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Veröffentlicht am 21.01.2023

Das mittelalterliche Wien

Die Zeichenkünstlerin von Wien
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Beate Maly entführt uns in ihrem historischen Roman ins mittelalterliche Wien des 15. Jahrhunderts. Durch die Stadt verläuft eine Mauer, die das Judenviertel von der christlichen Bevölkerung trennt.
Wir ...

Beate Maly entführt uns in ihrem historischen Roman ins mittelalterliche Wien des 15. Jahrhunderts. Durch die Stadt verläuft eine Mauer, die das Judenviertel von der christlichen Bevölkerung trennt.
Wir lernen die Familie des jüdischen Geldverleihers David Isserlein kennen, seine Frau Elza verstarb vor einem Jahr, seine Tochter Sarah, die lieber zeichnet als sich um den Haushalt zu kümmern und seinen Sohn Elias, den Medicus und Leiter des jüdischen Hospitals mit seiner Familie. Von David Isserlein und Simon Blümlein, den größten Geldverleihern des Judenviertels, wurde schon vor Jahren vereinbart, dass ihre Kinder Sarah und Aaron heiraten sollen und nun wurde der Termin festgelegt. Der größte Wunsch von Sarah ist eine Kleidertruhe nach eigenem Entwurf. Ihr Vater und ihr zukünftiger Ehemann Aaron wollen ihr diesen Wunsch erfüllen unter der Bedingung, dass sie nach der Hochzeit nie wieder zeichnet und keinem erzählt, dass die Entwürfe von ihr stammen. Der Steinmetz Mathes Rockh, der beim Bau des Stephansdom arbeitet, soll den Entwurf der Truhe realisieren. Mathes ist von Sarahs Entwürfen so begeistert, dass er sie bittet, ihm bei seinem Entwurf der christlichen Taufkrone zu helfen. Aus der heimlichen Zusammenarbeit wird Liebe, aber beide wissen, dass sie keine gemeinsame Zukunft haben.
Doch dann wird in Wien das Geld knapp und so beschließt Herzog Albrecht und sein Kanzler sich dieses von den Juden zu holen. Eine Hetzjagd auf die jüdische Bevölkerung setzt ein.
Von Beginn an ist man von der Geschichte gefesselt. Sehr lebendig und bildhaft beschreibt Beate Maly das Geschehen in Wien. Die gut recherchierten historischen Fakten wurden verwoben um eine spannende Geschichte. Die Lebensgewohnheiten der Bevölkerungsschichten des Mittelalters, die Sitten und Gebräuche der Juden und Christen werden sehr gut dargestellt. Auch die Liebe zwischen Sarah und Mathes wird mit ihren Höhen und Tiefen erzählt ohne kitschig zu wirken.
Ich kann nur jedem diesen historischen Roman empfehlen, da er interessant, spannend und Atmosphärisch sehr dicht geschrieben ist.

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Veröffentlicht am 19.01.2023

Das Band der Liebe

Léon und Louise
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Alex Capus hat eine anrührende Liebesgeschichte geschrieben, die zwei Weltkriege überdauert und lässt den Leser gleichzeitig eintauchen in das damalige Zeitgeschehen.

Léon und Louise waren mit dem Stellenvermittlungsprogramm ...

Alex Capus hat eine anrührende Liebesgeschichte geschrieben, die zwei Weltkriege überdauert und lässt den Leser gleichzeitig eintauchen in das damalige Zeitgeschehen.

Léon und Louise waren mit dem Stellenvermittlungsprogramm des Kriegsministeriums nach Saint Luc gekommen und lernen sich dort kennen. Louise arbeitete im Büro des Bürgermeisters sehr gewissenhaft und übernahm schließlich die Aufgabe, den Hinterbliebenen die Todesnachrichten von den gefallenen Soldaten zu überbringen. Wegen ihrer einfühlsamen Art wurde sie von den Bewohnern des Städtchens geliebt. Aber auch Léon kann sich ihrer Ausstrahlung nicht entziehen und verliebt sich in sie. Beide verbindet eine zarte Freundschaft. Bei einem Fahrradausflug ans Meer kommen sie sich näher, doch auf der Rückfahrt werden sie durch einen Bombenangriff getrennt. Jeder glaubt der andere sei tot und beide beginnen ein neues Leben. Doch zehn Jahre später erblickt Leon seine Louise in der Pariser Metro. Wie wird sich ihr Leben weiterentwickeln, denn Leon ist verheiratet und hat bereits einen Sohn?

In einer schönen klaren Sprache, der auch eine Prise Humor beigefügt ist, nimmt Alex Capus den Leser mit auf eine Zeitreise nach Frankreich. Die Personen, die Lebensumstände und die Landschaft sind so wunderbar beschrieben ohne in Klischees abzudriften, dass man sich ein hervorragendes Bild machen kann. Man hört das klapprige Fahrrad von Louise durch die Straßen fahren und ist amüsiert über die Reparatur des Rades durch Lèon, der ihr damit seine Zuneigung zeigen möchte. Als Leser ist man gespannt und möchte mehr erfahren, wie sich die zarten Bande der Liebe weiter entwickeln.

Ein hervorragendes Buch, das ich sehr lesenswert empfinde.

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Veröffentlicht am 19.01.2023

Vorprogrammierte Katastrophe

Kein Wort zu Papa
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Christine erhält einen Notruf von ihrer Freundin Marleen, die Urlaub in Dubai macht und dort fest sitzt. Sie bittet Christine ihre Pension auf Norderney kurzfristig zu übernehmen und keinem von ihrer Misere ...

Christine erhält einen Notruf von ihrer Freundin Marleen, die Urlaub in Dubai macht und dort fest sitzt. Sie bittet Christine ihre Pension auf Norderney kurzfristig zu übernehmen und keinem von ihrer Misere zu erzählen. Mit ihrer Schwester Ines fährt Christine auf die Insel. Beide haben noch nie eine Pension geführt, auch kochen können die zwei Schwestern nicht. So ist die Katastrophe vorprogrammiert.

Obwohl sich die Schwestern darauf geeinigt haben, kein Wort zu Papa Heinz zu sagen, dauert es nicht lange und er mischt wieder fleißig mit.

Auch bei diesem Buch, genau wie bei den Vorgänger-Büchern, erwartet den Leser eine lockere und leichte Lektüre, die sich sehr flüssig lesen lässt und bei der das Schmunzeln nicht zu kurz kommt. Einige Passagen sind zwar stark überzeichnet, wirken aber nicht störend beim Lesen. Für mich eine ideale Urlaubslektüre, bei der man vom Alltagsstress abschalten kann.

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Veröffentlicht am 19.01.2023

Eine außergewöhnliche Geschichte

Das Affenhaus
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Bevor man mit dem Lesen beginnt, besticht das Buch „Das Affenhaus“ von Sara Gruen schon mit dem liebevoll gestalteten Cover.

Die Wissenschaftlerin Isabel Duncan arbeitet in einem Institut für Menschenaffen ...

Bevor man mit dem Lesen beginnt, besticht das Buch „Das Affenhaus“ von Sara Gruen schon mit dem liebevoll gestalteten Cover.

Die Wissenschaftlerin Isabel Duncan arbeitet in einem Institut für Menschenaffen mit Bonobos, die eine Begabung für Sprache haben. Isabel hat ein enges Verhältnis zu den Schimpansen entwickelt und kann sich in der Gebärdensprache mit den Bonobos verständigen. Dann erschüttert eine Explosion das Institut, Isabel wird verletzt. Den Bonobos gelingt die Flucht nach draußen. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus versucht Isabel den Aufenthaltsort der Tiere, die für sie wie Familienmitglieder sind, ausfindig zu machen. Keiner weiß, wo sich die Bonobos befinden, bis sie eines Tages eine Werbekampagne für eine Fernsehshow sieht. Unterstützt bei ihren Bemühungen wird Isabel von dem Journalisten John Thigpen, der kurz vor der Explosion das Institut besucht hatte und von den Bonobos sowie von Isabel, die in ihrer Arbeit mit den Tieren aufgeht, fasziniert war.

Sara Gruen, eine für mich bisher unbekannte Autorin, hat es innerhalb nur weniger Seiten geschafft, den Leser an die Hand zu nehmen und taucht mit ihm in eine außergewöhnliche Geschichte ein, die mit einer berührenden Intensität erzählt wird. Der Schreibstil ist flüssig und schnörkellos. Die Schilderungen über die Bonobos nehmen den Leser gefangen und man merkt, dass Sara Gruen für die Recherche zu diesem Buch eine Menschenaffengruppe besucht hat. Was mich etwas gestört hat, war, dass der Höhepunkt der Geschichte irgendwie seicht mit dem Geschehen der Geschichte verwoben wurde und es keinen Knalleffekt gab.

Trotzdem muss ich sagen, ein unterhaltsamer lesenswerter Roman, der auch zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 06.01.2023

Leichte Sommerlektüre

Ein Strandkorb für Oma
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Das Buch ist eine leichte Sommerlektüre, die Lust auf Urlaub macht und dem Leser die Insulaner auf Föhr näher bringt.

Sönke und Maria erwarten auf dem Hamburger Flughafen ihre 15-jährige Cousine Jade, ...

Das Buch ist eine leichte Sommerlektüre, die Lust auf Urlaub macht und dem Leser die Insulaner auf Föhr näher bringt.

Sönke und Maria erwarten auf dem Hamburger Flughafen ihre 15-jährige Cousine Jade, die die Wurzeln ihres Vaters auf Föhr kennenlernen möchte. Der Schock ist groß, als sie Jade treffen, die sich zu einer überzeugten Gothic-Anhängerin entwickelt hat. Einzig die junggebliebene Oma mit ihren 76 Jahren hat einen besonderen Draht zu Jade gefunden. Aber die Familie macht sich Sorgen um Oma, denn sie wird immer vergesslicher. Dann geschieht auf der Insel ein Kunstraub und Oma zählt zu dem Kreis der Verdächtigen.

Janne Mommsen beschreibt leicht und witzig das Zusammenspiel der verschiedenen Personen. Die Geschichte ist unterhaltsam und locker geschrieben ohne aufsehenerregendes Geschehen. Die Insel Föhr und ihre Bewohner werden sehr anschaulich dargestellt. Wer die Insel nicht kennt, verspürt Lust seinen Urlaub dort zu verbringen. Das Buch ist eine ideale Einstimmung für den Nordseeurlaub oder lässt sich flüssig im Strandkorb an der Küste lesen. Eine herrliche Sommerlektüre für entspannende Stunden, die den Geruch nach Salz und Mee(h)r vermittelt.

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