Wichtiges feministisches Buch, das sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt
Dramaqueen: Frauen zwischen Beurteilung und VerurteilungBeim Cover war ich mir zunächst nicht so richtig sicher, ob ich es mag. Ich mag die Farben und die Gestaltung, aber irgendwie hat es mich nicht so richtig überzeugt, als ich aber Taras Wittwers Auseinandersetzung ...
Beim Cover war ich mir zunächst nicht so richtig sicher, ob ich es mag. Ich mag die Farben und die Gestaltung, aber irgendwie hat es mich nicht so richtig überzeugt, als ich aber Taras Wittwers Auseinandersetzung damit in dem Buch gelesen habe, gefiel es mir sehr viel besser, weil es einfach zeigt, wie sehr sie sich damit auseinandergesetzt hat und wie sehr sie dafür brennt.
Ich folge ihr schon einige Zeit auf Instagram und liebe ihre Auseinandersetzung mit toxischen Aussagen. Deswegen habe ich mich schon auf das Buch gefreut, hatte aber gleichzeitig auch Angst, dass es mir nicht gefallen würde, weil ich so hohe Ansprüche hatte. Zum Glück waren meine Sorgen unbegründet und ich mochte das Buch unglaublich gerne. Das liegt auch daran, wie wunderbar es geschrieben ist. Ich musste immer wieder lachen, während ich gleichzeitig darüber nachgedacht habe, wie unfair die Gesellschaft sein kann. Dabei beschreibt sie allerdings nicht einfach Situationen aus ihrem Leben und ärgert sich dann über eine bestimmte Personengruppe, sondern es gibt eine für mich extrem gelungene Mischung aus eigenen Erlebnissen und wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen. Es gibt Bücher bei denen diese Mischung überhaupt nicht funktioniert, hier fand ich es aber nahezu ideal, weil ich mich immer wieder auch selbst wiedergefunden habe, sowohl positiv als auch negativ und gleichzeitig auch gelernt habe, warum man auch eine gewisse Art und Weise handelt.
Dabei fand ich es vor allem wichtig zu betonen, dass nicht nur Männer misogyn, sprich frauenfeindlich, handeln, sondern dass das auch bei Frauen der Fall ist. Fast schlimmer als die offenen Anfeindungen ist dabei aber fast die internalisierte Misogynie, also der verinnerlichte Frauenhass. Dabei tritt das zumeist nicht offen zu Tage, sondern eher in Äußerungen, wie „Ich bin anders als andere Frauen“ oder „Mit Frauen kann ich nicht befreundet sein, die sind so anstrengend und machen immer Drama“. Dies führt zu einer Abwertung von Frauen, während man sich selbst durch die Abgrenzung gleichzeitig versucht zu erhöhen. Vor allem diese Aussagen haben mich nachdenklich gestimmt, ich habe solche Aussagen eher selten ausgesprochen, vor allem als Teenager aber gedacht, sodass ich mir echt ertappt vorkam und mich auch dafür geschämt habe. Man hinterfragt einfach viele Verhaltensweisen viel mehr und das ist es für mich auch, was das Buch ausmacht. Es wird nie der mahnende Zeigefinger erhoben, sondern die Autorin berichtet von eigenen Erlebnissen und zeigt daran auf, warum bestimmte Dinge eben einfach misogyn sind und aus dem Grund nicht akzeptabel. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich die Kapitel zum Teil zu kurz fand. Ich hätte an einigen Stellen echt gerne noch mehr gelesen und war fast schon enttäuscht als sie dann zu Ende waren. Das ist aber absolut Meckern auf ganz hohem Niveau, weil ich das Buch wirklich gerne gelesen habe, weil es mich sowohl unterhalten als auch zum Nachdenken gebracht hat.