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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2023

Ein penibel recherchierter hist. Roman

Das Haus der Perlen – Schimmern der Hoffnung
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In diesem historischen Roman, der Auftakt zu einer Trilogie ist, begeben wir uns auf die Spuren des Münchener Juwelier und Goldschmieds Carl Thomass.

Man schreibt das Jahr 1844 und die 21-jährige Marie ...

In diesem historischen Roman, der Auftakt zu einer Trilogie ist, begeben wir uns auf die Spuren des Münchener Juwelier und Goldschmieds Carl Thomass.

Man schreibt das Jahr 1844 und die 21-jährige Marie Thomass, die von ihrer Mutter ein Paar Ohrringe mit heimischen Flussperlen geerbt hat, kommt mit ihrem Bruder Carl, der eine Lehrstelle beim Goldschmied Neustätter antreten soll, nach München. Mehr als zufällig erhält sie bei Neustätter eine Anstellung als Schmuckverkäuferin, die sie zu den Perlenfischern ins Vogtland bringt. Dort lernt sie den attraktiven Moritz kennen, der letztlich den väterlichen Betrieb verlässt, da er als zweitgeborener Sohn keine Chance hat, das Unternehmen zu übernehmen. Das steht, seit Generationen, dem jeweils Erstgeborenen zu, auch wenn der kein Interesse oder Können dafür hat. So will es die Tradition der Perlenfischer.

Doch bis aus dem Goldschmied Neustätter das „Haus der Perlen“ wird, müssen Marie und Moritz noch einige Turbulenzen des Lebens hinnehmen.

Meine Meinung:

Hinter dem Autorennamen Charlotte Jacobi steht das Autorm-Duo Eva-Maria Bast und Jørn Precht. Die beiden haben sich auf die Spuren des Hofjuweliers und Goldschmieds Carl Thomass geheftet, dessen Geschäft auch heute noch am Münchner Marienplatz floriert. Von der Familie Thomass lebt niemand mehr, aber die jetzigen Eigentümer Werner und Sybille Blessing führen ihr Geschäft mit Leidenschaft weiter. Sie verbinden in ihren Kreationen traditionelle Handwerkskunst mit moderner Sachlichkeit - ganz im Sinne der (fiktiven) Marie Thomass.

Während in Sabine Weiß‘ Roman „Die Perlenfischerin“ die Tradition des Perlenfischens in den Mittelpunkt gestellt wird, bildet die Perlenfischerei hier, neben der Goldschmiedekunst, einen zweiten, gleichwertigen Handlungsstrang. Wir erfahren wie die Flussperlen leben, welche Gefahren ihre Bestände bereits um 1850 ausgesetzt waren und wie sie geerntet wurden.

Der Erzählstrang rund um die Goldschmiede Neustätter gibt einen Einblick in das Zunftwesen, das nach wie vor, strenge Auflagen für die Betriebe vorgibt. Besonders Frauen sind davon betroffen, denn die dürfen keine Geschäfte unter ihrem eigenen Namen und auf eigene Rechnung betreiben, auch wenn sie geschäftstüchtiger und/oder kreativer als die Männer sind. Als Witwe dürfen sie das Geschäft unter dem Namen des verstorbenen Ehemanns fortführen.

Wie schon in den anderen historischen Romanen des Autoren-Duos sind die Zahlen, Daten und Fakten, die der Geschichte zugrunde liegen, sehr gut recherchiert. Wir erhalten auch einen Einblick in die Turbulenzen rund um das Jahr 1848, als mehrere Revolutionen Mitteleuropa erschüttern.

Der Schreibstil ist flüssig und farbenprächtig, sodass sich die Leser die damaligen Ereignisse gut vorstellen können.

Ich freue mich schon auf die beiden Fortsetzungen, die demnächst erscheinen werden.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und opulent erzählten historischen Roman 5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.02.2023

Fesselnd und mysteriös bis zur letzten Seite

Dämonen der Speicherstadt
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Üblicherweise habe ich es ja nicht so sehr mit Dämonen und Urban Fantasy, da ich mich als Technikerin an Fakten halte, aber dieses Buch aus dem Hause Emons habe ich verschlungen.

Worum geht’s?

Im großen ...

Üblicherweise habe ich es ja nicht so sehr mit Dämonen und Urban Fantasy, da ich mich als Technikerin an Fakten halte, aber dieses Buch aus dem Hause Emons habe ich verschlungen.

Worum geht’s?

Im großen und ganzen um den ewigen Kampf „gut gegen böse“. Allerdings bietet Autorin Heike Denzau hier alle ihr Können auf, um die Leser in eine spannende, mystische und erotisch knisternde Geschichte zu entführen.

Zunächst begegnen wir im Prolog der kleinen Rahel, die im Waisenhaus lebt und Dinge sieht, die anderen verborgen bleiben. Die kleinen blauen Flammen, zum Beispiel, die sich in der Auslage von Mr. Minhs Trödelladen zeigen. Sie wird nicht ernst genommen und als Spinnerin verspottet. Umso überraschter ist später die erwachsene Rahel, als sie einige Gegenstände als Vermächtnis von Mr. Minh erhält.

Dann schwenkt die Story auf die erwachsene Rahel, die nun Kommissarin bei der Hamburger Polizei ist. In ihrem aktuellen Fall wird sie mit unerklärlichen Phänomenen konfrontiert. Sie wird für eine Spezialeinheit der Polizei rekrutiert, die sich als Dämonenjäger entpuppt. Diese Truppe arbeitet im Verborgenen und besteht aus verschiedenen höchst eigenwilligen Persönlichkeiten, unter anderem dem Zwillingspaar Lukrezius und Soleria, das nicht ganz von dieser Welt zu stammen scheint. Wie sehr, lest bitte selbst ...

Meine Meinung:

Dass manche Menschen besonder Begabungen haben und Dinge sehen können und andere nicht, ist nicht ganz außergewöhnlich.

Faszinierend ist, wie Heike Denzau, die ich als Schöpferin von Lyn Harms und Raphael Freersen kenne, nun diesem ewigen Kampf „gut gegen böse“ aufnimmt.

Der Schreibstil ist fesselnd und lässt bei den Lesern die Gänsehaut aufziehen. Doch die Härchen krümmen sich nicht nur wegen der Verbrechen, sondern auch wegen der starken erotischen Anziehung, die von Lukrezius ausgeht und der sich Rahel nicht entziehen kann.

Ziemlich nervenaufreibend ist der Einblick in die Familie Hathor, bei der nicht nur ein Familienmitglied von einem Dämon besessen scheint. Doch wer will der Familie ihre Dysfunktionalität verdenken? Nach einem schweren Autounfall, bei dem Vater, Mutter und der Sohn schwerst verletzt wurden, und den nur die kleinen Töchter körperlich nahezu unbeschadet überlebt haben, und nun nichts mehr so ist wie vorher.

Nachdem noch einige Fragen, wie etwa die Herkunft von Rahel oder die Zukunft des Zwillingspaares offen sind, gehe ich von einer Fortsetzung aus. Jedenfalls ist der Einstieg des Emons-Verlages in das Mystery/Urban Fantasy-Genre gut gelungen. Wahrscheinlich werden sich eingefleischte Fans von historischen und regionalen Krimis nicht mit dieser Art Krimis auseinandersetzen wollen, doch kann der Verlag seine Angebotspalette ein wenig erweitern.

Fazit:

Diesem aufregenden, mysteriösen und fantastischen Krimi gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 07.02.2023

Hat mich gut unterhalten

Majoran, Mord und Meisterwurz
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Manfred Baumann, bekannt durch seine Salzburg-Krimis rund im Chefinspektor Martin Merana und sein Team, erfreut seine Leser mit einer weiteren Folge aus der Reihe „Kräuter-Krimis“.

Mit folgenden sieben ...

Manfred Baumann, bekannt durch seine Salzburg-Krimis rund im Chefinspektor Martin Merana und sein Team, erfreut seine Leser mit einer weiteren Folge aus der Reihe „Kräuter-Krimis“.

Mit folgenden sieben (Küchen)Kräutern wird hier gemordet:

Majoran
Teufelsbart
Frauenmantel
Schnittlauch
Melisse
Tollkirsche
Meisterwurz

Nun ja, auch wenn die Mordwaffen relativ leicht zugänglich sind und keinen Lärm bei der Anwendung verursachen, ist dennoch Vorsicht geboten, denn die Ermittler sind, wie Pater Gwendal, durchaus kräuterkundig.

Meine Meinung:

Kurz-Krimis sind ja üblicherweise nicht so meines, aber ich halte es für eine hohe Kunst, auf wenigen Seiten Charaktere vorzustellen, Spannung aufzubauen und eine schlüssige Lösung darzustellen.

Für zwischendurch sind Kurz-Krimis eine kurzweilige Alternative.

Jede der sieben Pflanzen ist zu Beginn des jeweiligen Kurz-Krimis abgebildet und beschrieben. Da weiß der potenzielle Mörder gleich, nach welchem Kraut er (oder sie) im Garten oder auf dem Markt Ausschau halten muss.

Fazit:

Ein gelungenes Mitbringsel für Gartenliebhaber und Krimi-Fans. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.02.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die Bücher, der Junge und die Nacht
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Dieser interessante Roman spielt gekonnt auf mehreren Zeitebenen: vorwiegend 1933, 1943 und 1977.

Zunächst lernt der Leser einen kleinen Jungen kennen, der in einer fensterlosen Bibliothek aufwächst kennen. ...

Dieser interessante Roman spielt gekonnt auf mehreren Zeitebenen: vorwiegend 1933, 1943 und 1977.

Zunächst lernt der Leser einen kleinen Jungen kennen, der in einer fensterlosen Bibliothek aufwächst kennen. Als 1943 Bomben auf Leipzig fallen, wird er von einem geheimnisvollen Mann aus dem brennenden Haus gerettet, für den er in Folge Bücher aus den Trümmern der zerstörten Städte Deutschlands retten muss.

Dazwischen gibt es Rückblenden in das Jahr 1933 in dem Jakob Steinfeld ein kleines Antiquariat und eine Buchbinderei im Graphischen Viertel von Leipzig betreibt. Immer im bedrohlichen Schatten der reichen Verlegerfamilie Pallandt.

Nahezu gleichzeitig begeben wir uns 1977 mit Robert Steinfeld und seiner Freundin Marie auf Spurensuche nach Roberts Wurzeln. Steinfeld, wie unschwer zu erkennen ist, ist mit Jakob verwandt und Marie soll die gigantische Bibliothek des Pallandts verkaufen. Dafür müssen sie von München aus auf die Buchmesse nach Leipzig, in das Hinterland und nach einem Hinweis auch nach Wien.

Meine Meinung:

Kai Meyer ist wieder ein fesselnder Roman gelungen, der durch seine komplexe Handlung besticht.

Was zu Beginn ein wenig verwirrend erscheint, erschließt sich den Lesern nach und nach. Doch der rote Faden sind zwei Bücher, denen die unterschiedlichen Protagonisten in jeder Zeitebene aus verschiedenen Gründen nachjagen.

Ich habe recht schnell eine Idee gehabt, wie die Ereignisse zusammenhängen. Trotzdem hat mich der Beweggrund, warum der kleine Junge gefangen gehalten wurde doch ein wenig überrascht.

Das Buch zieht seine Leser in einen Sog, der sie die Umwelt vergessen lassen und unbedingt weiterlesen wolle/müssen.

Die historischen Ereignisse sind gekonnt in die Handlung eingeflossen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden und komplexen Roman 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.02.2023

Eine gelungene Analyse

Bürgerkriege
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In ihrem Buch „Bürgerkriege“ stellt die Autorin Barbara F. Walter die durchaus provokant klingende Frage „Warum immer mehr Staaten am Abgrund leben?“
Auch ich habe das subjektive Gefühl, dass sich die ...

In ihrem Buch „Bürgerkriege“ stellt die Autorin Barbara F. Walter die durchaus provokant klingende Frage „Warum immer mehr Staaten am Abgrund leben?“
Auch ich habe das subjektive Gefühl, dass sich die Spirale der Gewalt immer schneller dreht. Immer mehr Menschen scheinen mit ihren Staatenlenkern, egal ob Diktatoren oder gewählte Politiker unzufrieden zu sein, und dies auch lautstark kundzutun.

Dabei sind es nicht nur die üblichen Verdächtigen wie der Nahe Osten, Südamerika oder afrikanische Staaten, die davon betroffen sind. Nein, auch in einigen demokratischen Staaten Europas wie Frankreich gärt es und das (selbst ernannte?) Mutterland der Demokratie, die USA, wird zunehmend Schauplatz von gewalttätigen Unruhen.

Was ist los mit den Menschen? Warum dreht - gefühlt - derzeit die halbe Weltbevölkerung durch? Warum auch oder besonders (?) in Demokratien? Wie entstehen Bürgerkriege?

Akribisch listet die Autorin die Anzeichen, wie es zu einem Bürgerkrieg kommen kann, auf. Denn, so schreibt sie, ein Bürgerkrieg fällt nicht vom Himmel, sondern ist die Entladung eines lange dauernden Prozesses. Häufig werden die gängigen Mittel der Propaganda wie „WIR und die anderen“ benützt, um ein System zu destabilisieren.

Um festzustellen, wie hoch die Gefahr eines Bürgerkriegs ist, gibt es mehrere anerkannte Messmethoden. Zum Beispiel den Polity-Index, anhand dessen man den Grad der Anokratie (Mittelding zwischen Autokratie und „perfekter Demokratie“) eines Landes messen kann.

Wie kann das System dann wirklich kippen? Einerseits Verunsicherung der Menschen durch Angst, den eigenen guten Staus zu verlieren, Wut auf die Politiker aufgrund deren mögliche Korruption sowie Neid. Andererseits spielen die sozialen Medien durch ihre oft gezielte Desinformation eine große Rolle. Message Control, Fake News usw. sind die Schlagworte der Stunde.

Lassen sich die politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen, die zu einem Bürgerkrieg führen können, stoppen oder gar umkehren? Ja, es ist möglich, diesen Prozess aufzuhalten und das fragile Gleichgewicht wieder herzustellen. Als Beispiel führt die Autorin Südafrika an, das durch die Anerkennung des ANC unter Nelson Mandela einen Bürgerkrieg vermeiden konnte.

Meine Meinung:

Barbara J. Walter erklärt sehr anschaulich die aktuellen Probleme. Als in Amerika lebende Autorin liegt ihr Fokus natürlich auf der derzeitigen Lage in den USA, in der sich selbst ernannte Milizen bis an die Zähne bewaffnen und scheinbar nur darauf warten, losschlagen zu dürfen, wie der Sturm auf das Kapitol am 6. Jänner 2021 eindrücklich beweist.

Der Schreibstil der Autorin darf getrost als populär wissenschaftlich bezeichnet werden, was aber keineswegs abwertend gemeint ist. Es ist nicht einfach, das komplexe Zusammenspiel zahlreicher Faktoren, die zu einem Bürgerkrieg führen könn(t)en, gut lesbar darzustellen.

Was kann nun jeder Einzelne dazu beitragen, damit es doch nicht so weit kommt? Geht das überhaupt? Ja, es ist möglich. Auch wenn wir in Zeiten des Wandels leben, so sollte das Verbindende vor das Trennende gestellt werden und als Informationsquellen sollten nicht ausschließlich die sozialen Medien dienen.

Fazit:

Dieser interessanten Analyse, die auch als Weckruf für westliche Demokratien verstanden werden kann/muss, gebe ich gerne 5 Sterne.