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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.12.2022

Ein Lesehighlight

Kinder des Aufbruchs
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Seit dem ersten Buch, welches ich von Claire Winter gelesene habe, bin ich ein Fan der Autorin. Jeder neue Roman kommt auf meine Wunschliste ohne den Klappentext zu lesen. Die Autorin ist einfach ein Garant ...

Seit dem ersten Buch, welches ich von Claire Winter gelesene habe, bin ich ein Fan der Autorin. Jeder neue Roman kommt auf meine Wunschliste ohne den Klappentext zu lesen. Die Autorin ist einfach ein Garant für tolle Stories!

"Kinder des Aufbruchs" ist die Fortsetzung zu "Kinder ihrer Zeit", kann jedoch auch alleinstehend gelesen werden. Die Autorin hat immer wieder kleine Rückblicke eingebaut, damit auch Leser:innen, die das erste Buch nicht gelesen haben, keine Probleme mit der Story haben. Trotzdem würde ich empfehlen zuerst den ersten Band zu lesen, damit man das Verhältnis zwischen den Zwillingsschwestern Alice und Emma besser versteht. Außerdem war "Kinder ihrer Zeit" ein Buch, dass ich mit dem Lieblingsbuchstatus bewertet habe. Ihr würdet daher etwas verpassen ;)

In der Zwischenzeit sind sechs Jahre vergangen, seit die Zwillingsschwestern wieder vereint sind. Emma ist nach wie vor Dolmetscherin und Alice arbeitet als Journalistin bei einer Berliner Tageszeitung. Alice ist mit Max verheiratet und die beiden leben mit ihrer Tochter Lisa zusammen. Die Ehe ist jedoch ein "Arrangement", um für Lisa dazusein. Max ist Anwalt und hat sich auf Entschädigung von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus spezialisiert. Emma ist mit dem aus der DDR geflüchteten Julius verheiratet, der als Professor unterrichtet.
Wir landen mitten in den politischen Unruhen in Berlin des Jahres 1967. Demonstrierende Studenten sind an der Tagesordnung und der Besuch des Schahs von Persien lässt die Stimmung in der Stadt fast überkochen. Als der Student Benno Ohnesorg ums Leben kommt, der von einem Polizisten erschossen wird, gerät alles aus den Fugen. Alice ist hautnah dabei und trifft auf Fritz, einem ehemaligen Freund aus dem Osten. Er bittet sie um Hilfe für seine Schwester Lore, die ebefalls die DDR verlassen will. Alice steht durch einen Artikel, den sie geschrieben hat, mit einer Fluchthilfe-Organisation in Verbindung und bietet Fritz - nichtsahnend, was sie dabei lostritt - Hilfe an. Als sie auch noch auf ihre frühere Freundin Irma trifft, die als Sängerin Karriere gemacht hat und in den Westen geflohen ist, wird Alice nervös. Irma hat sie damals ausspioniert und an die Stasi verraten. Und jetzt trifft sie kurze Zeit hintereinander auf Menschen aus ihre Vergangenheit? Hat die Stasi auch Alice wieder im Fokus?

Emma leidet in der Zwischenzeit an einer erlittenen Fehlgeburt und trifft bei einem Event in einem Kinderheim, bei dem sie dolmetscht, auf den 11jährigen Waisenjungen Luca. Sie besucht den störrischen Jungen immer wieder und baut langsam ein klein wenig Vertrauen zu ihm auf. Doch Luca hat unglaubliche Angst vor jemanden und flüchtet immer wieder aus dem Heim.
Erst nach und nach stellt sich heraus, dass beide Handlungsstränge miteinander verbunden sind. Beide Schwestern und ihre Ehemänner geraten ins Visier der Stasi und in grosse Gefahr.

Obwohl die Autorin viele politische Themen aufgreift, um diese Zeit auch sehr authentisch darstellen zu können, wird es nie langweilig. Die Demonstrationen der Studenten erinnern mich ein bisschen an die momentanen Klimaaktivisten, ebenso wie der Einfluss der Presse. Es geht aber auch um Fluchthilfe, Gefangenen-Austausch, Geheimdienste und ihre Rolle im Deutschland der 60er Jahre. Diese historischen Themen verwebt die Autorin geschickt mit ihrer fiktiven Geschichte rund um Emma, Alice, Julius, Max, Fritz Irma und dem kleinen Luca.
Claire Winter versteht es großartig alle Sichtweisen so darzustellen, dass man sich selbst beim Lesen wie in einem Strudel der Machenschaften fühlt. Die Figuren sind authentisch und sehr lebendig dargestellt. Die Spannung ist von Beginn an zu greifen und bleibt bis zum Ende erhalten.

Der Schreibstil ist wie immer mitreißend und bildgewaltig. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht verschiedener Charaktere erzählt. Die dazugehörigen Namen findet man am Kapitelanfang.
Auf der Innenseite des Buches finden wir eine Karte von Ost- und West Deutschland und den angrenzenden Ländern, sowie eine kleine Karte von Berlin mit der Trennungslinie. Am Ende des Buches erklärt die Autorin über Wahreit und Fiktion auf.

Claire Winter hat hervorragend recherchiert und die Stimmung der späten Sechziger Jahre perfekt eingefangen. Es ist die Zeit des Kalten Krieges und des Vietnamkrieges, des Prager Frühlings und ein Aufschrei der Jugend gegen das alte System. Ich habe wieder mit Emma und Alice gebangt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Eine absolute Lese-Empfehlung, wie schon der erste Band!

Fazit:
Ein weiteres Highlight der Autorin! Der Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Immer wieder überrascht mich Claire Winter mit einem weiteren grandiosen Roman. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung mit dem Hinweis, wenn möglich, zuerst den ersten Band zu lesen.

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Veröffentlicht am 12.12.2022

Hier werden die Sechziger Jahre lebendig!

Der Salon
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Was habe ich mich auf den zweiten Teil des Salons von Julia Fischer gefreut! Teil Eins war ein 5 Sterne Buch für mich. Vorallem die Leserunde bei der Lesejury mit der Autorin ist ein wahres Lese-Erlebnis! ...

Was habe ich mich auf den zweiten Teil des Salons von Julia Fischer gefreut! Teil Eins war ein 5 Sterne Buch für mich. Vorallem die Leserunde bei der Lesejury mit der Autorin ist ein wahres Lese-Erlebnis! Julia Fischer bereichert diese mit vielen Infos zur Zeit in der ihr Roman spielt. Hier werden die frühen Sechziger Jahre lebendig!

Teil zwei beginnt 1963. Es ist fünf Jahre her, seitdem Leni's Welt in Scherben zerbrochen ist. Langsam findet sie ins Leben zurück. Ein großer Trost ist ihr Neffe Peter, der mit Charlotte zu ihr und ihrer Mutter Käthe gezogen ist. Besonders Käthe kümmert sich liebevoll um ihren Enkel. Charlotte bekommt die einmalige Chance beim Münchner Modehaus Bogner im Büro zu arbeiten, für dass sie früher gemodelt hat. Aber auch Schorsch, einer der Freunde von früher, und Taufpate des Jungen, kommt so oft wie möglich vorbei. Er ist schon lange Zeit in Leni verliebt, die sich jedoch in ihrer Arbeit vergräbt. Als sie von ihrem Chef das Angebot bekommt für ein dreimonatiges Praktikum nach London zu Starfriseur Vidal Sassoon zu gehen, ergreift sie die Chance.
Charlotte lernt bei Bogner den Fotografen Walter kennen. Doch als ledige Mutter mit Kind will sie sich nicht unbedingt neu binden und auf eigenen Füßen stehen. Doch auch Walter hat ein Geheimnis.
Leni verändert sich in London stark. Sie genießt die Swinging Sixties. Die Mode wird kürzer und frecher, ebenso die Haarschnitte. Bei Vidal Sassoon lernt sie den neuesten Trend kennen und will diesen in München ebenfalls umsetzen. Dazu fehlt ihr aber ein eigener Salon...

Julia Fischer hat die Zeit wieder wunderbar eingefangen. Die Leserunden mit der Autorin sind etwas ganz Besonderes. Man bekommt von ihr so viel Hintergrundwissen und Zusatzmaterial über diese Zeit - ein echter Genuss! Das macht die Geschichte noch lebendiger und man wächst mit den Figuren richtig zusammen.
Wie schon im ersten Teil ist auch diesmal nicht alles eitel Sonnenschein. Alle Figuren haben mehr oder ein weniger ihr Päckchen zu tragen und die Autorin schreckt auch nicht davor zurück Figuren sterben zu lassen.
Leni ist zwar die Hauptprotagonistin, jedoch begleiten wir auch viele der anderen Charaktere, die ich schon im ersten Teil liebgewonnen habe.
Alexander kämpft um seinen Salon, nachdem er diffamiert wurde; Schorsch will nicht mehr nur der Helfer in der Not und immer zur Stelle sein; Käthe möchte ihren Salon Leni übergeben, doch ihre Ideen sind nicht konform mit denen ihrer Mutter und Charlotte versucht, entgegen den gängigen Moralvorstellungen, ihre Zukunft selbst zu bestimmen.

Die Autorin hat großartig recherchiert und den Zeitgeist perfekt eingefangen. Historische Begebenheiten, wie der Besuch der Queen oder der Auftritt der Rolling Stones in London in einem kleinen Lokal wird wunderbar in die fiktive Geschichte miteingewoben.
Der Schreibstil ist wie immer einnehmend, gefühlvoll und atmosphärisch. Die Figuren sind direkt aus dem Leben gegriffen und könnten zu meinem Freundeskreis gehören. Jeder Charakter entwickelt sich im Laufe der Geschichte weiter.
Das Ende ist stimmig. Es macht mich traurig, dass es keinen weiteren Band geben wird.

Fazit:
Auch der zweite Teil steht dem ersten in nichts nach und hat mich genauso gefesselt. Die Dilogie wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für beide Teile!

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Veröffentlicht am 29.10.2022

Erschütternd

Das Wolfsmädchen
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Nachdem der Historiker Dr. Christian Hardinghaus bereits in seinen Büchern über die Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges berichtet und jeweils Frauen, Männer und den Kindersoldaten eine Stimme gegeben hat, ...

Nachdem der Historiker Dr. Christian Hardinghaus bereits in seinen Büchern über die Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges berichtet und jeweils Frauen, Männer und den Kindersoldaten eine Stimme gegeben hat, erzählt er in "Das Wolfsmädchen" über ein ganz besonderes Schicksal. Stellvertretend für die Gruppe von Kindern, die 1945/46 aus dem ehemaligen Ostpreußen vor den sowjetischen Truppen nach Litauen geflohen sind, spricht Ursula Dorn über ihre Erlebnisse, die teilweise sehr schwer zu verdauen sind. Christian Hardinghaus hat ihr Schicksal in diesem Roman dokumentiert und wieder einen sehr interessanten Zeitzeugenbericht, gemeinsam mit der heute über Achzigjährigen Ursula Dorn, verfasst.

Als elfjähriges Mädchen flüchtet sie aus Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, das bis fast zum Ende des zweiten Weltkrieges verschont blieb. Doch nach dem Kriegsende überrennen die sowjetischen Truppen Ostpreußen und lassen eine Spur der Verwüstung hinter sich. Königsberg wird von den Sowjets besetzt und die Einwohner systematisch ausgehungert. Das ehemalige Ostpreußen gibt es nicht mehr und trotzdem bleiben die meisten Königsberger in der Stadt, wo sie elendig verhungerten. Auch Ursulas Mutter Martha weigert sich mit ihren Kindern die zerbombte Stadt zu verlassen. Als Ursula keine Möglichkeiten mehr sieht irgendwo Nahrung aufzutreiben, springt sie auf den nächsten Güterzug ohne zu wissen, wohin der Zug fährt. Sie landet in Litauen, wo die Menschen noch genug zu Essen haben. Dort wird sie mit Nahrung versorgt, kann sich waschen und endlich wieder in einem Bett schlafen. Nachdem sie sich etwas erholt hat, geht sie zurück nach Königsberg und versorgt die nächste Zeit ihre lethargische Mutter und ihre Geschwister. Doch eines Tages kann Ursula nicht mehr zurück....

Im Großen und Ganzen war mir der Begriff "Wolfskinder" bekannt, jedoch habe ich noch keinerlei Literatur dazu gelesen. Nach dieser erschütternden Lektüre empfinde ich es als großes Versäumnis der Deutschen Republik, dass diese Schicksale totgeschwiegen wurden. Tausende von Kinder mussten täglich um ihr Leben kämpfen. Sie hungerten, frierten und waren völlig auf sich alleine gestellt. Die Schilderungen von Ursula Dorn sind teilweise kaum zu ertragen. Als es auch in Litauen nichts mehr zu holen gibt, weil es den Einheimischen verboten wurde den deutschen Kindern zu helfen, wird die Lage unerträglich. Zwischen den litauischen Partisanen und den sowjetischen Truppen aufgerieben, müssen die Kinder täglich um ihr Leben fürchten. Sie hausen in den Wäldern und verrohen zunehmend. Erst durch die Gefangennahme und Deportierung in die DDR, wird versucht ein "normales" Leben für die ostpreußischen Flüchtlinge wiederherzustellen... Große Hilfe gibt es dabei kaum.

Das Desinteresse von Ursulas Mutter und ihr gefühlskaltes Benehmen hat mich durchgehend entsetzt. Sie hat sich weder um ihre Kinder gesorgt, noch hat sie Verantwortung übernommen. Ursula ist mit ihren zwölf Jahren in die Mutterrolle geschlüpft und hat versucht allen das Leben zu retten. Was für eine Bürde für ein zwölfjähriges Mädchen! Auch wenn man erkennt, dass die Mutter an einer schweren Depression litt, empfand ich ihr Benehmen bereits vor der Vertreibung kaum anders. Meistens hat sich nur der Vater oder die Tante um die Kinder gekümmert.

Positiv fand ich, dass Ursula Dorn ihre Geschichte im hohen Alter erzählte. Sie hat ihre Erlebnisse aufgeschrieben und wollte diese den Menschen mitteilen. Das Schreiben war für sie eine Art Selbsttherapie. Umso unverständlicher war es für mich, dass kein Verlag Interesse an ihrer Geschichte hatte bzw. diese nicht verlegen wollte. Erst viel später wurde ihr Buch doch noch veröffentlicht. 2020 fuhr Ursula Dorn noch einmal nach Kaliningrad. Dieser Besuch war für sie alles andere als einfach und sehr schmerzhaft.

Am Ende des Buches kommen noch zwei weitere ehemalige Wolfskinder zu Wort. Im Abschluss warnen alle drei von einer Eskalation durch den Ukraine Krieg, was mich mehr als beunruhigt zurückgelassen hat.

Fazit:
Wer wie ich bereits mehrere Bücher des Historikers und Autors gelesen hat, weiß wie einfühlsam und hervorragend recherchiert Christian Hardinghaus die Lebensgeschichten der letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges zu Papier bringt. Seine Bücher sind wertvolle Berichte für alle nachfolgenden Generationen und immer wieder eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.10.2022

Spannender Auftakt einer neuen historischen Krimireihe

Felix Blom. Der Häftling aus Moabit
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Als ich in der Vorschau das neue Buch von Alex Beer gesehen habe, war ich etwas irritiert. Eine neue Reihe? Was ist mit August Emmerich und Jakob Rubinstein?
Nachdem ich nun "FELIX BLOM - Der Häftling ...

Als ich in der Vorschau das neue Buch von Alex Beer gesehen habe, war ich etwas irritiert. Eine neue Reihe? Was ist mit August Emmerich und Jakob Rubinstein?
Nachdem ich nun "FELIX BLOM - Der Häftling von Moabit" gelesen habe, freue ich mich umso mehr, dass es diesen tollen Protagonisten gibt.

Meisterdieb Felix Blom wird nach dreijähriger Isolationshaft aus dem Gefängnis entlassen. Doch der Neustart gestaltet sich schwierig. Ohne Geld und Job und einem fiesen Polizisten, der darauf schaut, dass Felix erfolglos bleibt, wird es nicht einfach. Die Auflage, dass er wieder zurück ins Gefängnis muss, wenn er innerhalb von drei Tagen keine Unterkunft und keine Arbeit gefunden hat, ist kaum zu erfüllen. Außerdem scheint seine große Liebe Auguste bereits mit einem anderen Mann liiert zu sein. Von einem alten Bekannten wird ihm eine Bleibe im Armenviertel angeboten, in dem er aufgewachsen ist. Felix muss zugreifen, obwohl er nie wieder zurückkehren wollte. Und genau dort trifft er auf Mathilde Voss. Die ehemalige Edelprostituierte hat ein Detektivbüro eröffnet, wird jedoch von ihren männlichen Kollegen terrorisiert. Mathilde und Felix ergreifen die Chance....Felix benötigt einen Job und Mathilde einen Mann, der nach außen hin die Detektei präsentiert. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wer Felix damals reingelegt hat und er deswegen unschuldig ins Gefängnis wandern musste.
Doch nicht nur dieser Fall will gelöst werden, denn bereits am zweiten Tag in seinem neuen Zuhause wird ihm eine Karte auf edlem Karton vor die Tür gelegt. Darauf steht: „Binnen weniger Tage wirst Du eine Leiche sein.“ Blom ist nicht der einzige Empfänger dieser Karten, denn in Berlin treibt sich ein Mörder herum, der diese Karten verteilt. Ein Toter wurde bereits gefunden....

Zu diesem Zeitpunkt bekommen die beiden neuen Partner tatsächlich einen Fall zu bearbeiten. In einer Porzellanfabrik verschwinden plötzlich Lieferungen aus China. Blom und Voss müssen in der Berliner Unterwelt nachforschen, in der gerade ein Bandenkrieg herrscht. Dabei erfahren sie von einem weiteren Toten, der dieselbe Nachricht, wie Blom erhalten hat....

Ich liebe den Schreibstil und die Geschichten von Alex Beer einfach. Mit Felix Blom ist ihr erneut ein toller Protagonist gelungen. Der Meisterdieb ist ein Charmeur und Lebenskünstler, der unschuldig verurteilt wurde. Trotzdem ist er kein Unschuldsengel und steht auch zu seinen zuvor ausgeübten Diebstählen.

Alex Beer fängt die damalige Atmosphäre wieder perfekt ein - egal ob Wien oder Berlin. Zum Zeitpunkt der Handlung, im Jahr 1878, findet der Berliner Kongress statt. Die Polizeipräsenz ist groß und doch gelingt es einem Mörder seine Opfer mitten in Berlin zu töten. Und genau dort versuchen Mathilde und Felix ihren ersten Fall zu lösen.
In überraschenden Wendungen und mit immer neuen Tatverdächtigen gelingt es der Autorin die Spannung immer hoch zu halten. Dabei hatte ich die Lösung jederzeit vor Augen....doch gesehen habe ich sie nicht. Das ist Krimi wie er sein sollte! Chapeau!

Fazit:
Alex Beer erzählt die spannende Geschichte des Gauners und Hochstaplers Felix Blom, der nach seiner Haftentlassung zum Meisterdetektiv wird. Ein toller Auftakt einer neuen Reihe! Ich liebe Felix Blom schon jetzt!

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Veröffentlicht am 10.10.2022

Grenzenlose Freiheit

Die Stewardessen. Eine neue Freiheit
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Wow! Das war eine richtig tolle Geschichte! Svea Lenz aka Nicole C. Vosseler entführt den Leser in die Fünfziger Jahre und den Beginn der deutschen Lufthansa. Und das hat sie einfach großartig gemacht!

Als ...

Wow! Das war eine richtig tolle Geschichte! Svea Lenz aka Nicole C. Vosseler entführt den Leser in die Fünfziger Jahre und den Beginn der deutschen Lufthansa. Und das hat sie einfach großartig gemacht!

Als Leser erhält man einen tollen Einblick in die Ausbildung und Anfänge dieser Zeit. Fliegen war damals etwas ganz besonderes und nur wenige Menschen konnten sich diesen Luxus leisten. Stewardessen waren angesehene junge Frauen, die ihre Gäste mit Namen kannten und viele Auflagen erfüllen mussten, um diesen gut bezahlten Job zu ergattern. Mit Margot Frei begleiten wir eine dieser jungen adretten Damen, die sich als Stewardess bewerben.
Margot kommt aus ärmlichen Verhältnissen, der Vater ist seit Kriegsende vermisst. Der Job als Kellnerin im Alsterpavillon, wo sie von angetrunkenen Männern anzügliche Angebote bekommt und der als Bürokraft auf der Werft in Hamburg, erfüllen sie nicht. Margot will mehr vom Leben. Sie möchte fremde Länder kennen lernen und ihr eigenes Geld verdienen, ohne von einem Mann abhängig zu sein. Als sie in der "Constanze" eine Stellen-Anzeige der Lufthansa entdeckt, nutzt sie die Chance und bewirbt sich. Gemeinsam mit einer Vielzahl von jungen Frauen nimmt sie am Auswahlverfahren teil und und ergattert tatsächlich einen der heiß begehrten Plätze im allerersten Lehrgang für Flugbegleiterinnen....

Von Beginn an war ich von Margot fasziniert. Sie ist aufgeweckt, nicht auf den Mund gefallen und fest entschlossen ihren Traumberuf auszuüben. Dabei greift sie sogar auf eine kleine Schummelei zurück. Ihre eher unkonventionelle Art und ihr Mut hat mich sofort für sie eingenommen.
Neben Margot lernen wir noch die kesse Berlinerin Thea und die in sich zurückgezogene Almuth kennen, die ihr zu guten Freundinnen werden. Mit den Piloten Claus Sturm hat Margot auch gleich zu Beginn einen hartnäckigen Verehrer.
Gespannt habe ich das Ausbildunsgprogramm mitverfolgt und mich beim Wissenstest gefragt, wie weit ich wohl gekommen wäre....

Die Autorin hat den Zeitgeist wunderbar eingefangen. Pettycoats, Nylonstrümpfe und die amerikanische Musik, die nach Deutschland überschwappt, aber auch die Sorgen und Nöte im Nachkriegsdeutschland sind Themen, die neben der Fliegerei beherrschend sind. Aber auch Filme und Schauspieler dieser Zeit werden erwähnt und in die Handlung verwoben. Ganz besonders hat mir der Flug nach New York gefallen, als die Mädels das erste Mal die Auswahl in den amerikanischen Kaufhäusern gesehen haben. Hier wäre ich am allerliebsten selbst dabei gewesen.
Ebenso wird die Spannung zwischen West und Ost angesprochen und Konrad Adenauer erhält ein zustätzliches Kapitel.

Die Sprache im Roman ist spritzig und zeitgemäß, die Dialoge lebendig. Die Figuren sind von der Hauptprotagonistin bis hin zu den Nebenfiguren authentisch und facettenreich dargestellt. Die Kapitelüberschriften sind Songs aus dieser Zeit und spiegeln zusätzlich noch den Charme dieser Zeit wider. Ich freue mich schon auf den Folgeband, der im November erscheinen wird.

Fazit:
Ein richtig toller Start dieser Dilogie, die mich von Beginn an absolut überzeugt hat. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, was mir in letzter Zeit nicht so oft passiert ist.
Eine Leseempfehlung für alle, die gerne über die Fünfziger Jahre und mehr über die Stewardessenausbildung zu dieser Zeit wissen möchten.

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