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Veröffentlicht am 15.08.2017

„Grim Fandango“ trifft Gesellschaftssatire: Ein sonderbares, liebevoll und emotional erzähltes Buch!

Die sieben letzten Tage
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Surreal, komisch und äußerst charmant erzählt Yu Hua in „Die sieben letzten Tage“ die Geschichte von Yang Fei. Dieser ist allerdings bei Beginn des Buches bereits tot – die Handlung umfasst die erste (und ...

Surreal, komisch und äußerst charmant erzählt Yu Hua in „Die sieben letzten Tage“ die Geschichte von Yang Fei. Dieser ist allerdings bei Beginn des Buches bereits tot – die Handlung umfasst die erste (und letzte?) Woche als Toter und ermöglicht dem Leser, in die gesamte Vergangenheit Yang Feis zu blicken. Yang Fei, einst ein Findelkind, wurde liebevoll von Yang Jinbao groß gezogen, der ihm eine wahnsinnig liebevolle Kindheit schenkte, seitdem er ihn auf den Zugschienen liegend gefunden und gerettet hat. Sein Leben lang steckt Yang Jinbao zurück, um Yang Fei eine möglichst gute Kindheit zu ermöglichen, er erlaubt es sich nicht einmal, sich zu verlieben. Liebevoll erinnert sich Yang Fei zurück an die Zeit seiner Kindheit, seines Erwachsenwerdens, und der Geschichte vom Medienrummel, der ausbricht, als seine biologische Mutter versucht, ihn zu finden. „Das Schienenkind“ Yang Fei erinnert sich in den sieben Tagen nach seinem Tod jedoch nicht nur an Kindheit und Jugend, sondern auch an seine erste Liebe, die ihn später wegen einem Anderen verließ.

Im Reich der Toten angekommen, findet Yang Fei sich zunächst im Bestattungsinstitut wieder, doch da er sich um Lebzeiten weder um Grab noch Urne gekümmert hat, kann er sich nicht verbrennen lassen. Trostlos wandert er weiter und trifft in der nebligen Zwischenwelt nicht nur seine ehemalige Frau Li Qing, sondern auch seine Ziehmutter und andere Menschen, mit deren Leben er auf die eine oder andere Weise in Berührung gekommen ist. Sei es das Kind, dem er vergünstigt Nachhilfe geben sollte, das mitten in Trümmern einer ohne Vorwarnung eingerissene Wohnsiedlung seine Hausaufgaben macht und auf seine Eltern wartet, oder der Restaurantbesitzer, bei dem er viele Male schon gespeist hat, und in dessen Restaurant Yang Fei auch sein Leben gelassen hat: All diesen Menschen begegnet er in der Totenwelt, da diese auch kürzlich aus dem Leben geschieden sind. Doch eine Person scheint sich vor ihm zu verstecken, so gut er auch sucht: Sein Ziehvater Yang Jinbao, der über Nacht Yang Feis Haus verlassen hat; vom Krebs geschwächt und möglicherweise bereits tot. Yang Fei wünscht sich nichts sehnlicher, als von seinem Vater Abschied zu nehmen und Antworten darauf zu bekommen, warum dieser plötzlich verschwunden ist…

„Wer ein Grab hat, hat eine letzte Ruhestätte, wer keins hat, bekommt das ewige Leben. Was ist Ihrer Meinung nach besser?“

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 05.07.2017

Kurzweilig, witzig und spannend — noch nie wurde dem Weltuntergang so entgegengefiebert!

Der Asteroid ist noch das kleinste Problem
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Aww, was für ein süßes Buch! Als ich „Der Asteroid ist noch das kleinste Problem“ von Katie Kennedy entdeckt habe, habe ich vom Klappentext (und vor allem vom Cover) nicht viel mehr als ein Jugend-Zwischendurch-Buch ...

Aww, was für ein süßes Buch! Als ich „Der Asteroid ist noch das kleinste Problem“ von Katie Kennedy entdeckt habe, habe ich vom Klappentext (und vor allem vom Cover) nicht viel mehr als ein Jugend-Zwischendurch-Buch erwartet, das mich zwischen anspruchsvolleren Titeln verschnaufen lässt. Und das ist es auch – aber es ist noch so viel mehr! Lovestory wird hier mit Culture-Clash, witzigen Dialogen und Missverständnissen vermischt — ach ja, und dann gibt es ja noch den Asteroiden, der mit 255.000 km/h auf die Erde zurast. Doch wer denkt, die Liebesgeschichte zwischen Yuri und Luna steht hier im Vordergrund, täuscht sich; Spannung und Weltuntergangsstimmung halten sich mit der Liebe die Waage. Doch nun erst einmal zum Inhalt:

Yuri ist 17, sozial ein wenig inkompetent, und wurde von der NASA angefordert, beim Near-Earth-Project mitzuarbeiten. Denn Yuri hat in seinem jungen Alter schon einiges erreicht, von dem viele nur träumen können: Er hat Schule sowie Uni abgeschlossen, ist Doktor der Physik und steuert auf den Nobelpreis zu. Der Asteroid BR1019 wurde zufällig von einem Laien entdeckt und nun gilt es, diesen unschädlich zu machen (den Asteroiden, nicht den Laien). Yuri wartet mit seiner noch unveröffentlichten Arbeit zur Lagerung von Antimaterie auf, aber aufgrund seines geringen Alters schenkt ihm natürlich niemand Beachtung oder Respekt. Und dann trifft er im Gebäude auch noch das schöne Hippie-Mädchen Luna, die ihm einige Tage später doch glatt zur Lebensretterin wird. Yuri wird nun hin- und hergeworfen zwischen der Pflicht, die Welt zu retten und der Anziehung, die er zu Luna fühlt, und es beginnt ein Kampf: zwischen ihm und den Asteroiden, der ihm nicht nur alles zu nehmen droht, was ihm wichtig geworden ist, sondern die ganze Menschheit bedroht…

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 29.06.2017

Eine traurige, herzzerreißende Geschichte über zwei einsame und kaputte Seelen, die zueinander gefunden haben.

Die kleinsten, stillsten Dinge
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„Die kleinsten, stillsten Dinge“ von Sara Baume hat mich mit dem Klappentext direkt angesprochen, als ich es entdeckt habe. Nachdem ich „Lily und der Oktopus“ von Steven Rowley gelesen habe, hatte ich ...

„Die kleinsten, stillsten Dinge“ von Sara Baume hat mich mit dem Klappentext direkt angesprochen, als ich es entdeckt habe. Nachdem ich „Lily und der Oktopus“ von Steven Rowley gelesen habe, hatte ich erst mal ein bisschen Angst, wieder „so ein Hundebuch“ zu lesen, aber ich wurde nicht enttäuscht. Dieses Buch ist so vollgepackt mit wunderschöner Sprache, einem wahnsinnig guten Erzählstil und einer schönen, aber auch traurigen Geschichte. Gegen Ende wurde das Leseerlebnis dann etwas abgeschwächt von meinen Erwartungen an das Buch. Aber fangen wir mal beim Inhalt an:


Ray ist Mitte 50, als er aufgrund einer Rattenplage auf seinem Dachboden beschließt, einen Hund anzuschaffen. Ob er es bewusst beschließt oder ob es vielleicht doch nur eine Eingebung ist, wissen wir nicht. Auf einem Poster vom Tierheim entdeckt er Einauge, der bei einem Kampf mit einem Dachs den Kürzeren gezogen hat, und nimmt das Tier mit nach Hause. Ray ist ein Einsiedler, bevor sein Vater starb (was jetzt gut ein Jahr zurückliegt), hat er niemandem je die Tür geöffnet oder jemals telefoniert. Dass er eigenartig ist, war ihm bewusst, doch was es genau ist, das ihn sonderbar macht, weiß er bis heute nicht. Sein Vater hielt ihn immer unter Verschluss, Ray hat nie andere Kinder kennengelernt und ist auch nie zur Schule gegangen. Nach dem Tod seines Vaters wohnt er alleine in der Bruchbude von Haus, die er geerbt hat, und verbringt seine Tage damit, zu lesen, bunte Glasperlen und andere Kostbarkeiten vom Strand zu sammeln und damit, die Dinge zu beobachten, die sonst niemanden zu kümmern scheinen.


Als Einauge bei Ray einzieht, wird alles anders. Plötzlich hat Ray erstmals einen Kameraden, jemandem, mit dem er reden kann. Und so erzählt er Einauge alles. Alles, was sich vor den Fenstern des Hauses abspielt, bis zu kleinen Dingen, die Ray beim täglichen Strandspaziergang sieht und die Einauge, immer seiner „Madennase“ folgend und Gerüche jagend, übersieht. So sieht Ray auch die Gefahr, die von Einauge ausgeht, wenn dieser auf andere Hunde trifft. Einauge verbeißt sich in zwei Hunden, ehe die Polizei vor der Tür steht und ihn in Gewahrsam nehmen will. Hier beginnt die Flucht der beiden, immer landeinwärts, immer die Menschen meidend, immer auf der Hut. Doch als das Geld schließlich zu Ende geht und die beiden mittlerweile besten Freunde umkehren müssen, stellt sich Ray schließlich seiner Vergangenheit.


Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Wort- und bildgewaltige Erzählungen, die überzeugen!

Von Verwandlungen
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Victoria Hohmann fasst in „Von Verwandlungen“ sieben Erzählungen in einem (ziemlich hübschen) Buch zusammen, die allesamt von, wie der Titel schon verrät, von Verwandlungen und Metamorphosen handeln. Dabei ...

Victoria Hohmann fasst in „Von Verwandlungen“ sieben Erzählungen in einem (ziemlich hübschen) Buch zusammen, die allesamt von, wie der Titel schon verrät, von Verwandlungen und Metamorphosen handeln. Dabei sind nicht nur physische, sondern auch psychische Verwandlungen gemeint. Die einzelnen Kurzgeschichten erzählen alle von unterschiedlichen Personen und ihren Schicksalen. Nicht selten wird mitten in der Erzählung die vierte Wand durchbrochen und man findet sich in einer neuen Realität wieder. Die Erzählungen sind thematisch sehr unterschiedlich, von Sprengkörpern, die in Attentätern wachsen, über eine Frau, die sich nachts in einen Baum verwandelt, bis hin zu zwei Freunden, die das Leben auseinander reißt.

Hohmann schafft hier mit ihrer bildgewaltigen Sprache, was andere von mir gelesene Erzählungen nicht konnten: überzeugen! Innerhalb von kürzester Zeit ist man im Text angekommen, wundert sich über die Geschehnisse und fühlt sich authentisch aus der Immersion getreten, wenn die vierte Wand durchbrochen wird. Poetisch, wortgewandt und teilweise auch sehr herzzerreißend (Beispiel: „Sprengkörper“ und „Von Bäumen“) verwandelt die Autorin schöne Ideen in denkwürdige Kleinode. Obwohl die Erzählweise auch mal verwirren kann, lebt dieses Buch zum großen Teil von seiner Sprache: Hohmanns Stil ist einzigartig und wunderbar. Es wird mit der Erwartung des Lesers gespielt und Sätze enden gerne auch mal einfach so. Witzige Szenen wechseln sich mit zum Heulen traurigen ab, und die Erzählungen sind nicht nur aufgrund ihrer Länge sehr kurzweilig.

Immer hatte das Außen ihre Bewegung diktiert. Stillstand bedeutete Tod, hieß es aus fremden Megaphonen. […] Wortkaskaden voll Hinterlist und Großtuerei hatten ihr die Sinne geraubt. Sie hatte Begreifen aus Lauten geschält wie ein dazu verdonnerter Matrose Kartoffeln in der Kajüte. Silbenkolonien hatten ihre Welt bevölkert, besetzt. Tag für Tag hatte sie Sprachgebirge durchwandert […]. (aus: „Undine“)

„Sprengkörper“, „Hater“ und „Von Bäumen“ gehören zu meinen absoluten Lieblingserzählungen in diesem Band! Die drei haben sich meiner Meinung nach sprachlich am meisten herausgetan und mich lachen, weinen und vor Wunder staunen lassen.

Um euch einmal einen Eindruck von den Geschichten zu vermitteln: „Sprengkörper“ erzählt die Geschichte der kleinen Helen, die durch die Nachrichten von vermehrten Attentaten hört und diese mit einem Blindgänger, der in ihrer Nähe gefunden wurde, verbindet. Die Gefahr, dass sie sich auch in einen Attentäter verwandelt und in ihr einer dieser Sprengkörper wächst, lässt das Mädchen nicht in Ruhe, bis sie eine Möglichkeit findet, die Bombe zu besänftigen. Mit einer kindlichen Stimme, die die Zusammenhänge der Welt noch nicht ganz begreifen kann, erzählt Hohmann hier eine wunderbare kleine Geschichte, die mich stellenweise ins Schmunzeln gebracht hat. Die kindliche Naivität wird hier auf den Punkt dargestellt und ich hätte gerne noch mehr von Helen und ihrer Theorie gelesen.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Blutig, böse und fesselnd – so muss ein Roman sein!

Fay
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„Sag nicht was du tun oder lassen würdest, Schätzchen. Weil du es eines Tages vielleicht musst.“


„WAS?!“ – so sah meine Reaktion bei Beenden des Buchs aus, inklusive Einrollen in Embryonalstellung und ...

„Sag nicht was du tun oder lassen würdest, Schätzchen. Weil du es eines Tages vielleicht musst.“


„WAS?!“ – so sah meine Reaktion bei Beenden des Buchs aus, inklusive Einrollen in Embryonalstellung und leisem Wimmern. Doch spulen wir mal ein wenig zurück. Das bereits 2000 erschienene Werk „Fay“ von Larry Brown hat es zu uns nach Deutschland geschafft. Ich hatte noch nichts vom Autor gelesen, der Name sagte mir auch überhaupt nichts, und das Thema war etwas außerhalb meiner gemütlichen Lese-Komfortzone. Es geht um die 17-jährige Fay, die aus ihrem Leben bei ihrer Familie in einer Hütte im Wald, Arbeit seit Kindertagen und… nun ja, „unkompetenten“ Eltern, ausbrechen will und mit nichts außer zwei Dollar und einer halben Schachtel Kippen lostrampt. Richtung Biloxi, denn sie hat gehört da soll es schön sein.


Doch leider hat die etwas hinterwäldlerische Fay noch nichts von dem Unheil gehört, das außerhalb ihres doch irgendwie geschützten Umfelds seinen Lauf nimmt. Männer meinen es leider nicht immer gut mit einem, vor allem wenn man so hübsch ist wie Fay. Nachdem sie zunächst bei drei Kerlen in einem Trailer landet, gabelt sie auf dem Highway der Polizist Sam auf. Sam lebt etwas abgeschieden mit seiner Frau Amy am See und verbringt seine Freizeit mit Angeln. Die beiden nehmen Fay auf, als wäre sie ihre eigene Tochter. Hier könnte die Geschichte enden, tut sie aber nicht. Dinge laufen schief, ein Mensch stirbt, Fay bekommt Angst und zieht, während Sam arbeiten ist, weiter. Immer weiter Richtung Biloxi. Dort lernt sie die junge Kellnerin und Stripperin Reena kennen, die für Geld auch noch andere Dinge tut, und den Bruder des Stripschuppen-Besitzers, Aaron. Anfangs ist sie noch ziemlich eingeschüchtert von diesem Koloss von Mann, doch nach einer Weile beginnt sie, ihm zu gefallen. Und er ihr.


Währenddessen findet man eine Leiche, Sam sucht verzweifelt nach Fay, die sich in den Armen von Aaron immer noch liebevoll an ihn erinnert. Dinge nehmen ihren Lauf und leider kommt nicht jeder lebend aus dieser Geschichte heraus.


Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com