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Veröffentlicht am 11.10.2022

Geheimnisse des 2. Weltkrieges

Die verlorenen Töchter
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Im Herbst 1970 wird in einem Tal in der Nähe von Bergen die verkohlte Leiche einer Frau gefunden. Den Ermittlern gelingt es nicht, die Identität des Opfers festzustellen. Fünfundzwanzig Jahre zuvor, im ...

Im Herbst 1970 wird in einem Tal in der Nähe von Bergen die verkohlte Leiche einer Frau gefunden. Den Ermittlern gelingt es nicht, die Identität des Opfers festzustellen. Fünfundzwanzig Jahre zuvor, im Sommer 1945, bringt die Norwegerin Åse Evensen ihre Tochter Katrine zur Welt. Weil sie sich mit einem deutschen Besatzungssoldaten eingelassen hat, muss Åse in ein Straflager – und Katrine wächst in einem ostdeutschen Waisenhaus auf. Sie wird adoptiert und erfährt erst 1970 die Wahrheit über ihre Herkunft. Als sie sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter begibt, ahnt sie nicht, wie gefährlich diese Reise ist.

Ich gebe zu, dass mir dieser Teil der Geschichte bisher völlig neu war. Und selbst in Norwegen ist es wohl bis heute ein Tabuthema. Kein Wunder, denn wer würde schon gerne zugeben, dass norwegische Frauen und Mädchen während und auch nach Ende des 2. Weltkrieges in Arbeitslager gesteckt wurden, weil sie ein Kind von einem deutschen Soldaten erwarteten? Und dann wurden ihnen die Kinder auch noch weg genommen, nach Deutschland geschickt und dort in Waisenhäuser gesteckt.

Die Autorin schreibt im Nachwort, dass sie zufällig auf die Akte zur "Toten von Isdal" gestoßen ist und ihr dabei die Idee zu diesem Roman kam. So ist es ihr gut gelungen, das Thema der Straflager und die Zustände in den Anfängen der DDR in eine fiktive Handlung einzubauen. Auch wenn der größte Teil davon und auch die Figuren frei erfunden sind, kann man sich gut vorstellen, wie es damals gewesen sein muss und dass solche Schicksale wie die von Ase oder Katrine keine Seltenheit waren.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, der von Ase, der von Katrine/Kathrin und einer Ich-Erzählerin, die sich später als Nachfahrin von Ase entpuppt. Dadurch bekommt das Ganze noch mal ein realistischeres Bild.

Fazit: Eine aufwühlende, ergreifende Geschichte, die ein Tabuthema anspricht und deutlich macht, dass nicht nur die Deutschen "Die Bösen" in diesem Krieg waren und auch andere Länder mindestens genauso viel Schuld auf sich geladen haben.

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Veröffentlicht am 26.08.2022

Max Hellers 5. Fall

Juni 53
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Am 17. Juni 1953 gehen auch in Dresden die Leute auf die Straße und prostestieren gegen die DDR-Regierung. Als in derselben Nacht in einem ortsansässigen Betrieb ein grausamer Mord geschieht, hat Oberkommissar ...

Am 17. Juni 1953 gehen auch in Dresden die Leute auf die Straße und prostestieren gegen die DDR-Regierung. Als in derselben Nacht in einem ortsansässigen Betrieb ein grausamer Mord geschieht, hat Oberkommissar Max Heller einen neuen Fall zu lösen. Während er in den Wirren des Volksaufstandes einen Mörder sucht, drängt seine Frau Karin auf eine Entscheidung: Sollen sie in den Westen gehen?

Seit acht Jahren ist der Krieg vorbei, aber noch immer sind die Nachwirkungen in der noch jungen DDR zu spüren. Für die Bewohner des "Arbeiter- und Bauernstaates" sind die Zeiten nicht wirklich besser geworden. Waren es zur Zeit des Krieges die Nationalsozialisten, die alles und jeden kontrollierten, ist es nun das Ministerium für Staatssicherheit.
Max Heller ist es langsam müde, immer auf der Hut zu sein und Rechenschaft für sein Handeln abzulegen. Wieder ist er außen vor, weil er nicht einer Partei angehören will und das bekommt auch seine Familie zu spüren. Dabei will er einfach nur gute Arbeit als Polizist machen. Aber das ist nicht so einfach, denn auch beim Fall des Toten in der Fabrik mischt sich das MfS ein und scheint immer im Voraus über alles informiert zu sein.
Besonders hart ist für ihn und seine Frau Karin, dass ihr Sohn Klaus ebenfalls für das Ministerium arbeitet und glühender Anhänger des Sozialismus ist. Sogar bei ihm muss Max aufpassen, was er sagt. Kein Wunder also, dass sie überlegen, in den Westen zu gehen, wo ihr anderer Sohn Erwin lebt und dort anscheinend ein gutes Leben mit seiner Familie führt.

Der Mordfall in der Fabrik zieht weite Kreise und es bleibt auch nicht bei einem Toten. Aber hat das Ganze wirklich einen politischen Hintergrund oder passierte die Tag nur zufällig zur Zeit der Aufstände in der DDR? Für Heller und seinen Kollegen Oldenbusch wird es immer undurchsichtiger. Und sie wissen auch bald nicht mehr, wem sie trauen können.

Frank Goldammer gelingt es in diesem 5. Teil der Krimireihe wieder sehr gut, die damalige Stimmung in der DDR darzustellen. Die Menschen sind wütend, der Krieg ist seit acht Jahren vorbei, aber nichts ist besser geworden. Die Resignation von Heller ist absolut nachvollziehbar. Mehr als einmal fragt er sich: Wozu das Ganze? Was bringt es mir wirklich, wenn ich weiterhin gegen den Strom schwimme? Aber gerade das macht Heller so sympathisch. Er weiß, dass er ziemlich allein auf weiter Flur steht, aber bleibt seinen Prinzipien treu.

Die meisten wissen sicher, dass der 17. Juni bis 1990 ein nationaler Feiertag in Deutschland war. Ein Tag zum Gedenken an den Volksaufstand in Ost-Berlin und der DDR, den das sowjetische Militär am 17. Juni 1953 blutig niederschlug. Zunächst ging es um die Rücknahme zur Erhebung von Arbeitsnormen, was aber dann im Ruf nach dem Sturz der SED-Regierung endete. Hierbei starben 125 Menschen. Insgesamt beteiligten sich an den Protesten mehr als eine halbe Millionen Menschen.

Fazit: Ein spannender Kriminalfall vor dem geschichtlichen Hintergrund des Volksaufstandes in der DDR.

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Veröffentlicht am 25.05.2022

Auszeit auf Föhr

Friesentorte für Fortgeschrittene
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Moira, genannt Mo, liebt nichts mehr als ihren Job. Als Coach ist sie international unterwegs und berät Manager in der Finanz- und Wirtschaftswelt. Mit Anfang 30 lebt sie in Berlin und lässt sich von ihrer ...

Moira, genannt Mo, liebt nichts mehr als ihren Job. Als Coach ist sie international unterwegs und berät Manager in der Finanz- und Wirtschaftswelt. Mit Anfang 30 lebt sie in Berlin und lässt sich von ihrer Mutter zu einem Kurzurlaub auf der Nordseeinsel Föhr überreden. Aber als die Fähre ablegt, ist ihre Mutter verschwunden und mit ihr Mos Handy und Laptop. Nur die Promenadenmischung Liebling und ein altes Fotoalbum mit Fotos aus ihrer Kindheit hat ihre Mutter ihr da gelassen. Mo hat die gesamten Ferien ihrer Kindheit mit ihren Eltern auf Föhr verbracht, bis etwas passiert ist, das sie bis heute nicht versteht. Hals über Kopf reiste ihre Mutter mit ihr ab, als sie vierzehn war und ihre Eltern trennten sich. Seitdem war Mo nie wieder auf der Insel. Und auch jetzt bleibt sie zunächst nur widerwillig. Wie soll sie schließlich als Selbständige ohne ihr Smart Phone und Tablet auf einer Insel überleben? Dann findet sie einen Umschlag in ihrer Tasche mit den Worten ihrer Mutter: "Ich wünsche dir eine Reise zu dir selbst. Zu der Mo, die du einmal warst..." Und es bleibt nicht bei dem einen Brief und Hinweis. Mo soll während ihres Aufenthaltes die Orte und Menschen auf den Fotos aufsuchen. Somit beginnt für sie eine Reise in ihre unbeschwerte Kindheit. Auch wenn die "medienfreie" Zeit anfangs nicht ganz freiwillig ist, merkt Mo bald, wie das Inselleben, die salzige Luft, der planlose Tagesablauf sie entschleunigen. Und vielleicht kann sie bei ihrer Spurensuche auch endlich herausfinden, was damals zwischen ihren Eltern passiert ist. Außerdem ist da auch noch der Architekt Janne, der seiner Schwester im Heuhotel aushilft...

Der Titel klingt vielleicht ein bisschen nach kitschigem Liebesroman. So würde ich "Friesentorte für Fortgeschrittene" aber nicht bezeichnen. Es geht eher darum, herauszufinden, was einem wirklich wichtig ist im Leben und was einen glücklich macht. Und manchmal braucht man dazu eben einen Schubs in die richtige Richtung. In diesem Fall zurück in die eigene Kindheit und auf die Nordseeinsel Föhr.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und hatte es innerhalb von zwei Tagen durch. Was zum einen mit dem flüssigen Schreibstil zu tun hatte, zum anderen wollte ich aber auch immer wissen, wie es weitergeht mit Mo und was sie noch herausfindet. Es gibt komische (besonders die mit Hund Liebling) und emotionale Momente und man bekommt beim Lesen "Föhrweh", wie es Mos Mutter ausdrückt. Ich konnte fast den Wind spüren, das Salz riechen, die Wellen hören. Ich war zwar noch nie auf Föhr, aber durch die anschauliche Darstellung von Tina Wolf, hatte ich das Gefühl, die Insel schon jahrelang zu kennen.

Und in der Geschichte steckt sicherlich auch eine kleine Botschaft, nämlich dass wir heute in der schnelllebigen Zeit und mit den sozialen Medien eines nicht vergessen dürfen: die einfachen Dinge im Leben zu genießen und glücklich zu sein.

Auf alle Fälle ist "Friesentorte für Fortgeschrittene" ein schönes Buch für den Urlaub - oder zur Vorbereitung darauf. 😉 Ach ja und das Rezept für die Friesentorte gibt es auch.

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Veröffentlicht am 25.05.2022

Heimkehr nach Brightwater Bay

Süße Träume im Cottage am Strand
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Merry schreibt als gefeierte Autorin romantische Liebesgeschichten. Leider sieht es in ihrem Privatleben nicht so toll aus. Seit Monaten hat sie eine Schreibblockade und dadurch Panikattacken und Angstzustände. ...

Merry schreibt als gefeierte Autorin romantische Liebesgeschichten. Leider sieht es in ihrem Privatleben nicht so toll aus. Seit Monaten hat sie eine Schreibblockade und dadurch Panikattacken und Angstzustände. Und dann trennt sich auch noch ihr Verlobter von ihr. Als sie auf eine Anzeige stößt, in der man einem Autor die Möglichkeit gibt, sechs Monate auf den Orkney-Inseln in einem entzückenden Cottage zu wohnen, ergreift sie die Chance auf einen Neuanfang. Die Abgeschiedenheit und rauhe und wunderschöne Landschaft vor der Küste Schottlands, helfen ihr, bei langen Spaziergängen wieder zu sich selbst zu finden. Allerdings rückt der Abgabetermin für ihren neuen Roman immer näher und zunächst lähmt sie die Schreibblockade immer noch. Aber Niall, der charmante Leiter der örtlichen Bibliothek, tut sein Bestes, ihr den Zauber der Inseln näher zu bringen. Und die lesebegeisterten Bewohner faszinieren Merry mit ihren Lebensgeschichten. Ob sie es wagen soll, einmal etwas ganz Anderes zu schreiben?

Ich gebe zu, der deutsche Titel schreckt ein wenig ab und wieder Mal hätte das Original besser gepasst, nämlich "Coming Home to Brightwater Bay", denn letztendlich geht es darum im Buch.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen und ich fand sie auch zu keiner Zeit kitschig. Die Beschreibungen der Orkneys sind so lebendig und atmosphärisch, man hat das Gefühl, Merry auf ihren Erkundungen zu begleiten. Und man lernt nebenbei auch noch Einiges über die Inseln und auch über Whiskey, g

Die Figuren sind sehr liebevoll gezeichnet. Merry war mir gleich sympathisch, ebenso Niall und Magnus. Es gibt auch skurille Figuren, wie die Achtzigjährige Sheila oder die Ziege Gordon. Das macht die Geschichte so abwechslungsreich.

Ich habe mich jedenfalls gut unterhalten und es hat mich gefreut, Merry dabei zu erleben, wie sie wieder Selbstvertrauen in ihre Schreibfähigkeiten erhält und zurück zu sich selbst findet.

Es gibt romantische Momente, aber auch witzige und traurige. Es geht um Freundschaften, Familie und einen Ort zu finden, den man "Zuhause" nennt und wo man fühlt, man ist "angekommen".

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Veröffentlicht am 25.05.2022

Gelungener Krimi-Auftakt

Akte Nordsee - Am dunklen Wasser
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Fentje Jacobsen entspricht nicht dem klassischen Bild einer Rechtsanwältin. Sie betreibt ihre Kanzlei vom Bauernhof ihrer Großeltern in Nordfriesland aus. Dort rauben ihr die beginnende Demenz der Oma, ...

Fentje Jacobsen entspricht nicht dem klassischen Bild einer Rechtsanwältin. Sie betreibt ihre Kanzlei vom Bauernhof ihrer Großeltern in Nordfriesland aus. Dort rauben ihr die beginnende Demenz der Oma, eine renitente 14-jährige Nichte und der leichtsinnige Bruder den letzten Nerv. Als Fentje beauftragt wird, einen jungen Mann zu vertreten, der des Mordes an seiner Freundin verdächtigt wird, stößt sie auf einen alten, sehr ähnlichen Fall. Fast zeitgleich verschwinden zwei Schülerinnen aus einem nahe gelegenen Internat. Bei ihren Nachforschungen lernt sie den weltgewandten, ehrgeizigen Journalisten Niklas John kennen. Trotz unterschiedlicher Ziele beginnen sie gemeinsam zu ermitteln ...

Fentje ist 29 Jahre alt und um ihre Großeltern zu unterstützen, bei denen sie seit dem Tod ihrer Eltern vor vielen Jahren lebt, betreibt sie ihre Anwaltskanzlei von der Halbinsel Eiderstedt aus. Der unter Mordverdacht stehende Tobias Asmus ist ihr erster großer Fall und sie will unbedingt alles richtig machen, da sie von der Unschuld ihres Mandanten überzeugt ist. Für den gleichen Fall interessiert sich auch der unabhängige Journalist Niklas John. Die beiden laufen sich bei ihren Nachforschungen und Ermittlungen immer wieder über den Weg und beschließen schließlich, ihr Wissen zu teilen und gemeinsam zu arbeiten.
Fentje sieht sich selbst eher als Landei und sie ist lieber auf der Weide bei den Schafen und kuschelt mit den Lämmern, also irgendwo in schicken Restaurants oder auf hippen Parties.
Niklas ist ein Großstadtmensch und genießt dort das pulsierende Leben und auch die Bar- und Kneipenszene. Er kann aber auch einen ruhigen Abend mit seiner Katze Blofeld verbringen.
Beide verbindet ein großer Gerechtigkeitssinn und die Suche nach der Wahrheit. Die verbalen Wortgefechte sind amüsant und lockern die Handlung ein wenig auf, was mir gut gefallen hat.

"Am dunklen Wasser" ist der Auftakt einer neuen Reihe der Autorin Eva Almstädt, die ich von ihrer Thriller-Reihe um die Kommissarin Pia Korittki kenne.
Gewohnt spannend führt die Autorin durch die Handlung und führt den Leser mit Wendungen und diversen Handlungssträngen in die Irre. Am Ende kommt alles zu einem logischen Schluss und die einzelnen Fäden werden zusammengeführt.
Das Buch ist ein Küstenkrimi, wie er meiner Meinung nach sein sollte, authentisch und unterhaltsam. Der Schauplatz Nordfriesland mit Husum, St. Peter-Ording oder Eiderstedt ist sehr bildhaft beschrieben und damit sehr "lebensnah".

Ich würde mich freuen, wenn es weitere Fälle der "Akte Nordsee" mit Fentje Jacobsen und Niklas John geben würde. Eine private Beziehung der beiden muss aber nicht unbedingt sein, solche Stories gibt es ja eigentlich schon genug.

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