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Veröffentlicht am 31.03.2025

Heilsames hinter der Fassade

Die verborgene Erinnerung
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Michaela Abreschs Roman "Die verborgene Erinnerung" ist ein beeindruckendes Werk, das Leserin von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann zieht. Die Autorin entführt uns auf die schwedische Insel ...

Michaela Abreschs Roman "Die verborgene Erinnerung" ist ein beeindruckendes Werk, das Leserin von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann zieht. Die Autorin entführt uns auf die schwedische Insel Gotland und lässt uns eintauchen in eine Welt voller Geheimnisse, Emotionen und menschlicher Schicksale. Besonders hervorzuheben sind die sympathischen Protagonistinnen Mella und Siri, deren Lebensgeschichten sich auf faszinierende Weise miteinander verweben. Abresch gelingt es, ihren Figuren mit großem Feingefühl zu begegnen und ihre individuellen Schicksale einfühlsam zu beleuchten. Die Charaktere sind vielschichtig und authentisch gezeichnet, sodass die Leserin schnell eine emotionale Verbindung zu ihnen aufbaut. Die Intensität, mit der die Autorin die Insel Gotland beschreibt, ist bemerkenswert. Die raue Schönheit der Landschaft, ihre Architektur und die einzigartige Atmosphäre der Insel werden so lebendig dargestellt, dass man sich als Leser direkt dorthin versetzt fühlt. Abresch zeigt dabei eine tiefe Wertschätzung für das Alte, Traditionelle und Überkommene, das die Insel prägt und ihren besonderen Charme ausmacht. Ein weiterer Aspekt, der in diesem Roman besonders positiv auffällt, ist der respektvolle Umgang der Figuren untereinander. Die Charaktere lassen ihren Mitmenschen den Freiraum, sich selbst zu entfalten und zwingen niemanden zu etwas, das ihm schaden könnte. Diese Haltung zeugt von großer menschlicher Reife und verleiht dem Roman eine zusätzliche Tiefe. Der Spannungsbogen des Buches ist äußerst gelungen. Abresch versteht es, die Geheimnisse der Vergangenheit nach und nach zu enthüllen und dabei die Spannung kontinuierlich zu steigern. Die geschickte Verknüpfung der verschiedenen Handlungsstränge hält den Leser bis zum Schluss in Atem. "Die verborgene Erinnerung" lehrt uns, hinter die Fassaden zu blicken - sowohl bei Lebensgeschichten anderer als auch bei der Selbstwahrnehmungen. Die Autorin zeigt eindrucksvoll, dass hinter verwundeten und vernarbten Fassaden Heilung und Versöhnung möglich sind. Diese Botschaft der Hoffnung verleiht dem Roman eine besondere Strahlkraft. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Michaela Abresch mit "Die verborgene Erinnerung" ein bewegendes und tiefgründiges Werk geschaffen hat, das weit mehr ist als nur ein Familiengeheimnis-Roman. Es ist eine einfühlsame Studie menschlicher Beziehungen, eine Hommage an die Kraft der Versöhnung und eine liebevolle Darstellung der schwedischen Inselwelt. Ein absolut lesenswertes Buch, das noch lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

So wichtig

Das Parlament der Tiere
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Dieses Buch ist einfach der Hammer und sollte in jedem Kindergarten und in jeder Grundschulklasse vorhanden sein - in jeder aufrechten Familie sowieso!
Es ist absolut kindgerecht erzählt und die Erwachsenen ...

Dieses Buch ist einfach der Hammer und sollte in jedem Kindergarten und in jeder Grundschulklasse vorhanden sein - in jeder aufrechten Familie sowieso!
Es ist absolut kindgerecht erzählt und die Erwachsenen lernen auch noch etwas dazu. Die Geschichte regt zum Diskutieren und Erzählen an - genau so wie wir es für eine aufrichtige Demokratiebildung benötigen. Es werden auch nicht Herausforderungen und Schwierigkeiten verschwiegen - genau so, wie es in der politischen Realität ist. Am Ende zählen Kompromissfähigkeit und Freundschaft!
Auch zum Selberlesen ab der 2. Klasse geeignet.
Absolute Empfehlung!

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Veröffentlicht am 18.11.2024

Ein absolut wichtiges Buch

Was wir nicht kommen sahen
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Das Buch erzählt sehr gelungen das Drama um eine junge Videogamerin, die das Cybermobbing in den Suizid treibt. Wir lernen neben ihrer eigenen Perspektive auch die der Eltern, der Freundin und – besonders ...


Das Buch erzählt sehr gelungen das Drama um eine junge Videogamerin, die das Cybermobbing in den Suizid treibt. Wir lernen neben ihrer eigenen Perspektive auch die der Eltern, der Freundin und – besonders eindrucksvoll – auch die verschiedener digitaler Anonymitäten kennen. Damit gelingt es dem Buch, das komplexe Thema in seiner Vieldimensionalität deutlich zu machen. Man merkt, dass das Buch von einer jungen Autorin geschrieben ist, die sich im Metier auskennt. Nebenbei thematisiert sie auch noch Fragen der Gleichberechtigung und der Frauenbenachteiligung im öffentlichen Diskurs. Das Buch macht eindrucksvoll deutlich, wie wichtig es ist, dass wir uns alle als Gesellschaft mit dem Thema Cybermobbing auseinandersetzen, insbesondere alle, die Kontakt mit Jugendlichen haben (Familie, Schule…). Erschreckend wird deutlich, dass unser Rechtssystem und auch unser Bildungssystem in keiner Weise auf dieses ja nicht ganz neue Phänomen vorbereitet ist und so beide letztlich den Opfern keinerlei Schutz bieten. Ich halte das Buch deshalb für eine Pflichtlektüre für alle Lehrerinnen und Lehrer und alle Eltern von Jugendlichen. Auch erzählerisch und sprachlich ist es sehr gelungen.

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Veröffentlicht am 14.08.2023

unglaublich sensibel

Sterne über Berlin
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Unglaublich sensibel
Ja, es sind viele Zufälle, die die beiden Künstler Indie und Rene zusammenführen und immer wieder einander näher bringen, aber die realistische Beschreibung ihrer Biographien hält ...

Unglaublich sensibel
Ja, es sind viele Zufälle, die die beiden Künstler Indie und Rene zusammenführen und immer wieder einander näher bringen, aber die realistische Beschreibung ihrer Biographien hält die Geschichte weit von jeglichem Kitsch fern. Trotzdem ist sie unglaublich schön erzählt. Durch die Lichtkunst Indies entstehen immer wieder ganz zauberhaft beschriebene Momente, sei es ein großes Hochzeitsfest oder der kurze Moment beim Zubettbringen eines Kindes. Diese zart modulierten Momente ziehen sich durch das ganze Buch hindurch. Mit großer Detailkunst wird uns die liebenswerte Hausgemeinschaft vorgestellt, die ganz wesentlich zu Indies und Renes Glück hinzugehört. In aller ehrlichen Dramatik wird uns das Zerstörerische Element des Krieges vor Augen geführt. Da es der Autorin aber gelang, immer wieder Hoffnungslichter einzubauen, bleibt es nicht bei diesem Schrecken stehen. Daneben stehen immer wieder sehr zärtliche Momente des Aufeinander Acht Gebens und der Rücksicht. Ganz sachte Vorsicht bestimmt die Begegnung der beiden und ihre Bewegung aufeinander zu. Ein wunderschönes Buch, das nichts beschönigt und doch den Blick auf das Licht lenkt.

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Veröffentlicht am 10.10.2022

Unbedingt zu lesen

Élises Geheimnis
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Unbedingt zu lesen!
Elises Geheimnis ist ein grandios geschriebener Roman über die wahrscheinlich prägendsten Jahre des Vergangenen Jahrhunderts: Wir lernen eine Pariser Familie in der Kriegszeit kennen, ...

Unbedingt zu lesen!
Elises Geheimnis ist ein grandios geschriebener Roman über die wahrscheinlich prägendsten Jahre des Vergangenen Jahrhunderts: Wir lernen eine Pariser Familie in der Kriegszeit kennen, deren Vater schon längst eingezogen wurde, während die beiden Töchter versuchen, trotz aller Einschränkungen durch die Nazi-Herrschaft in ihrer Stadt ihr Leben zu meistern. Sie manövrieren sich zwischen Ablenkung, Essensbeschaffung, Widerstand und Fügung hindurch und man staunt, welch Widerstandsfähigkeit die Menschen damals an den Tag legten.
Als die älteste Tochter Elise einen deutschen Soldaten kennenlernt entspinnt sich eine intensive Auseinandersetzung mit Schuldfragen, Vorurteilen und um die Frage, wie viel Menschsein in einer Diktatur verloren gehen kann. Den wenigen romantischen Momenten stehen Erlebnisse der Brutalität und des Grauens entgegen.
Ein zweiter Strang wird aus den 60er Jahren erzählt. Elise und ihre Tochter finden wir einsam in der Bretagne wieder. Zurückgezogen und irgendwie nicht über die Vergangenheit hinweggekommen. Beide Geschichten sind eng miteinander verflochten und oft vergisst man, dass zwischen ihnen keine 20 Jahre liegen.
Der Autorin gelingt es ganz wunderbar, feinsinnige Menschen zu zeichnen. Sie widersetzt sich dem Streben, jeden Charakter und jedes Tun nur in Schwarz/Weiß bzw. gut/böse zu verorten. Facettenreich wie das Leben lernen wir grübelnde, widerständige und zweifelnde, aber auch gehorsame und sich fügende Menschen kennen, die eigentlich alle nur ihr Lebensglück suchen und gerade darin von der Nazidiktatur und ihrem Grauen brutal gehindert werden.
Ein unbedingt lesenswertes Buch, weil es uns viel lehrt: Über die jungen Männer, die von den Nazis zu Mitläufern gemacht wurden, über die EinwohnerInnen der besetzten Städte, über die psychische und physische Zerstörung des Krieges, über die ebenso grausamen Vergeltungs- und Racheversuche nach der deutschen Kapitulation und über die Frage, was am Ende wirklich bleibt. Feinfühlig geschrieben und gut leserlich geschrieben. Ein Meisterwerk!

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