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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2023

Deine blauen Augen machen mich so sentimental ...

Master Class, Band 1 - Blut ist dicker als Tinte
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Riley ist Mitglied einer Online-Schreibgruppe, die an einem Schreibwettbewerb auf Masters' Castle teilnehmen darf. Das ist die große Chance, Autorin zu werden und ihre Freunde auch offline kennenzulernen. ...

Riley ist Mitglied einer Online-Schreibgruppe, die an einem Schreibwettbewerb auf Masters' Castle teilnehmen darf. Das ist die große Chance, Autorin zu werden und ihre Freunde auch offline kennenzulernen. Doch während der verschiedenen Aufgaben, die sie bewältigen müssen, um weiterzukommen, geschehen immer mehr seltsame Dinge. Jemand reicht unter ihrem Namen Geschichten aus ihrem Privatleben ein, die eigentlich niemand wissen dürfte. Hat es jemand auf sie abgesehen? Und dann ist da natürlich noch der schönste Mann der Welt, Kilian Masters, der Interesse an ihr zeigt. Doch er gehört auch zur Jury, und schnell zeigt sich Neid bei den anderen.

Eigentlich hätte das eine spannende Geschichte mit Einblicken ins Schreibhandwerk und der Belastung durch Helikoptereltern und toxischen Beziehungen werden können. Eigentlich. Denn Tatsache ist, Riley kann als Protagonistin diese Geschichte nicht tragen. Sie ist langweilig. Sie ist wirklich richtig langweilig und mir ist absolut nicht klar, welches Interesse ausgerechnet solche Typen wie Masters oder Archie an ihr haben könnten. Ihre Gedanken kreisen eigentlich nur um sich selbst, sie denkt von zwölf bis Mittag, was in Beleidigungen anderer endet oder in gefährlichen Situationen. Vor allem frage ich mich, warum zum Beispiel bei der Höhlensache niemand den Führer gefragt hat, wer behauptete, dass Riley schon draußen ist. Wäre das nicht naheliegend gewesen? Natürlich wird Riley auch von allen verziehen, obwohl sie andere ernsthaft verbal verletzt.

Anstrengend ist auch, dass das Loveinterest natürlich mega schön, hot, durchtrainiert und blauäugig ist. Weiß nicht mehr, wie oft sein intensiver Blick aus blauen Augen sie aus dem Konzept gebracht haben, aber die Perfektion Kilian Masters hat einfach nur genervt und ihn im Endeffekt auch langweilig gemacht. Im Gegensatz zu Matching Night ist diese Geschichte der Autorin jedoch tatsächlich ein Masterpiece, denn es gab Leute, die ich mochte und eine interessante Prämisse.

Veröffentlicht am 14.01.2023

Blutige Herzen

Der denkwürdige Fall des Mr Poe
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1830: An der Militärakademie West Point wird ein toter Kadett gefunden. Als wäre das nicht schlimm genug, wird seiner Leiche über Nacht das Herz entnommen und gestohlen. Der Superintendent der Akademie ...

1830: An der Militärakademie West Point wird ein toter Kadett gefunden. Als wäre das nicht schlimm genug, wird seiner Leiche über Nacht das Herz entnommen und gestohlen. Der Superintendent der Akademie beauftragt den nahe lebenden ehemaligen New Yorker Polizeioffizier Augustus Landor mit der Aufklärung dieser Sache, die West Point ihren Ruf kosten könnte. Doch es bleibt nicht bei dem einen Toten. Innerhalb weniger Tage gibt es noch einen zweiten toten Kadetten und ein weiterer verschwindet. Landors Nachforschungen kommen erst voran, als er Hilfe eines der älteren Kadetten der Akademie erhält. Sein Name: Edgar Allen Poe ...

Eigentlich ist die Grundidee der Geschichte wirklich spannend. Allein in die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts einzutauchen, machte wirklich Spaß und man muss Bayard zugutehalten, dass er den gemächlichen Schreibstil, der damals üblich war, gut studiert hat. Gleichzeitig ist das aber auch eines der Mankos dieses Buchs. Gerade das ewige Geschwafel in den Berichten Poes konnte dem geneigten Leser beinahe Tränen in die Augen treiben und man wollte ihm zurufen: Jetzt komm doch endlich mal zum Punkt, verdammt! Immerhin gab es zum Schluss einen netten Twist - wenn auch tatsächlich relativ schwach gelöst - und beinahe so etwas wie einen dramatischen Showdown. Was mich auch noch gestört hat als Geschichtsfreak: Wie konnte um 1830 ein Mann bereits im Ruhestand nach jahrzehntelanger Arbeit bei der New Yorker Polizei gewesen sein, wenn die New Yorker Polizei erst gegen 1844/1845 gegründet wurde? Ja, dichterische Freiheit, weil sonst natürlich Poe nicht mehr Kadett an West Point gewesen wäre. Aber es hätte auch gut ohne Poe funktioniert oder man hätte Landor anderweitig juristische Kenntnisse unterjubeln können - die Person eines Sheriffs als Art Untersuchungsbeamten ist in den Staaten schließlich seit dem 17. Jahrhundert bekannt. So habe ich das Buch nicht ungern gelesen, aber haderte gelegentlich mit dem zähen Vorankommen und den historischen Ungenauigkeiten.

Veröffentlicht am 01.01.2023

Lampe löst den Fall

Das Strahlen des Herrn Helios
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Skarabäus Lampe ist der Meisterdetektiv in der Stadt und da ist es kein Wunder, dass der Anwaltsfisch von Oben ihn zu einem scheinbar aussichtslosem Fall hinzuzieht: Der Gorilla Dante wird des Mordes an ...

Skarabäus Lampe ist der Meisterdetektiv in der Stadt und da ist es kein Wunder, dass der Anwaltsfisch von Oben ihn zu einem scheinbar aussichtslosem Fall hinzuzieht: Der Gorilla Dante wird des Mordes an seinem Partner und Zirkusdirektor Herrn Helios angeklagt. Doch wie üblich haben sich die Polizeihunde beim Herumschnüffeln nicht mit Ruhm bekleckert und so muss Lampe, unterstützt durch einen kleinen Straßenkater und sein altes Kindermädchen, einem Huhn, die richtige Fährte aufnehmen. Und das ist auch gut so, denn der Mörder ist noch nicht fertig.

Mir gefällt die Idee wirklich gut: Tiere in menschlicher Art sprechen, handeln und leben zu lassen und dabei ganz nebenbei ein bisschen ordentliche menschliche Gesellschaftskritik unterzubringen. Allerdings hatte ich Schwierigkeiten bei der Umsetzung. So originell manche der von den Tieren verwendeten Dinge waren, so vorhersehbar war der Fall selbst. Und er war - das kann man nicht anders sagen - lahm. So lahm wie das eine Bein von Lampe. Da gab es keine Twist, die großartig in andere Richtungen führen konnten, keine Raffinesse. Und da ich auch den Schreibstil nicht durchgehend mochte, wird dieser Fall von Meister Lampe wohl auch mein letzter bleiben.

Veröffentlicht am 27.12.2022

Ein Mädchen verschwindet

Der Strand: Vermisst
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Lilli Sternberg ist neunzehn, gehörlos und verschwindet eines Tages spurlos vom Strand, wo sie mit ihrer besten Freundin verabredet war. Diese Freundin, Fabienne, erhält etwas später eine seltsam kryptische ...

Lilli Sternberg ist neunzehn, gehörlos und verschwindet eines Tages spurlos vom Strand, wo sie mit ihrer besten Freundin verabredet war. Diese Freundin, Fabienne, erhält etwas später eine seltsam kryptische Nachricht über Whatsapp von Lillis Handy. Tom Engelhardt, der Leiter der Kriminalpolizei in dem kleinen Ort, braucht Hilfe beim Entschlüsseln dieser Nachricht und ihm wird Mascha Krieger zugeteilt. Sie stellen fest, dass hier in Sellnitz jeder etwas zu verbergen hat und kaum jemand die Wahrheit sagt. Und dann gibt es Tote ...

Es hatte eigentlich so gut angefangen und ich mich auf einen spannenden Krimi gefreut. Doch obwohl immer etwas passierte und die Kapitel kurz gehalten sind, ließ die Spannung immer mehr nach. Das liegt zum Teil daran, dass die Polizeiarbeit nicht wirklich gut dargestellt wird. Tom ist aufgrund psychischer Probleme eigentlich nicht fähig, eine Ermittlung zu leiten und er wird durch seine Ausbrüche im Laufe des Buches immer unsympathischer. Mascha macht ebenfalls teilweise ihr eigenes Ding. Und die Ermittlungen werden nicht konsequent geführt und haben eher den Hauch von Inkompetenz (außer bei einem Nebenstrang, wo ein sympathischer Polizist eine andere vermisste Person sucht). Am meisten ärgert mich zum Schluss, dass in diesem Buch keine abgeschlossene Handlung erfolgt. Es hört quasi mittendrin auf und nichts wird geklärt. Bei einer Krimireihe mit demselben Personal erwarte ich schon, dass es einen Abschluss gibt, mit dem man Antworten erhält. Ist schließlich keine Fantasy-Heldenreise. Mich würde interessieren, wie alles zusammenhängt, aber ob ich dafür wirklich die anderen beiden Bücher lese, weiß ich jetzt noch nicht.

Veröffentlicht am 20.12.2022

Die Geister, die ich rief

Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall
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Ende des 19. Jahrhunderts. Der adlige sechzehnjährige Colin hat seine Mutter seit 10 Jahren nicht mehr gesehen, weil sie ihn und seinen Vater verlassen hat, um zum Theater zu gehen. Jetzt hat sie ihn nach ...

Ende des 19. Jahrhunderts. Der adlige sechzehnjährige Colin hat seine Mutter seit 10 Jahren nicht mehr gesehen, weil sie ihn und seinen Vater verlassen hat, um zum Theater zu gehen. Jetzt hat sie ihn nach Thornhill Hall eingeladen, zu ihrer neuen Familie. Als er dort ankommt, hat er keine große Lust, ihr zu verzeihen und er versteht sich auch nicht sehr gut mit den anderen Gästen des Herrenhauses. Dann wird er von einem Unbekannten die Treppe hinuntergestürzt und stirbt - nur um als Geist wieder zu erwachen. Die anderen Geister von Thornhill Hall erklären ihm, dass er drei Tage Zeit hat, um das verborgene Zimmer zu finden und es zu durchqueren: Dann kann er ins Leben zurückkehren. Doch Colins Zeit läuft ab und die einzige Hilfe, die er erhält, bekommt er ausgerechnet vom gleichaltrigen lebenden Theodor, mit dem er zu Lebzeiten nur Stress hatte ...

Eigentlich mag ich die Bücher von Handel. Er hat ein Händchen für Charaktere, die sich voneinander unterscheiden und die man vor sich sehen kann. Allerdings hat mich hier der Plot - obwohl vom Klappentext angeheizt - nicht wirklich überzeugen können. Zwar tauchen hier viele sympathische und manchmal unsympathische Charaktere auf, aber mir fehlt es hier doch an allen Ecken und Enden an Erklärungen. Wieso braucht es dieses Zimmer? Müsste dann nicht jeder Tote eine Chance haben, ins Leben zurückzukehren? Warum kann Theodore Colin sehen? Warum verliert er nicht das Gedächtnis? Wieso kann sich jemand als normaler Geist tarnen, der eigentlich ein Ungeheuer aus einer anderen Welt ist? Ein paar lahme "Isso" reichen mir da nicht, um ehrlich zu sein. Auch ging mir die Lovestory ein bisschen zu schnell und problemlos vonstatten. Nett, eine queere Liebesgeschichte zu lesen, aber die dürfte etwas mehr Feuer bekommen und nicht ebenfalls mit "Isso" abgehandelt werden. Von daher: Der Autor kann es eigentlich besser.