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Veröffentlicht am 28.01.2023

Wenn die Bergidylle trügt

Grenzfall - In der Stille des Waldes
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„In der Stille des Waldes“ ist mittlerweile der dritte „Grenzfall“ Krimi von Anna Schneider. Ich finde diese Reihe super und auch das neue Buch hat mir wieder sehr gefallen.
Wie es schon der Titel vermuten ...

„In der Stille des Waldes“ ist mittlerweile der dritte „Grenzfall“ Krimi von Anna Schneider. Ich finde diese Reihe super und auch das neue Buch hat mir wieder sehr gefallen.
Wie es schon der Titel vermuten lässt, geht es mitten hinein, in die Natur, in den Wald. Die Autorin beschreibt originalgetreu die Landschaft. Idyllisch und rau gleichzeitig. Wald, Berge, Almen... dass ist genau meins und man kriegt wirklich Lust, sich wie Alexa und Jan auf eine Wanderung zu begeben.
Neben der tollen Atmosphäre liefert die Anna Schneider dieses Mal gleich zwei verzwickte Fälle. Während Alexa die Gegend nach einem Zeugen durchkämmt, wird Krammer in Österreich mit einem höchst merkwürdigen Fall konfrontiert. Zunächst ist es nur ein ausgestopfter Dachs mit einer kryptischen Nachricht im Maul, doch schon bald stößt Krammer auf menschliche Leichen...
Was mir an diesem Band wirklich gut gefallen hat, war der gruselige Unterton. Wenn man sich auf die Geschichte einlässt und sich eindenkt, dann löst jeder einzelne Aspekt Beklemmungen aus.
Alexa und Jan, die teilweise fern vom Handynetz durch einsames Gelände wandern (besonders anschaulich fand ich hier die Wolfsschlucht) oder Krammers Recherchen, die ihn ins Tiermuseum, zum Tierpräperator und ins Krematorium führen.
Zwischendurch gibt es immer wieder kurze Kapitel aus der Sicht einer ominösen „Sie“ und einem „Er“, die in Andeutungen grausame Szenarien beschreiben. Diese Einschübe fand ich besonders unheimlich, weil es lange Zeit undurchschaubar ist, um wen es sich handelt und zu welchem Fall die Personen gehören.
Krammers Fall ist definitiv sonderbarer. Die Autorin hat sich hier in Sachen Tod und Motiv wirklich etwas sehr außergewöhnliches überlegt.
Alexa wiederum ist dieses Mal nicht offiziell im Dienst. Aufgrund ihrer Verletzung und den Ereignissen aus Band 2 ist sie krankgeschrieben. Doch als sich ihr früherer Kollege und Schwarm Jan meldet und den Verdacht äußert, dass ihnen bei einem wichtigen Fall ein Fehler unterlaufen sein könnte, schließt sie sich ihm an.
In diesem Buch lernen wir Alexa noch besser kennen. Ihre Zweifel und Gefühle sowie ihren Ehrgeiz konnte ich gut nachvollziehen.
Was ich allerdings absolut schade fand war, dass Krammer und Alexa noch weniger Kontakt hatten als in Band 2. Die persönliche Beziehung zwischen den beiden hat sich seit Teil 1 nicht mehr weiterentwickelt. Dieses Mal gab es noch nicht mal eine berufliche Verbindung, denn die beiden Fälle stehen in keinem Zusammenhang. Dabei heißt die Reihe doch extra „Grenzfall“. Für Teil 4 hoffe ich sehr auf mehr Interaktionen zwischen den beiden Protagonisten. Der nächste Fall wird sicherlich sehr persönlich werden, wie es der mega Cliffhanger bereits verrät. Ich kann es kaum fassen, dass ich nun ein Jahr warten muss, bevor ich erfahre, wie es weitergeht.

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Veröffentlicht am 14.01.2023

Vanessa from the block

I Do It Mai Way
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„I do it Mai way“, die Biografie von Vanessa Mai, habe ich als Hörbuch gehört, gelesen von der Künstlerin selbst.
Vanessa Mai liest in einer lockeren, unterhaltsamen Art und man fühlt sich, als würde ...

„I do it Mai way“, die Biografie von Vanessa Mai, habe ich als Hörbuch gehört, gelesen von der Künstlerin selbst.
Vanessa Mai liest in einer lockeren, unterhaltsamen Art und man fühlt sich, als würde man mit ihr in einem Café sitzen. Ich habe ihr gerne 5 Stunden lang zugehört, wie sie ihren Werdegang beschreibt.
Vor diesem Buch wusste ich über sie als Person nicht viel und fand es deswegen durchaus interessant, mehr über ihre Zerrissenheit zwischen Schlager und Pop zu erfahren.
Allerdings war es für mich nicht immer einfach, ihre Probleme nachvollziehen zu können und ihre Rebellion kam mir teilweise wie ein selbstgemachtes Drama vor. Außerdem habe ich persönlich ein wenig Schwierigkeiten damit, wenn jemand beschreibt, wie er Konzerte, die er selber gegeben hat und den Erfolg nicht genießen kann, da ich es dem zahlenden Publikum gegenüber als nicht fair empfinde.
Vanessa präsentiert sich in ihrem Buch als „Vanessa from the block“. Sie kommt aus einfachen Verhältnissen, war auf der Hauptschule und trägt am liebsten Jogginghosen. Darauf ist sie stolz. Sie liebte die Musik von Britney und Christina und wollte unbedingt selbst Musik machen. Es wundert mich nicht, dass sie sich mit der „typischen Schlagerwelt“ nicht wohlgefühlt hat, denn sie hatte überhaupt keine Berührungen mit Schlager, bis sie selbst ein Teil davon war.
Trotzdem kamen mir manche Sachen, die sie beschrieb künstlich gepusht vor, um ins Gespräch zu kommen.
Irgendwie wirkt sie auf mich, als wenn sie sich besonders cool und hip findet.
Trotzdem freue ich mich für sie, dass sie jetzt angekommen ist und ihre Musik macht mir auf jeden Fall Spaß. Gerade ihr 2022 erschienenes Livealbum vertreibt jedes Gefühl von schlechter Laune.

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Veröffentlicht am 03.12.2022

Gute Mischung aus Krimi, historischem Roman und Liebesgeschichte

Die Hafenärztin. Ein Leben für das Recht auf Liebe (Hafenärztin 3)
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„Die Hafenärztin – Ein Leben für das Recht auf Liebe“ ist der mittlerweile dritte Band von Henrike Engels Saga. Je weitere die Reihe voranschreitet, desto unpassender finde ich den Titel „Die Hafenärztin“. ...

„Die Hafenärztin – Ein Leben für das Recht auf Liebe“ ist der mittlerweile dritte Band von Henrike Engels Saga. Je weitere die Reihe voranschreitet, desto unpassender finde ich den Titel „Die Hafenärztin“. Ärztin Anne, Lehrerinnenanwärterin Helene und Kommissar Berthold Rheydt sind drei gleichberechtigte Charaktere, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird. Die Protagonisten wachsen einem definitiv mit jedem Band mehr ans Herz. Ich weiß noch, wie ich Bertholds Kapitel zu Beginn der Serie als langweilig empfand. Mittlerweile ist insbesondere sein Handlungsstrang spannend, was sicherlich auch daran liegt, dass er für sein Hobby Fußball kaum noch Zeit hat. Wenn er nicht gerade Verbrecher jagt, kreisen seine Gedanken um Helene. Eine Liebesbeziehung, die ich in Band 1 nicht habe kommen sehen, die mir aber sehr gut gefällt. Die romantischen Szenen tragen zur Kurzweiligkeit des Romans bei. Berthold und Helene sind ein tolles, fortschrittliches Paar, dass einander mit dem größten Respekt begegnet.
Etwas separiert ist Annes Handlungsstrang. Obwohl sie in die Mordfälle sehr stark involviert ist, hat sie mit Berthold und Helene nur noch wenig Kontakt und ist eher als Einzelkämpferin unterwegs. Nachdem Fund eines Mordopfers begibt sie sich selbst auf Spurensuche und ermittelt auf eigene Faust. Es ist klar, dass sie dabei in Gefahr gerät.
Mir hat gut gefallen, dass an die losen Enden hinsichtlich des Hafenmörders angeknüpft wurde. Gleichzeitig wurden mit dem Schauplatz des chinesischen Viertels einige neue und interessante Charaktere eingeführt, allen voran Ju, die Besitzerin der Garküche.
Auch diesen Band habe ich wieder gerne gelesen. Trotz der brutalen Verbrechen ist das Buch allerdings eher ruhig geschrieben, mit der ein oder anderen Länge.
Was ich an der Hafenärztin Reihe mag, ist die Mischung aus Krimi, historischem Roman und Liebesgeschichte.
Ich konnte noch nicht herausfinden, ob ein vierter Band geplant ist. Der Sachstand am Ende ist so, dass auf jeden Fall noch Raum für eine weitere Fortsetzung wäre. Zu gerne wüsste ich, welche Zukunft Berthold und Helene haben.

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Veröffentlicht am 30.10.2022

Brutales Verbrechen in einer Urlaubsidylle

Grenzfall - Der Tod in ihren Augen
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„Grenzfall – Der Tod in ihren Augen“ ist der Auftakt einer Krimireihe, die sich mit Fällen befasst, die grenzübergreifend in Deutschland und in Österreich stattfinden. Der Schreibstil von Anna Schneider ...

„Grenzfall – Der Tod in ihren Augen“ ist der Auftakt einer Krimireihe, die sich mit Fällen befasst, die grenzübergreifend in Deutschland und in Österreich stattfinden. Der Schreibstil von Anna Schneider lässt sich sehr leicht lesen und durch die kurzen Kapitel fliegt man förmlich durch die Seiten. Die junge Kommissarin Alexa war mir direkt sympathisch. Sie nimmt eine neue Stelle an und wird gleich ins kalte Wasser geworfen, als ihr die Leitung eines komplizierten Falls übertragen wird. Dabei hat sie aufgrund ihres Geschlechts und ihrer geringen Berufserfahrungen mit allerlei Diskriminierungen zu kämpfen. Mir kamen die Beschreibungen sehr authentisch vor und ich habe Alexa dafür bewundert, wie souverän sie Provokationen kontert.
Der österreichische Kollege Kammerer ist da schon weit weniger liebenswert. Er ist sehr von sich selbst eingenommen. Seine Erfahrung mit Verbrechern hat ihn desillusioniert und er geht grundsätzlich vom Allerschlechtesten aus.
Alexa und Kammerer könnten gegensätzlicher nicht sein. Trotzdem geben sie auf ihre Art ein interessantes Team ab und die Autorin schafft die Grundlage für eine intensivere Weiterentwicklung in den Folgebänden.
„Grenzfall“ spielt dort, wo andere Urlaub machen, mitten in den Bergen. Die Landschaft wird idyllisch und ansprechend beschrieben und weckte bei mir Fernweh. Die Region um Bad Tölz ist wunderschön, aber das Verbrechen, welches Anna Schneider in diese Postkartenlandschaft setzt, ist bestialisch. Durch die Brutalität wird „Grenzfall“ mir sicherlich ein wenig länger in Erinnerung bleiben.
Allgemein ist das Buch in der ersten Hälfte eher ruhig. Der Krimi ist aus Sicht der Kommissare geschrieben und der Fokus liegt auf der Polizeiarbeit und verschiedenen Verhöre.
Ab ungefähr der Mitte nimmt die Spannung mit jedem Kapitel zu. Der Fall bleibt bis zum Ende undurchsichtig, die Auflösung war tatsächlich eine Überraschung für mich, da ich mich auf einen anderen Verdächtigen eingeschossen hatte.
Der Auftakt dieser Reihe hat mir gut gefallen und ich werde auf jeden Fall auch den zweiten Band lesen.

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Veröffentlicht am 21.10.2022

Wie viel kann ein Mensch ertragen?

Denk ich an Kiew
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Der aktuelle Krieg in der Ukraine weckte bei mir den Wunsch, mehr über dieses Land, von dem ich ehrlich gesagt kaum etwas weiß, zu erfahren. Sowohl das Cover als auch der Klappentext von Erin Littekens ...

Der aktuelle Krieg in der Ukraine weckte bei mir den Wunsch, mehr über dieses Land, von dem ich ehrlich gesagt kaum etwas weiß, zu erfahren. Sowohl das Cover als auch der Klappentext von Erin Littekens Roman „Denk ich an Kiew“ haben mich angesprochen.
Die Autorin erzählt hier von einer unfassbar schrecklichen Vergangenheit, die lange Zeit aus den Geschichtsbüchern verbannt war.
In den 30er Jahren wurden ukrainische Bauern gezwungen, Kolchosen beizutreten. Wer sich wehte, wurde deportiert. Im Winter 1932 ließ Stalin die Menschen systematisch verhungern, in dem er ihnen den Zugang zu Nahrung verwehrte.
Erzählt wird die Geschichte am Beispiel der jungen Katja, zunächst ein junges, fröhliches Mädchen voller Hoffnung, die buchstäblich durch die Hölle geschickt wird. Erin Litteken beschreibt das grausame Schicksal der Menschen sehr anschaulich und die Vorstellung, langsam zu verhungern und zu erfrieren lässt den Leser sehr betroffen und schockiert zurück.
Katja beeindruckt mit viel Mut und Kraft. Ihre Entscheidungen waren für mich nachvollziehbar und ich habe mit ihr mitgelitten.
Parallel dazu wird eine Gegenwartshandlung erzählt, in der Katjas Enkelin Cassie versucht, nach einem Schicksalsschlag, zurück ins Leben zu finden.
Die Liebesgeschichte zwischen Cassie und Nick war sehr schön und romantisch. Die Szenen mit Nick und der 5-jährigen Birdie fand ich oft sehr süß.
Allerdings hat mich Cassies Unentschlossenheit teilweise genervt. Gleichzeitig war diese ganze Beziehung auch sehr überstürzt.
Allein für die Vergangenheitshandlung würde ich 5 Sterne vergeben. Die Gegenwartsgeschichte hatte zwar tolle und sympathische Charaktere (Cassie, Nick, Birdie, Anna und Bobby) und las sich angenehm und flüssig, aber die Handlung war teilweise sehr übertrieben dargestellt. Birdie ist ein putziges Mädchen, aber dass ein Kind, welches nach einem Trauma monatelang nicht gesprochen hat, von Null auf jetzt so quietschfiedel und unbeschwert ist, glaube ich nicht. Auf diese ganzen Botschaften aus dem Jenseits hätte ich auch gerne verzichtet. Auch die Wendung hinsichtlich Halyna war mir zu vorhersehbar. Etwas weniger dick aufgetragen hätte der Geschichte in jedem Fall gut getan.
Auch wenn ich nicht die volle Punktzahl gebe, habe ich „Denk ich an Kiew“ gerne gelesen und mir aufgrund der gut recherchierten Schilderung über den Holodomor auch einiges daraus mitnehmen können.

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