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Veröffentlicht am 23.04.2023

Rückblick auf ein Leben innerhalb einer Sekunde

Die Sekunde zwischen dir und mir
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Jenn und Robbie scheinen das perfekte Paar zu sein, doch dann passierte etwas, was Jenn dazu veranlasst, Schottland von heute auf morgen zu verlassen und auf Reisen zu gehen, was für die junge, pflichtbewusste ...

Jenn und Robbie scheinen das perfekte Paar zu sein, doch dann passierte etwas, was Jenn dazu veranlasst, Schottland von heute auf morgen zu verlassen und auf Reisen zu gehen, was für die junge, pflichtbewusste Ärztin äußerst untypisch ist. Nach acht Monaten kehrt sie zurück. Eigentlich wollte sie nicht mehr mit Robbie zusammenkommen, doch die Anziehung ist immer noch da. Nach einer gemeinsamen Nacht sitzen sie zusammen im Auto. Plötzlich rast ein LKW auf sie zu, ein Entkommen scheint unmöglich. In diesem Moment hat Jenn eine Nahtoderfahrung: ihr Leben läuft wie ein Film vor ihrem inneren Auge ab. Dabei springen ihre Erinnerungen in der Zeit hin und her, was am Anfang sehr verwirrend ist.
So weit, so gut. Allerdings wird es jetzt wirklich seltsam, denn nicht nur Jenn sieht ihre Erinnerungen, sondern Robbie ist als stiller Gast in den Erinnerungen zugegen. Er spürt Jenns Gefühle: Freude, Kummer, Enttäuschung, die Liebe, die in den frühen Tagen ihrer Beziehung zwischen ihnen herrschte. Kurz vor der LKW auftauchte, wollte Jenn ihm etwas Wichtiges sagen, doch es kam nicht mehr dazu. Robbie ist sicher, wenn er herausfinden kann, um was es sich handelt, kann er den Unfall abwenden. Wie er auf diese Idee kommt und vor allem, wie er dadurch den Unfall verhindern will, war mir bis zum Schluss nicht klar. Sehr seltsam ist außerdem, dass Robbie sich sozusagen als Geist in Jenns Erinnerungen bewegt, er kann mit ihr sprechen, sie anfassen, er kann Dinge bewegen und eine Botschaft in den Sand schreiben, doch er ist unsichtbar.
Eigentlich ist die Geschichte gut erzählt und den Ansatz, eine Beziehung in Rückblicken zu erzählen, fand ich auch nicht schlecht. Allerdings ergibt es für mich absolut keinen Sinn, dass Jenn in der Sekunde zwischen dem Auftauchen des LKWs und dem Aufprall 400 Seiten an Erinnerungen sehen soll, darunter auch ziemlich unwichtige Situationen.
Alles in allem ist „Die Sekunde zwischen dir und mir“ kein schlechtes Buch, doch man darf nicht nach Logik fragen, und die vielen Wiederholungen und Beschreibungen von Alltagssituationen machen die Geschichte vor allem gegen Ende mühsam zu lesen. Es ist eines jener Bücher, die man zwischendurch mal lesen kann, die aber, zumindest bei mir, keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

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Veröffentlicht am 06.02.2023

Spannung in homöopathischen Dosen

Verschwiegen
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Die Polizistin Elma kehrt nach einigen Jahren in Reykjavik wieder in ihre Geburtsstadt Akranes zurück. Die beschauliche Kleinstadt ist nicht gerade eine Hochburg des Verbrechens und die Polizei hat höchstens ...

Die Polizistin Elma kehrt nach einigen Jahren in Reykjavik wieder in ihre Geburtsstadt Akranes zurück. Die beschauliche Kleinstadt ist nicht gerade eine Hochburg des Verbrechens und die Polizei hat höchstens mit Kleinkriminellen zu tun. Doch dann wird eine Tote am alten Leuchtturm des Orts aufgefunden, die offensichtlich ermordet wurde. Aufgrund einer Vermisstenanzeige kann die Tote identifiziert werden. Auch sie wuchs in Akranes auf, hatte jedoch eine schwierige Kindheit mit einer Alkoholikerin als Mutter. Mittlerweile lebte sie mit Mann und Kindern in Reykjavik. Was hat sie also bewogen, jetzt nach Akranes zurückzukehren und warum tat sie das heimlich, ohne das Wissen ihres Ehemanns?

Stück für Stück finden Elma und ihr Kollege Saelva mehr über die Vergangenheit der toten Beta und ihr damaliges Umfeld heraus, auch wenn es scheint, als ob mancher Bewohner von Akranes mehr weiß, als er sagen will.

Die Geschichte hörte sich spannend an, aber leider sucht man Spannung so gut wie vergebens. Die vielen Nebenschauplätze mit unzähligen Personen, die im Endeffekt nichts zu der Geschichte oder der Aufklärung des Verbrechens beitragen, machten die Lektüre mühselig. Über weite Strecken erfahren wir mehr über die Ermittlerin Elma als über den Fall, wobei vieles angedeutet und dem Leser in Salamitechnik präsentiert wird. Was das Rätsel, warum Elma Reykjavik verlassen hat, anbelangt, muss man sich für eine Antwort bis ganz zum Schluss gedulden.

Ich fand diesen ersten Band einer geplanten Trilogie leider ziemlich enttäuschend, von Islands Nummer 1 Bestseller hatte ich mir deutlich mehr versprochen. Ich glaube nicht, dass ich die weiteren Bände lesen werde.

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Veröffentlicht am 06.01.2023

Eine Protagonistin, die ihren eigenen Wahrnehmungen nicht traut

NIGHT – Nacht der Angst
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Die Studentin Charlie beschließt nach dem Mord an ihrer Mitbewohnerin und besten Freundin Maddy ihr Studium abzubrechen. Aus diesem Grund sucht sie eine Mitfahrgelegenheit in ihren Heimatort. Sie hat Glück: ...

Die Studentin Charlie beschließt nach dem Mord an ihrer Mitbewohnerin und besten Freundin Maddy ihr Studium abzubrechen. Aus diesem Grund sucht sie eine Mitfahrgelegenheit in ihren Heimatort. Sie hat Glück: am schwarzen Brett der Uni wird sie fündig. Ein anderer Student, Josh, fährt in diese Richtung und kann sie unterwegs absetzen. Dass der Studienabbruch wahrscheinlich das Ende ihrer Beziehung zu Robbie, dem gutaussehenden Sportler und Mathestudenten sein wird, ist ihr klar und sie nimmt es in Kauf.
Maddy war das dritte Opfer des sogenannten Campus-Killers. Ganz wohl ist es Charlie daher nicht, mit einem wildfremden Mann stundenlang auf engstem Raum durch die Nacht zu fahren. Während der Fahrt benimmt sich Josh äußerst verdächtig und in Charlie wächst die Angst, dass sie ausgerechnet beim Campus-Killer eingestiegen und sein nächstes Opfer sein könnte.
An dieser Stelle im Buch fängt die Geschichte an, äußert seltsam zu werden. Charlie erlebt eine beängstigende Situation wie aus einem Horrorfilm, doch dann stellt sich heraus, dass sich alles nur in ihrem Kopf abgespielt hat. Anscheinend passiert ihr das öfters, sie nennt es „Filme im Kopf“. Ich mag solch irreführende Szenen schon in Filmen nicht – ein tot geglaubter Mörder, der plötzlich wieder quicklebendig ist und so mordlustig wie eh und je, nur um gleich darauf festzustellen, dass sich alles nur im Traum des Protagonisten abspielte. In Büchern mag ich solch irreführende Szenen noch viel weniger. In diesem Thriller passiert es ständig. Charlie traut ihren eigenen Wahrnehmungen nicht, woher soll dann der Leser wissen, was Realität und was Fantasie ist?
Das Buch beginnt realistisch und ist durchaus spannend geschrieben, aber mit der Zeit sind viele Szenen wenig glaubhaft und total konstruiert. Die letzten Seiten haben mich ein wenig mit der haarsträubenden Geschichte versöhnt, weshalb ich drei anstatt zwei Sterne vergebe.

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Veröffentlicht am 11.10.2022

Historisch interessant, aber dünne Story

Moonlight und die Tochter des Perlenfischers
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Die Geschichte spielt in Westaustralien Ende des 19. Jahrhunderts. Familie Brightwell ist aus England nach Australien ausgewandert, da sie hoffen, mit Perlenfischen ihr Glück zu machen. Tatsächlich hat ...

Die Geschichte spielt in Westaustralien Ende des 19. Jahrhunderts. Familie Brightwell ist aus England nach Australien ausgewandert, da sie hoffen, mit Perlenfischen ihr Glück zu machen. Tatsächlich hat sich Charles Brightwell nach zehn Jahren in Bannin Bay einen guten Namen als Perlenfischer gemacht. Er ist erfolgreich und behandelt seine Taucher gut, was ganz und gar nicht die Regel ist. Tatsächlich wird die indigene Bevölkerung durch die Einwanderer ausgenutzt und äußerst schlecht behandelt.
Als Charles eines Tages nicht vom Fischen zurückkommt, gehen alle davon aus, dass er tot ist. Alle bis auf seine Tochter Eliza, die losziehen will, um ihn zu suchen. Die Tatsache, dass ein anderer Mann am gleichen Tag von einem anderen Schiff verschwunden ist, genügt ihr, um einen Zusammenhang zu sehen. Eliza lernt einen deutschen Abenteurer kennen, der ihr bei ihrer Suche behilflich sein will. Sie bekommen ein Boot geschenkt (!) und machen sich auf die gefährliche Suche.
Was mir an diesem Buch gefallen hat, sind die Schilderungen der Flora und Fauna, die historischen Hintergründe der Perlenfischerei sowie die Lebensumstände der Menschen zu dieser Zeit. Weniger gut gefallen hat mir die Story selbst. Der Grund, der für das Verschwinden von Charles Brightwell angegeben wird, ist einfach nur lachhaft. Auch das Geheimnis, das den Schiffsjungen Quill umgibt, fand ich an den Haaren herbeigezogen. Nie im Leben hätte er jahrelang auf diversen Booten anheuern können, ohne dass sein Geheimnis aufgeflogen wäre!
Gegen Ende des Buchs kommt endlich etwas Spannung auf, doch die Auflösung fand ich auch nicht zufriedenstellend. Ein Buch mit anschaulichen Schilderungen und interessanten Einblicken, doch leider mit ziemlich schwacher Story.

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Veröffentlicht am 05.10.2022

Amerikanische Werte über alles

Unsre verschwundenen Herzen
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Die USA in nicht allzu ferner Zukunft: die Nationalisten haben endgültig das Ruder übernommen. Wichtigstes Gesetz im Land ist PACT, Preserving American Culture and Traditions, mit dem der hohe Stellenwert ...

Die USA in nicht allzu ferner Zukunft: die Nationalisten haben endgültig das Ruder übernommen. Wichtigstes Gesetz im Land ist PACT, Preserving American Culture and Traditions, mit dem der hohe Stellenwert amerikanischer Werte und Traditionen über alles gestellt wird. Xenophobie gehört zur Tagesordnung, vor allem Chinesen und chinesischstämmige Amerikaner sind die Hassobjekte der Bevölkerung. Einen Chinesen auf offener Straße ohne Anlass zu verprügeln, gehört zur Tagesordnung und wird nicht geahndet. Wie konnte es so weit kommen? Vor Jahren wurden die USA von einer heftigen Krise gebeutelt. Die Menschen verloren ihre Arbeitsplätze und konnten sich Miete und Lebensmittel nicht mehr leisten. Als Grund dafür wurde die florierende Wirtschaft Chinas ausgemacht, die die amerikanische Wirtschaft zerstörte. Unamerikanische Einflüsse sollten ausgemerzt werden, unter anderem durch die Verbannung von Büchern. Familien, in denen nach Ansicht der Behörden die Kinder einem unamerikanischen Einfluss ausgesetzt sind, werden die Kinder weggenommen und in Pflegefamilien gesteckt.
Auch der 9jährige Bird läuft Gefahr, aus seiner Familie weggeholt zu werden. Seine chinesischstämmige Mutter hat vor Jahren einen Gedichtband veröffentlicht, aus dem eine Zeile zum Slogan der PACT-Gegnern wurde. Margaret Miu, die sich nie etwas hat zuschulden kommen lassen, gilt fortan als Rebellin. Um ihren Sohn nicht in Gefahr zu bringen, verlässt Margaret die Familie und lebt im Untergrund, wo sie nach allem, was ihr passiert ist, tatsächlich damit beginnt, gegen PACT zu kämpfen.
Nach Jahren ohne seine Mutter erhält Bird ein Lebenszeichen von ihr und beschließt, sie zu suchen.
Bis zu diesem Punkt im Buch fand ich die Geschichte spannend und nachvollziehbar. Doch dann folgt ein fürchterlich zäher, mit Metaphern überfrachteter Mittelteil, in der in äußerst poetischer Sprache, die oft schon die Schwelle zum Kitsch überschreitet, zwar die Zusammenhänge klarer werden, jedoch nicht sehr viel passiert. Ohne zu viel von der Handlung preiszugeben, kann ich nur sagen, dass das Ende des Buchs für mich keinen Sinn ergibt. So kann zum Beispiel eine Person in diesem Land, in dem jeder jeden bespitzelt, unbehelligt und unbeobachtet in einer auffälligen Limousine durch die Gegend fahren, ohne von irgendwelchen Verkehrsüberwachungskameras erfasst zu werden.
Die Idee für dieses Buch gefällt mir gut, zumal es ja genügend Beispiele auf der ganzen Welt gibt, in denen Kinder aus religiösen oder ideologischen Gründen ihren Familien weggenommen wurden. Doch die Umsetzung lässt meiner Meinung nach zu wünschen übrig. Die ersten beiden Bücher der Autorin haben mich begeistert und meine Erwartungshaltung war dementsprechend hoch. Leider fand ich dieses Buch jedoch ziemlich enttäuschend.

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