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Veröffentlicht am 06.01.2023

Eine Protagonistin, die ihren eigenen Wahrnehmungen nicht traut

NIGHT – Nacht der Angst
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Die Studentin Charlie beschließt nach dem Mord an ihrer Mitbewohnerin und besten Freundin Maddy ihr Studium abzubrechen. Aus diesem Grund sucht sie eine Mitfahrgelegenheit in ihren Heimatort. Sie hat Glück: ...

Die Studentin Charlie beschließt nach dem Mord an ihrer Mitbewohnerin und besten Freundin Maddy ihr Studium abzubrechen. Aus diesem Grund sucht sie eine Mitfahrgelegenheit in ihren Heimatort. Sie hat Glück: am schwarzen Brett der Uni wird sie fündig. Ein anderer Student, Josh, fährt in diese Richtung und kann sie unterwegs absetzen. Dass der Studienabbruch wahrscheinlich das Ende ihrer Beziehung zu Robbie, dem gutaussehenden Sportler und Mathestudenten sein wird, ist ihr klar und sie nimmt es in Kauf.
Maddy war das dritte Opfer des sogenannten Campus-Killers. Ganz wohl ist es Charlie daher nicht, mit einem wildfremden Mann stundenlang auf engstem Raum durch die Nacht zu fahren. Während der Fahrt benimmt sich Josh äußerst verdächtig und in Charlie wächst die Angst, dass sie ausgerechnet beim Campus-Killer eingestiegen und sein nächstes Opfer sein könnte.
An dieser Stelle im Buch fängt die Geschichte an, äußert seltsam zu werden. Charlie erlebt eine beängstigende Situation wie aus einem Horrorfilm, doch dann stellt sich heraus, dass sich alles nur in ihrem Kopf abgespielt hat. Anscheinend passiert ihr das öfters, sie nennt es „Filme im Kopf“. Ich mag solch irreführende Szenen schon in Filmen nicht – ein tot geglaubter Mörder, der plötzlich wieder quicklebendig ist und so mordlustig wie eh und je, nur um gleich darauf festzustellen, dass sich alles nur im Traum des Protagonisten abspielte. In Büchern mag ich solch irreführende Szenen noch viel weniger. In diesem Thriller passiert es ständig. Charlie traut ihren eigenen Wahrnehmungen nicht, woher soll dann der Leser wissen, was Realität und was Fantasie ist?
Das Buch beginnt realistisch und ist durchaus spannend geschrieben, aber mit der Zeit sind viele Szenen wenig glaubhaft und total konstruiert. Die letzten Seiten haben mich ein wenig mit der haarsträubenden Geschichte versöhnt, weshalb ich drei anstatt zwei Sterne vergebe.

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Veröffentlicht am 11.10.2022

Historisch interessant, aber dünne Story

Moonlight und die Tochter des Perlenfischers
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Die Geschichte spielt in Westaustralien Ende des 19. Jahrhunderts. Familie Brightwell ist aus England nach Australien ausgewandert, da sie hoffen, mit Perlenfischen ihr Glück zu machen. Tatsächlich hat ...

Die Geschichte spielt in Westaustralien Ende des 19. Jahrhunderts. Familie Brightwell ist aus England nach Australien ausgewandert, da sie hoffen, mit Perlenfischen ihr Glück zu machen. Tatsächlich hat sich Charles Brightwell nach zehn Jahren in Bannin Bay einen guten Namen als Perlenfischer gemacht. Er ist erfolgreich und behandelt seine Taucher gut, was ganz und gar nicht die Regel ist. Tatsächlich wird die indigene Bevölkerung durch die Einwanderer ausgenutzt und äußerst schlecht behandelt.
Als Charles eines Tages nicht vom Fischen zurückkommt, gehen alle davon aus, dass er tot ist. Alle bis auf seine Tochter Eliza, die losziehen will, um ihn zu suchen. Die Tatsache, dass ein anderer Mann am gleichen Tag von einem anderen Schiff verschwunden ist, genügt ihr, um einen Zusammenhang zu sehen. Eliza lernt einen deutschen Abenteurer kennen, der ihr bei ihrer Suche behilflich sein will. Sie bekommen ein Boot geschenkt (!) und machen sich auf die gefährliche Suche.
Was mir an diesem Buch gefallen hat, sind die Schilderungen der Flora und Fauna, die historischen Hintergründe der Perlenfischerei sowie die Lebensumstände der Menschen zu dieser Zeit. Weniger gut gefallen hat mir die Story selbst. Der Grund, der für das Verschwinden von Charles Brightwell angegeben wird, ist einfach nur lachhaft. Auch das Geheimnis, das den Schiffsjungen Quill umgibt, fand ich an den Haaren herbeigezogen. Nie im Leben hätte er jahrelang auf diversen Booten anheuern können, ohne dass sein Geheimnis aufgeflogen wäre!
Gegen Ende des Buchs kommt endlich etwas Spannung auf, doch die Auflösung fand ich auch nicht zufriedenstellend. Ein Buch mit anschaulichen Schilderungen und interessanten Einblicken, doch leider mit ziemlich schwacher Story.

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Veröffentlicht am 05.10.2022

Amerikanische Werte über alles

Unsre verschwundenen Herzen
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Die USA in nicht allzu ferner Zukunft: die Nationalisten haben endgültig das Ruder übernommen. Wichtigstes Gesetz im Land ist PACT, Preserving American Culture and Traditions, mit dem der hohe Stellenwert ...

Die USA in nicht allzu ferner Zukunft: die Nationalisten haben endgültig das Ruder übernommen. Wichtigstes Gesetz im Land ist PACT, Preserving American Culture and Traditions, mit dem der hohe Stellenwert amerikanischer Werte und Traditionen über alles gestellt wird. Xenophobie gehört zur Tagesordnung, vor allem Chinesen und chinesischstämmige Amerikaner sind die Hassobjekte der Bevölkerung. Einen Chinesen auf offener Straße ohne Anlass zu verprügeln, gehört zur Tagesordnung und wird nicht geahndet. Wie konnte es so weit kommen? Vor Jahren wurden die USA von einer heftigen Krise gebeutelt. Die Menschen verloren ihre Arbeitsplätze und konnten sich Miete und Lebensmittel nicht mehr leisten. Als Grund dafür wurde die florierende Wirtschaft Chinas ausgemacht, die die amerikanische Wirtschaft zerstörte. Unamerikanische Einflüsse sollten ausgemerzt werden, unter anderem durch die Verbannung von Büchern. Familien, in denen nach Ansicht der Behörden die Kinder einem unamerikanischen Einfluss ausgesetzt sind, werden die Kinder weggenommen und in Pflegefamilien gesteckt.
Auch der 9jährige Bird läuft Gefahr, aus seiner Familie weggeholt zu werden. Seine chinesischstämmige Mutter hat vor Jahren einen Gedichtband veröffentlicht, aus dem eine Zeile zum Slogan der PACT-Gegnern wurde. Margaret Miu, die sich nie etwas hat zuschulden kommen lassen, gilt fortan als Rebellin. Um ihren Sohn nicht in Gefahr zu bringen, verlässt Margaret die Familie und lebt im Untergrund, wo sie nach allem, was ihr passiert ist, tatsächlich damit beginnt, gegen PACT zu kämpfen.
Nach Jahren ohne seine Mutter erhält Bird ein Lebenszeichen von ihr und beschließt, sie zu suchen.
Bis zu diesem Punkt im Buch fand ich die Geschichte spannend und nachvollziehbar. Doch dann folgt ein fürchterlich zäher, mit Metaphern überfrachteter Mittelteil, in der in äußerst poetischer Sprache, die oft schon die Schwelle zum Kitsch überschreitet, zwar die Zusammenhänge klarer werden, jedoch nicht sehr viel passiert. Ohne zu viel von der Handlung preiszugeben, kann ich nur sagen, dass das Ende des Buchs für mich keinen Sinn ergibt. So kann zum Beispiel eine Person in diesem Land, in dem jeder jeden bespitzelt, unbehelligt und unbeobachtet in einer auffälligen Limousine durch die Gegend fahren, ohne von irgendwelchen Verkehrsüberwachungskameras erfasst zu werden.
Die Idee für dieses Buch gefällt mir gut, zumal es ja genügend Beispiele auf der ganzen Welt gibt, in denen Kinder aus religiösen oder ideologischen Gründen ihren Familien weggenommen wurden. Doch die Umsetzung lässt meiner Meinung nach zu wünschen übrig. Die ersten beiden Bücher der Autorin haben mich begeistert und meine Erwartungshaltung war dementsprechend hoch. Leider fand ich dieses Buch jedoch ziemlich enttäuschend.

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Veröffentlicht am 18.09.2022

Verwirrend

Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
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Die Geschichte beginnt im Jahre 1898. Joe Tournier steigt aus einem aus Glasgow kommenden Zug aus. Er befindet sich in London, doch seltsamerweise wird dort Französisch statt Englisch gesprochen und der ...

Die Geschichte beginnt im Jahre 1898. Joe Tournier steigt aus einem aus Glasgow kommenden Zug aus. Er befindet sich in London, doch seltsamerweise wird dort Französisch statt Englisch gesprochen und der Bahnhof heißt Gare du Roi. Joe hat sein Gedächtnis verloren, alles erscheint ihm falsch. Ein wohlmeinender Mitreisender bringt ihn in eine psychiatrische Einrichtung, wo bei Joe Epilepsie diagnostiziert wird. Angeblich ist diese oft mit Gedächtnisverlust verbunden und tritt zu dieser Zeit recht häufig auf. Nach einiger Zeit meldet sich ein Mann in der Einrichtung, bei dem Joe angeblich seit langer Zeit als Leibeigener lebt. Mit dabei ist Alice, Joes Ehefrau, an die er sich jedoch ebenfalls nicht erinnert.
Dieser Einstieg in die Geschichte ist sehr spannend und mysteriös. Ganz rätselhaft wird es, als Joe eine Postkarte erhält, die vor 90 Jahren an ihn abgeschickt wurde und die einen Leuchtturm in Schottland zeigt. Der Text fordert Joe auf, nach Hause zurückzukehren, wenn er sich erinnert. Daraufhin setzt Joe alles daran, zu diesem Leuchtturm zu gelangen. Wer weiß, vielleicht erinnert er sich dort an sein früheres Leben?
Die Idee zu dieser Geschichte gefällt mir sehr gut. Allerdings war die Umsetzung ausgesprochen verwirrend. Die ständigen Zeitsprünge und Schauplatzwechsel - Londres 1898, Southampton 1997, Edinburgh 1807, Cadiz 1777 usw. – machen das Lesen schwierig und ich hatte große Mühe, den Faden nicht zu verlieren. Manchmal wusste ich nicht mehr, was ist historisch belegt und was Fantasie. Durch Zeitreisen reisten manche Protagonisten in der Zeit hin und her, wobei sie in jeder Zeit einen anderen Namen und ein völlig anderes Leben hatten. Ich kann nicht behaupten, dass mir die Auflösung schlüssig erschien, manche Ereignisse wurden für meine Begriffe nur unzureichend erklärt und ich hatte keine Ahnung, welche Bedeutung sie für die Geschichte hatten. Trotz des spannenden Beginns war ich am Schluss einfach nur froh, als ich das Buch fertiggelesen hatte.
Positiv hervorheben möchte ich allerdings noch die wunderschöne Covergestaltung und die hervorragende Übersetzung.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Viel Lärm um nichts

Kein Sommer ohne dich
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Poppy und Alex lernen sich im College kennen. Obwohl sie vollkommen unterschiedliche Charaktere sind – Poppy verrückt, extrovertiert, witzig, Alex sehr korrekt und eher ein ernster Typ – fühlen sie sich ...

Poppy und Alex lernen sich im College kennen. Obwohl sie vollkommen unterschiedliche Charaktere sind – Poppy verrückt, extrovertiert, witzig, Alex sehr korrekt und eher ein ernster Typ – fühlen sie sich wohl in der Gegenwart des anderen und beschließen, zusammen Urlaub zu machen. Daraus entwickelt sich eine Tradition. Jedes Jahr fahren die beiden miteinander in Urlaub. Hilfreich ist dabei, dass Poppy einen Job bei einem Reisemagazin ergattert und die Urlaube als Recherche für Artikel bezahlt kriegt.
Der Roman spielt einerseits in der Jetztzeit, andererseits gibt es Rückblicke auf die Urlaube der vergangenen zehn Jahre. Gleich zu Beginn erfährt man, dass vor zwei Jahren, während eines Kroatienurlaubs, etwas passiert ist, was zu einer zweijährigen Funkstille zwischen den beiden führte. Leider muss man als Leser mehr als 300 Seiten hinter sich bringen, bis man endlich erfährt, was damals vorgefallen ist. Der Grund stellt sich dann allerdings als so eine Lappalie heraus, dass es mir schwer fällt zu glauben, dass zwei erwachsene Menschen daraufhin jahrelang den Kontakt zueinander meiden!
Poppy vermisst Alex sehr und nimmt nach zwei langen Jahren Kontakt zu ihm auf. Sie will erneut mit ihm in Urlaub fahren, allerdings einen Urlaub wie in den Anfangsjahren verbringen: Low Budget anstatt Luxusresorts.
Der Anfang dieses Buchs hat mir gut gefallen. Es gibt jede Menge witzige Situationen und Dialoge, die mich zum Lachen gebracht haben. Doch nach einem Drittel des Buchs fing ich an, mich zu langweilen. Wenn Alex zum zehnten Mal seinen „trauriger Welpe Blick“ aufsetzt und sich Poppy „quietschend vor Lachen“ auf dem Boden rollt, nervt es nur noch. Im übrigen lässt die Übersetzung auch des öfteren zu wünschen übrig, so manches wäre im englischen Original wahrscheinlich sehr viel witziger.
Die vielen Rückblicke auf vergangene Urlaube sind auch nicht wirklich hilfreich. Man erfährt zwar, wie sich die Beziehung der beiden entwickelt (als Leserin sieht man übrigens von Anfang an, dass die beiden total gut zueinander passen und da mehr als Freundschaft ist, die einzigen, die das nicht kapieren, sind Poppy und Alex selbst), aber eigentlich ist es völlig egal, wann und in welchem Land sie gerade sind, mich hätte vielmehr interessiert, wie es in der Jetztzeit mit dem beiden weitergeht. Bis es so weit ist, braucht man allerdings viel Geduld. Das Buch ist unendlich in die Länge gezogen, am Schluss kommt es noch zu einem künstlich aufgebauschten und völlig überflüssigen Drama. Es ist für mich schwer nachzuvollziehen, dass dieses Buch ein Nr. 1 New York Times Bestseller sein soll. Es ist eine locker-leichte Urlaubslektüre mit vielen Längen. Ich vergebe 3 Sterne, weil mich der Anfang noch gut unterhalten hat.

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