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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2022

Der eingebildete Unzufriedene

Die Mauersegler
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Der Philosophielehrer Toni ist mit seinem Leben unzufrieden und nimmt sich vor, sich in genau 365 Tagen das Leben zu nehmen. Bis dahin will er jeden Tag aufschreiben, was er erlebt und was er überlegt. ...

Der Philosophielehrer Toni ist mit seinem Leben unzufrieden und nimmt sich vor, sich in genau 365 Tagen das Leben zu nehmen. Bis dahin will er jeden Tag aufschreiben, was er erlebt und was er überlegt.
Die Idee finde ich spannenden. Mich hat dabei weniger die Frage interessiert, was genau ihn zum Suizid führt und ob er ihn denn dann auch vollzieht. Letzteres nur bedingt, weil mich vielmehr die Frage umgetrieben hat, ob er ihm Leben in diesen 365 Tagen etwas findet, das ihm das Leben lebenswert erscheinen lässt. Stattdessen aber verliert man sich in den Nörgeleien eines chronisch Unzufriedenen, eines Unsympathen, der keine wirklichen Probleme und somit auch kaum Grund zum Selbstmord hat. Kann das wirklich Satire sein? Da sind mir die Molierschen Figuren deutlich lieber in ihrer krassen Überzeichnung, mit der der französische Meister sich über sie lustig macht. Der Held hier nimmt sich meiner Ansicht nach selbst viel zu wichtig. In seinen Aufzeichnungen dreht er sich nur um sich, springt hin und her. Es geht weniger um das Jetzt und Hier als viel mehr um das Einst und Irgendwo. Sicherlich ist die Sprache – in der Übersetzung – schön und das Buch klug geschrieben, aber wenn sich keine Beziehung zum Helden oder vielmehr Anti-Helden aufbauen lässt, könn(t)en 800 Seiten schon lang werden und der Suizid des Helden eine Erlösung sein.

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Veröffentlicht am 07.10.2022

Merkwürdig

Lukusch
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Als Kind kommt Anton Lukusch mit seinem „Zwilling“ Igor nach dem Reatkorunglück aus der Ukraine nach Deutschland. Dort wird zum einen seine sonderbare Verbindung zur Igor, zum anderen sein Schachtalent ...

Als Kind kommt Anton Lukusch mit seinem „Zwilling“ Igor nach dem Reatkorunglück aus der Ukraine nach Deutschland. Dort wird zum einen seine sonderbare Verbindung zur Igor, zum anderen sein Schachtalent entdeckt.
Jahre später, Anton und Igor sind längst zurück in der Ukraine, macht sich Simon, einst Kind in der Familie, bei denen die beiden in Deutschland unterkamen, auf die Suche nach deren Verbleib.
Die Aufmachung des Romans ist originell. Photos und vermeintlich offizielle Dokumente verbürgen eine Wahrhaftigkeit der Geschichte, die allerdings der Recherche nicht standhält. Formal vermischen sich verschiedene Erzählebenen mit eingestreuten Dramenszenen, was den Leser bisweilen dazu zwingt, sich neu zu orientieren. Wer spricht? Auf welcher zeitlichen Ebene und wo befinden wir uns gerade in der Geschichte? Dementsprechend changiert der Plot zwischen dokumentarischem Drama, Erzählung, Kriminalroman und Mysterie. Bis zum Schluss fragt sich der Leser, kann das wahr sein? Wie lassen sich die Phänomene erklären: psychologisch, paranormal? Oder ist alles ein großes Fake?
Die Verfolgungsjagd auf den Spuren von Anton und die Suche nach Antworten, die die Vorgänge in irgendeiner Form rational erklärbar machen, fand ich noch ganz spannend. Aber immer mehr dreht der Roman ab, wird sehr merkwürdig und lässt mich mit der Frage zurück: Was soll das alles, die für mich eine gewisse Vergeblichkeit des Lesens impliziert.

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Veröffentlicht am 10.09.2022

Wer Sex in the CIty mag

Der schönste Zufall meines Lebens
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Penny hatte Brustkrebs, kann keine Kinder mehr kriegen und fühlt sich unwert, geliebt zu werden. Als sie das Restaurant ihres Onkels übernehmen muss, hat sie jedoch gleich drei Männer am Start. Alles nur ...

Penny hatte Brustkrebs, kann keine Kinder mehr kriegen und fühlt sich unwert, geliebt zu werden. Als sie das Restaurant ihres Onkels übernehmen muss, hat sie jedoch gleich drei Männer am Start. Alles nur Affären oder auch was Längerfristiges dabei?
Das Buch ist einfach nicht meins. Ich habe es gelesen, weil die Autorin sich selbst als jemand betitelt, der zynische Liebesgeschichten schreibt. Das fand ich interessant und erfrischend. Also mal nicht die typische 08/15-Liebeskomödie mit Verwicklung, selbstzerfleischenden inneren Monologen à la „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ und Happy-End. Aber leider fehlt der Zynismus oder ich hab ihn nicht gefunden. Und so bleibt es wieder einmal beid er 08/15 Liebeskomödie mit … Man hätte es bei dem Titel eigentlich schon ahnen können.
Im Nachwort schreibt die Autorin, sie wolle „emotional reife Männer“ beschreiben. Das ist ihr auch gelungen. Die Männerfiguren sind angesichts der völlig überdrehten und emotional unreifen weiblichen Hauptfigur bewundernswert emphatisch, gelassen, großzügig und entspannt. So kann man denn auch nur aus vollem Herzen zustimmen, wenn einer von ihnen es auf den Punkt bringt und zu Penny sagt, sie solle endlich aus der Opferrolle kommen und erwachsen werden.
Es ist schwierig, einen Roman zu rezensieren, der den eigenen Geschmack nicht trifft. Ich denke, Fans von „Sex and the City“ oder Liebeskomödien mit Verwicklung, selbstzerfleischenden inneren Monologen à la „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ und Happy-End kommen hier voll auf ihre Kosten.

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Veröffentlicht am 10.01.2022

Gute Idee, Umsetzung nicht immer meins

Abschied von der Heimat
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Die Geschichte von Erika, die mit fünf Jahren zur Tante nach Böhmen verschickt wird, um der Hungersnot im Rheinland zu entgehen, und die dann als Backfisch nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wieder ...

Die Geschichte von Erika, die mit fünf Jahren zur Tante nach Böhmen verschickt wird, um der Hungersnot im Rheinland zu entgehen, und die dann als Backfisch nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wieder ihre neue Heimat verlassen muss mit Nichts als dem, was sie am Leib trägt, um in eine ungewisse Zukunft zu gehen, hat eigentlich ein spannendes Thema und spielt zu einer dramatischen Zeit. Auch nimmt die Handlung immer wieder Wendungen, lässt immer wieder neue interessante Figuren Erikas Weg kreuzen und schickt Erika an immer neue Orte und Stationen ihres Lebens, dass der Roman eigentlich hätte ein Selbstläufer werden müssen.
Mich stören aber die Psychologie der Figuren, die ich entweder zu übertrieben psychopathisch böse finde - wie Coele, erst Freund, dann Widersacher Erikas - oder verbittert - wie Erikas Tante, die Erika ganz für sich will - oder zu naiv-idealistisch - wie Erika selbst, die sich in jeden Mann verliebt, der ihr über den Weg läuft und dafür einmal zur Widerstandskämpferin wird, dann zur verständnisvoll-wartenden beinahe Ehefrau eines deutschen Offiziers zur See, die Verständnis und sogar auch Bewunderung für dessen Einsatz für das Vaterland und Durchhaltewillen, und zum Schluss zum Ami-Liebchen. Das ist doch etwas viel hin und her.
Auch der Sprachstil ist bisweilen für meinen Geschmack zu gefühlsschwanger und von total überzogener Metaphorik.
Mich, die ich eigentlich für diese Zeit, für dieses Thema und für diese Art von Roman, nämlich Frauen- und Familienroman in Serie, brenne, stört das. Genau dazu gibt es viele lohnendere Alternativen.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Man muss wohl dran glauben

Der Raum dazwischen
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Ich bin schon sehr skeptisch an dieses Buch herangegangen, habe aber versucht, mit vorurteilsfrei auf etwas Neues einzulassen. Allerdings ist es mir schwer gefallen.
Ich hatte mir auch eher ein Buch vorgestellt, ...

Ich bin schon sehr skeptisch an dieses Buch herangegangen, habe aber versucht, mit vorurteilsfrei auf etwas Neues einzulassen. Allerdings ist es mir schwer gefallen.
Ich hatte mir auch eher ein Buch vorgestellt, in dem es allgemein um „Tierkommunikation“, so der Untertitel, geht. In dem Buch „Der Raum dazwischen“ beschreibt Catherin Seib allerdings eher ihren eigenen Weg mit ihren Pferden, wie sie mit ihnen spricht, welche Entscheidungen sie aufgrund dessen für sich und ihre drei Tiere fällt. Dabei geht es oft sehr persönlich und emotional zu, Traumata werden angedeutet, große Gefühlsdramen entfaltet.
Catherin Seib ist Tierkommunikatorin und entschied sich, ihr Leben in Deutschland hinter sich zu lassen und mit ihren drei Pferden, zwei Hunden und Lebensgefährten nach Costa Rica auszuwandern, weil sie in Deutschland das richtige Leben im falschen führte.
Dabei waren ihre Pferde ihre Wegweiser, sie sieht sich mit ihnen in einem besonderen „Raum dazwischen“ verbunden, in denen ihre Pferde ihre Leiden durchleben und ihr das, was in ihrem Leben falsch oder richtig läuft, durch Krankheit oder Wohlbefinden zurückspiegeln würden.
Das Pferde sehr sensibel Stimmungen „ihrer“ Menschen aufnehmen und spiegeln, ist nichts Neues, dass man mit ihnen wie auf wundersame Art kommunizieren kann, eine umwerfende Erfahrung.
Aber dass man mit ihnen wie in Menschensprache kommunizieren kann, dass sie eine Vorstellung von Lebensplanung und Traumabewältigung haben, dass man sogar mit toten oder noch nicht geborenen Tieren sprechen kann, die einem genau sagen, wie das Leben nach dem Tod ist, die einen in Träumen aufsuchen, um einem mitzuteilen, dass sie zu einem wollen, das klingt doch etwas sehr unglaubwürdig. Mehr als fragwürdig wird es dann, wenn man bei schweren Krankheiten der Pferde mehr auf eine vermeintliche Pferdestimme hört, als auf Tierärzte und die Krankheit dann umdeutet als einen Ausdruck des eigenen psychischen Leidens. Als erlebe das Pferd stellvertretend psychosomatische Leiden. Die Autorin muss davon zweifelsfrei ausgehen, so freimütig, wie sie schildert, dass ihre Stute über Monate hinweg mit offenen Hufen aufgrund einer Rehe, die dann aber doch keine sein soll, leidet, aber keine Behandlung wünsche und es selbst auch nicht für Rehe halte. Oder wenn sie beschreibt, wie ihr 26jährige Wallache am Ende immer wieder aufgrund von Schwäche hinfällt und sich dabei sogar im Stacheldraht – wer bitte hält seine Pferde hinter Stacheldraht? - verletzt, aber das nicht als schmerzhaft empfinde und noch nicht erlöst werden wolle, weil er noch eine Aufgabe zu erledigen habe – bei der es dann natürlich wieder um das Seelenheil der Besitzerin geht.
Ja, es gibt sicherlich Krankheiten, bei denen die Schulmedizin am Ende ist, und es ist richtig und wichtig, dass man sich die Zeit und die Ruhe nimmt, auf die feinen Signale der Pferde zu hören, und ihnen ihren eigenen Willen zugesteht. Und auch die Frage nach dem würdevollen Ende eines kranken, leidenden Tieres ist keine einfache, da sich der Mensch zum Richter über Leben und Tod aufschwingt und sich niemand frei machen kann davon, dass seine eigenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten ein solches Urteil beeinflussen. Ich finde es auch wichtig, dass es Menschen gibt, die „der Stimme“ der Pferde Ausdruck verleihen und ihr Gehör verschaffen. Aber die Art und Weise, wie das in diesem Buch geschieht, kann ich nicht zum Schluss hin immer weniger nachvollziehen.

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