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Veröffentlicht am 04.02.2023

Rache!

Stigma (Milosevic und Frey ermitteln 1)
2

„Männer, die in der Vergangenheit Täter waren und sich brutal an Frauen vergangen haben…“ So lese ich die ersten Worte der Kurzbeschreibung und bin neugierig, wie das Autorinnenduo, das sich Lea Adam nennt, ...

„Männer, die in der Vergangenheit Täter waren und sich brutal an Frauen vergangen haben…“ So lese ich die ersten Worte der Kurzbeschreibung und bin neugierig, wie das Autorinnenduo, das sich Lea Adam nennt, dies umsetzt.

Mit Jagoda Milosevic, kurz Milo genannt und ihrem Kollegen Vincent Frey begebe ich mich auf Mörderjagd. Die beiden Ermittler sind mir auf Anhieb sympathisch, der kollegiale Umgangston schafft Nähe, zu viel Privates jedoch will Milo nicht preisgeben. Zwei sehr authentische Polizisten, denen ich ihre Vorgehensweise und das Miteinander sofort abnehme - ein wenig flapsig, ein wenig Frotzeln, aber immer liebevoll.

Eine männliche Leiche wird gefunden mit einer Mülltüte über dem Kopf, zugebunden mit Kabelbinder. Nach dem Entfernen der Tüte blicken sie in leere Augenhöhlen. Die herausgeschnittenen Augen sind nicht weit vom Auffindungsort entfernt, auch deutet nichts auf Raubmord hin. Die Identität des Toten ist schnell ermittelt, er scheint ein absolut cleanes Leben geführt zu haben. Bald darauf wird eine zweite Leiche gefunden, diesmal fehlen die Ohren, vieles spricht für einen Serientäter.

Als erstes hat mich das Cover angesprochen. STIGMA sticht sofort aus der Düsternis, den Kopf dahinter will man gar nicht näher betrachten. Auf den etwa 400 Seiten verbirgt sich eine meist rasante Story, die Tätersuche und so manche Szene sind schon hart an der Grenze dessen, was erträglich scheint, nicht alles mag ich mir bildlich näher vorstellen.

Es geht um Schuld und um Gewalt, um sexualisierte Gewalt und um sehr viel Rache und um das Recht zur Selbstjustiz. Zwischendurch lese ich von Frauen, die kursiv gehaltenen Kapitel sind mit ihren jeweiligen Namen übertitelt. Ihre Leidensgeschichte lässt Schlimmes ahnen. Noch lassen sich diese Einwürfe mit dem Geschehen nicht in Einklang bringen, dies passiert erst sehr viel später.

Die Aufklärung der Morde, das Warum, wird zunehmend klarer. Der oder die Täter dagegen sind aus Ermittlersicht nicht so leicht zu fassen. Das Motiv ist schon greifbar und doch scheint deren Handlungsweise konfus. Der ansonsten spannende Thriller krankt an einer absoluten Selbstjustiz, auch an einer arg überzogenen Selbstgerechtigkeit.

Ein durchaus spannender Thriller, gut und leicht zu lesen, der gerade aus Frauensicht – die hier angepriesen wird - nicht unbedingt glaubhaft, weil überzogen, daherkommt. Ja, es ist keine Geschichte über ermordete Frauen, diesmal sind die Männer dran. Frauenpower in mörderischer Form sozusagen.

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Veröffentlicht am 31.01.2023

Zwischen Mythos und Wirklichkeit

Gleißendes Licht
2

Der deutsch-türkisch-armenische Komponist und Gitarrist Marc Sinan hat mit „Gleissendes Licht“ seinen ersten Roman vorgelegt. Darin verarbeitet er, teils autobiografisch, die türkische und armenische Geschichte ...

Der deutsch-türkisch-armenische Komponist und Gitarrist Marc Sinan hat mit „Gleissendes Licht“ seinen ersten Roman vorgelegt. Darin verarbeitet er, teils autobiografisch, die türkische und armenische Geschichte des 20. Jahrhunderts bis heute.

Kaan wächst in München auf, seine türkische Mutter Nur floh als junge Frau hierher, um den Chauvinismus ihres Heimatlandes hinter sich zu lassen. Nurs türkischer Vater kam einst zu Ansehen und Reichtum, seine armenische Frau, Kaans Großmutter Anneanne, verlor 1915 ihre Familie durch den Völkermord. Davon wird in Rückblicken erzählt, die Geschichte des ganzen Volkes wird eingeflochten in die Mythologie von Tepegöz. Ein sagenumworbenes Wesen, das nur ein Auge auf der Stirn hat. Mythos und Wirklichkeit verschwimmen, ein konzentriertes Lesen ist unabdingbar. Diese mystische, sehr bildhafte Erzählweise hat mich oft stocken lassen, da mir die türkische Mythologie so gar nicht geläufig ist.

Kaan hat seine erste Freundin Zizi, der erste Teil erzählt davon, es sind auch die Jahre des Studiums. Er, der hochbegabte Musiker, hat Visionen, seine Welt ist die Musik. Er verbringt viel Zeit bei seiner türkischen Familie, daneben und dazwischen schleichen sich die mystischen Gedanken. „Meine Anneanne hatte alles im Gepäck, den Genozid, die Einsamkeit, die Traurigkeit… und diesen Rucksack muss ich jetzt tragen.“ So meint Kaan in der nahen Zukunft.

In das Buch habe ich mich einspüren müssen. Zunächst schien es mir fremd, nur allzu unverständlich. Weglegen oder doch weiterlesen? Es dauerte, bis ich mich einigermaßen zurechtfand. Surreale Momente wechseln sich mit der nachvollziehbaren Wirklichkeit ab. Zum Schluss gibt er seinen Rachegedanken noch Raum. Es ist erkennbar, dass er mit der politischen Situation der Türkei hadert.

Ein außergewöhnliches Buch, ein durchaus poetischer Schreibstil, nicht immer leicht zu lesen.

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Veröffentlicht am 07.01.2023

Spannend, kurzweilig, leider mit offenem Ende

Der Strand: Vermisst
2

„Bestell alle Kollegen zum Wanderparkplatz am Krielmoor. Wir koordinieren die Suche von dort.“ Eine junge Frau ist verschwunden. Die Zeit drängt, sollte wirklich etwas passiert sein. Eigentlich ist es ...

„Bestell alle Kollegen zum Wanderparkplatz am Krielmoor. Wir koordinieren die Suche von dort.“ Eine junge Frau ist verschwunden. Die Zeit drängt, sollte wirklich etwas passiert sein. Eigentlich ist es noch zu früh für eine polizeiliche Suche, hier liegt die Sache etwas anders: Lilli Sternberg, die Vermisste, ist gehörlos. Sie waren am Weststrand verabredet: Fabienne, Lillis Freundin, kommt zehn Minuten zu spät…

Es ist der erste von drei Bänden – „Verraten“ und „Vergessen“ folgen. Karen Sander hat mit „Vermisst“ einen fulminanten Start hingelegt. Die knapp 380 Seiten waren im Nu gelesen, „Der Strand“ hat mich nicht losgelassen, mich bestens unterhalten, aber leider ist das Buch zu Ende, Lillis Geschichte jedoch nicht. Ich bin so klug als wie zuvor, ich tappe nämlich nach wie vor im Dunkeln. Die Frage, was mit Lilli geschehen ist, zieht sich durchs Buch und drüber hinaus.

„Der Strand“ befindet sich an der Ostseeküste auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, das Städtchen Sellnitz ist fiktiv, alle anderen Orte sind real.

Mit dem Kriminalhauptkommissar Tom Engelhardt und der Kryptologin Mascha Krieger hat die Autorin zwei sympathische Figuren erschaffen, deren privates Umfeld immer mal wieder durchscheint. Vor allem Tom hat es nicht gerade leicht, er ist mit seiner fünfjährigen Tochter Romy hierher gezogen, er ist ihr ein guter Vater, stößt aber permanent an seine Grenzen. Mascha ist noch ziemlich verschlossen, ihr Privatleben gibt sie ungern preis, so einiges blitzt aber auch bei ihr durch. Privates lockert einen Krimi immer auf, es sollte nur nicht allzu viel davon sein. Zeitweise hat es den Anschein, als ob genau dies im Vordergrund steht, auch wenn so etliches noch ungesagt bleibt. Band 2 und 3 werden hiervon bestimmt Weiteres berichten.

Lilli ist verschwunden, ich bin ihr nie begegnet. Ich weiß von ihr das, was ihre Freunde, was ihre Familie über sie zu erzählen haben. Sie arbeitet in der örtlichen Gärtnerei, die Sellnitzer kennen und schätzen sie. Lillis Großvater Walter drängt darauf, dass schnellstmöglich nach ihr gesucht wird, als ehemaliger Bürgermeister ist er eine Respektsperson, richtig warm werde ich mit ihm jedoch nicht. Auch seinem Geschäftspartner Henning ist nicht zu trauen, er ist der Vater von Lillis Freundin Fabienne, die von Lillis Handy mehrere verschlüsselte Nachrichten erhält. Alle Charaktere sind glaubhaft angelegt, die Story durchweg spannend und temporeich, erzählt wird aus wechselnden Perspektiven. So einiges dröselt sich schon auf und doch bleiben mehr Fragen offen, die losen Fäden werden nicht weniger.

Der Prolog wirft einen ersten Blick auf Lillis Mutter, diese hat anscheinend mit der weiteren Geschichte um Lilli nichts zu tun. Vordergründig ist ihr Schicksal klar, die Auflösung jedoch wird wohl bis zum dritten Band auf sich warten lassen. Und hier setzte meine Kritik an: Ich habe einen spannenden, sehr kurzweiligen, gut lesbaren Thriller gelesen, um jedoch den Durchblick zu haben, ist es zwingend notwendig, alle drei Teile zu kennen. „Vermisst“ endet sehr unbefriedigend, als ob die Autorin keine Lust mehr hätte, weiterzuerzählen. Natürlich sollen die beiden Nachfolgebände gelesen werden, was ich auch vor habe. Und doch sollte jedes Buch zumindest einigermaßen in sich abgeschlossen sein. Es wäre ein sehr gutes Buch, das volle Punktezahl bekommen sollte, dieser sehr unschöne, ja ärgerliche Abschluss, der wohl einen monetären Hintergrund hat, lässt mich diesen ersten Teil mit immerhin noch 3 Sternen bewerten.

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Veröffentlicht am 28.12.2022

Schräger Krimi

Volksfest
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„Volksfest“ hat einen ganz eigenen Humor, den muss man schon mögen. Suchanek - ein Loser schlechthin - ermittelt. Er lebt schon lange nicht mehr hier, im niederösterreichischen Wulzendorf, und doch muss ...

„Volksfest“ hat einen ganz eigenen Humor, den muss man schon mögen. Suchanek - ein Loser schlechthin - ermittelt. Er lebt schon lange nicht mehr hier, im niederösterreichischen Wulzendorf, und doch muss er jetzt für einige Tage das Haus seiner Eltern hüten, sie sind on Tour.

Die Tage sind voller schräger Ereignisse und diese hat mir Marko Formanek als Sprecher des Hörbuchs nähergebracht. Sein österreichischer Zungenschlag passt hierzu perfekt, ich hab mich direkt in Suchaneks Dorfidylle hineinversetzen können.

Zunächst waren all die Namen und Spitznamen verwirrend. Ich hab diese dann einfach ignoriert und das war gut so, denn im Laufe der Ereignisse kommen sie so nach und nach zum Vorschein, sie sind zwar gewöhnungsbedürftig und das in mehrfacher Hinsicht, aber auseinanderhalten kann man sie schon. Das Dorfleben, so wie man sich dies vorstellt, in all seiner Wildheit, kommt hier geballt und arg überzogen rüber. Es gibt nicht nur einen Todesfall, auch wird so manch Skurrriles aus nem Rohr gespuckt. Kauzig, spleenig, ja bizarr und sonderbar kommen so einige Typen daher, Suchanek ist immer vorne dabei.

Man muss sich beim Hören schon konzentrieren, es passiert einfach eine ganze Menge. Vielleicht zu viel, denn es hat mich schier erschlagen ob der vielen Vorkommnisse. Ein derber Krimi, garniert mit schwarzem Humor. Satirisch-makaber, jedoch einer von der unterhaltsamen Sorte.

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Veröffentlicht am 09.12.2022

Teils zu langatmig

Die letzte Party
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Rhys Lloyd ist tot. „Die letzte Party“ ist noch in vollem Gange, als seine Leiche gefunden wird. Rhys hat nicht nur die Bewohner der exklusiven Ferienanlage am englischen Ufer des Mirror Lake zur Silvester-Party ...

Rhys Lloyd ist tot. „Die letzte Party“ ist noch in vollem Gange, als seine Leiche gefunden wird. Rhys hat nicht nur die Bewohner der exklusiven Ferienanlage am englischen Ufer des Mirror Lake zur Silvester-Party geladen, auch die Alteingesessenen in dem Dorf Cwm Coed auf der anderen, der walisischen Seite, sollten von seiner zur Schau gestellten Großzügigkeit etwas abbekommen.

Schon der Champagner im Cocktailglas des Covers zeigt sehr viel mehr, als es zunächst den Anschein hat. Die stürmische See, in der Lloyd sein Ende findet, vermischt mit mehr als einem Blutstropfen, wird hier treffend dargestellt.

Detective Constable Ffion Morgan von der North Wales Police und Detective Constable Leo Brady von der Cheshire Constabulary werden vor Ort ermitteln. Ein nicht leichtes Unterfangen, die beiden haben so einiges aufzuarbeiten. Neben der beruflichen Herausforderung haben sie jeder für sich genug private Probleme.

Die Skizze gleich zu Anfang macht den Einstieg leichter, auch das Verzeichnis der wichtigsten Personen sehe ich sehr positiv, denn die vielen Namen und walisischen Einschübe haben es in sich. Und es kommen jede Menge dieser walisischen Begriffe und Halbsätze vor, die zu meinem Bedauern nicht ansatzweise übersetzt werden. Auch wenn man sich aus der Handlung seinen Reim drauf machen kann, so behindern diese Zusätze den Lesefluss.

Alles beginnt mit einem OneNightStand und danach passiert so einiges, das sich aber sehr in die Länge zieht. Einen Krimi lege ich ungern zur Seite, es treibt mich einfach weiter. Nicht so hier, zwischendurch brauchte ich Pausen. Dramatische Momente wechseln sich ab mit langatmigen, ausschweifenden, zu ausführlichen, wie aufgebauschten Beschreibungen der einzelnen Figuren und deren Handeln. Ein Weglassen so mancher Szene hätte alles gestrafft, die Spannung wäre durchgängig erhalten geblieben.

Die Waliser sind gut gezeichnet, sie sind eigen, vielleicht auch ein wenig absonderlich, sie sind echt, sind gut charakterisiert. Die Engländer am anderen Ufer des Sees in ihren feudalen Ferienhäusern dagegen sind oberflächlich, von sich sehr überzeugt, jeder ist sich selbst der Nächste. Das Klischee des überheblichen, snobistischen Überfliegers wird hier zur Genüge bedient. Die Fassaden bröckeln. Wer hat keine dunkle Seite, hat keine Geheimnisse?

Das Ende ist so nicht vorhersehbar, es hat mir auch nicht gefallen, es sollte anders sein und doch ist es eher an den Haaren herbeigezogen. Nach der Auflösung plätschert die Story noch ne Weile dahin, ein kurzer, prägnanter Schluss hätte dieser Party gut getan.

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