Cover-Bild Das verbotene Notizbuch
(3)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
12,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Insel Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 302
  • Ersterscheinung: 10.10.2022
  • ISBN: 9783458682424
Alba de Céspedes

Das verbotene Notizbuch

Eine der wichtigsten europäischen Autorinnen des 20. Jahrhunderts | Ihr fesselndes, intimes und zeitloses Meisterwerk – endlich wiederentdeckt
Verena von Koskull (Übersetzer)

Eigentlich sollte Valeria im tabaccaio nur Zigaretten für ihren Mann besorgen – kauft dann aber verbotenerweise ein schwarzes Notizheft und ahnt nicht, welche Konsequenzen dies haben würde. Es sind die Nachkriegsjahre in Rom, und Valeria führt das bescheidene und unscheinbare Leben einer Frau der Mittelschicht. Sie ist Mutter, Gattin und Büroangestellte. Mehr sieht niemand in ihr, seit Jahren hat sie ihren eigenen Namen nicht gehört, sogar ihr Mann nennt sie »mamma«. Doch als sie beginnt, in das Notizheft zu schreiben, verändert sich allmählich etwas in Valeria. Sie sondiert ihr Inneres, geht auf die Suche nach ihren eigenen Sehnsüchten und Ängsten. Irgendwann beginnt sie, sich kleiner Lügen zu bedienen, sich heimlich mit ihrem Chef zu treffen und die Forderungen ihrer Kinder zu übergehen. Bis sie glaubt, einen Schritt zu weit gegangen zu sein.

Elena Ferrante nennt es ein »Buch der Ermunterung«, für viele Generationen war Das verbotene Notizbuch ein Schlüsselroman menschlicher Beziehungen und weiblicher Identität – und nun kann das fesselnde, intime und zeitlose Meisterwerk endlich wieder gelesen werden.

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2025

Zwischen festgefahrenen Rollen und heimlicher Wunschwirklichkeit

0

Ein leiser Aufschrei aus einem Frauenleben – eindringlich, ehrlich, ergreifend.


In "Das verbotene Notizbuch" von Alba de Céspedes geht es um eine Frau, die durch das Schreiben beginnt, sich selbst zu ...

Ein leiser Aufschrei aus einem Frauenleben – eindringlich, ehrlich, ergreifend.


In "Das verbotene Notizbuch" von Alba de Céspedes geht es um eine Frau, die durch das Schreiben beginnt, sich selbst zu hinterfragen – mit weitreichenden Konsequenzen. De Céspedes, 1911 in Rom geboren, war nicht nur eine herausragende Schriftstellerin, sondern auch politische Aktivistin im Widerstand und eine der bedeutendsten weiblichen Stimmen des 20. Jahrhunderts. Ihre Werke erleben aktuell zu Recht eine Renaissance – ihre Themen sind heute aktueller denn je.

Worum geht’s genau?
Valeria lebt im Rom der Nachkriegsjahre ein Leben, wie es viele Frauen zu jener Zeit führten: pflichtbewusst, aufopfernd und angepasst. Sie ist Ehefrau, Mutter, Büroangestellte – doch nicht mehr sie selbst. Ihr Mann nennt sie „Mama“, ihre eigenen Bedürfnisse scheinen in der täglichen Routine verschüttet. Eines Tages kauft sie ein schwarzes Notizbuch – heimlich – und beginnt, darin zu schreiben. Was harmlos beginnt, wird zum inneren Befreiungsschlag. Ihre Gedankenwelt offenbart eine tiefe Erschöpfung, verdrängte Sehnsüchte und aufgestaute Wut. Sie beginnt zu lügen, zu träumen, sich selbst zu suchen – und zu verlieren. Ihre Beziehung zu Mann und Kindern verändert sich, ihre Rolle im Leben wird fragwürdig. Und bald steht sie an einem Punkt, an dem die Wahrheit gefährlicher scheint als die größte Lüge.

Meine Meinung
"Das verbotene Notizbuch" war mein erstes Buch von Alba de Céspedes – aber garantiert nicht mein letztes. Schon nach wenigen Seiten hat es mich gepackt & ich war gefangen in der Stimme Valerias, die so leise und gleichzeitig so eindringlich erzählt. Die Sprache ist klar, voller psychologischer Tiefe und emotionaler Wucht. Dass dieses Buch kein neues ist, sondern aus den 1950er Jahren stammt, ist unglaublich – es liest sich absolut zeitlos. Der Konflikt zwischen persönlichem Wollen und gesellschaftlichem Müssen, zwischen Tochter, Mutter, Ehefrau und der eigenen Identität trifft mitten ins Heute.

Besonders beeindruckt hat mich, wie präzise de Céspedes die Erschöpfung und das Unsichtbarwerden von Frauen beschreibt:

„Mir ging auf, dass es in der ganzen Wohnung kein Schubfach und keinen Winkel mehr gab, der noch mir gehörte“ (S. 10).
Diese kleine Beobachtung steht symbolisch für Valerias Leben – und das vieler Frauen.

Ihre Rolle als Mutter und Ehefrau ist geprägt von Selbstaufgabe. Als ihr Mann sie nur noch „Mama“ nennt, fühlt sie sich zutiefst gedemütigt.

„Wenn er mich >>Mama< nennt, reagiere ich mit der gleichen zärtlichen Strenge wie damals bei Riccardo, als er noch klein war. Doch jetzt wird mir klar, dass das falsch gewesen ist: Er war der einzige Mensch, für den ich Valeria war. Meine Eltern nennen mich seit jeher Bebe, und bei ihnen ist es schwer, eine andere zu sein als das kleine Mädchen, dem sie diesen Spitznamen gaben; denn auch wenn beide von mir all das erwarten, was man von erwachsenen Menschen erwartet, will ihnen offenbar nicht in den Kopf, dass ich tatsächlich erwachsen bin. Ja, Michele war der Einzige, für den ich Valeria war. Für manche Freundinnen bin ich noch die Pisani, die Schulkameradin, für andere bin ich die Frau von Michele, die Mutter von Riccardo und Mirella. Doch für ihn war ich, seit wir uns kennenlernten, nur Valeria. (S. 14)
Ein bittersüßer Ausdruck, der zeigt, wie wenig Raum für Individualität geblieben ist.

Auch das Verhältnis zu ihren Kindern ist konfliktreich. Valeria sehnt sich nach Anerkennung und Gleichgewicht – doch sie bekommt keine Pause. Ihre Erschöpfung wird ignoriert, ihre Mühen selbstverständlich hingenommen:

„Man muss schon sehr hohes Fieber haben, um in dieser Familie als ernstlich krank zu gelten“ (S. 28).
In vielen Momenten fühlte ich mich Valeria tief verbunden – dann wieder distanziert. Sie ist keine Heldin, keine Heilige, sondern zutiefst ambivalent. Sie lügt, sie betrügt, sie sehnt sich nach Freiheit – und hat gleichzeitig Angst davor. Das macht sie so menschlich, so real.

Beeindruckt hat mich, wie subtil de Céspedes die gesellschaftlichen Schranken sichtbar macht – gerade in der Gegenüberstellung von Valeria und ihrer Tochter Mirella. Mirella ist jung, wild, entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Valeria, die einst dachte, sie würde es besser machen als ihre Mutter, muss erkennen: Es gelingt ihr nicht. In diesen Szenen wird das Buch für mich auch zum feministischen Generationenroman, der zeigt, wie sich Lebensrealitäten verändern – und wie hartnäckig sich patriarchale Muster halten.

Ein weiterer starker Moment ist Valerias Erkenntnis über das Theater des Alltags:

„Wie schwer es ist, in den Menschen, die uns umgeben, etwas anderes zu sehen als die Rollen, die sie uns gegenüber zu spielen gezwungen sind“ (S. 111).
Genau darum geht es in diesem Roman: um Rollen, um Masken, um das leise Zerbrechen daran.

Gegen Ende hat mich das Buch ein wenig verloren. Valeria wird in ihrem Verhalten schwerer greifbar, teils selbstgerecht. Doch vielleicht ist auch das konsequent – denn Selbstfindung ist kein gerader Weg.

Trotz aller Düsternis und Melancholie liegt in diesem Buch ein stiller Trost: dass es erlaubt ist, sich selbst zu hinterfragen. Dass Sehnsucht nicht Schwäche, sondern Lebendigkeit ist. Und dass Schreiben eine Form des Überlebens sein kann.

Fazit
Ein zutiefst bewegendes, kluges und mutiges Buch über weibliche Identität, familiäre Rollenbilder und das stille Verlangen nach einem selbstbestimmten Leben. Nur der leicht schwächere Schluss verhindert die volle Punktzahl. Von mir gibt es dennoch 4,5 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.02.2023

Midlife Crisis in den 50ern

0

Am 26. November 1950 kauft sich Valeria das titelgebende Notizbuch - verboten ist es nicht nur, weil es ihr illegalerweise am Sonntag verkauft wird, sondern auch, weil sie das Gefühl hat, dass sie es vor ...

Am 26. November 1950 kauft sich Valeria das titelgebende Notizbuch - verboten ist es nicht nur, weil es ihr illegalerweise am Sonntag verkauft wird, sondern auch, weil sie das Gefühl hat, dass sie es vor ihrer Familie geheim halten muss, weil es sich für sie nicht gehört, ein Tagebuch zu führen. Wir Leser bekommen nun Valerias Einträge zu lesen und erleben, wie sie immer selbstreflektierter, aber auch unzufriedener mit ihrem Leben wird und in diesem zu immer ungewöhnlicheren Entscheidungen greift.

"Das verbotene Notizbuch" nimmt uns mit auf eine Reise in die Gedanken einer italienischen Ehefrau in den 50ern. Valeria kommt aus gutem Hause, hat aber arm geheiratet, ist (für ihre Zeit ungewöhnlicherweise) berufstätig und hat mit zwei fast erwachsenen Kindern zu kämpfen, die nicht so recht ihren Vorstellungen des Lebens folgen. Im Laufe des Buches werden in diesen Zusammenhängen immer wieder interessante Fragen, vor allem zur Rolle der Frau und zur Entwicklung des Feminismus aufgeworfen, die ich stets sehr interessant fand.

Auch ist dieses Buch quasi ein Plädoyer für das Tagebuchschreiben. Wir können ganz genau beobachten, wie Valeria sich zunächst albern vorkommt, ein Tagebuch zu schreiben, ihre Einträge aber immer länger werden und sie immer selbstreflektierender wird. Das Buch unterstreicht also genau das, was wir wohl alle schon mal als Vorteile des Führens eines Tagebuchs gehört haben. Dass Valeria durch das Schreiben auch zu einer unsympathischeren Person wird, die immer fragwürdigere Entscheidungen trifft, steht da sicher noch auf einem anderen Blatt.

Leider nahm meine Begeisterung für das Buch ab der Hälfte etwas ab. Sicher war es eine bewusste Entscheidung der Autorin, das Tempo der Handlung und vor allem von Valerias Gedankengängen immer weiter anzuschrauben, jedoch wurde es mir irgendwann zu hektisch und ich hatte Probleme, so richtig zu verstehen, welche Beweggründe Valeria für ihre Handlungen hat und woher bestimmte Reflexe kamen. Dabei kann es sicherlich auch gut sein, dass mir aufgrund des großen Altersunterschieds zwischen mir und der Protagonistin mir einfach der Bezug fehlt. Letztendlich beobachten wir hier, was man heutzutage als Midlife Crisis bezeichnen würden und mit vielen Situationen, die hier beschrieben wurden, konnte ich mich einfach nicht identifizieren.

Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass das bei einer etwas älteren Zielgruppe deutlich besser ankommt. Trotz leichter Kritik konnte ich gute Gedanken mit aus dem Buch nehmen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2023

Larmoyante Langeweile

0

Im verbotenen Notizbuch berichtet Valeria in Tagebuchform von ihrem Leben im Rom der 1950er und ich erhoffte mir einen aufschlussreichen Blick in den italienischen Alltag jener Zeit. Alltag bekommt der ...

Im verbotenen Notizbuch berichtet Valeria in Tagebuchform von ihrem Leben im Rom der 1950er und ich erhoffte mir einen aufschlussreichen Blick in den italienischen Alltag jener Zeit. Alltag bekommt der Leser im verbotenen Notizbuch reichlich, leider ist der Blick weniger aufschlußreich als sterbenslangweilig. Valerie führt ein sehr durchschnittliches Leben. Das ist etwas, das in vielen fiktiven und auch echten Tagebüchern, die ich bereits las, durchaus unterhaltsam und interessant dargestellt werden kann. Alba de Céspedes konnte oder wollte es leider nicht. Der Schreibstil ist sehr schlicht gehalten. Nun erwartet man bei einem Tagebuch natürlich keine literarischen Stilblüten, das wäre unauthentisch, aber ganz so farblos formuliert wie hier muss auch ein - zudem fiktives, für eine Leserschaft geschriebenes - Tagebuch nicht daherkommen (wie andere Bücher dieser Art beweisen).

Nun könnte man sich an die schlichte Sprache noch gewöhnen, aber leider weist der Schreibstil weitere Mängel auf. So wiederholt Valeria mit Hingabe alles mögliche ad nauseam, was die ohnehin wenig anregende Lektüre noch langweiliger macht. Außerdem wird alles, was sich der Leser selbst erschließen könnte, unnötig ausführlich erklärt (ebenfalls gerne mehrfalls). Die Autorin serviert jede noch so banale Schlußfolgerung durch minutiöse Erklärungen auf dem Silbertablett und zerstört damit die Wirkung. Man wird beim Lesen so an die Hand genommen, daß es enervierend ist. Nun ist sicher zu berücksichtigen, daß dieses Tagebuch einen inneren Dialog Valerias mit sich selbst darstellt, in welchem sie durch das Schreiben Erkenntnisse gewinnt. Trotzdem ist es für mich als Leser sowohl zäh wie auch frustrierend, alles unablässig vorgekaut zu bekommen. Lesevergnügen kommt hier nicht auf.

Ebenfalls enervierend fand ich Valeria selbst. Sie stellt sich mit großer Hingabe als unterdrückte, sich abrackern müssende Ehefrau und Mutter dar. Dies keinesfalls gänzlich grundlos, doch merkt man recht schnell, daß Valeria die meisten Dinge, über die sie sich ausgiebig beklagt, übertrieben darstellt (das fängt schon mit dem unnötig panischen Geheimhalten des "verbotenen" Tagebuchs an und setzt sich mit künstlich dramatisierten Banalitäten fort), sie selbst verursacht hat oder sich zumindest in ihrer Rolle und dem damit einhergehende Selbstmitleid wohl fühlt. Sie erbringt Opfer, die niemand verlangt hat, und beklagt sich dann darüber, sie gebracht zu haben. Das ist schon auf den ersten Seiten anstrengend und steigert sich dann stetig weiter. Hier und da blitzt ein wenig Selbsterkenntnis durch und letztlich war es das, was mich dazu brachte, mich weiter durch diese larmoyante Langeweile zu kämpfen - die Hoffnung, daß dieses Kreisen um sich selbst irgendwann zu Ergebnissen führt. Das tut es höchstens in Ansätzen. Das Ende zeigt: das Durchhalten dieses zähen Buches hat sich jedenfalls für mich nicht gelohnt, die ennuyierende Nabelschau keine Entwicklungen gebracht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere