Eine Frau zwischen Vergangenheit und Zukunft
Die Hafenärztin. Ein Leben für die Freiheit der Frauen (Hafenärztin 1)Kann „Die Hafenärztin“ mit der „Hafenschwester“ mithalten? Dies war die Frage, die ich mir lange gestellt habe und was mich zuerst davon abgehalten hat, das Buch lesen zu wollen. Ich bin bekanntermaßen ...
Kann „Die Hafenärztin“ mit der „Hafenschwester“ mithalten? Dies war die Frage, die ich mir lange gestellt habe und was mich zuerst davon abgehalten hat, das Buch lesen zu wollen. Ich bin bekanntermaßen ein Fan der Reihe um die Hafenschwester Marthe von Melanie Metzenthin. Zwar liegt der Schwerpunkt von der Hafenärztin Anne Fitzpatrick eher auf den Kriminalfällen, doch leider war der Auftakt der neuen Saga erst ab der Mitte so richtig spannend und mitreißend.
Henrike Engel hat zweifellos mit Anne Fitzpatrick eine beeindruckende Persönlichkeit geschaffen, welche mir sehr gefällt und die auch über weite Strecken gut agiert. Ihr Gegenpart ist der Kommissar Berthold Rheydt. Dieser hat sowohl Frau als auch Sohn verloren und widmet seine ganze Kraft dem Verbrechen und seiner Leidenschaft dem Fußball. Als Dritte im Bunde spielt die Pfarrerstochter Helene Curtius eine entscheidende Rolle. Sie kämpft für mehr Selbstbestimmung, findet die Hauswirtschaftsschule überflüssig und würde viel lieber Lehrerin werden.
In der ersten Hälfte des Romans plätschert die Geschichte ein wenig dahin, es war interessant zu lesen, aber gepackt hat mich die Geschichte erst in der zweiten Hälfte. Auch die Protagonisten konnte ich in der Mitte des Buches besser fassen. Gerade mit Helene hatte ich am Anfang so meine Schwierigkeiten, da sie mir ein wenig zu naiv und unbedarft war.
Weitere Themen des Romans sind die Frauenbewegung und die aufkommenden Techniken in der modernen Kriminalistik. Es gibt auch einige sehr interessante Passagen über den Fußball, die ich als Nicht-Fußball-Fan gerne gelesen habe.
Der Aufbau der Geschichte ist stringent und nur mit kleinen Zeitsprüngen versehen. Die Erzählperspektiven wechseln zwischen den drei Hauptfiguren hin und her, der Fokus liegt aber bei Anne Fitzpatrick.
Der Erzählstil der Autorin nimmt immer mehr Fahrt auf, bevor es am Ende zu einem Showdown kommt, der meiner Meinung nach etwas überhastet und zu sehr gewollt war. Der Fall war dann auf einmal sehr schnell geklärt. Der Schreibstil ist gut und leicht zu lesen, Dialoge und erzählende Passagen ergänzen sich gut und sorgen für einen angenehmen Lesefluss.
Insgesamt hat der Roman mit aber gut gefallen, da ich bei Erstlingen bekanntermaßen ein Auge zudrücke und nicht allzu streng bin. Ein Roman für alle die gerne einen historischen Kriminalfall in Hamburg anno Domini 1910 lesen möchten und sich für die Anfänge der Kriminalistik begeistern können. Band 2 „Die Hafenärztin – Ein Leben für das Glück der Kinder“ ist im Mai 2022 erschienen und ich werde die Geschichte weiterverfolgen.