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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.11.2022

Biographie einer Agentin

Agent Sonja
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Ben Macintyre beschreibt das Leben der Ursula Kuczinski, der Agentin Sonja. Ursula lebte von 1907 - 2000. Ihr bewegtes Leben führt sie über China, Mandschurei, die Schweiz und England schließlich wieder ...

Ben Macintyre beschreibt das Leben der Ursula Kuczinski, der Agentin Sonja. Ursula lebte von 1907 - 2000. Ihr bewegtes Leben führt sie über China, Mandschurei, die Schweiz und England schließlich wieder nach Deutschland. In Schanghai wird sie als überzeugte Kommunistin zur russischen Agentin, die gegen den Nationalsozialismus kämpft. Dabei hat sie mehrere Liebesbeziehungen, zieht Kinder auf, schreibt Bücher und hat Russland bei der Beschaffung der Atombombe maßgeblich unterstützt, und damit großen Anteil am "Gleichgewicht des Schreckens" im kalten Krieg.
Macintyre hat das Buch sehr gut und tiefgehend recherchiert. Dabei schafft er es eine Distanz zu den Protagonisten aufzubauen, und bei dem turbulenten Zeiten eine recht distanzierte Sicht darzustellen. Die Motivation der Handelnden ist für jemanden, der weitgehend in friedlichen Zeiten lebte, schwer nachzuvollziehen.
Aufgrund der großen Anzahl der Protagonisten und großer Detailtreue hat der Bericht manchmal Längen, und ist dann nicht einfach zu lesen.
Für den historisch interessierten Leser ist das Buch jedoch sehr lesenswert.

Veröffentlicht am 27.10.2022

Für Freunde der griechischen Mythologie

Elektra, die hell Leuchtende
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Der Roman erzählt die Geschichte um die mykenische Königsfamilie aus der griechischen Mythologie. Die klassische sophokleische Trägodie wird im Roman aus der Perspektive der Frauen, insbesondere der Mutter ...

Der Roman erzählt die Geschichte um die mykenische Königsfamilie aus der griechischen Mythologie. Die klassische sophokleische Trägodie wird im Roman aus der Perspektive der Frauen, insbesondere der Mutter Klytämnestra und (ihrer Tochter) Elektra geschildert.
Dabei folgt Jennifer Saint recht genau der Handlung des ursprünglichen Mythos. Es geht wie hier um das Leid und dem daraus entstehenden Kreislauf der Rache. Nach dem Prinzip der Selbstjustiz wird Leid mit Leid beglichen, Tod durch Tod gerächt. Es stellt sich die Frage, ob diese Verhaltensweise gerechtfertigt ist.
Durfte Klytämnestra Agamemnon umbringen, da dieser doch ihre Tochter Iphigenie opferte? War Elektra dann nicht genauso im Recht, als sie Rache an Klytämnestra forderte, da sie den Tod ihres Vaters durch die Mutter erleben musste?
Diese Fragen stellen sich dem Leser, und führen zum Mitleid, der Empathie.
Interessanter Lesestoff für Freunde der griechischen Tragödie und der Mythologie.

Veröffentlicht am 02.10.2022

Hochspannung von Daniel Silva

Die Cellistin
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Bereits auf den ersten Seiten nimmt Daniel Silvas Thriller rasantes Tempo auf.
In London wird ein russischer Milliardär, durch Nowitschok vergiftet, tot aufgefunden. Aus dieser Situation entwickelt sich ...

Bereits auf den ersten Seiten nimmt Daniel Silvas Thriller rasantes Tempo auf.
In London wird ein russischer Milliardär, durch Nowitschok vergiftet, tot aufgefunden. Aus dieser Situation entwickelt sich die Jagd auf die Täter.
Gabriel Allon, der Chef des israelischen Geheimdienstes, leitet die Aktion. Die Strukturen der russischen Geldwäscheströme sowie das Vermögen des russischen Präsidenten sollen zerstört werden. Die Geschichte spielt vorwiegend in der Schweiz.
Gestört haben mich etwas die häufigen, sich wiederholenden und oft banalen Bezüge zur Corona-Pandemie.
In zum Erzähl-Tempo passenden knappen, an Presseberichte erinnernden Stil schreibt der Autor die Geschichte.
Dabei überzeugen wie immer bei Silva die aktuellen Bezüge zu den politischen Entwicklungen der letzten Jahre. Sie sind gut recherchiert und liefern der fiktiven Geschichte reelle Hintergründe zu aktuellen Geschehnissen.
Zusammenfassend stellt das Buch für Freunde der Hochspannung eine lohnende Lektüre dar.

Veröffentlicht am 02.10.2022

Thema Beutekunst

Das neunte Gemälde
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Mit Andreas Storms Roman "Das neunte Gemälde" beginnt die Krimireihe um den Kunstexperten Lennard Lohberg. Die Handlung ist über drei Zeitschienen verteilt, den 2. Welkrieg in Paris, die 60er Jahre des ...

Mit Andreas Storms Roman "Das neunte Gemälde" beginnt die Krimireihe um den Kunstexperten Lennard Lohberg. Die Handlung ist über drei Zeitschienen verteilt, den 2. Welkrieg in Paris, die 60er Jahre des Wirtschaftswunders und die Gegenwart. Storm verknüpft diese Ebenen virtuos, und schafft so insgesamt einen spannenden Handlungablauf des Kunstraubes.
Der Roman liefert eine anschauliche Einführung in das Thema Beutekunst mit solider kunstgeschichtlicher Basis. Auch die geschichtlichen Aspekte der Zeitläufte in Deutschland / der Bundesrepublik werden fundiert wiedergegeben.
Interessant sind auch die Bescheibungen von Charakter und Motivation der handelnden Personen.
Etwas anstrengend ist stellenweise der journalistische Stil der geschilderten Abläufe. Dieser dient jedoch gleichzeitig der guten Verständlichkeit der Zusammenhänge der Handlungs- und Zeitebenen.
Insgesamt stellt das Buch eine lohnende Lektüre für Freunde des Kunst-Kriminalromanes dar, die neugierig auf weitere Lennard Lomberg Krimis macht.

Veröffentlicht am 02.10.2022

Lebensgeschichte im Pott

Kerl aus Koks
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Michael Brandner erzählt eine bewegte Lebensgeschichte mit autobiographischen Zügen.
Wir erfahren vom Leben von Paul, der früh aus Bayern in den Pott um Dortmund verfrachtet wird. Dabei ist unser Held ...

Michael Brandner erzählt eine bewegte Lebensgeschichte mit autobiographischen Zügen.
Wir erfahren vom Leben von Paul, der früh aus Bayern in den Pott um Dortmund verfrachtet wird. Dabei ist unser Held ein genauer Beobachter seines Umfeldes, und angetrieben von großer Neugier betrachtet er dieses und die Menschen in ihm mit großem Interesse, aber stets mit grundsätzlichem Wohlwollen.
Die Geschichte spielt in den 50er bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts und weit zahlreiche Bezüge in die Geschichte dieser Jahre auf. Sie ist unterhaltsam und flüssig geschrieben, und ist dadurch gut lesbar.
Die letzten Seiten haben inhaltliche Längen. Als Pauls Leben als Schauspieler in ruhigeres Fahrwasser gelangt wird auch die Story gemächlicher.
Besonders gefallen hat mir im Buch die optimistische Grundeinstellung des Protagonisten. So geniesst er den Umgang mit allen Menschen, und gerade deren Fehler machen diese für ihn interessant. Paul ist ein mutiger und charmanter Mensch, der in der Gegenwart glücklich sein kann ohne sich durch Vergangenheit oder Zukunft einengen zu lassen.
Insgesamt ist es lesenswertes Buch, besonders auch für die Generation die denselben Zeitraum in Deutschlnd erlebt hat.