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Veröffentlicht am 10.01.2023

Erinnerte mich sehr an "Someday, someday"

When You Come Back to Me
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Die Lost Boys-Reihe von Emma Scott ist im vergangenen Jahr mit „The Girl in the Love Song“ gestartet und auch wenn ich grundsätzlich die Ausrichtung der Reihe sofort mochte, so musste ich andererseits ...

Die Lost Boys-Reihe von Emma Scott ist im vergangenen Jahr mit „The Girl in the Love Song“ gestartet und auch wenn ich grundsätzlich die Ausrichtung der Reihe sofort mochte, so musste ich andererseits doch auch erkennen, dass viel von der Emotionalität weggenommen wurde, weil die Erzählung in stetigen Zeitsprüngen erzählt war, so dass zwar das Schicksal von beiden einnehmend war, es aber auch immer abgebrochen wirkte, weil wieder ein Zeitsprung nötig war. Dennoch ist man für die anderen beiden Paare schon angefixt worden und so ging es nun in „When You Come Back to Me“ um Holden und River.

Ich hatte im ersten Band auch kritisiert, dass es zu viele eindeutige Anspielungen auf das Schicksal von Holden, River, Ronan und Shiloh gab, weil die Handlungen parallel spielen. Die Andeutungen waren teilweise wirklich immens, aber der Vorteil ist doch, dass alle drei Teile mit zeitlichem Abstand erscheinen, so dass als Vielleserin detaillierte Erinnerungen doch etwas schwächer wurden, weswegen ich mich vorbehaltlos auf das Abenteuer von River und Holden einlassen konnte. Es gibt auch in diesem Band Zeitsprünge, aber diese sind deutlich reduzierter und das wichtigste ist, dass die entscheidende Phase für die beiden als Paar so viel Zeit konstant eingeräumt bekommen hat. Die beiden kennen sich eben nicht schon seit sie Kinder sind, sondern sie lernen sich als junge Erwachsene kennen, weswegen das letzte Jahr an der High School voll ausgelebt werden kann. Das hat der Geschichte merklich gut getan, weswegen ich sie auch viel emotionaler als den ersten Band fand. Die späteren Zeitsprünge haben Sinn ergeben und ich hatte auch das Gefühl, dass die überbrückte Zeit auch immer wieder gut eingefangen wurde, dass man sofort erfährt, was gerade Sachstand und was in der Zwischenzeit passiert ist.

Zunächst hatte ich mich auch gefreut, dass es zu einem Crossover mit der Only Love-Reihe von Emma Scott gibt, denn aus „Someday, Someday“ taucht Silas auf, der mit Holden gemeinsam das Konversationscamp durchlaufen hat. Das fand ich schon süß, zumal es da auch gar nicht um eine verpasste Liebesgeschichte ging, sondern dass es zwei junge Männer waren, die füreinander an einem Tiefpunkt ihres Lebens da waren. Dennoch war danach auch augenscheinlich, dass die Parallelen zwischen den beiden Büchern auch deutlich da sind. Max ist Holden und Silas ist River und dann doch wieder umgekehrt und auch die Geschichten drum herum waren sehr ähnlich. Es fühlte sich dadurch manchmal etwas wiederholt an, was schade ist, denn Scott ist es erneut sehr gut gelungen, die Traumata darzustellen, in diesem Fall eben die von Holden. Bei ihm war es gut gelungen, dass man ihn oft schütteln wollte nach dem Motto, wach endlich auf, aber es hat eben auch gepasst, dass es für traumatisierte Menschen unheimlich schwer ist, alten Mustern zu entfliehen, weil sie zu tief eingebrannt sind. River wiederum musste erstmal mit seinem Coming-Out kämpfen und dennoch war er deutlich der Stabilere von beiden, denn nachdem er sich einmal bekennen konnte, war er die Konstante der Geschichte, weswegen ich River auch deutlich lieber mochte. Alles in allem hätte ich die Geschichte aber wahrscheinlich noch mehr genießen können, wenn es „Someday, Someday“ noch nicht gegeben hätte.

Abschließend will ich noch einmal auf die titelgebenden Lost Boys kommen, die für mich in diesem Band etwas untergegangen sind. Schon zur Zeit der High School hatte ich den Eindruck, dass es im Verhältnis weniger gemeinsame Szenen als im ersten Band gab, wo uns alles aus Millers Sicht erzählt wurde. Auch wenn die Verbindung von Holden zu ihm und Ronan erzählt wurde, war es mir nicht so stark genug. Spätestens nach den Zeitsprüngen hatte es sich dann auch völlig erledigt, weil Holden da keinen offensichtlichen Kontakt mehr hatte. So haben wir nur durch Rivers Perspektive noch Violet erlebt. Ich fand es auch schön, dass die entstandene echte Freundschaft zwischen den beiden sehr schön erzählt worden ist, aber die Jungs sind leider völlig zu kurz gekommen.

Fazit: „When You Come Back to Me” fand ich innerhalb der Lost Boys-Reihe definitiv starker als den ersten Band, weil es durch weniger Zeitsprünge mehr emotional zugehen durfte. Nur leider waren mir die Parallelen zu „Someday, Someday“ etwas zu groß, weswegen sich die Geschichte schon zu vertraut anfühlte. Auch die Lost Boys sind diesmal eher untergegangen. Alles in allem dennoch die Fortsetzung einer Reihe mit einer schönen Botschaft.

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Veröffentlicht am 30.12.2022

Überraschend spannender Roman

Ein ganzes Leben lang
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„Ein ganzes Leben lang“ von Rosie Walsh war eine Leihgabe mit dicker Empfehlung, aber von der Autorin hatte ich bis dato noch nichts gehört, wenn mir auch das Cover von ihrem ersten Bestseller „Ohne ein ...

„Ein ganzes Leben lang“ von Rosie Walsh war eine Leihgabe mit dicker Empfehlung, aber von der Autorin hatte ich bis dato noch nichts gehört, wenn mir auch das Cover von ihrem ersten Bestseller „Ohne ein einziges Wort“ durchaus mal ins Auge gefallen war. Deswegen war das Ganze für mich also völliges Neuland und ich war überrascht, wie rätselhaft die Handlung erzählt wurde. Natürlich ist „Ein ganzes Leben lang“ kein Thriller oder Krimi, aber ich fand, dass das Miträtseln tatsächlich ein wichtiger Hauptfaktor dieser Geschichte war. Manches war mehr vorhersehbar als anderes, aber alleine die Tatsache, dass dann auch im letzten Fünftel noch etwas Neues ausgepackt wird, diese Aufgabe habe ich teilweise in dem typischen Genre Thriller/Krimi nicht erfüllt gesehen, weswegen ich dementsprechend schon einmal angetan war.

Zuvorderst ist „Ein ganzes Leben lang“ aber eine gefühlsbetonte Geschichte, weil wir das gemeinsame Leben von Emma und Leo kennenlernen. Es geht um ihre Liebesgeschichte, der wir in Rückblenden beiwohnen und es geht vor allem um Emmas Lebensgeschichte, die in ihren 39 Jahren wirklich sehr bewegend und abwechslungsreich ist. Dennoch macht es das Buch mit ihr nicht einfach. Den Umständen entsprechend muss sie im Gegensatz zu Leo undurchschaubar bleiben. Zwar merkt man deutlich, dass sie ein gutes Herz hat, weswegen meine Alarmglocken nie geschrillt haben, aber dennoch bleibt sie in ihrem ganzen Handeln undurchdringlich, weil auf der einen Seite diese deutlich spürbare Liebe für ihre Familie ist und weil sie auf der anderen Seite dennoch an ihren jahrelangen Geheimnissen festhält, obwohl es wohl das 1x1 einer Beziehung ist, dass so etwas nie gut ausgehen kann. Auch wenn Emmas Verhalten später erklärt wird und in einem engen Verhältnis zu Leos Geschichte steht und welche Muster wohl durch die Wahrheit bei ihm bedient worden wäre, so ist doch augenscheinlich, dass vor allem Angst der Antrieb war, Angst, Leo zu verlieren.

Leo ist wirklich die herzensgute Seele dieses Buchs. Bis auf den zweiten Teil, der Emmas Vergangenheit aufklärt, sind seine Kapitel in der Überzahl und er ist auch ein wirklich guter Kompass für diese Geschichte, denn er steht sinnbildlich für uns Leser, denn er ist so unwissend wie wir und gemeinsam graben wir nach der Wahrheit. Auch wenn im Verlauf der ganzen Entdeckungen viele hässliche Gedanken durch Leos Kopf zirkeln (aber kann man ihm das wirklich vorwerfen?!), so ist er ein sehr verzeihender Mensch, aber einer, der es im eigenen Tempo machen muss. Am Ende war ich etwas enttäuscht, dass die Versöhnung des Paares relativ simpel gelöst worden ist, weil sie mit ihrer Liebe doch für mich das Zentrum bildeten, was dann nach hinten raus etwas vernachlässigt wurde. Mir war zwar immer klar, dass die Liebe zwischen den beiden alles überstehen wird, aber eine richtige Aufarbeitung hätte deswegen sicherlich nicht geschadet.

Ein wirklich beeindruckender Aspekt des Buchs ist auch der zweite Teil, der wie angedeutet, Emmas Vergangenheit erklärt. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen, weil es zu viel vom eigentlichen Inhalt wegnehmen würde, aber ich war beeindruckt, wie Walsh hier ihre Perspektive dargestellt bekommen hat. So etwas habe ich bislang wirklich selten zu lesen bekommen und ich war tief beeindruckt, wie echt sich das alles anfühlte. Es war düster und man hätte einerseits gerne die Seiten überblättert, um endlich wieder Licht im Dunkeln zu sehen, aber andererseits war es auch zu faszinierend und einnehmend, hier solche Gedanken einmal geschildert zu bekommen. Janices Perspektive, die anteilig nur wenig Rolle spielt, aber dennoch sehr entscheidend ist, ist eine gute Ergänzung, auch weil die beiden Frauen so sinnbildlich für viele Konflikte stehen.

Fazit: Ich war überrascht, wie spannend „Ein ganzes Leben lang“ gelungen ist. Manches war sicherlich irgendwann abzusehen, aber nicht alles und diese Aufgabe erfüllt mancher Krimi oder Thriller nicht. Vielleicht ging für die Spannung manchmal die Gefühlsebene etwas unter, gerade der Ausgang war dann doch etwas abrupt, aber alles in allem ein wirklich empfehlenswerter Roman.

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Veröffentlicht am 14.12.2022

Vertauschte Rollen mit rundem Ausklang

Fragile Heart
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Um Mona Kasten war es nach ihrer Maxton Hall-Reihe (die im Übrigen jetzt für Prime Video als Serie adaptiert wird!) ruhig geworden, weswegen es doch eine schöne Sache war, dass in diesem Frühling mit „Lonely ...

Um Mona Kasten war es nach ihrer Maxton Hall-Reihe (die im Übrigen jetzt für Prime Video als Serie adaptiert wird!) ruhig geworden, weswegen es doch eine schöne Sache war, dass in diesem Frühling mit „Lonely Heart“ endlich mal wieder etwas von ihr erschienen ist, was mich auch zu begeistern wusste. Auf die Fortsetzung „Fragile Heart“ mussten wir netterweise auch nicht lange warten, denn so waren die Ereignisse aus dem ersten Band noch sehr präsent und ich konnte mich sofort wieder in das Geschehen stürzen.

Die drei Monate Zeitsprung, die zwischen den beiden Bänden liegen, werden durch Nachrichten von Rosie an Adam symbolisiert, die allesamt unbeantwortet bleiben. In der Zwischenzeit hat Adam seinen Entzug und seine Therapie durchgezogen und muss nun wieder langsam im Alltag Halt finden und dort steigen wir ein. Ehrlich gesagt finde ich es schade, dass wir an diesem Therapieprozess nicht intensiver beteiligt waren. Im ersten Band hatte ich schließlich gelobt, dass Kasten sich nicht gescheut hat, Adams gefährliche Spirale authentisch und in voller Dosis abzubilden. Sich nun den wichtigsten Teil der Behandlung zu sparen, wirkt wie eine Abkürzung genommen. Zudem setzt es uns postwendend einen anderen Adam vor. Den mochte ich zwar sehr, weil er immer empathischer wurde, aber es war doch etwas wilde Achterbahn, wenn man zuletzt von Adam seinen absoluten Zusammenbruch vor Augen hatte. Ich will nicht behaupten, dass es eine magische Heilung ist, denn immerhin vergehen ja drei Monate, aber der Kontrast ist riesig und damit erstmal irritierend. Zumal dann umgekehrt in diesen drei Monaten auch Rosie in etwas abgerutscht ist, wo nun bei ihr die Alarmglocken schrillen müssen und somit sind die Rollen einfach mal vertauscht worden.

Aber das ist anfängliches Bemängeln, aber die Entscheidung wurde nun mal getroffen und es gibt auch ehrlich Schlimmeres. Die Stimmung zwischen Adam und Rosie wird erfreulich sofort wieder aufgegriffen. Auch wenn der erste Teil des Buchs erstmal getrennt abläuft, aber das ist auch wichtig, um die aktuelle Situation der beiden zu erklären, wie vor allem auch bei Rosie, dass sie einen neuen Assistenten hat und wie es ihrer Webshow gerade geht. Aber sie denken eben viel aneinander und da entsteht sofort wieder ein Kribbeln. Deswegen ist es gut, als sie wieder Kontakt zueinander aufnehmen, auch wenn stets Elefanten im Raum sind. Es ist nicht unbefangen, aber es ist dennoch auch immer roh ehrlich, was bei der Stange hält, weil es eine interessante Mischung ist. Zudem ist eben wichtig, dass diesmal Adam ihr so viel geben kann, was sie ihm wiederum zuvor gegeben hat. Da ich in Beziehungen einen gewissen Ausgleich immer für wichtig erachte, finde ich schön, dass es so am Ende quasi unentschieden ausgeht und sie sich gegenseitig aus einem sehr dunklen Loch geholfen haben. Dazu ist eben durchgehend etwas in der Luft, was einfach toll ist.

Dennoch hätte ich diesen zweiten Band inhaltlich im Vorfeld wohl so nicht vermutet. Es war eine durchgängig gute Geschichte, vielleicht hätte ich mir jeweils mehr Alltag von beiden wieder gewünscht. Wir haben bei Rosie nur noch dieses unerträgliche Interview mit dem Rüpelrapper sowie der koreanischen Band von Anne Pätzold (liebe sowas ja!), wobei ich den Sinn hinter dem ersten Interview nicht wirklich verstanden haben (das wirkte für mich eher wie Zeitkommentierung statt inhaltliche Bewandtnis). Und Adam braucht zwar verständlich erstmal Abstand von der Musik, aber dennoch liegt auch für die gesamte Band alles brach und mir fehlten dazu die Gespräche, wie die Zukunft aussehen kann etc. Zwar ist es nicht schlecht, dass es so auf Rosie und Adam fokussiert war, weil so eben auch die fehlende körperliche gemeinsame Zeit wieder aufgeholt wurde, aber es wirkte eben so rausgerissen aus dem Alltag, als wäre eine künstliche Blase entstanden. Ich fand daher auch den Grund, warum Rosie bei Adam einzieht, etwas gekünstelt. Dennoch hat die Geschichte so auch echt tolle Momente noch schaffen können, wie Rosies Aussöhnung mit ihrem Vater oder auch das abschließende Benefiz-Konzert, das Musik aus dem Herzen entsprach. Am Ende war die Handlung damit auch rund und das ist eigentlich das wichtigste.

Fazit: „Fragile Heart“ büßt zwar minimal gegenüber „Lonely Heart“ ein, weil das Schwierige diesmal umschifft wurde und manches auch eher gekünstelt wirkte, aber die Handlung war rund, sie hatte ihre wichtige Botschaft und sie hat vor allem eine tolle Liebesgeschichte erzählt.

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Veröffentlicht am 07.12.2022

Eine ungewöhnliche (Liebes-)Geschichte

Anatomy
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Auf „Anatomy“ von Dana Schwartz bin ich durch die Buchcommunity aufmerksam geworden, weil so begeisterte Stimmen wegen des Covers laut wurden und ich muss zugeben, diese geniale Idee mit dem Kleid, das ...

Auf „Anatomy“ von Dana Schwartz bin ich durch die Buchcommunity aufmerksam geworden, weil so begeisterte Stimmen wegen des Covers laut wurden und ich muss zugeben, diese geniale Idee mit dem Kleid, das gleichzeitig so ein Herz darstellt, das hatte schon was. Zwangsweise habe ich mich mit dem Inhalt dann auch auseinandergesetzt und bin bei dem Untertitel „Eine Liebesgeschichte“ hängen geblieben. Passte natürlich zum Cover, aber dennoch war es für mich optisch und logisch erstmal eine wilde Mischung, weswegen es kaum verwundert, dass ich eine Geschichte bekommen habe, die ich so niemals erwartet hätte.

Bei „Anatomy“ handelt es sich um ein Jugendbuch, das im frühen 19. Jahrhundert spielt. Es ist keine Fantasy, es ist tatsächlich einfach historisch, aber mit einer sehr ungewöhnlichen Geschichte. Es ist sicherlich auch ein Krimi, da Protagonistin Hazel in eine mysteriöse Geschichte hineingezogen wird und es ist einfach ohnehin so viel. Solche Bücher bekommt man wirklich selten zu lesen, wobei ich mich stilistisch an „Enola Holmes“, wovon es schon zwei Verfilmungen bei Netflix gibt, erinnert fühlt, da es um eine jugendliche und ungewöhnliche Protagonistin mit scharfem Verstand geht, die allen gesellschaftlichen Widerständen zum Trotz ihren Weg gehen will. Hazel ist aber in erster Linie keine Detektivin, sondern sie ist an der Chirurgie interessiert. Als Frau generell, aber speziell als Dame aus gutem Hause, die schon seit ihrer Kindheit quasi für die Ehe versprochen ist, ist es ein Unding eine Karriere in der Medizin zu verfolgen. Zwar muss man manchmal bei der Geschichte ein wenig die Augen kneifen, um gewisse Umstände als gegeben hinzunehmen, aber dennoch war es auch ein interessanter Einblick in die damalige Zeit.

Hazel wächst einem sofort ans Herz, weil sie so herrlich unangepasst ist und weil man ihr einfach gönnen würde, ihre Träume verfolgen zu können. Man fiebert regelrecht mit ihr mit, wenn sie sich als ihr verstorbener Bruder ausgibt, um chirurgische Vorlesungen besuchen zu können und wie sie schließlich auf eigene Faust sich alles an Wissen aneignet. Manchmal sind die Szenen wirklich brutal, aber ich fand, dass das der Geschichte trotz manchem Augenzwinkern eine wichtige Ernsthaftigkeit gegeben hat. Somit wurde letztlich auch Hazel als Person noch mehr in ihrem Wert hervorgehoben, weil sie eben dickköpfig, sehr intelligent, aber gleichzeitig auch empathisch und durchsetzungsfähig ist. Auf der anderen Seite haben wir Jack, der eher ein sehr einfacher Kerl ist und immer wieder neu ums Überleben kämpfen muss. Er und Hazel haben zusammen eine gute Dynamik, zumal sie ihm erst ein wenig mitleiderregend erscheint, bis er schließlich auch sie durchschaut und ihre Persönlichkeit begreift, so dass er ihr fortan als Auferstehungsmann aushilft und die Leichen ranschafft. Auch wenn sich zwischen den beiden letztlich etwas entwickelt, so würde ich dennoch sagen, dass der Untertitel „Eine Liebesgeschichte“ nicht unbedingt (nur) für sie beide gedacht ist, denn eigentlich geht es vielmehr um die Liebe von Hazel zur Chirurgie, für die sie alles riskiert.

Auch wenn „Anatomy“ mehrteilig ausgelegt ist, hätte dieser Band eigentlich sogar für sich stehen können und dieser Umstand verrät auch viel über den Erzählstil. Es ist manches Mal eher oberflächlich erzählt, vieles passiert ohne große Erklärungen. Das sorgt einerseits dafür, dass sich ein sehr angenehmes Lesetempo ergibt und man sich am Ende fragt, wie schnell man dieses Buch beendet hat, aber es bringt auch an mancher Stelle die Frage auf, wäre hier nicht noch mehr möglich gewesen? Ich bezweifle, dass diese grundsätzliche Stilistik sich im nächsten Band ändern wird, weswegen es ein Abwägen ist, was man von dieser Geschichte will. Natürlich endet der Band auch mit vielen Möglichkeiten und mir würden auch viele Fragen noch in den Kopf schießen, aber gleichzeitig war es auch so, dass es in sich rund und eben letztlich angenehm offen war. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ein Mysterium aufgebaut wird, was dann über zig Bände aufgeklärt werden muss. Dennoch begrüße ich persönlich es, noch mehr aus dieser Welt zu erleben. Eine tiefsinnige Geschichte werde ich sicherlich nicht bekommen, aber eine, die herrlich ungewöhnlich ist und die einfach im vielen Allerlei sehr viel Spaß bereitet.

Fazit: Bei „Anatomy“ mit diesem Cover und diesem Klappentext wäre ich wohl nie auf dieses Endergebnis gekommen, aber genau das ist auch der Trumpf, denn es ist eine außergewöhnliche Geschichte im Stile von „Enola Holmes“, die blutige Chirurgie mit Murder Mystery vermischt. Von „Eine Liebesgeschichte“ aber bitte nicht verleiten lassen, das empfinde ich eher doppeldeutig und unterstreicht für mich eher noch diesen doppeldeutigen Witz der Geschichte.

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Veröffentlicht am 21.11.2022

Typischer zweiter Band, aber dennoch wirklich gut

Westwell - Bright & Dark
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Im New Adult-Bereich bleiben fortführende Handlungen eines Paares für mich unter Vorbehalt, weil man hier einfach damit leben muss, dass sich einiges etwas zieht, während es in einem Band abgearbeitet ...

Im New Adult-Bereich bleiben fortführende Handlungen eines Paares für mich unter Vorbehalt, weil man hier einfach damit leben muss, dass sich einiges etwas zieht, während es in einem Band abgearbeitet deutlich mehr Zug haben könnte. Dennoch ist es für mich kein Ausschlusskriterium, zumal mich Lena Kiefer mit dem ersten Band zu „Westwell“ auch überzeugen konnte. Aber der zweite Band bestätigt schon, dass es etwas zu langgezogen ist, dennoch gelingt es der Autorin, dass auch dieser Mittelband Bewandtnis hat.

Ich war im Vorfeld schon sehr gespannt gewesen, wie sich dieser zweite Band nun erzählen lässt, denn indem Helena eingestimmt hat, dass sie sich für ihre Familie von Jess fernhält, war klar, dass dieser Fakt nicht mal eben über den Haufen geschmissen werden würde. Zudem gibt es eben noch einen dritten Band, der klar macht, dass das große Happyend tatsächlich erst dort erfolgen wird. Wie lässt sich dann ein zweiter Band erzählen, in dem nicht viel Kontakt wird möglich sein? Als es nun also losging und Helena und Jess wirklich echt lange überhaupt keinen Kontakt habe, da habe ich gewisse Bauchschmerzen bemerkt, weil ich mir dachte, das funktioniert so nicht wesentlich viel länger, denn die Geschichte lebt eben von dem Miteinander dieser beiden. Dennoch war es auch sinnvoll, dass man die beiden wirklich einige Zeit für sich sieht, um so ihr Gefühlsleben aufzugreifen und auch aufklären zu können, was während des Zeitsprungs passiert ist. Aber auf ewig wäre das keine sinnige Unterhaltung gewesen, zumal eben Helena und Jess beide ein Familienleben haben, dass die Nerven aufreibt und wo man manchmal gerne als Reaktion Gegenstände gegen die Wand werfen würde, da braucht man definitiv Ausgleich.

Kiefer findet schließlich auch eine Lösung, wie Helena und Jess Kontakt haben können und ab hier wurde auch das Buch deutlich besser, weil es mehr Zug gab und weil man auch hingefiebert hat, wann sehen sie sich wieder, wann werden sie nicht mehr vernünftig sein? Aber es war auch clever, sie für ihre Ermittlungen zusammenzubringen, denn das ist eben der zweite große Aspekt dieser Reihe, was ist mit Adam und Valerie passiert? Während Helena im ersten Band die alleinige treibende Kraft war, war Jess noch eher skeptisch und löste sich schwerlich von der Theorie, dass Valerie schuldig war. Aber Jess als Partner ist sinnig, denn er ist von den beiden der unabhängigere, der weltgewandtere, so dass er mit seinen Kontakten mehr erreichen kann. Deswegen kommen wir auch einige Schritte weiter. Es gab durch auch sehr Überraschendes, wenn ich auch manchmal den Eindruck hatte, dass es neue Informationen sind, um es etwas zu strecken, denn in der entscheidenden Frage sind wir eher marginal vorangekommen. Da rätsle ich noch etwas, wie ich das finde, denn bislang habe ich noch keinen Riecher dafür, wie es wohl ausgehen wird. Was eigentlich gut ist, weil ich vorhersehbar auch nicht ausstehen kann, aber vielleicht wirkt die Lösung am Ende auch an den Haaren herbeigezogen, was schade wäre. Dennoch haben die beide als ermittelndes Duo gut zusammengepasst, auch weil die Antworten beide angehen.

Das eigentliche Herz der Geschichte bleibt aber das Miteinander des Paares auf einer Beziehungsebene, denn Kiefer gelingt es weiterhin gut, diese besondere Chemie zwischen Helena und Jess entstehen zu lassen. Wenn sie sich aus der Ferne beobachten, wenn sie miteinander reden und schreiben und auch wenn es wieder körperlicher wird. Da baut sich richtig etwas auf und man wünscht ihnen einfach, dass sie bald endlich völlig glücklich sein können. Überrascht war ich aber fast, dass ich Helenas Eltern diesmal fast schlimmer als Trish fand, denn sie waren sehr dominant in ihrem Handeln und wie sie beiden Kindern nahezu alles Gute verboten und untersagt haben. Deswegen war ich am Ende auch sooo stolz auf Helena und hätte gerne applaudiert, auch weil sie damit aus etwas ausbricht und wie sie eben sagt, auch andere überleben außerhalb der High Society. Ich verstehe zwar auch ihre Loyalität der Familie gegenüber, aber diesmal kam wirklich gar nichts an Gegenleistung, da kann man schon mal ans Grübeln kommen. Und Jess ist zu bewundern, dass er alle Geduld mitgebracht hat. Dass es wieder ein Cliffhanger geben würde, das war zu erwarten, aber er haut emotional noch einmal mehr rein als der letzte, denn wie es von hieraus weitergeht, ist für mich wirklich nicht abzulesen und das ist gut.

Fazit: Auch wenn es inhaltlich in den Ermittlungen etwas dünn war und einfach weitere Nebenschauplätze aufgemacht wurden, was aber zu erwarten war, so ist dennoch eine insgesamt spannende Fortsetzung entstanden, die im Miteinander des Pärchens wieder vollauf punktet und die spätestens mit dem Cliffhanger einen raushaut und damit die Zukunft undeutlich macht, aber das Happy End wird es geben!

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