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Veröffentlicht am 22.01.2023

Kino als Funke der Hoffnung

Die Lichter von Barcelona
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Wenn der Glaube an eine Zukunft fast verloren ist, sind es die kleinen Lichter des Glücks, welche einem manchmal einen Funken Resthoffnung geben. Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind und dessen Leidenschaft ...

Wenn der Glaube an eine Zukunft fast verloren ist, sind es die kleinen Lichter des Glücks, welche einem manchmal einen Funken Resthoffnung geben. Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind und dessen Leidenschaft zu den „bewegten Bilder der Zeit“ sind der Botschafter von Hoffnung in einer trostlosen Ära im Barcelona der 40iger Jahre.

In der Romanhandlung geht es um den jungen Nil, welcher auf der Suche nach seinem Vater ist. Er lebt zusammen mit seiner Mutter Soledad in ärmlichen Verhältnissen in Barcelona und hat eine Passion für das Filmgeschäft. Er liebt das Kino und alles andere, was mit diesem im Zusammenhang steht. Plötzlich wird er Zeuge eines Mordes und gerät in einer Sache welche ihn, seine Freunde sowie seine Mutter in eine bedrohliche Situation bringt. Wir es Nil schaffen die Angelegenheit zu klären oder muss er sich irgendwann seinem eigenen Schicksal stellen?

Der Hauptcharakter der Erzählung ist ein liebevoller leicht verträumter Junge, welcher getrieben wird von seiner großen Leidenschaft Kino. Er liebt seine Mutter über alles und lässt auch auf seine Freunde nichts kommen. Doch leider spielen ihm seine „pubertierenden Gefühle“ den ein oder anderen Streich und er bringt sich des Öfteren in äußerst komplizierte Situationen. Ihm zur Seite stehen als weiteren prägende Figuren der Erzählung seine Mutter Soledad, sein „väterlicher Freund Bernardo Mas, Lolita seine große Liebe, sowie Quim, ein junger Schuhputzer und bester Freund von Nil. Soledad ist dabei meine Lieblingsfigur gewesen. Sie ist eine starke Frau und ihre Mutterinstinkte treiben sie dazu alles für ihren Sohn zu tun damit dieser glücklich werden kann. Dabei muss sie sehr schwere, nicht so ganz legale Entscheidungen treffen. Als weitere noch wichtige Charaktere der Handlung müssen die Polizisten Valiente und Espinosa genannt werden, welche als wahre Scheusale die Antagonisten der Erzählung bilden.

Die Geschichte ist aufgeteilt in vier Teile, wobei zwischen den ersten drei Teilen jeweils Zeitwechsel von zwei Jahren (1945-1949) vorgenommen werden. Lediglich der letzte Teil, welcher im Jahr 2021 spielt, birgt einen sehr großen zeitlichen Sprung. Insgesamt sind die zeitlichen Veränderungen aber gut nachvollziehbar und stellen kein Hindernis beim Lesen dar. Die Spannung der Geschichte entwickelt sich stetig und findet in dem letzten Viertel ihren eigentlichen Höhepunkt. Der Schreibstil des Autors ist bildhaft, atmosphärisch der Zeitprägung angepasst und dialogorientiert. In manchen Erzählpassagen zeigt der Autor was schriftstellerisch in ihm steckt. Einzig allein die Auflösung des Romans hätte ich mir anders gewünscht, aber dies ist meine einzige Kritik an diesem Roman. Das Fazit ist sehr positiv. Mit schöner Sprache versehen ist dieser Roman, eine historische Erzählung mit dramatischen und kriminellen Elementen, welche doch dem Leser insgesamt ans Herz und manchmal auch an die Nieren gehen. Ich bin sehr angetan von diesem Roman und kann ihn allen Freunden von historischen Romanen, sowie Anhängern von besonders schön erzählten Geschichten empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Der Kampf der Frauen um Gerechtigkeit

Das gelbe Tuch
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Frauen, die für ihre Rechte kämpfen; Prostituierte, die sich gegen ihren Zuhälter wehren. Ein zeitgenössischer Roman? Im Gegenteil, ein Roman, der im 15. Jahrhundert spielt und somit eine ganz andere Zeit ...

Frauen, die für ihre Rechte kämpfen; Prostituierte, die sich gegen ihren Zuhälter wehren. Ein zeitgenössischer Roman? Im Gegenteil, ein Roman, der im 15. Jahrhundert spielt und somit eine ganz andere Zeit lebendig werden lässt.

Nürnberg im Jahr 1449 ist eine stolze und bevölkerungsreiche Stadt. Hier wird Handel getrieben und Politik gemacht.

Anna, die neue Hauptfigur in Priska lo Cascios neuem Roman, ist eine Frau, wie man sie gerne zur Freundin hätte. Sie hat ein schweres Schicksal ereilt, sie wird von der Familie an eine Hurenwirtin verkauft. Doch das Leben ist hart und Anna nicht auf Rosen gebettet wird zum Spielball der einzelnen Parteien.

Die männliche Hauptfigur Endres ist der abtrünnige Sohn eines angesehenen Mannes in Nürnberg, er wechselt die Seiten und arbeitet fortan für den Marktgrafen. Kurze Zeit später finden sie sich in dem zweiten süddeutschen Städtekrieg (oder erster Markgrafenkrieg) wieder. Dadurch wird das Leben einer ganzen Stadt aus der Bahn geworfen. Der Roman wird größtenteils aus der Perspektive von Anna und Endres erzählt, wir können als Leser somit einen sehr engen Bezug zu den beiden Protagonisten aufbauen. Endres nimmt uns mit in das Heerlager von Marktgraf Albrecht und betritt als feindlicher Spion seine Heimatstadt. Die Nürnberger wehren sich gegen die marktgräflichen Truppen und ein erbitterter Kampf beginnt.

Am Anfang ging für meinen Geschmack die Handlung etwas zu schleppend voran, dies wurde aber nach dem ersten Drittel besser. Das Tempo in dem Roman und die Spannung nahm immer im Laufe der Erzählung dabei immer mehr zu.

Ich fand den Einblick in die Lebenswelt der Hübschlerinnen sehr interessant und konnte der Autorin jederzeit folgen. Der Schreibstil ist einehmend und man liest den Roman sehr gerne. Er wird von einem Personenregister, einem Glossar, einer Literaturliste, Anmerkungen und Dankesworten ergänzt und erweitert.

Ein Roman für alle, die gerne ins Mittelalter reisen und sich für die Rechte einer Randgruppe in der Gesellschaft begeistern können.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Eine Reise in die menschliche Psyche

Wer wir sind
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Schon vor einiger Zeit habe ich den Bestseller „Das Kind in dir muss Heimat finden“ gelesen und war von der Art und Weise, wie die Autorin sich unseren Prägungen nähert begeistert. Als mir dann zufälligerweise ...

Schon vor einiger Zeit habe ich den Bestseller „Das Kind in dir muss Heimat finden“ gelesen und war von der Art und Weise, wie die Autorin sich unseren Prägungen nähert begeistert. Als mir dann zufälligerweise das Buch in einer Bahnhofsbuchhandlung in die Hand fiel, war ich sofort wieder neugierig.

Dieses Buch ist ein klein wenig anders, es geht um das, was wir wahrnehmen, fühlen und lieben. Kurz gesagt ist es eine Einführung in die Psychologie mit absolut vielen Aha-Effekten, zumindest für mich.

Es ist in drei große Teile gegliedert. Der erste Teil beschäftigt sich mit den Grundlagen der Psychologie und wie wir Menschen „funktionieren“. Im zweiten Teil erzählt die Autorin aus ihrem therapeutischen Alltag und gibt uns Fälle aus der Praxis an die Hand. Abschließend erklärt sie im dritten Teil die wichtigsten Lösungsansätze aus der Psychotherapie.

Gerade der erste Teil hat mir unheimlich gut gefallen, bei einigen Beschreibungen fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich konnte vieles in meinen Beziehungen besser verstehen. Im zweiten Teil habe ich mir dann die Fallbeispiele angeschaut, die mich interessieren bzw. in denen ich mich wiederfinden konnte. Gerade der dritte Teil hat es mir dann wieder sehr angetan und ich habe mir viele Notizen gemacht.

Dies ist sicherlich kein Buch, was man so runterliest. Es gab immer wieder Passagen, über die ich länger nachdenken musste. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich kann es allen nur empfehlen, die sich mehr mit unseren Gefühlen und unserer Psyche auseinandersetzen wollen.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Ein intensives Sittengemälde

Die Rückkehr der Kraniche
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Wow, dieses Buch war Hörgenuss pur. Hier stimmte einfach alles!

Romy Fölck war mir bisher nicht bekannt, aber mit diesem Roman hat sie mein Herz im Sturm erobert. Sie hat eine sehr detailreiche, tiefgründige ...

Wow, dieses Buch war Hörgenuss pur. Hier stimmte einfach alles!

Romy Fölck war mir bisher nicht bekannt, aber mit diesem Roman hat sie mein Herz im Sturm erobert. Sie hat eine sehr detailreiche, tiefgründige und feinfühlige Mutter-Tochter-Schwester-Geschichte geschrieben. Ich mochte ihre intensive Betrachtung und ihre hinterfragende Art sehr. Man hat so viel gelernt über sich selbst und über Beziehungen. Sehr gut fand ich es, dass das Buch aus mehreren Blickwinkeln erzählt wird, sodass man zu allen Figuren eine intensive Beziehung aufbauen konnte.

Tessa Mittelstaedt ist für mich die Idealbesetzung. Sie schafft es jeder Figur Leben einzuhauchen und sowohl die starke als auch die verletzliche Seite zum Vorschein zu bringen. Hut ab vor dieser Leistung.

Ich konnte dem Hörbuch zu jeder Zeit folgen und konnte mir das Marschland sehr gut vorstellen. Die Stimmung, die in dem Buch kreiert wird, hat mich vollends überzeugt. Der Aufbau der Handlung ist chronologisch und nur ein kurzer Zeitraum wird erzählt, sodass die Handlung sehr dicht ist.

Für mich Hörgenuss, den ich sehr gerne allen Liebhabern von Hörbüchern weiterempfehle und solchen die gerne mit einem belletristischen Titel in das Medium Hörbuch einsteigen möchten.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Dystopisches fantastisches Berlin

Berlin Monster - Ein Dieb kommt selten allein
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Dystopisch, fantastisch und erneut sehr spannend geschrieben hat mir auch der zweite Fall von Privatermittlerin Lucy gut gefallen. In der Story geht es um mysteriöse Raubüberfälle in Berlin. Lucy wird ...

Dystopisch, fantastisch und erneut sehr spannend geschrieben hat mir auch der zweite Fall von Privatermittlerin Lucy gut gefallen. In der Story geht es um mysteriöse Raubüberfälle in Berlin. Lucy wird dabei Zeugin eines Diebstahls und schon bald verdächtigt an diesem Raub beteiligt zu sein. Sie muss sich rechtfertigen und ist alsbald auf der Flucht vom BKA. Kurze Zeit später geschieht erneut ein weiteres Verbrechen. Wird es Lucy schaffen ihre Unschuld zu beweisen und die Täter zur Rechenschaft ziehen? Die Geschichte spielt in einem dystopisch angehauchten Berlin der Zukunft. Eine Neutronenbombe, welche aufgrund eines misslungenen wissenschaftlichen Experiments leider explodiert ist, hat nicht nur zahlreiche Menschen getötet, sondern auch alle „menschlichen Gedanken“ lebendig gemacht. Demnach leben in Berlin (in der sogenannten Zone) alle möglichen Fabelwesen wie Feen, Zwergen, Vampire, Dämonen, Stifs (Poltergeister) etc. mit den Menschen zusammen. Diese bringt jedoch einige Probleme mit sich. Die Hauptprotagonistin hat mir dabei gut gefallen. Stets am Rande der Selbstzerstörung durch Alkohol und Medikamenten schafft sie es sich immer wieder zusammenzureißen. Lucy ist eine starke, intelligente und sehr tolerante Persönlichkeit. Sie kommt wie ein klischeehaftes typisches Berliner Gör rüber. Dieser Charakter verhilft ihr in entscheidenden Situationen die Ruhe zu bewahren. Ebenfalls erwähnenswert ist Akaman, genannt Aki, ein Erzdämon, ihr WG-Mitbewohner und Freund, welcher trotz seiner düsteren Aura ein wahrer Freund ist und „gute menschliche Eigenschaften“ erkennen lässt. Auch erwähnenswert sind erneut die Charaktere aus Lucys Polizeivergangenheit Tom sowie der Zwerg Bláin. Lucy versucht Bláin immer wieder zu beeindrucken doch die Schatten der Vergangenheit belasten diese Beziehung weiterhin. Zahlreiche weitere Nebendarsteller, welche sehr facettenreich und unterschiedlich sind, runden die vielfältigen Geschichten in diesem wilden Berlin ab. Der Aufbau der Geschichte ist sehr stringent und wird nur durch wenige Zeitsprünge unterbrochen. Die Spannung der Erzählung ist gut und nimmt ab der Mitte des Romans weiter an Tempo zu. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, dialogorientiert, leicht düster, und sehr detailliert beschreibend. Als Zielgruppe des Romans kommen sowohl Fantasy Fans, Anhänger der Stadt Berlin, als auch durchaus für Krimifans in Frage.

Das Fazit ist positiv. Mit einer Mischung aus Fantasy, Thriller und Krimi hat die Autorin erneut eine sehr gute Verknüpfung von Fiktion und Realität geschaffen. Ich bin sehr froh erneut diesen Band gelesen zu haben und würde mich über die Fortsetzung der Reihe freuen.

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