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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.03.2023

Hat mich nicht ganz gepackt

Tod in Siebenbürgen
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Der Journalist Paul Schwartzmüller erhält ein Anwaltsschreiben über die unerwartete Erbschaft eines Bauernhofes in Rumänien just zu diesem Zeitpunkt, als ihm eine Festanstellung als Journalist angeboten ...

Der Journalist Paul Schwartzmüller erhält ein Anwaltsschreiben über die unerwartete Erbschaft eines Bauernhofes in Rumänien just zu diesem Zeitpunkt, als ihm eine Festanstellung als Journalist angeboten wird. Dennoch fährt er nach Sibiu, dem ehemaligen Hermannstadt, in dem er seine Kindheit verbracht hat.

Das Wiedersehen mit der Stadt, die er vor 35 Jahren gemeinsam mit seinem Vater verlassen hat, beschert ihm gemischte Gefühle, zumal ihm die Bewohner reserviert begegnen. Nur Sorin, sein Freund aus Kindheitstagen freut sich. Doch dann wird Sorin des Mordes an Günther Huber beschuldigt, der ringsum Grundstücke aufgekauft hat.

Schwartzmüller traut der örtlichen Polizei nicht über den Weg und beginnt selbst zu ermitteln. Dabei verstrickt er sich seine eigene Vergangenheit und in den Aberglauben rund um Schloss Bran, dem angeblichen Wohnsitz von Graf Dracula.

Auf der Suche nach dem Mörder Hubers muss sich Schwartzmüller so manchem Familiengeheimnis stellen. Warum hat ihn sein Vater jahrelang belogen und die Briefe seiner Tante Zinzi, deren Bauernhof er nun geerbt hat vorenthalten?


Meine Meinung:

Dieser Krimi ist der Auftakt zu einer Reihe rund um den Journalisten Paul Schwartzmüller. Obwohl die Zutaten zu einem fesselnden Krimi wie Mord, Aberglauben, misstrauische Menschen, Grundstücksspekulation sowie die Aufarbeitung seiner eigenen Familiengeschichte vorhanden sind, gelingt es der Autorin leider nicht, Spannung zu erzeugen. Vielmehr stolpert der angebliche Top-Journalist unbedarft und dilettantisch durch die Seiten.

Gut gelungen ist die Beschreibung der misstrauischen Bewohner. Sie wirken wie aus der Zeit gefallen. Schade, dass wir keinen längeren Spaziergang in der Stadt machen dürfen, denn die mittelalterliche Stadt hätte sicher einiges zu bieten.

Der Schreibstil ist stellenweise ausufernd blumig, was die ohnehin schon geringe Spannung weiter abflachen lässt.

Fazit:

Hier habe ich mehr erwartet, daher reicht es gerade einmal für 3 Sterne.

Veröffentlicht am 07.02.2023

Hat mich nicht ganz gepackt

Rondo Veneziano
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Dieser Venedig-Krimi unterscheidet sich ein wenig von den üblichen Krimis.

Wieso?

Es gibt zwar ein Mordopfer, doch das hat recht bald ausgedient.

In den Vordergrund rücken drei Schulfreundinnen, Adele, ...

Dieser Venedig-Krimi unterscheidet sich ein wenig von den üblichen Krimis.

Wieso?

Es gibt zwar ein Mordopfer, doch das hat recht bald ausgedient.

In den Vordergrund rücken drei Schulfreundinnen, Adele, die Zahnärztin, die vor lauter Arbeit zu leben vergisst, Biggi, die ihre Boutique aufgeben musste und Chris, eine pensionierte Bibliothekarin.

Adele reist nach dem Anruf ihrer betagten Nenntante Pauline nach Venedig und trifft dort ihre Schulkolleginnen. Man beschließt den Palazzo, sowie die Tante zu besuchen, nur um dort von Marlon, deren angeblichen Neffen aus Amerika zu erfahren, dass Paulina nach einem Treppensturz gestorben ist. Adele kann sich nicht entsinnen, jemals von einem Neffen aus Amerika gehört zu haben, und wittert ein Verbrechen, zumal der Palazzo eine große Gemäldesammlung birgt. Gemeinsam beginnen die drei Frauen zu recherchieren und fördern lang verborgene Geheimnisse zutage.

Meine Meinung:

Die Idee hat mir recht gut gefallen und die Beschreibung von Venedig und seiner Umgebung abseits der Touristenfallen ist gut gelungen.

Nicht überzeugt hat mich der Aufbau des Krimis. Hier sind viel zu viele Themen angerissen, sowie mehrere Handlungsstränge begonnen worden und nicht alle haben ihr Ende gefunden.

Paulines eigenes Schicksal, als Überlebende der Shoa, ist gut eingeflochten - doch die Rückblenden reißen die Leser aus dem Lesefluss genauso wie die Einblick in das Leben von Adele, Biggi und Chris in der Gegenwart. Vieles wird detailliert beschrieben, doch Wichtiges ausgelassen. Die Geschichte der armenischen Familie von Paulinas Ehemann, die dem Völkermord knapp entkommen ist und auf Murano eine neue Heimat gefunden hat, wäre es wert gewesen, weiter vertieft zu werden.

Worauf ich allerdings wirklich verzichten hätte können, ist Margareta, die furchtbare Mutter von Adele. Ja, es ist tragisch, ein Pflegefall und damit auf andere angewiesen zu sein. Diese Frau tyrannisiert nicht nur die Pflegerin, sondern auch ihre Tochter, die sich daraufhin ausschließlich in ihre Arbeit als Zahnärztin stürzt und dabei sich und ihr Privatleben völlig vergisst. Dieser Handlungsstrang hat mit dem Kriminalfall überhaupt nichts zu tun und bringt die Handlung nicht weiter. Zwar ist Margareta das Bindeglied zu Paulinas Vergangenheit in Wien, trotzdem hätte man das anders anlegen können.

Ach ja, der Kriminalfall: Der mutmaßliche Neffe aus Amerika wird tot aus dem Wiener Donaukanal gefischt und ist tatsächlich ein Verwandter von Pauline. Diesem Mordopfer kommt, nach dem anfänglichen Verdacht, ein Erbschleicher zu sein, keine mehr Bedeutung zu.

Die Charaktere sind durchwegs unsympathisch. Allen voran natürlich Margareta, aber auch die drei Schulkolleginnen sind keine echten Freundinnen. Der einzig halbwegs sympathische Kerl ist der Wiener Polizist Richard Lorenz, der den Tod des Neffen untersuchen soll.

Trotz der zahlreichen, nicht immer für die Handlung notwendigen Abzweigungen und Klimmzüge, habe ich recht schnell eine Idee, was hinter der Geschichte stecken könnte, gehabt. Die Auflösung, die im Gegensatz zu manch anderem, doch recht kurz ausfällt, hat meine Vermutung bestätigt.

Fazit:

Leider hat dieser Krimi meine Erwartungen nicht erfüllt, weshalb ich hier nur knappe 3 Sterne vergeben kann. Der dritte Stern ist das alleinige Verdienst der bildhaften Beschreibung der Lagunenstadt.

Veröffentlicht am 27.01.2023

Hat mich nicht ganz gepackt

Commissario Conti und der Tote im See
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Dieses Debüt ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe rund um den Gardasee.

Ein Urlauberkind entdeckt eine Leiche im Gardasee. Dass der Tote keines natürlichen Todes gestorben ist, ist leicht an der ...

Dieses Debüt ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe rund um den Gardasee.

Ein Urlauberkind entdeckt eine Leiche im Gardasee. Dass der Tote keines natürlichen Todes gestorben ist, ist leicht an der zur Beschwerung befestigten Felge zu erkennen. Fast gleichzeitig ist Luca Conti, der am Ende seiner Ausbildung zum Commissario steht, mit der Kontrolle von Autos beschäftigt, um eventuellen Trüffelschmuggel aufzudecken. Als er in einem Lieferwagen mehrere Kisten mit dem wertvollen Gut entdeckt, springt er in seinen Wagen und verfolgt, ohne seine Kollegen zu informieren, das verdächtige Fahrzeug.

Ob und wie die beiden Fälle zusammenhängen, ist Gegenstand dieses Krimis.

Meine Meinung:

Die Landschaftsbeschreibungen sind, wie für einen Regionalkrimi üblich, gut gelungen. Die Informationen zum Trüffelgeschäft sind penibel recherchiert und zeigen, wie viel Geld mit dem Luxusgut zu verdienen ist.

Der Krimi lässt sich leicht und locker in wenigen Stunden lesen. Die Charaktere, allen voran Luca Conti, sind noch nicht wirklich ausgereift. Der ehrgeizige Neuling Conti ermittelt ohne Team und fährt betrunken Auto. Das geht für mich gar nicht! Der jugendliche Heißsporn schert sich weder um Geschwindigkeitsbegrenzungen noch um Regeln des Polizeidienstes. Es scheint, als hielte der Onkel, der ebenfalls im Polizeidienst ist, seine schützende Hand über Luca Conti. Denn eigentlich kann kein Vorgesetzter die mitunter gefährlichen Alleingänge des Neulings tolerieren.

Aufgefallen ist mir, dass hier munter für diverse Produkte geworben wird, deren Namen in kursiver Schrift noch extra hervorgehoben werden. So eine auffällige Produktplatzierung hat meiner Meinung nach in einem Krimi nichts verloren.

Fazit:

Als Urlaubslektüre, vielleicht sogar am Gardasee, ist der Krimi ganz gut geeignet. Mich hat er nicht ganz überzeugt und erhält dafür 3 Sterne.

Veröffentlicht am 25.01.2023

Von einer, die auszog Bestsellerautorin zu werden

Die nächste Depperte
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Wer träumt nicht davon, einen Bestseller zu schreiben? Eben - Autorin Susanne Kristek ist eine dieser Träumerinnen.

In diesem Buch beschreibt sie mit beißender Ironie und viel Humor, wie es ihr gelungen ...

Wer träumt nicht davon, einen Bestseller zu schreiben? Eben - Autorin Susanne Kristek ist eine dieser Träumerinnen.

In diesem Buch beschreibt sie mit beißender Ironie und viel Humor, wie es ihr gelungen ist, ein Buch („Nur die Liege zählt“) zu schreiben, den Weg zu einem Verlag sowie die vielen kleinen Katastrophen bis das Buch in die Buchhandlungen und anschließend in die Hände von Leserinnen und Lesern gelangt.

Der Titel ist das Statement einer Passantin, die Kristeks Versuch, Bücher an Vorbeieilende zu verkaufen, sichtlich nicht goutiert. Nun gut, wenn man weiß, dass allein im deutschsprachigen Raum rund 69.000 Bücher verlegt werden, ist es für eine neue Autorin doch recht schwer, das Buch an den Mann zu bringen. Dabei sind jene 69.000 Bücher nur 1-2 Prozent der eingereichten Manuskripte. Klingt nun nicht so recht ermutigend.

Der Schreibstil ist ein wenig schrill. Allerdings kann man die Aufregung gut nachvollziehen.

Neben den eigenen Gedanken der Autorin gibt es noch jene des Ehemanns und - sehr lustig zu lesen - die aufmunternden Worte von Krimiautorin Martina Parker, die in kürzester Zeit drei Bestseller in die Buchhandlungen bringen konnete (der vierte ist in Arbeit). Außerdem besuchen wir gemeinsam mit Susanne Kristek die Bestsellerautorin Hera Lind in Salzburg, um Tipps zu bekommen und erfahren, wie zerbrochene Beziehungen auch das Ende eines möglichen Bestsellers sein können.

Fazit:

Ein Buch zum Schmunzeln, das mir persönlich ein wenig zu schrill ist. Daher gibt es 3 Sterne.

Veröffentlicht am 21.01.2023

Hat mich nicht ganz überzeugt

Piraten
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Der bekannte Autor, Ethnologe und Anarchist David Graeber (1961-2020) hat sich mit diesem Buch auf die Spuren „echter“ Piraten, abseits des Hollywood-Klischees à la Erol Flynn oder der Meuterei auf der ...

Der bekannte Autor, Ethnologe und Anarchist David Graeber (1961-2020) hat sich mit diesem Buch auf die Spuren „echter“ Piraten, abseits des Hollywood-Klischees à la Erol Flynn oder der Meuterei auf der Bounty, geheftet. Dazu bediente er sich der Ergebnisse der ethnologischen Studien auf Madagaskar, die er unter Marshall Sahlins (1930-2021) durchgeführt und 1996 darüber promoviert hatte.

Graeber untersuchte das Piratenleben des 17. und 18. Jahrhunderts auf Madagaskar, fand Anhaltspunkte über Siedlungen und Unwesen der Freibeuter auf der Insel. Dabei stützte er sich auf die wenigen historisch belegten Texte.

Die Insel, die rund 400 km östlich von Moçambique im Indischen Ozean liegt, ist strategisch günstig gelegen und von dort aus Raubzüge auf Indienfahrer zu machen und gleichzeitig als Versteck zu dienen. Doch Madagaskar war keineswegs eine unbewohnte Insel.

Wie wurden die Freibeuter auf Madagaskar aufgenommen? Freundlich oder doch als Eindringlinge? Haben sich die Piraten mit den Madegassen vermischt? Warum gibt es kaum archäologische Funde als Beweis für die längere Anwesenheit der Piraten?

Sind Piratenschiffe wirklich ein Hort der Demokratie, in dem der Kapitän regelmäßig gewählt wird? Gab es wirklich einen Piratenstaat? Ist „Libertalia“ Fakt oder Fiktion oder Wunschdenken, der vom Adel unterdrückten und geprägten Gesellschaft in Europa?

Meine Meinung:

Dass Autor David Graeber sich des Piratentums annahm, passt gut zu seiner anarchistischen Biografie, denn er hatte eine führende Rolle bei der „Occupy“-Bewegung inne.

David Graeber versucht, aus den wenigen gesicherten Fakten Antworten auf die Fragen zu geben. Das gelingt manchmal besser und manchmal nicht ganz so gut.
Er wirft mehr neue Fragen auf, als er beantwortet.

Demokratie auf einem Segler, auf dem der Kapitän nach Belieben abgewählt werden kann? Klingt nicht ganz glaubwürdig. Nicht jeder Kapitän ist ein Leuteschinder. Gerade auf den Schiffen des 17. und 18. Jahrhunderts muss es eine klare Aufgabenverteilung und strenge, fast militärische anmutende Hierarchie geben, um die äußeren Bedingungen zu beherrschen. Bei einem Sturm zu diskutieren und abzustimmen WER in die Wanten klettern muss oder ob man die Rumrationen gleich ausgibt, kann ich mir nicht vorstellen. Auch die Navigation (ohne technische Hilfsmittel wie GPS oder Echolot) stellt eine, für den einfachen Matrosen ohne entsprechende Ausbildung, vor eine nahezu unlösbare Aufgabe dar.

Das Buch ist recht gut lesbar und mit ausführlichen Zitaten aus den wenigen historischen Quellen unterlegt, die in ein umfangreiches Quellenverzeichnis dargestellt sind. Zur leichteren Einordnung in das Weltgeschehen ist ein Zeitstrahl mit damaligen Geschehnissen in Europa und Madagaskar angeführt. Eine Liste weiterführender Literatur rundet den Text ab.

Fazit:

Ein interessantes Buch, das das Piratenleben in einem anderen Licht erscheinen lässt. Mich hat das Buch nicht ganz überzeugt, da es mehr Fragen aufwirft als es beantwortet, daher gibt es von mir 3 Sterne.