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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2026

Kryptonit

Villa Rivolta
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Es gibt diese Theorie, die besagt, dass wir alle in unserem Leben irgendwann diesem einen Kryptonit begegnen. Dieser eine Mensch, der nachhaltig unser Leben verändert. Er schlägt ein, wie ein Komet, reißt ...

Es gibt diese Theorie, die besagt, dass wir alle in unserem Leben irgendwann diesem einen Kryptonit begegnen. Dieser eine Mensch, der nachhaltig unser Leben verändert. Er schlägt ein, wie ein Komet, reißt einen Krater in das Hier und Jetzt und alle Versuche, ihn ungeschehen oder ungesehen zu machen, scheitern vergeblich. Es sind diese Menschen, die wir liebevoll Seelenverwandte nennen und deren Strahlkraft nicht durch eine Beziehung oder deren Länge definiert wird, sondern durch das zwischenmenschliche Verständnis, diese Anziehungskraft, die sich nicht in eine Schublade stecken lässt.

Valeria kennt dieses Gefühl, seit sie als kleines Mädchen Piero kennenlernt. Sie kommen aus zwei Welten, Valeria ist die die Tochter der Hausangestellten und Piero der Sohn eines erfolgreichen Unternehmers im aufstrebenden Mailand. Von der Kindheit bis in die Jugend nehmen sie das Leben leicht, als Piero jedoch auf die Nachfolge vorbereitet wird, ändert sich alles.

Der neue Roman von Daniel Speck ist wirklich fesselnd, spannend geschrieben und ein wahrer Pageturner. Gekonnt verwebt er die Zeitsprünge, bewahrt dabei die Spannung und schafft es unglaublich viel Intimität und emotionale Bindung in seine Worte zu legen, sodass ich mich dem Bann der Geschichte kaum entziehen konnte. Die Figuren sind real, mit viele Tiefe gezeichnet und wunderbar zu visualisieren. Die Handlung windet sich durch Höhen und Tiefen und die Hoffnung wird irgendwann zur eigenen, dem Sog kann man sich nicht entziehen. Eine echte Empfehlung.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Abenteuer für die großen und kleinen Helden

Judiths kleine Farm, Band 3,
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Auf der Suche nach Abenteuer, Spannung, einer liebevoll gestalteten Geschichte gespickt mit wunderbaren Tiercharakteren und gleichzeitig der Vermittlung von kindergerechtem Sachwissen, dass auch noch begeistert? ...

Auf der Suche nach Abenteuer, Spannung, einer liebevoll gestalteten Geschichte gespickt mit wunderbaren Tiercharakteren und gleichzeitig der Vermittlung von kindergerechtem Sachwissen, dass auch noch begeistert? Wir sind bei Judiths kleiner Farm von Judith Rakers auf 35 voll gepackten Seiten fündig geworden.

Im Vordergrund des dritten Bandes steht Charlie, das Fohlen auf der Farm, das bald bei einer Fohlenschau vorgestellt werden soll. Aber das ist nur ein Abenteuer unter den Farmtieren, denn weiterhin bleiben Jack und Lotti die Hauptakteure, die kleinen Katzen, die über den Hof tigern und ein Abenteuer nach dem nächsten erleben.

Die Geschichte ist wunderschön illustriert, zeugt von dem großen Zusammenhalt der Familientierbande und vermittelt dazu noch eine tiefere, sinnvolle Botschaft. Dazu die Seiten mit Sachwissen zum Thema Kartoffeln oder auch mit Hinweisen zum Thema Pferdepflege, dass dann auch nochmal in den eigentlichen Handlungsstrang eingebunden wird. Mir haben besonders die Charaktere gefallen, allen voran der Maulwurf Günter, der mit seinem Wissen entscheidend zum Verlauf der Geschichte beiträgt und bei meiner Tochter seitdem fleißig rezitiert wird. Das war sicherlich nicht der letzte Band, den wir uns von Judiths kleiner Farm zugelegt haben.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Entgleist

Solange ein Streichholz brennt
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Was wäre, wenn dir das Leben entgleist? Einfach durch die Finger gleitet wie Wasser, unaufhaltsam und in einem Rutsch? Die Vergangenheit verdrängt, die Gegenwart nur gültig für den Moment und die Zukunft ...

Was wäre, wenn dir das Leben entgleist? Einfach durch die Finger gleitet wie Wasser, unaufhaltsam und in einem Rutsch? Die Vergangenheit verdrängt, die Gegenwart nur gültig für den Moment und die Zukunft eine Frage, die sich besser nicht stellt? Was wäre, wenn alles, was dir bleibt, die eigene Kleidung am Leib ist, ohne Wohnung, Geld, Essen und einer Idee, wie es weitergehen könnte?

So ergeht es Bohm im neuesten Werk von Christian Huber „Solange ein Streichholz brennt“. Mitte dreißig, auf der Straße gelandet, das Warum bleibt sein Geheimnis, wie vieles andere auch. Mit seinem Hund Fox schlägt er sich durch auf den Straßen von Köln. Bis er eines Tages Alina Alev trifft, die auf der Suche nach einem Protagonisten für eine Reportage bei Bohm hängen bleibt. Beide spüren, dass diese Begegnung anders ist, aber zugleich weiß Alina, dass Bohm ihr nicht alles erzählt, bis alles an die Oberfläche bricht.

Christian Huber hat hier wiederum nach seinem ersten Erfolg eine schwere Thematik leicht verpackt, der Roman wurde von mir in nahezu einem Rutsch verschlungen. Mir gefallen die Figuren, die visuelle Darstellung und auch, dass er sich gezielt jemanden von der Straße nimmt als Protagonisten, wo wir alle unsere Distanz spüren und wahren. Alina ist wie eine Brücke und überrascht mit ihrem Verhalten, ihrer Entwicklung. Und Bohm ist wirklich gut gezeichnet, die Klischees werden überwunden, weil die Fragen hinter dem Menschen dominieren. Wer bist du eigentlich und wie konnte es soweit kommen? Dabei bewahrt Huber die Leichtigkeit und schafft so für mich bereits eins der besten Bücher des kommenden Sommers, bei dem ich auf eine wunderschöne Verfilmung hoffe. Eine Empfehlung für alle Fans, aber auch für Freunde der Mischung aus tragischen Figuren und doch leichter Lektüre, die sich selbst oft nicht zu ernst nimmt.

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Veröffentlicht am 10.04.2023

Doppelmoral

Die spürst du nicht
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Wir wollen alle Gutmenschen sein, den Armen helfen, die Schwachen unterstützen, quasi die neuzeitlichen Ritter auf dem weißen Pferd mit weißer Weste, die sich den Tyranneien der Gegenwart stellen, die ...

Wir wollen alle Gutmenschen sein, den Armen helfen, die Schwachen unterstützen, quasi die neuzeitlichen Ritter auf dem weißen Pferd mit weißer Weste, die sich den Tyranneien der Gegenwart stellen, die selbsterkorenen Robin Hoods, die für Gerechtigkeit sorgen. Aber sind wir das wirklich oder sehen wir uns nur gerne in diesem Licht, sobald wir ein Spendenkonto für Kinder in Afrika eingerichtet haben?

Dieser und weiteren Fragen bezüglich unserer scheinheiligen Doppelmoral geht Daniel Glattauer in seinem neuesten Roman "Die spürst du nicht" wortwörtlich auf den Grund, rüttelt auf, regt zu Gesprächen an und hinterlässt einen Leser, der zwischen all den Worten und Seiten wahrscheinlich wieder das Wesentliche aus dem Blick verloren hat, wie es uns im Alltag immer wieder passiert.

Die Familien Binder und Strobl- Marinek genießen ihre wohlverdiente Auszeit in der Toskana und lassen es sich gut gehen. Auf Wunsch von Tocher Sophie Luise darf auch das Flüchtlingskind aus ihrer Klasse mit dabei sein, Aayana. Es scheint ein wunderschöner Urlaub zu werden, bis eine Katastrophe alles in den Abgrund reißt.

Der Stil ist einnehmend, die Wendungen überraschend, die diversen Meinungen und Reflektionen erfrischend ehrlich. Das Thema ist tiefgründig, wachrüttelnd und ein Spiegel unserer Gesellschaft. Daniel Glattauer scheut sich nicht davor uns unsere Schwächen aufzuzeigen, uns durch diverse Stilmittel direkt ins Rampenlicht zu schieben und Licht auf unsere blinden Flecken zu werfen. Es fängt mit den kleinen alltäglichen Dingen an, dem Schubladendenken und dem Glauben, dass es uns ja nicht betrifft. Dabei sind Vorurteile schon gefällt, Überlegenheit schneller ausgespielt als wir den Kopf schütteln können und zurück bleibt das Bewusstsein, dass wir nicht perfekt sind. Dialog und Austausch sind immer wieder die Lösung des Problems, Zuhören immer noch Gold und Zurückhaltung eine Tugend.

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Veröffentlicht am 13.11.2022

Der Mensch und die Trauer

Schlangen im Garten
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Man sagt, sie kommt in Wogen, Wellen, sie verhält sich wie Ebbe und Flut, wie die Gezeiten. Sie kommt und geht, wie es ihr passt. Sie ist wie der reinste April, von strahlendem Sonnenschein wechselt sie ...

Man sagt, sie kommt in Wogen, Wellen, sie verhält sich wie Ebbe und Flut, wie die Gezeiten. Sie kommt und geht, wie es ihr passt. Sie ist wie der reinste April, von strahlendem Sonnenschein wechselt sie von jetzt auf gleich in einen prasselnden Regenschauer und einen grauen, wolkenverhangenen Novembertag. Aber manchmal ist sie einfach nur innere Leere, dunkle Gedanken und verdrängt alles Licht. Manchmal ist sie das allumfassende Nichts, die unsichtbare Konstante im Bunde, die niemand eingeladen hat. So empfindet das auch Familie Mohn nach dem Verlust von Mutter Johanne.

Nach dem tragischen Verlust kämpft jeder in der Familie Mohn mit den Begleiterscheinungen. Es findet jedoch keine richtige Trauerarbeit statt, weshalb sich Ginster vom Traueramt nun dieser Familie annimmt. Schnell merkt auch er, dass er es mit einem besonderen Fall zu tun hat und das es ihm immer schwerer fällt, professionelle Distanz zu wahren.

Ich war bereits ein Fan von Stefanie vor Schultes Debütroman und habe mit Spannung diesem neuen Roman entgegengefiebert. Mag die Geschichte eine komplett andere sein, ist sie wiederum erfrischend anders, skurril und watet mit märchengleichen, teilweise absurden Elementen auf, die die Visualisierung so interessant zeichnen. Herausragend ist wiederum ihre Begabung für Sprache und die Tiefe zwischen den Worten, die eine realistische Geschichte in andere Sphären katapultiert, dabei immer den Kern der Botschaft bewahrt, den ich auch in diesem Fall als besonders lehrreich empfinde. Die Figuren sind bunt, vielseitig und dabei vielschichtig gezeichnet, die Handlung hat ihren eigenen Twist und die Thematik ist mir persönlich sehr nahe. Trauer und Tod sind die ungefragten Begleiter, denen wir von Beginn an unbewusst zugesagt haben. Wir können einen Bogen um sie schlagen und sie meiden, aber es ändert nichts daran, dass ein jeder sie ins Leben lassen muss. Wichtiger als die Fokussierung auf den Tod, Trauer und Tränen ist jedoch alles, was bleibt. Denn so funktioniert das Spiel auf diesem Schachbrett des Lebens und wir ziehen weiter, weil wir uns dem Fluss der Gezeiten nicht entziehen können.

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