kiernan, der, jetzt wo er selbst Vater ist, sich endlich von einer alten Schuld befreien will. Die Beziehungen der Charaktere untereinander würde ich als angespannt beschreiben. Wie es bei alten Freundschaften nun mal so ist, wenn man sich eigentlich auseinander gelebt hat, die Vergangenheit einen aber nach wie vor verbindet.

Die Auflösung des falls kam für mich sehr überraschend, ich hätte definitiv mit einem anderen Ausgang gerechnet. Die Hinweise, die zur Aufklärung des Falls führen, finde ich zwar eher lasch gestreut, es wird aber halbwegs schlüssig erklärt.
Insgesamt war das Buch für mich jetzt kein Pageturner und das immer wieder durchkauen der Sturmnacht vor zwölf Jahren war ein bisschen anstrengend, aber an sich war der Plot schon gut gemacht. In meinen Augen ein solider Thriller

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Veröffentlicht am 21.09.2022

Zeitreise für die Liebe

Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
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„Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ ist eine gelungene Mischung aus phantastischer Reise und historischem Roman, ein Buch über Liebe, über Abwege und die Suche nach dem Sinn des eigenen Lebens. Die ...

„Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ ist eine gelungene Mischung aus phantastischer Reise und historischem Roman, ein Buch über Liebe, über Abwege und die Suche nach dem Sinn des eigenen Lebens. Die Geschichte könnte ein Abbild sein für den Sinnspruch „was zusammengehört, findet seinen Weg“. Das Cover finde ich total gelungen und absolut ansprechend, ein bisschen nostalgisch und mit fast schon hypnotischer Anziehung. Und genauso habe ich auch die Geschichte empfunden. Ein tolles Buch, das mir sehr gut gefallen hat.

Zum Inhalt: Als Joe am Bahnhof von London aus dem Zug steigt, weiß er nicht, wieso er das tut. Er weiß auch nicht, wer er ist und wo er herkommt. Die Ärzte diagnostizieren eine seltene Form von Epilepsie, die mit Gedächtnisverlust und Halluzinationen einhergeht. Daher geht Joe auch mit, als sein Dienstherr und seine Frau ihn abholen kommen, auch wenn er sich an keinen der beiden erinnert und ihm stattdessen der Name einer unbekannten Frau in Gedächtnis herumschwirrt. Diese Erinnerung, die vielleicht keine ist, lässt ihn nicht los und als Joe eine merkwürdige Postkarte aus der Vergangenheit erhält, macht er sich auf die Suche nach einem Leben, von dem er nicht weiß, ob es wirklich existiert.

Die gesamte Kulisse des Buches vor dem Hintergrund des britisch-französischen Kolonialkonflikts ist total spannend und atmosphärisch aufgebaut. Diese Komponente, die dem Roman einen sehr authentisch historischen Touch verleiht, macht das Buch sehr lesenswert und sorgt dafür, dass es nicht zu sehr in die „Fantasie-Schiene“ abrutscht, von der Zeitreise einmal abgesehen ist es also eher ein historischer Roman.

Die Protagonisten habe ich als sehr eigen empfunden, auch wenn ich total mit Joe mitgefühlt habe und gehofft habe, dass er mehr über seine Vergangenheit herausfindet, so konnte ich mich doch mit keiner der Figuren so richtig identifizieren. Das finde ich aber generell bei historischen Romanen oft schwierig, einfach weil die Lebensumstände so ganz anders sind. Die Geschichte besteht aus mehreren Komponenten; wechselnden Personen und Orten, die erst ganz am Ende in Zusammenhang miteinander gebracht werden. Ausgangspunkt sind Joe und die mysteriöse Postkarte, die seine schicksalhafte Reise besiegeln.

Ein sehr gelungen Stilmittel fand ich den Brief, den Joa im Verlauf der Geschichte erhält und der quasi die Tür zu einer Nebenhandlung öffnet, die im Verlauf noch eine große Rolle spielen soll. Quasi ab der Mitte des Buches hatte ich einen Verdacht über den weiteren Handlungsverlauf, der sich auch bewahrheitet hat. Ich würde die Story nicht vorhersehbar nennen, aber man kann sich anhand der Hinweise schon einigermaßen erschließen, wo es hingehen soll.

Mir hat diese Geschichte gut gefallen und auch das Ende hat mich nochmal richtig mitgenommen. Die ganze Idee hinter dem Buch war einfach schön erdacht, auch wenn mir nicht unbedingt alle Kausalketten wirklich schlüssig erschienen. Aber das ist halt das Zeitreiseparadoxon, wer versteht das schon völlig?!

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Veröffentlicht am 19.09.2022

Baden-Baden in den Golden Twenties

Fräulein vom Amt – Die Nachricht des Mörders
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Wenn ich an die Goldenen zwanziger denke, habe ich dabei ehrlich gesagt nie an Baden-Baden gedacht. Aber dank dem „Fräulein vom Amt“ weiß ich es nun besser, denn die Geschichte entführt den Leser in eine ...

Wenn ich an die Goldenen zwanziger denke, habe ich dabei ehrlich gesagt nie an Baden-Baden gedacht. Aber dank dem „Fräulein vom Amt“ weiß ich es nun besser, denn die Geschichte entführt den Leser in eine mondäne Kurstadt, die die Schrecken des Krieges hinter sich gelassen hat. Tanzlokale und Wettspielstätten florieren und öffnen Tür und Tor für Prostitution und illegale Casinos. Ein atmosphärischer Roman, der gleichzeitig eine Kriminalgeschichte ist.

Zum Inhalt: Alma ist mit Stolz ein „Fräulein vom Amt“, sie liebt ihren Job als Telefonistin und sieht ihn nicht nur als Zeitvertreib vor der Ehe, sondern als Sprungbrett für eine Karriere. Als ein seltsamer Anruf sie aufhorchen lässt, stellt Alma auf eigene Faust Nachforschungen an und sieht sich bald mit einem Mord konfrontiert. Doch die Polizei nimmt Almas Hinweis nicht ernst und so beschließt sie, dem ganzen selbst auf den Grund zu gehen.

Die Kulisse der 20er Jahre in Baden-Baden finde ich total gelungen, der ganze Roman ist sehr atmosphärisch und bringt die Stimmung der damaligen Zeit gut rüber. Toll gemacht und auch sehr hilfreich finde ich die Karte, die sich im Einband des Buches befindet. Die habe ich beim Lesen immer mal wieder zurate gezogen, um mich in den Handlungsschauplätzen zu orientieren. Ich finds super, dass sowohl Alma als auch Emmi so moderne Frauen sind, die sich abwenden vom Image des Heimchens am Herd und für die das größtmögliche Glück nicht eine vorteilhafte Heirat ist. Der Umgang der beiden miteinander ist erfrischend zwanglos, es macht einfach Spaß ihnen bei ihren Unternehmungen zu folgen. Und auch wenn die beiden sehr unterschiedlich sind, so ihre Freundschaft wirklich greifbar.

Scheinbar mühelos schafft das Buch den Spagat zwischen spannendem Kriminalroman und unterhaltsamer Gesellschaftsstudie. Teils fand ich die Abschnitte in denen Alma ermittelt wirklich fesselnd geschrieben und wollte unbedingt wissen, was sie herausfindet, dann wurden sie aber auch mal durch absolute Nichtigkeiten unterbrochen, die gefühlt als Füllstoff dienten. Dann Szenenwechsel- amüsantes Familienessen im Hause Täuber, wo drei Generationen auf höchst unterhaltsame Art aufeinandertreffen und die Waschmaschine der höchste Endgegner ist. Wenn man die paar Längen, die das Buch definitiv hat, außer Acht lässt, habe ich es einfach genossen dieses Buch zu lesen, weil es ein guter Genremix ist.

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Veröffentlicht am 19.09.2022

Cooler Jugendroman

Shadow Land
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„Shadow Land“ ist ein dystopischer Roman für Jugendliche und ein unabhängiger Einzelband. Das Cover ist total interessant anzuschauen, nicht nur weil die Farbgestaltung sehr cool ist, sondern auch, weil ...

„Shadow Land“ ist ein dystopischer Roman für Jugendliche und ein unabhängiger Einzelband. Das Cover ist total interessant anzuschauen, nicht nur weil die Farbgestaltung sehr cool ist, sondern auch, weil sich im Dickicht diverse Augenpaare verstecken. Das macht absolut neugierig auf das Buch wie ich finde. Der Roman selbst ist definitiv für eine jüngere Leserschaft ausgelegt, nicht nur weil alle Protagonisten sehr jung sind, sonder auch weil er sehr seicht ist und typische Jugendthemen aufgreift.

Zum Inhalt: Kaia lebt in einer Sicherheitszone in den USA. Als ein Virus die Menschheit in tödliche Bestien verwandelte, versuchte sie mit ihren Eltern in eine sichere Stadt zu flüchten, doch nur Kaia überlebte. Niemand darf die Stadt verlassen und ein Chip im Körper überwacht potentielle Mutationen. Wer mutiert, wird eliminiert. Kais hat dieses System nie angezweifelt, bis ein Auftrag sie hinter die Mauern und in Wald führt. Und dort alles infrage gestellt wird, was Kaia zu wissen glaubt.

Das Buch geht sehr gemächlich los und schildert erst einmal die Lebensumstände der Menschen im Jahr 2169. Obwohl die Menschen in relativer Sicherheit leben, merkt der Leser schnell, dass das System überlastet und die Bevölkerung am Limit ist. Trotzdem hinterfragt niemand seine Lebensumstände. Die Situation wird sehr anschaulich geschildert und die dystopische Zukunft ist gar nicht so weit von unserer Realität entfernt. Was mich gewundert hat, sind die Beschreibungen der Technologien, die sich scheinbar gar nicht von unseren heutigen unterscheiden. Das bin ich aus Dystopien doch deutlich anders gewöhnt, es fällt aber nicht weiter ins Gewicht.

Was ich richtig toll fand sind die Beschreibungen der „Wilden Welt“ außerhalb der Stadtmauer. Es ist faszinierend, was Kaia dort alles vorfindet und gemeinsam mit ihr habe ich gestaunt und gebangt. Sehr eindringlich und überzeugend wird die Notwendigkeit beschrieben die Natur zu respektieren und im Einklang mit ihr zu leben- eine tolle Botschaft, nicht mur für einen Jugendroman, die wiederholt gut rübergebracht wird.

Es werden Jugendthemen wie Freundschaft und erste Liebe, Sexualität und Identitätssuche angeschnitten. Die Themen wurden gut in den Handlungsrahmen eingefügt, ohne zu viel Platz wegzunehmen. Das Buch bedient sich leichter Sprache und einfachen Satzbau und ist so angenehm zu lesen. Auf übermäßige Gewaltdarstellung und ähnliches wird verzichtet, die Spannung kommt eher aus den Erkenntnisgewinnen von Kaia.

Das Ende fand ich sehr überstürzt und zu einfach aufgelöst. Ist vermutlich auch dem Genre als Jugendroman geschuldet, dass der Konflikt sehr gewaltfrei gelöst wird, was ich aber dann doch etwas unrealistisch fand. Ansonsten war der Roman sehr unterhaltsam unf hat mir gut gefallen

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Veröffentlicht am 12.09.2022

Erschreckend realitätsnah

Die Filiale
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Nachdem ich „das Loft“ gelesen hatte, war ich begeisterter Anhänger von Veit Etzold und habe mich sehr auf „Die Filiale“ gefreut. Das Cover finde ich, auch der Farbgestaltung geschuldet, ein bisschen beunruhigend. ...

Nachdem ich „das Loft“ gelesen hatte, war ich begeisterter Anhänger von Veit Etzold und habe mich sehr auf „Die Filiale“ gefreut. Das Cover finde ich, auch der Farbgestaltung geschuldet, ein bisschen beunruhigend. Vor allem weil es erstmal nichts mit dem Thema Bankfiliale zu tun hat. Aber das ist nun mal Geschmackssache. Veit Etzold hat hier einen realitätsnahen Plot geschaffen, der so oder so ähnlich jedem einzelnen von uns passieren könnte. Ob das Buch wirklich ein Thriller ist, darüber kann man streiten, ich würde es vermutlich eher Finanzkrimi nennen.
Zum Inhalt: Laura ist Bankangestellte und eigentlich recht zufrieden mit ihrem Job und ihrem ruhigen Leben. Doch plötzlich hält sie ein Schreiben ihrer Bank in der Hand, dass sie und ihr Mann aus dem Haus, das sie von Bank mieten, ausziehen müssen. Laura ist erschüttert, schließlich haben sie an dem Haus einiges auf eigne Kosten renoviert. Sie sucht krampfhaft nach Möglichkeiten das Haus zu behalten und merkt dabei erst viel zu spät, wen sie sich damit zum Feind macht. Denn die Bank, so scheint es, will die Häuser unbedingt verkaufen und ist bereit, alle notwenigen Schritte dafür zu gehen.
Ich mag die Struktur des Buches, die sehr übersichtlich und gut nachvollziehbar ist. Die Kapitel stellen die einzelnen Wochentage dar, sodass die Handlung nur knapp eine Woche umreist. Die Unterkapitel geben dann die unterschiedlichen Handlungsorte wieder, sodass Teile der Handlung parallel verlaufen. So kann man gut am Ball bleiben und kommt vor allem auch am Anfang direkt gut in die Handlung rein.
Das Thema Finanzen finde ich persönlich ja etwas trocken und hier im Buch wird zwischenzeitlich viel mit Fachbegriffen und Diskussionen zum Thema Geldanlage, Aktien-Trading und den Bezug zum Dark Web um sich geworfen. Es wird zwar versucht, die Themen für den Leser knapp und verständlich aufzuschlüsseln, ich muss aber gestehen, spätestens beim Thema Dark Pool hab ich den Anschluss verloren. Das tut prinzipiell der Geschichte keinen Abriss, weil man die Handlungen um Laura auch so verstehen kann, aber ich fand die Passagen dadurch auch einfach anstrengend zu lesen.
Was mir richtig gut gefallen hat, ist die Schikane, der Laura sich ausgesetzt sieht, nachdem sie sich gegen den Bescheid der Bank stellt. Das ist fantastisch beschrieben und war sehr beunruhigend zu lesen. Die unterschwellige Feindseligkeit von Seiten der Bank kommt da sehr gut durch und hat mir beim Lesen großen Spaß bereitet. Auch wie Laura, unter Aufsicht eines befreundeten Polizisten, die Grenzen der Legalität auslotet, um für sich selbst Gerechtigkeit zu schaffen, ist wirklich spannend und toll zu lesen.
Das Buch ist ein Auftaktband und endet mit einem echt fiesen Cliffhanger, sodass ich sehr gespannt bin, wie die Geschichte wohl fortgesetzt wird, denn an sich war der „Fall“ für mich abgeschlossen. Wer auf einen rasanten und vielleicht blutigen (weil in der Beschreibung ein Mord angeteasert wird) Thriller hofft, ist hier aber fehl am Platz. Es ist aber ein sehr kurzweiliges Buch zum Thema Finanzkriminalität.

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