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jules_jude

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2022

Was passiert mit einer alternden Auftragskillerin, wenn sie über 60 Jahre alt ist?

Frau mit Messer
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Die 65-jährige Hornclaw führt auf den ersten Blick ein unauffälliges Leben. Sie ist einsam und lebt alleine, abgesehen von ihrem ebenfalls alternden Hund. Was sie von anderen Frauen in ihrem Alter unterscheidet, ...

Die 65-jährige Hornclaw führt auf den ersten Blick ein unauffälliges Leben. Sie ist einsam und lebt alleine, abgesehen von ihrem ebenfalls alternden Hund. Was sie von anderen Frauen in ihrem Alter unterscheidet, ist, dass sie noch arbeitet und dass sie keinen normalen Beruf ausübt. In den letzten 45 Jahren hat sie sich im Umgang mit Waffen, körperlichem Training und Überwachungsfähigkeiten geübt. Sie hat gelernt, unterzutauchen oder in einer Menschenmenge unbemerkt zu bleiben, sie ist nämlich eine Auftragsmörderin. Doch sie ist nicht mehr die erfolgreiche und gefürchtete Auftragsmörderin, die sie einmal war. Ihr ist klar, dass sie sich bald zur Ruhe setzen muss, denn nicht nur ihre körperliche Verfassung lässt nach, auch fängt die sonst so abgebrühte Hornclaw an, Fehler zu machen und Emotionen und Gefühle bei der Ausübung ihrer Aufträge zu zeigen. Wären das schon nicht genug Sorgen, mit denen sie sich herumschlagen muss, holt ihre Vergangenheit sie genau dann ein, als sie sich mit einem verwitweten Arzt und seiner jungen Tochter anfreundet.

Anders als der Inhalt zuerst vermuten lässt, geht es in der Geschichte eher um das Altern und wie es sich auf die Menschen auswirkt als um Hornclaws Job als Auftragsmörderin. Wer einen fesselnden Thriller erwartet, wird eher enttäuscht sein, ist es doch mehr eine Charakterstudie, auch wenn teils eine ziemliche blutige.
Der Schreibstil ist direkt und bisweilen geheimnisvoll, aber auch teils distanziert. Es entsteht dadurch eine mysteriöse Atmosphäre, aber leider keine emotionale Verbindung zu den Charakteren, so bleiben besonder die Motive von Hornclaw ziemlich im Dunklen in Bezug auf ihre Veränderung von einer kaltherzigen Auftragsmörderin hin zu einer, die Gefühle zeigt. Am Alter allein kann es nicht liegen. Gerne hätte ich mir hier mehr Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt gewünscht.Zwar erhält man Einblicke in Hornclaws Vergangenheit, insbesondere in die Umstände, die dazu führten, dass sie diesen Beruf ergriff, und in ihre Beziehung zu ihrem Mentor, doch verlässt sich die Erzählung zu sehr auf das "Erzählen" von Dingen. Ich hätte es vorgezogen, mehr Szenen zu lesen, die Hornclaw bei der Arbeit zeigen.

Nichtsdestotrotz ist Hornclaw eine faszinierende Figur und Gu Byeong-mo nutzt sie, um über die Behandlung älterer Menschen in Korea sowie über andere moderne gesellschaftliche Themen wie Armut und wirtschaftlichen Abschwung nachzudenken. Die Sozialkritik ist gut ausgearbeitet und ist vielleicht der stärkste Teil der Geschichte - was angesichts des mörderischen Themas des Buches erstaunlich ist.

Insgesamt ist "Frau mit Messer" keine schlechte Lektüre, jedoch habe ich mir nach Lesen des Klappentextes mehr erhofft. Auch ist es mehr Charakterstudie als ein spannender Thriller.

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Veröffentlicht am 21.09.2022

Kurzes und informatives Klimawissen aber auch nicht mehr

Erste Hilfe für die Erde
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"Erste Hilfe für die Erde - Die Fakten" von Prof. Mark Maslin ist ein kleines und kompaktes Buch über den Klimawandel, das mich leider nicht komplett überzeugen konnte.

Positiv hervorzuheben ist, dass ...

"Erste Hilfe für die Erde - Die Fakten" von Prof. Mark Maslin ist ein kleines und kompaktes Buch über den Klimawandel, das mich leider nicht komplett überzeugen konnte.

Positiv hervorzuheben ist, dass es Maslin gelungen ist, äußerst komplexe Sachverhalte auf leicht verständliche Informationen zu reduzieren. Das Sachbuch ist gut geeignet als Einführung in das Thema Klimawandel und richtet sich vor allem an all diejenigen, die bis jetzt noch wenig über das Thema wissen, noch skeptisch sind oder einfach eine kompakte Zusammenfassung dazu suchen.
Neben historischen Fakten und aktuellen Entwicklungen zeigt er auch Maßnahmen auf, die Einzelpersonen über Unternehmen bis hin zu Regierungen ergreifen können bzw. umsetzen sollten, um so gegen die Klimaerwärmung und deren Auswirkungen vorzugehen.

Aber darüber hinaus hat es nicht viel mehr zu bieten. Es ist als eine bloße Darstellung von Informationen und/oder Fakten in gut zitierfähigen Sätzen geschrieben, die sich mehr wie eine PowerPoint-Präsentation lesen als ein gut verfasstes
sachliches Buch. Ein tieferes Verständnis und ein differenzierter Blick auf den Klimawandel, dessen Auswirkungen und Maßnahmen dagegen wird so nicht wirklich geschaffen, was jedoch in Bezug auf die Maßnahmen besonders wichtig wäre. So setzt er z. B. meiner Meinung nach zu viel Vertrauen in die Initiative des Einzelnen, der Unternehmen und der Regierungen im Kampf gegen den Klimawandel und dessen Folgen.

Alles in allem stellt "Erste Hilfe für die Erde - Die Fakten" eine informative und grundlegende Zusammenfassung zum Thema Klimawandel und die Auswirkungen der Menschheit auf die Umwelt dar, aber für alle die schon ziemlich vertraut mit der Materie sind, für die ist das Buch ein wenig zu vereinfacht und zu wenig kritisch dargestellt. Außer ein paar wenig interessanten Punkten, ist nicht viel Neues dabei.

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Veröffentlicht am 10.09.2022

Wenn die Vergangenheit dich einholt - stimmungsvoll aber mit inhaltlichen Schwächen

Das siebte Mädchen
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Was mein Interesse an „Das siebte Mädchen“ von Stacy Willingham gleich als Erstes geweckt hat, war, das die Geschichte aus der Sicht der Tochter eines Mörders erzählt wird, was ich so bis jetzt noch nicht ...

Was mein Interesse an „Das siebte Mädchen“ von Stacy Willingham gleich als Erstes geweckt hat, war, das die Geschichte aus der Sicht der Tochter eines Mörders erzählt wird, was ich so bis jetzt noch nicht gelesen habe.

Als Chloe zwölf Jahre alt war, verschwanden in ihrer Heimatstadt sechs Mädchen im Teenageralter, eines nach dem anderen. Der Albtraum endete schließlich, als ihr eigener Vater die Morde gestand und damit ihre Kindheit zerstörte und ihre Familie in Trümmern zurückließ. Jetzt, 20 Jahre später, werden wieder Mädchen vermisst. Und Chloe wird das Gefühl nicht los, dass es eine Verbindung zwischen den aktuellen Ereignissen und den Geschehnissen vor 20 Jahren gibt. Chloe leidet immer noch unter den Nachwirkungen ihrer Kindheit, so ist ihr Leben sehr von Angst geprägt, was sich auch in der düsteren und teils beklemmenden Stimmung im Thriller widerspiegelt.

Die Idee war gut, doch leider konnte die Umsetzung mich nicht vollständig überzeugen. Zum einen nahm der Thriller erst zum Ende hin richtig an Fahrt auf. So verbringt man anfangs viel Zeit in Chloes Kopf, wird Zeuge ihrer Ängste und paranoiden Gedanken und wie sie versucht, diese mithilfe von Alkohol und verschreibungspflichtigen Medikamenten Herr zu werden und wie sie beim Versuch mehr darüber zu erfahren, was vor 20 Jahren passiert, ihre Nase in Dinge steckt, die sie nichts oder nur wenig angehen. Zum anderen war mir ziemlich schnell klar, wer für das Verschwinden der Mädchen verantwortlich war.

Wenn man seine Erwartungen nicht zu hoch setzt, kann man mit dem Thriller dennoch gute Lesestunden verbringen. Die Handlung wartet mit ein paar Überraschungen und Spannung besonders zum Ende hin auf, sodass sich zusammen mit dem atmosphärischen Schreibstil das Buch angenehm und schnell liest.

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Veröffentlicht am 10.09.2022

Langatmiger Blick in die Vergangenheit

Die Vergessene
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Karin Slaughters neuer Thriller „Die Vergessene“ ist der zweite Teil der Andrea-Oliver-Serie, in dem es hauptsächlich darum geht, herauszufinden, wer die schwanger Emily Vaughn getötet hat. Erzählt in ...

Karin Slaughters neuer Thriller „Die Vergessene“ ist der zweite Teil der Andrea-Oliver-Serie, in dem es hauptsächlich darum geht, herauszufinden, wer die schwanger Emily Vaughn getötet hat. Erzählt in zwei Handlungssträngen folgt man Emily in den 1980er-Jahren und Andrea Oliver in der Gegenwart.

Emily war die Tochter der Bundesrichterin in Longbill Beach, die jetzt Morddrohungen erhält und die gemeinsam mit ihrem Mann nun von Andrea und ihrem neuen Partner Leonard Bible beschützt wird. Doch zusätzlich zu ihrem eigentlichen Auftrag als US-Marshalin, ermittelt Andrea heimlich im Mordfall Emily, der nie aufgeklärt wurde, auch aus persönlichen Gründen. Denn ihr Vater Clayton Marrow, der wegen mehrerer Verbrechen im Gefängnis sitzt, könnte mit dem Mord an Emily etwas zu tun haben.

Leider muss ich sagen, dass der Thriller mich nicht so sehr fesseln konnte, wie ich mir erhofft habe. Er ist zwar gut geschrieben, wie man es von der Autorin gewohnt ist, aber ich habe eine Weile gebraucht, um in dieses Buch hineinzukommen.
Emilys Geschichte beginnt zwar mit einem Paukenschlag, aber danach plätschert sie vor sich hin. Ebenso ist das Tempo für einen Thriller vergleichsweise langsam, der Wechsel zwischen den zwei Zeitebenen trug anfangs auch nicht dazu bei, den Spannungsbogen kontant hochzuhalten. Als die Handlungsstränge ab etwa der Hälfte des Buches begannen, sich miteinander zu verbinden, nahm dann endlich die Geschichte an Fahrt auf, was für einen Thriller mit fast 600 Seiten Länge meiner Meinung nach aber etwas spät ist. Auch wenn die Handlung zum Ende hin spannender wurde und zusätzlich noch ein paar Wendungen eingebaut wurden und Emilys Fall gelöst wurde, blieben jedoch für mich noch ein paar Fragen unbeantwortet.

Insgesamt ein eher unbefriedigendes Leseerlebnis für mich, da ist man besseres von Slaughter gewohnt.

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Veröffentlicht am 07.09.2022

Chaotisches Buch über eine chaotische Familie

People Person
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Cyril Pennington hat fünf Kinder (von, denen er weiß) von vier verschiedenen Frauen, aber er hat nie eine aktive Rolle in ihrem Leben gespielt. Eines Tages beschließt er, dass es seine Pflicht ist, sie ...

Cyril Pennington hat fünf Kinder (von, denen er weiß) von vier verschiedenen Frauen, aber er hat nie eine aktive Rolle in ihrem Leben gespielt. Eines Tages beschließt er, dass es seine Pflicht ist, sie einander vorzustellen. Er besucht sie bei ihnen Zuhause und holt die fünf Kinder ab, geht mit ihnen Eis essen, setzt sie wieder ab und sie hören nie wieder etwas von ihm. Bevor die Geschwister abreisen, sagt die älteste Nikisha ihnen, dass sie sich, auch wenn sie sich nicht nahe stehen, in allen Angelegenheiten an sie wenden können, weil sie blutsverwandt sind. 10 Jahre später klingelt Nikishas Telefon, und es ist ihre Halbschwester, Dimple, die auf ihr Hilfsangebot eingeht ... Nikisha ruft daraufhin die anderen drei Geschwister an, um Dimple zu helfen und die Hilfe, die sie benötigt, hat es in sich und wird ihr ganzes Leben verändern.

Die Geschichte der fünf Halbgeschwister, die sich durch ungewöhnliche Umstände kennenlernen, wird auf ziemlich unterhaltsame Weise erzählt, verfolgt dabei aber keiner geradlinigen Erzählung. Es fühlt sich beim Lesen ziemlich anekdotisch an. Hat man am Anfang noch das Gefühl, eine konkrete Handlung zu verfolgen, geht dieses Gefühl ab der Hälfte des Buches verloren. Stattdessen steht Dimple im Mittelpunkt sowie ihre gemeinsame Zeit mit ihren Halbgeschwistern anstatt des außergewöhnlichen Ereignisses, das sie alle nach 10 Jahren erneut zusammengebracht hat. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn der Fokus daraufgelegt worden wäre und nicht so sehr auf Dimple, da sie als Charakter für mich nicht wirklich interessant war. Auch hätte ich gern mehr über die anderen Geschwister und Cyril erfahren.

Gut gefallen hat mir, wie die Autorin das Thema Familie behandelt hat, was es bedeutet, eine Familie zu sein und dazuzugehören. Wie sich das Fehlen eines Vaters im Leben eines Kindes darauf auswirkt, wie es die Welt sieht und wie es schwierige Situationen meistert. Ebenso konnte man gut sehen, wie alle fünf unterschiedlich mit dem abwesenden Vater in ihrer Kindheit umgegangen sind.

Leider konnte mich jedoch „People Person“ von Candice Carty-Williams nicht wirklich begeistern. Trotz der tollen Idee des Buches fiel die Umsetzung ziemlich oberflächlich und insgesamt schwach aus. Die Charaktere, ihr Handeln und vor allem die Handlung an sich waren mir teilweise zu unglaubwürdig und unrealistisch, angefangen mit dem Grund, wieso die Halbgeschwister erneut zusammenkommen und wie sie das Problem dann versuchen zu lösen.

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