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Veröffentlicht am 21.12.2022

Was damals geschah...

Der finstere Pfad
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„Menschliche Überreste gefunden…“ tönt es aus dem Autoradio „…auf dem berühmten West Coast Trail.“ Oh Schreck - Faye und George, Lauras Kinder, kreischen auf dem Rücksitz, als ihre Mutter auf einen Lieferwagen ...

„Menschliche Überreste gefunden…“ tönt es aus dem Autoradio „…auf dem berühmten West Coast Trail.“ Oh Schreck - Faye und George, Lauras Kinder, kreischen auf dem Rücksitz, als ihre Mutter auf einen Lieferwagen auffährt.

Die damals 20jährige muss sich nun, fünfzehn Jahre später, der Vergangenheit stellen und diese Erkenntnis greift zunehmend in ihr perfektes Leben mit Mann und Kindern ein. „Ich werde nie hinter mir lassen können, was in Kanada geschah.“ Diese Erkenntnis lässt sie innerlich beben. Mit einem Geschwisterpaar war sie unterwegs.

Jenny Blackhurst wechselt zwischen dem Gestern und dem Heute, zwischen der folgenschweren Wanderung auf dem West Coast Trail und dem beschaulichen Familienleben im Jetzt. Der Erzählstrang um das Heute ist doch etwas langatmig geraten. Die heutige Laura führt ein weitgehend unspannendes Leben, diese Ausführungen hätte ich mir sehr viel kürzer gewünscht.

Muss sie sich der Vergangenheit stellen mit allen Konsequenzen? Und was wären diese? Was alles würde zum Vorschein kommen? Sie weiß es, der Leser meint es zu wissen. Die vermeintlich Schuldigen und die Unschuldigen verschwimmen noch zu einer undurchdringlichen Schwärze. Die Wahrheit wabert unter der Oberfläche, die Ungewissheit schwebt über allem. Denn eins ist sicher: Es ist nichts so wie es scheint.

Die Passagen auf dem Trail sind zunehmend fesselnd und wendungsreich, es ist ein raffiniert konstruierter finsterer Pfad. Die Auflösung dann ist so unerwartet und überraschend, damit hätte ich nie gerechnet - ein spannendes Verwirrspiel. So, wie ich es von der Autorin kenne. Ein lesenswerter Psycho-Thriller mit einigen Längen.

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Veröffentlicht am 24.11.2022

Der etwas andere Club

Tea Time
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Ingrid Noll bittet zum Tee – it´s teatime bei Nina und Franzi. Die beiden Freundinnen wohnen im selben Haus, beide pflegen sie ihre Macken. Zu ihnen gesellen sich noch Corinna und Eva, Jelena und Heide. ...

Ingrid Noll bittet zum Tee – it´s teatime bei Nina und Franzi. Die beiden Freundinnen wohnen im selben Haus, beide pflegen sie ihre Macken. Zu ihnen gesellen sich noch Corinna und Eva, Jelena und Heide. Der Klub der Spinnerinnen, wie sie sich nennen, hält ihre Freundschaft auf teils bizarre Art zusammen.

Nolls Charaktere sind mehr oder weniger besessen von ihrem Spleen wie etwa Teppichfransen exakt in Form zu kämmen oder fremde Leute heimlich zu beobachten. Es geht um Puppen und um Hasen im übertragenen Sinne, um gut aussehende Nachbarn, um das Fotografieren von eher unscheinbaren Pflanzen am Wegesrand, um Giftpflanzen geht es übrigens auch - und um eine vergessene Handtasche. Mit ihr nimmt das Unheil seinen Lauf.

Lange habe ich nichts mehr von Ingrid Noll gelesen, das sollte ich ändern. Vordergründig passiert nicht viel und doch ist es ein kurzweiliges Buch geworden, die kriminalistischen Elemente drängen an die Oberfläche, um sich dann doch wieder zu verflüchtigen. Zu Nina und Franzi gesellt sich ihr Nachbar Yves, der wunderbar in diese ein wenig eigenwillige Truppe passt. Mit einem Augenzwinkern lese ich von ihnen, von ihrem Alltag, der gespickt ist mit Geheimnissen, die es nach Möglichkeit auch bleiben sollten.

Ein Roman mit kriminalistischen Elementen, direkt aus dem Leben gegriffen. Zumindest aus dem Leben derer, die sich als Spinnerinnen bezeichnen. Ein wenig überzogen und doch liebens- und lesenswert. Man darf nicht alles so verbissen sehen - sind wir nicht alle ein bisschen gaga?

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Veröffentlicht am 21.11.2022

Rasante Jagd

Das letzte Grab
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Carla Winter ist eine erfolgreiche Strafverteidigerin. Mittlerweile glücklich geschieden führt sie das Leben eines Single, One-Night-Stands nicht ausgeschlossen. So auch jetzt, der sehr viel jüngere Mann ...

Carla Winter ist eine erfolgreiche Strafverteidigerin. Mittlerweile glücklich geschieden führt sie das Leben eines Single, One-Night-Stands nicht ausgeschlossen. So auch jetzt, der sehr viel jüngere Mann schläft noch tief und fest, sie jedoch muss in die Kanzlei. Hier taucht ein Mitarbeiter des türkischen Generalkonsulats auf, der ihr Schockierendes mitteilt: Felix, ihr Ex-Mann, ist bei einem Unfall bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Ihre Wohnung wurde währenddessen durchsucht, durchwühlt…

…so ist die Ausgangssituation, die sich für Carla zunehmend als Albtraum erweist.

Bald steht fest, dass es hier um Raubkunst im weitesten Sinne geht, um eine antike Statue im Besonderen. Ein rasantes Wettrennen nicht nur gegen die Zeit beginnt. So nach dem Motto: Carla gegen den Rest der Welt. Die Polizei ist schon auch involviert, jedoch tauchen so einige andere Gestalten auf, alle mit vielen Fragezeichen behaftet. Wer spielt hier falsch?

Um Kunstraub und den Schmuggel dessen rankt sich die Story. Mittendrin die Frankfurter Anwältin Carla Winter, die mir zeitweise schon sehr suspekt vorkommt, die permanent Alleingänge unternimmt, die so manch zwielichtigen Individuen vertraut. Eher oberflächlich. Viel passiert, es wird zunehmend gefährlich und doch habe ich zeitweise das Gefühl, dass alles zu schnell abgehandelt wird. Als ob vieles angerissen und dann doch nicht zu Ende gebracht wird. Und doch ist Wesentliches absehbar, sehr bald durchschaubar.

Ein in weiten Teilen rasanter Krimi, der sich zuweilen in Nebensächlichkeiten verliert mit einem Ende, das überraschen mag. Für mich war dies eher folgerichtig.

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Veröffentlicht am 17.11.2022

Liebenswert und ein wenig skurril

Vilma zählt die Liebe rückwärts
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In der ungekürzten Hörbuchfassung habe ich Vilmas Geschichte kennengelernt. Die Mittdreißigerin lebt eher zurückgezogen, ein wenig schrullig gar, ihre Brötchen verdient sie als Klavierlehrerin. Ein beschauliches ...

In der ungekürzten Hörbuchfassung habe ich Vilmas Geschichte kennengelernt. Die Mittdreißigerin lebt eher zurückgezogen, ein wenig schrullig gar, ihre Brötchen verdient sie als Klavierlehrerin. Ein beschauliches Leben ohne Höhen und Tiefen führt sie, bis sie eines Tages die Nachricht vom Tod ihres Vaters, den sie nie kennengelernt hat, erhält. Sein Nachlass sind Briefe, viele Briefe. Jeden Tag soll sie einen davon lesen. Was er ihr darin erzählt, ist tieftraurig und wunderschön zugleich.

Die beiden hervorragenden Sprecher Felicity Grist und Wolfgang Gerber geben jeder Figur ihren ganz eigenen Charakter, sie sind wie gemacht für Vilmas Geschichte. Diese liest jeden zweiten Tag einen Brief, dieses Ritual ist ihr ganz persönlicher Adventskalender. So lernt sie nicht nur ihren Vater besser kennen, auch erfährt sie die Liebesgeschichte zwischen ihm und ihrer Mutter. Und wie nebenbei träumt sie sich weg, in ein Leben voller Liebe und Zweisamkeit. Schon ein wenig weltfremd - oftmals musste ich schmunzeln.

Eine Liebesgeschichte ist nicht unbedingt das, wonach ich zuerst greifen würde und doch hat mich Vilmas Zählart voll erwischt. Es scheint, dass sie durch die Briefe aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht ist. Das Hörbuch habe ich sehr genossen, es waren sehr berührende Momente dabei, heitere und ironische, auch so manch skurrile Szene, alles zusammen war ein kurzweiliges Vergnügen.

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Veröffentlicht am 10.11.2022

Schlaflos durch die Nacht

Das Schlaflabor
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Wer kennt sie nicht, die durchwachten Nächte, in denen man kein Auge zutut. Am nächsten Morgen ist man wie gerädert, möchte sich verkriechen und doch muss man funktionieren. Auch Tom Sonnborn leidet sehr ...

Wer kennt sie nicht, die durchwachten Nächte, in denen man kein Auge zutut. Am nächsten Morgen ist man wie gerädert, möchte sich verkriechen und doch muss man funktionieren. Auch Tom Sonnborn leidet sehr an seiner Schlaflosigkeit. Der Job steht auf der Kippe, es muss sich dringend etwas ändern. Eine Klinik in der Schweiz verspricht Abhilfe. Ihre angebotene neuartige, fünftägige Therapie ist zwar ausgesprochen teuer, auch ist ihre Methode wissenschaftlich noch nicht erwiesen und doch ist es ein Strohhalm, an den Tom sich verzweifelt klammert.

Schon die ersten Seiten rauben mir den Schlaf, es geht heftig zur Sache. Miriam, eine Leidensgenossin von Tom, macht einen nächtlichen Spaziergang. Das hätte sie besser bleiben lassen sollen. Kurz darauf sitzt Tom im Zug Richtung Schweiz. In der Gerolamo-Cardano-Klinik wird er herzlich willkommen geheißen, die Zimmer sind karg, so manche Behandlungsmethode seltsam und doch schläft er wie lange nicht mehr.

Mehrere Todesfälle im weiteren Umfeld dieser Klinik rufen die Kantonspolizei Bern auf den Plan. Merkwürdiges geschieht, der Albtraum legt sich wie ein wabernder Nebel um Das Schlaflabor. Schon der Klappentext verrät, dass Tom in einen Mordfall verwickelt sein soll. Blöd nur, dass er einen kompletten Filmriss hat, sein Erinnerungsvermögen lässt ihn diesbezüglich total im Stich.

Marc Meller versteht es, die stetige Ungewissheit aufrecht zu erhalten. Ist Tom infolge seiner Insomnie tatsächlich ein Mörder? So einige Theorien entwickeln sich während des Lesens, ich vertraue niemandem mehr. Und je weiter ich lese, traue ich so manchem alles zu. Meine Sympathie gehört Tom – immer noch, auch wenn er zeitweise schon eigenartig agiert und reagiert. Auch so mache Behandlungsmethode klingt abenteuerlich, ich nehme es hin, frage mich aber schon, ob dies nicht ein wenig zu dick aufgetragen ist. Das Schlaflabor entwickelt sich zeitweise zu einem Road Movie. Rasant, undurchsichtig, manipulativ. Ich habe einen starken Verdacht, es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass ich lange Zeit einem bis dahin unverdächtig scheinenden Typen zu wohlgesonnen war. Aber kann das sein? Letzte Zweifel bleiben. Letztendlich hat der Autor hat mich geschickt auf eine falsche Fährte gelockt.

Neben den Thriller-Elementen erfahre ich so einiges über Insomnie. Diese eher trockenen Einschübe sind schon auch interessant, für die Story ist es jedoch eher irrelevant, z. B. über Panpsychismus zu philosophieren.

Ein rasanter Thriller, der sich ab und zu in Nebensächlichkeiten verliert, mit interessanten, teilweise sehr suspekt wirkenden und zweifelhaften Charakteren und einem über weite Strecken schlaflosen Hauptakteuer, der seinen persönlichen Albtraum durchlebt. Das ganze Schlaflabor hat mich gut unterhalten und mich ganz schön auf Trab gehalten. Ein durchaus gutes Buch mit Abstrichen, viel Action und spannend bis zum Schluss.

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