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Veröffentlicht am 01.10.2022

Eine Frau zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die Hafenärztin. Ein Leben für die Freiheit der Frauen (Hafenärztin 1)
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Kann „Die Hafenärztin“ mit der „Hafenschwester“ mithalten? Dies war die Frage, die ich mir lange gestellt habe und was mich zuerst davon abgehalten hat, das Buch lesen zu wollen. Ich bin bekanntermaßen ...

Kann „Die Hafenärztin“ mit der „Hafenschwester“ mithalten? Dies war die Frage, die ich mir lange gestellt habe und was mich zuerst davon abgehalten hat, das Buch lesen zu wollen. Ich bin bekanntermaßen ein Fan der Reihe um die Hafenschwester Marthe von Melanie Metzenthin. Zwar liegt der Schwerpunkt von der Hafenärztin Anne Fitzpatrick eher auf den Kriminalfällen, doch leider war der Auftakt der neuen Saga erst ab der Mitte so richtig spannend und mitreißend.

Henrike Engel hat zweifellos mit Anne Fitzpatrick eine beeindruckende Persönlichkeit geschaffen, welche mir sehr gefällt und die auch über weite Strecken gut agiert. Ihr Gegenpart ist der Kommissar Berthold Rheydt. Dieser hat sowohl Frau als auch Sohn verloren und widmet seine ganze Kraft dem Verbrechen und seiner Leidenschaft dem Fußball. Als Dritte im Bunde spielt die Pfarrerstochter Helene Curtius eine entscheidende Rolle. Sie kämpft für mehr Selbstbestimmung, findet die Hauswirtschaftsschule überflüssig und würde viel lieber Lehrerin werden.

In der ersten Hälfte des Romans plätschert die Geschichte ein wenig dahin, es war interessant zu lesen, aber gepackt hat mich die Geschichte erst in der zweiten Hälfte. Auch die Protagonisten konnte ich in der Mitte des Buches besser fassen. Gerade mit Helene hatte ich am Anfang so meine Schwierigkeiten, da sie mir ein wenig zu naiv und unbedarft war.

Weitere Themen des Romans sind die Frauenbewegung und die aufkommenden Techniken in der modernen Kriminalistik. Es gibt auch einige sehr interessante Passagen über den Fußball, die ich als Nicht-Fußball-Fan gerne gelesen habe.

Der Aufbau der Geschichte ist stringent und nur mit kleinen Zeitsprüngen versehen. Die Erzählperspektiven wechseln zwischen den drei Hauptfiguren hin und her, der Fokus liegt aber bei Anne Fitzpatrick.

Der Erzählstil der Autorin nimmt immer mehr Fahrt auf, bevor es am Ende zu einem Showdown kommt, der meiner Meinung nach etwas überhastet und zu sehr gewollt war. Der Fall war dann auf einmal sehr schnell geklärt. Der Schreibstil ist gut und leicht zu lesen, Dialoge und erzählende Passagen ergänzen sich gut und sorgen für einen angenehmen Lesefluss.

Insgesamt hat der Roman mit aber gut gefallen, da ich bei Erstlingen bekanntermaßen ein Auge zudrücke und nicht allzu streng bin. Ein Roman für alle die gerne einen historischen Kriminalfall in Hamburg anno Domini 1910 lesen möchten und sich für die Anfänge der Kriminalistik begeistern können. Band 2 „Die Hafenärztin – Ein Leben für das Glück der Kinder“ ist im Mai 2022 erschienen und ich werde die Geschichte weiterverfolgen.

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Veröffentlicht am 01.10.2022

Kann Syndicat Familie bedeuten?

Blutgold
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Düster, spannend und mit der Botschaft versehen was „Familie“ wirklich bedeutet lässt sich dieser Roman gut zusammenfassen. Ich bin von der Geschichte um das Syndicat der Familie Sass gut unterhalten worden. ...

Düster, spannend und mit der Botschaft versehen was „Familie“ wirklich bedeutet lässt sich dieser Roman gut zusammenfassen. Ich bin von der Geschichte um das Syndicat der Familie Sass gut unterhalten worden. Die Geschichte spielt in Berlin um die Zeit der Jahre 1918 bis 1921, welche gerade politisch aber auch gesellschaftlich ziemlich turbulent waren. Die vier Brüder Max, Georg, Erich und Franz Sass versuchen sich durch kleine „Gaunereien“ am Leben zu erhalten. Die Zeit ist hart und das politische Gebilde in Deutschland ist sehr fragil. Plötzlich geschieht ein Mord und später werden Rosa Luxemburg sowie Karl Liebknecht in Berlin getötet. Die Sass-Brüder merken schnell, dass sie nur gemeinsam diese Zeit überstehen können. Alsbald werden sie in die politischen Geschehnisse hineingezogen. Werden sie es schaffen zu überleben?

Gerade Franz Sass hat mir in diesem Roman sehr gut gefallen. Er ist zwar weniger körperlich agil aber agiert als „Gehirn“ der Organisation im Hintergrund. Stets bemüht das Große zu sehen überzeugt er mit einer Kühle in der Hitze des oft sehr skrupellosen Alltags im Berlin der 20iger Jahre. Neben seinen Brüdern sind seine Tante Antonia „Toni“ Sass, sowie die junge Russin Jekaterina Romanova zu nennen. Gerade Toni Sass überzeugt als starke Frau in einer oft noch sehr patriarchischen und machoartigen Gesellschaft. Sie ist die eigentliche Chefin des Syndicats und versucht die „Familie“ zusammenzuhalten. Dabei trägt sie oft das Herz am rechten Fleck. Der Aufbau der Geschichte ist sehr stringent und wird nicht durch Zeitsprünge unterbrochen. Der Schreibstil des Autors ist sehr dialogorientiert, mit viel Berliner-Dialekt versehen und sehr gut lesbar. Der Autor hat es geschafft die Stimmung dieser Zeit in seine Sprache einfließen zu lassen. Ich war als Leser außerordentlich tief in der Handlung und konnte die Härte, aber auch die politischen Verwerfungen sehr gut nachvollziehen. Ebenso hat mir die Nähe der Fiktion zu den realen Begebenheiten gefallen. Die Berliner Ringvereine waren in den 20iger Jahren ein Teil des dunklen Gesellschaftsleben und Diebstahl und Betrug waren an der Tagesordnung. Auch die politische Spaltung der Gesellschaft ist in diesem Roman historisch gut belegt dargestellt worden. Als Zielgruppe des Romans kommen sowohl Männer als auch Frauen in Betracht. Ich bin sehr zufrieden dieses Buch gelesen zu haben und kann es uneingeschränkt allen Freunden der 20iger Jahre wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 01.10.2022

Melancholie in Schweden

Die Tote im Sturm - August Strindberg ermittelt
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Mit einer Portion Melancholie und Dramatik habe ich den ersten Band von August Strindberg gelesen. Ich bin insgesamt gut unterhalten worden. In der wesentlichen Handlung geht es um dem ehemaligen Banker ...

Mit einer Portion Melancholie und Dramatik habe ich den ersten Band von August Strindberg gelesen. Ich bin insgesamt gut unterhalten worden. In der wesentlichen Handlung geht es um dem ehemaligen Banker August Strindberg, welcher sich vom Großstadtleben in Stockholm verabschiedet hat und sich nun in der west-schwedischen Provinz ein neues Leben aufbauen möchte. Plötzlich verschwindet eine Lehrerin an der lokalen Schule. Die Polizei tappt im Dunklen. August, welcher ein persönliches Interesse an der Polizistin Maria hegt, beginnt recht bald auf eigene Faust zu ermitteln. Plötzlich passiert ein Ereignis was ihn bis ins Mark erschüttert. Wird er es schaffen seinen Frieden zu finden?

Der Hauptdarsteller ist ein ruhiger in sich gekehrter Mann, welcher seine Ruhe haben möchte. Er hat sich bewusst gegen das hippe Großstadtleben und für eine Lebensumgebung in der Provinz entschieden. Dabei überzeugt er durch seine Ruhe und Beharrlichkeit und weiß gut mit Menschen umzugehen. Als wesentliche Nebendarsteller der Handlung können die Polizistin Maria Martinsson, das Ehepaar Lindgreen mit ihrem Sohn Karl, sowie das Ehepaar Erikson mit ihrem Sohn Isak genannt werden. Dabei empfand ich gerade Karl als eine interessante Nebenfigur dessen Rolle erst im Laufe der Handlung so richtig Fahrt aufnimmt. Maria war mir allerdings charakterlich zu schwach dargestellt. Für eine Polizistin hätte ich mir mehr Selbstbewusstsein und Mut gewünscht. Der Aufbau der Story ist stringent und wird durch keine Zeitsprünge unterbrochen. Die Handlung der Geschichte spielt im September der heutigen Zeit und ist somit gut nachvollziehbar. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, dialogorientiert und sehr gut in das Deutsche übersetzt worden. Mein größter Kritikpunkt ist die Langatmigkeit in manchen Erzählpassagen. Ich hätte mir insgesamt eine etwas prägnantere und zielorientierte Erzählung gewünscht, was aber vielleicht auch Geschmacksache ist. Das Fazit ist trotzdem insgesamt noch positiv. Spannend und mit einer interessanten Wendung versehen ist dieser Krimi durchaus zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 01.10.2022

Mysteriöse Symbole auf den Opfern

Hafenmörder
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Mit einer guten Story und einem interessanten Ende habe ich diesen Krimi genossen. Ich konnte mich gut in die Probleme von Carl-Jakob Melcher hineinversetzten. In der wesentlichen Geschichte geht es um ...

Mit einer guten Story und einem interessanten Ende habe ich diesen Krimi genossen. Ich konnte mich gut in die Probleme von Carl-Jakob Melcher hineinversetzten. In der wesentlichen Geschichte geht es um eine Reihe von mysteriösen Mordfällen, welche Hamburg in Angst und Schrecken versetzen. Bei allen Opfern hinterlassen die Täter oder der Täter mysteriöse Symbole auf den Gesichtern. Martin Bucher von der Kriminalpolizei bittet Carl-Jakob Melcher um Hilfe in dieser Sache. Bald werden weitere Morde bekannt. Die Zeit läuft beiden davon. Werden sie die Täter finden? Carl-Jakob Melcher ist ein sehr symphytischer Protagonist, welcher trotz seines gesellschaftlichen Standes nichts von der vorgeschriebenen Etikette hält. Er verliebt sich in das Dienstmädchen Clara, welche bei seinem Onkel Heinrich Knudsen, einem wohlhabende Reederei-Inhaber arbeitet. Dabei lässt er nichts unversucht ihr seine Gefühle zu beweisen. Auch sonst ist er ein sehr fleißiger Mann, welcher neben seinem eigentlichen Beruf noch als Hilfsdetektiv für seinen Freund Martin Bucher arbeitet. Als wesentlichen Nebenfiguren kommen Onkel Heinrich Knudsen, Martin Bucher sowie das Dienstmädchen Clara in Betracht. Gerade Clara ist ein sehr interessanter Charakter beweist sie doch, dass mehr in ihr steckt als die Leser es ihr zutrauen würden. Der Schreibstil des Autors ist flüssig, dialogorientiert und gut lesbar. Die Handlung ist in Hamburg des Jahres 1904 angesiedelt und demnach gut nachvollziehbar. Zeitsprüngen sind keine zu erkennen gewesen. Gerade die vielen verschiedenen Wendungen machen diesen historischen Krimi sehr spannend. Auch die sehr detaillierte Beschreibung des typischen Verhaltens der Bevölkerung zu dieser Zeit hat mir sehr gut gefallen. Das Fazit ist positiv. Spannend und mit einem sehr interessanten Ende ist dieser Krimi für gute Lesestunden perfekt geeignet.

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Veröffentlicht am 14.08.2022

Charismatischer Kommissar in lokalem Umfeld

Prost, auf die Nachbarn
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Erneut sehr lustig und mit einer interessanten Wendung versehen habe ich den vierten Fall um den charismatischen Kommissar Tischler erlebt. Ich bin gut unterhalten worden. Im Wesentlichen geht es um einen ...

Erneut sehr lustig und mit einer interessanten Wendung versehen habe ich den vierten Fall um den charismatischen Kommissar Tischler erlebt. Ich bin gut unterhalten worden. Im Wesentlichen geht es um einen sehr protzig auftretenden Rechtsanwalt, welcher aufgrund einer Manipulation an seinem Fahrzeug ums Leben kommt. Kommissar Tischler und sein Team sind sich schnell sicher, dass der Täter aus dem direkten Umfeld des Anwaltes kommen muss. Alsbald scheiden ein Verdächtiger nach dem anderen aus. War es am Ende doch ein Unfall oder kommt der Täter gar von viel weiter weg als alle gedacht haben? Eine spannende Suche nach dem Mörder beginnt.

Die Hauptfigur Constantin Tischler war mir wie im vorherigen Fall erneut sehr sympathisch und ich konnte mich sehr gut mit diesem identifizieren. Er beweist Mut und Courage und behält trotz allem eine zumindest nach außen hin lockere Art und Handlungsweise bei.

Als wesentliche Nebenfiguren in der Geschichte treten Kommissar Felix Fink sowie das Ehepaar Krug in Erscheinung. Mir hat Kommissar Felix Fink am besten gefallen. Er kommt etwas unbeholfen und tollpatschig daher und muss seinem Chef nahezu täglich von seinen Erlebnissen mit seiner Mutter berichten. Er ist der humorvolle Part in dieser Geschichte und trägt damit stets zur Auflockerung der Stimmung bei. Aber er beweist auf der anderen Seite in entscheidenden Situationen viel Courage.

Der Spannungsbogen wird sukzessive aufgebaut und bleibt während der gesamten Erzählung auf einem recht ansprechenden Niveau. Der Aufbau der Geschichte ist sehr stringent und wird nur durch minimale Zeitsprünge in die Vergangenheit ergänzt. Dies hat aber auf den Lesefluss keinen negativen Einfluss. Die Handlung spielt im heutigen Zeitgeschehen und ist somit gut nachvollziehbar. Humorvoll, lebendig traditionell und fließend lässt sich der Sprachstil des Autors gut zusammenfassen. Insgesamt ist der Text sehr gut lesbar. Als Zielgruppe des Romans kommen alle Krimifreunde sowie Anhänger von humorvollen Geschichten in Frage. Das Fazit ist positiv. Tradition und Humor, gepaart mit Spannung sind eine gute Mischung für gute Krimi-Unterhaltung. Eine klare Leseempfehlung für alle Krimi-Freunde.

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