Profilbild von dogjack2016

dogjack2016

Lesejury Star
offline

dogjack2016 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit dogjack2016 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.03.2018

Köstliche Kunststücke wie von Zauberhand

halb zehn - das Frühstückskochbuch
0

"Halb zehn" Das Frühstückskochbuch von Agnes Prus mit künstlerisch schlicht anmutenden Fotografien von Yelda Yilmaz
Ausnahmslos lecker erscheinen die Rezepte in diesem Buch, Schritt für Schritt abwechslungsreiche ...

"Halb zehn" Das Frühstückskochbuch von Agnes Prus mit künstlerisch schlicht anmutenden Fotografien von Yelda Yilmaz
Ausnahmslos lecker erscheinen die Rezepte in diesem Buch, Schritt für Schritt abwechslungsreiche Ideen, die Lust am Kochen und Backen machen. Nach einem sehr ansprechendem Vorwort und einer Kurzbeschreibung sowie einer positiven Interpretation von Grundstoffen der Autorin steigt man ins Frühstücksgetümmel ein.
- Brot, Brötchen & weiteres Gebäck
- Hefeschnecken, Muffins & Süsses Gebäck
- Sandwiches, Stullen & Toast
- Ei, Ei, Ei...(Agnes Prus beschreibt ein Hoch auf das Ei!)
- Pancakes & Waffeln
- Müsli, Porridge & Obst im Schälchen
- Aufstriche, Marmeladen, Sossen & Dips
- Kaffee, Saft & noch mehr Getränke
Hinter jedem Abschnitt offenbaren sich einzelne Rezepte. Dabei werden die genauen Mengen und Zutaten für eine bestimmte Stückzahl oder Portion und eine Herstellungsanweisung (teilweise bebildert) angegeben. Des Weiteren erscheinen die Angaben zu Kilokalorien, Fett, Kohlenhydraten, Ballaststoffen und Eiweiß. Ein kurzer hilfreicher lockerer Hinweistext mit näheren Beschreibungen der Inhaltsstoffe, Herkunft der Speisen, passende Beilagen, Haltbarkeit und Tipps zu Variationsmöglichkeiten sowie verschiedenen Genußmöglichkeiten begleiten die Auflistung. Dabei wird auf die zeitliche Inanspruchnahme der Herstellung der Leckereien hingewiesen. Manches ist im Handumdrehen fertig, andere Mahlzeiten benötigen ausreichend Zeit, manchmal einen freien Tag oder ein ganzes Wochenende. Vielleicht sollte man vor der Zubereitung schon mal ins Rezept schauen, um noch fehlende und zuweilen exotische Bestandteile besorgen zu können. Ansonsten ist eine alltägliche Küchenausstattung ausreichend für das Backen und Kochen aller schmackhaften Gerichte.
Halb zehn ist kein klassisches Frühstückshandbuch, sondern eine Hommage an den Genuss, egal zu welcher Tageszeit. Praktisch, modern, klug mit einer grandiosen Liebe zum Detail beim Text sowie den Fotografien.
Dieses besondere Buch lädt zum Hineinblättern ein, diese Zungenschmeichler herzustellen und letztendlich die gesamte Palette an klassischen und multikulturellen Gaumenfreuden, gern allein oder mit Freunden und Familie zu genießen.

Veröffentlicht am 12.10.2025

Buon appetito, ein Reise-Rezept-Buch

Il mondo della Pasta
0

Il Mondo Della Pasta von Domenico Gentile

„Es gibt wohl keine Hausfrau in Apulien, die nicht ein Pastabrett zu Hause hat, um für die Familie frische Pasta von Hand zu machen.“ S.68

Die ganze Welt der ...

Il Mondo Della Pasta von Domenico Gentile

„Es gibt wohl keine Hausfrau in Apulien, die nicht ein Pastabrett zu Hause hat, um für die Familie frische Pasta von Hand zu machen.“ S.68

Die ganze Welt der italienischen Pastaformen, ihre Saucen und Rezepte findet der Autor auf seiner Reise durch Italien und beim Kochen mit Freunden und lieben Menschen. Die Fotografien von Oliver Brachat zeigen die zwischenmenschliche Nähe und Liebenswürdigkeit und sind zudem eine Liebenserklärung an das Handwerk der Pastaherstellung. Der informative Text mit zahlreichen Hintergrundinformationen, die leckeren Rezeptvorschläge mit Schritt für Schritt Anleitungen sowie die vielen Bilder wecken die Reiselust und lassen dem Leser das Wasser im Mund zusammenlaufen. Dieses Buch ist eine Hommage an die Nudel, eine Liebeserklärung an Italien. Ich habe mich selbst an den Rezepten ausprobiert und wurde mit schmackhaften Gerichten belohnt. Besonders gefallen haben mir die Ragu- und Suppentezepte. Auch vegetarische Rezeptvorschläge kommen nicht zu kurz. Die unglaubliche Vielfalt der italienischen, originalen Pastazubereitung hat mich erstaunt. Es lohnt sich, einmal die eingedeutschten Rezepte gegen die original italienische Zubereitung einzutauschen. Geschmacklich sind diese oft einfachen Sachen unglaublich lecker! Selbstgemachte Gnocci und die süßen Nudeln lohnen einen Versuch! Der Halbitaliener versteht sein Handwerk, ist er zwischen Nonnas und traditionellen Gaumenfreuden aufgewachsen. Domenico Gentile hat eine Leidenschaft zum Beruf gemacht und diese Lektüre ist ihm vortrefflich gelungen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2025

Was kann die Geschichte einer Familie anhaben?!

Meine Mutter
0

Meine Mutter ein Roman von Bettina Flitner

Sie ist es immer geblieben: Dieses zerbrechliche Mädchen, um das man sich kümmern musste. Die schmale Gestalt, die im Gegenlicht am Fenster stand und ins Nichts ...

Meine Mutter ein Roman von Bettina Flitner

Sie ist es immer geblieben: Dieses zerbrechliche Mädchen, um das man sich kümmern musste. Die schmale Gestalt, die im Gegenlicht am Fenster stand und ins Nichts schaute. Und plötzlich, mit einem Male, war sie dann wieder fröhlich, zu fröhlich. Zu wenig oder zu viel. Manchmal fast gleichzeitig. S.121

Dieser Roman beschreibt die Spurensuche einer Tochter und das Versöhnen mit der Mutter. Dabei beleuchtet die Autorin ihre eigene Familiengeschichte unter dem Aspekt von äußeren Einflüssen und geschichtlichen Gegebenheiten. Mit nüchternen und gleichzeitig eindringlichen, aufwühlenden Worten, gespickt mit sarkastischen sowie schwarzhumorigen Elementen berichtet Bettina Flitner von Gilas Schicksal, aus ihrem Leben mit ihren depressiven Stimmungen und letztendlich dem Suizid. Hierbei überschneiden sich tatsächliche Ereignisse und fiktionale Beschreibungen.

Die Mutter wächst behütet im heitige Polen auf. Dabei entsteht ein lebhaftes Bild der damaligen Zeit. Infolge der geschichtlichen Gegebenheiten flieht die Familie 1946 mit dem 9jährigen Mädchen aus Schlesien nach Celle. Es folgt, gezwungenermaßen, ein komplett anderes Leben. Diese Nachlast und Traumata wirken auf nachfolgenede Generationen. Eine Annäherung an dieses sensible Thema ist der Autorin gelungen. Anhand von Fotos, Erzählungen, Gesprächen, Dokumenten und das Aufsuchen der Orte ihrer Lieben versucht Bettina Flitner das Geschehene zu verstehen und zu verarbeiten. Ihre klare Sprache springt in der Zeit und versucht das Unfassbare zu begreifen. Eine Familiengeschichte und Vergangenheitsbewältigung, die sich sehr gut lesen lässt und noch lange zum Nachdenken anregt.

Fazit: Das vorliegende Buch ist eine Aufarbeitung der tragischen wiederkehrenden Selbsttötung innerhalb der Familie. So knüpft dieser Roman an „Meine Schwester“ an. Beide Erzählungen gehören zusammen und stehen doch für sich selbst.

Des Weiteren befasst sich die Autorin mit historischen Themen des 2. Weltkriegs und der Vertreibung.

Ich wollte diese Geschichte so gern lesen, da auch Teile meiner Familie in Ostpreußen und Schlesien verwurzelt sind. Und ich habe es nicht bereut, mich auf diese intelligente, anspruchsvolle, ehrliche, harte und gleichzeitig einfühlsame Erzählung eingelassen zu haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2024

Elisabeth erzählt

Nur nachts ist es hell
0

Nur nachts ist es hell ein Roman von Judith W. Taschler (Zsolnay Verlag)
Einmal in der Eden Bar, wir waren betrunken, sagte mein Bruder Eugen zu mir:“Wenn du nicht meine Schwester wärst, würde ich dich ...

Nur nachts ist es hell ein Roman von Judith W. Taschler (Zsolnay Verlag)
Einmal in der Eden Bar, wir waren betrunken, sagte mein Bruder Eugen zu mir:“Wenn du nicht meine Schwester wärst, würde ich dich vom Fleck weg heiraten. Weißt du, es gibt dreierlei Frauen: die Geheimnisvollen, die Exzentrischen und die Nüchternen, das sind diejenigen,die in klarer Schärfe denken und bei denen man stets weiß, woran man ist. Du gehörst eindeutig zu Letzteren, und das liebe ich an dir.“
Ich küsste ihn auf die Wange und zog ihn auf die Tanzfläche. S.290

Elisabeth, die jüngste Schwester erzählt aus ihrem Leben zwischen und während der Weltkriege. Ihre Berichte ähneln Tagebucheinträgen, die Erinnerungen teils in Romanform geschrieben. Diese Mischung ist interessant und anspruchsvoll. Selbstverständlich kann man diesen Roman eigenständig lesen. Doch liest man ihn infolge der ersten Geschichte „Über Carl reden wir später“, hat mich diese Familiengeschichte der Bruggers nicht enttäuscht aber etwas unbefriedigt zurückgelassen. Manch schnelle Anekdoten fühlen sich an, als ob noch etwas Füllung fehlt. Die Schnellichkeit und Vielfalt hat mich beim Lesen das ein oder andere Mal überrollt. Gern hätte ich mir ein paar Seiten mehr, weniger theoretisch und in gedrosseltem Tempo gewünscht. „Über Carl reden wir morgen“ ist für mich um Längen eindrücklicher geschrieben.

Trotzdem steckt die Liebe im Detail und und man merkt, dass es ein Herzensbuch der Autorin ist. Ich lese immer wieder gern einen Judith W. Taschler und freue mich auf ihre Veröffentlichungen. Die Themen, die sie aufgreift gepaart mit den geschichtlichen Details sind interessant. Hier durchstreift ihre starke Protagonistin, die Medizin, die Frauenrechte, den Fortschritt, streift die Politik und die Geschichte im emotionalen Blickwinkel der Differenzen der Generationen, Familienkonstelationen und gesellschaftlichen Konventionen. Sie stellt ethische Fragen, beantwortet sie einleuchtend und lässt dabei Raum zum Nachdenken.

Fazit: Ich habe den Roman mit kleinen Abstrichen gern gelesen. Er ist ehrlich und direkt. Hilfreich fand ich den Stammbaum am Ende des Buches.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2022

Ungewöhnlicher Krimi mit Sympathie-Effekt

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens
0

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens ein Kriminalroman von Pierre Martin (Knaur Verlag)

„Was, wenn ich Nein gesagt hätte?“
Edmond lächelte. „Dann, mon cher, wärst du ein toter Mann. Ich bin zwar ...

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens ein Kriminalroman von Pierre Martin (Knaur Verlag)

„Was, wenn ich Nein gesagt hätte?“
Edmond lächelte. „Dann, mon cher, wärst du ein toter Mann. Ich bin zwar an meinen Rollstuhl gefesselt, aber vergiss nicht, ich habe alles gelernt, was auch dein Vater gelernt hat. Dich umzubringen, um die Ehre der Familie zu retten, wäre ein Kinderspiel.“ S.37/38

So muss Lucien Comte de Chacarasse unfreiwillig die langgehegte Familientradition nach dem Tod seines Vaters fortführen. Diese brisante Aufgabe behagt dem jungen Mann ganz und gar nicht, handelt es sich doch um die Kunst des Tötens sowie die Planung und Durchführung zum Thema Auftragsmord. Oblige aux vivants et aux morts!
Doch all das interessiert Lucien nicht so wirklich und er genießt die Zeit in Villefranche-sur-Mer bei einem guten Essen, einem Gläschen Wein zusammen mit den Frauen seiner Wahl. Doch gelingt dies nur bedingt und so nimmt das Schicksal, welchem sich Lucien nicht entziehen kann, seinen Lauf.

Unterschiedlichste Geschichten, Akteure und spezielle sowie liebenswerte Charaktere reihen sich aneinander. Dazwischen liest man von französischen Köstlichkeiten und der atemberaubend schönen Landschaft Frankreichs.

Fazit: Ein sympathischer und verschmitzter Protagonist mit einem Hang zum leichten und ungezwungenen Leben stolpert in diesem Cosy-Krimi von Fall zu Fall und findet bald Gefallen daran. Eine leichte Kost, die die Sehnsucht nach der französischen Mittelmeerküste und den damit verbundenen Leckereien weckt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere