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Veröffentlicht am 07.11.2017

Fans der Serie "Downton Abbey" können in diesem Buch schwelgen

Zu Gast in Highclere Castle
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Das Buch wurde sehr aufwendig gestaltet; viele Fotos, häufig beidseitig, geben Einblicke in die verschiedenen Räume und Gartenabschnitte des Anwesens. Der begleitende Text erzählt von vergangenen Zeiten, ...

Das Buch wurde sehr aufwendig gestaltet; viele Fotos, häufig beidseitig, geben Einblicke in die verschiedenen Räume und Gartenabschnitte des Anwesens. Der begleitende Text erzählt von vergangenen Zeiten, von Adelstiteln und, wie einige dazu gekommen sind, wobei der englische Adelsstand samt der Eigenheiten stets glorifiziert wird.
Da wird von einem Prinzen berichtet, der dermassen über seine Verhältnisse lebte, dass seine Mutter, Königin Victoria, ihn nur spärlich finazierte, aber zum Glück u.a. die Rothschilds ihm immer wieder mit dezent zugestecktem Geld zu seinem wohlverdienten Lebensstandart verhalfen und durch Heirat plötzlich mit dem Königshaus verwandt waren. Immer wieder geht es um die Elite des Landes: einen der besten Dirigenten der Welt, der einen diamantüberzogenen Taktstock benutzte oder um eine der besten Sängerinnen der Welt.... und um Lebensumstände, die sich manche, zusammen mit ihrem Adelstitel, durch ihren Einsatz für die englische Krone in den Weltkriegen oder englischen Kolonien verdient haben.

Neben Beschreibungen dieser Personen oder deren Besuche auf Highclere Castle werden auch dortige Feste der Vergangenheit und Gegenwart beschrieben, beispielsweise Treibjagden, Nachmittagstee oder Musikveranstaltungen.

Zudem werden einige Personen des Personals vorgestellt: die Schloßführerin, der Sicherheitsdienst, der Parkaufseher, eine Dekorateurin, die Hauswirtschaftsleiterin, der Imker. Besonders beim Imker, der schon einiges über 70 Jahre alt sein muß, hat mich verwundert, dass er immer noch das Schloß von außen anstreicht. In dem kurzen Kapitel, in dem er „vorgestellt“ wurde, erfährt man auch von dem Desaster im Jahr 2015: es wurden drei Bienenstöcke gestohlen.

Der Leser erhält Einblicke in ein paar der 200 Zimmer von Highclere Castle, besonders derer im Erdgeschoß; in der ersten Etage befinden sich die Gästezimmer, die nur in den Ecktürmen mit eigenen Badezimmern ausgestattet sind. Alle anderen sind auf die Gemeinschaftsbäder auf den Fluren angewiesen, die nicht über eine Dusche, dafür aber eine Kanne bereitgestellt wird, mit der der Gast sich die Haare waschen kann. Die beiden oberen Etagen verfügen über keine Heizung; man hat begonnen, in den Räumen der zweiten Etage, in denen kein Putz von den Wänden fällt, weitere Gästezimmer einzurichten. Der Leser erfährt, nach welchen Adeligen die einzelnen Zimmer benannt wurden und auch, wie manche der Vorbereitungen aussehen, wenn Gäste erwartet werden, die schon mehr als ein Jahr im Vorraus eingeladen wurden. Beispielsweise werden die unteren Räume dann eine Woche lang beheizt, damit die Wände die Wärme in die Gästezimmer abgeben; die Tische werden früher vorgedeckt und bis ins kleinste Detail vorgearbeitet, z.B. werden die Butterstückchen mit einer Krone und einem „C“ vorgeprägt.

Zwischendurch finden sich jede Menge Rezepte, die manchesmal durch ihre extravanganten Namen zu beeindrucken wissen, wie der „Poudin à la Chancelière“, der mit „Kabinettpudding“ übersetzt wird und wie ein gewöhnlicher Brotpudding ( mit Bisquitteig statt Brotscheiben) aussieht; „Lady Carnarvons Eingemachtes“ besteht unter anderem aus „Holzapfelgelee“ und stellt nur eines der Rezepte dar, in dessen Namen die Titel ihrer Lord- oder Ladyschaft Einzug fanden. Ich muß gestehen, dass ich keines der Rezepte wirklich aufregend fand; aber zum Glück wird das ja bei jedem anders aussehen. Hier eine Auswahl der enthaltenen Rezepte:
scharfe Nierchen ( vom Lamm), Rührei ( von 12 Eiern und 50g creme double), Rote-Beete gebeizter Lachs, pfannengebratene Jacobsmuscheln, Petersfisch mit Sauce Hollandaise, Krebs-Gratin, Treiber-Schmortopf, Schweinerollbraten, Fasanen-Curry, geschmorter Rotkohl, Lammkarree, Haggis, Gemüsefond, ofengeröstete Beete-Knollen, Klare Tomatenkraftbrühe, Karotten-Ingwersuppe, Kokos-Röstkürbissuppe, Scones, Ingwerkuchen, rumgetränkter Napfkuchen, Marmeladenstrudel oder gedämpfter Pfaumenpudding.

Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich keine Folge der Serie „Downton Abbey“ gesehen habe, sondern mich einfach nur für eine Führung durch Highclere Castle interessierte. Die vielen Fotos der Räumlichkeiten, des Gartens bzw. der Ländereien, die Geschichte des Anwesens und seiner elitären Besucher, des Personals samt dessen Arbeit und auch die Beschreibung der Feste und Veranstaltungen fand ich sehr aufschlußreich. Die Gestaltung des Buches wirkt sehr aufwendig und liebevoll bis ins Detail, besonders, wenn Original Spielzettel oder Bögen aus dem Haushaltsjournal mit Highclere Emblem oder Spielpläne und Regeln für Golfkrokett gezeigt werden. Viele aktuelle Fotos des Anwesens oder alte, sepiafarbene von Besuchern und Anwesen ergänzen die Texte in üppiger Weise. Stolz auf das eigene Leben, die Lebensumstände und ganz besondere eigene Fähigkeiten können leider gar nicht oft genug erwähnt werden, selbst in der im Anhang befindlichen Danksagung liest man über gute Fotos der Profis und ausgezeichnete Fotografien des Lords; das war mir alles ein wenig zuviel des Eigenlobs, auch, wenn die Autorin immer wieder von ihren Geistesblitzen berichtet.
Trotz aller Liebe zum Detail ist bei dem Buch ein Fehler unterlaufen: Auf S. 13 findet die linke Spalte ein jähes Ende, denn der Text bricht mitten im Satz ab und wird an keiner anderen Stelle weitergeführt.

Insgesamt finde ich das Buch gelungen; es hat meine Erwartungen einer Führung und Beschreibung des Anwesens erfüllt. Die Rezepte haben mich nicht wirklich begeistert und einige Ausführungen fand ich schon recht befremdlich. Ich denke, für einen Fan der Serie „Downton Abbey“ wird dieses Buch ein Genuss sein; genauso geht es mir, wenn ich Bücher lese und die Fotos darin bedrachte, die Drehorte der vier alten Miss-Marple-Filme mit Margaret Rutherford aufzeigen.
Als Fan kann man in solchen Bänden einfach nur schwelgen...

Veröffentlicht am 31.10.2017

Appell zu mehr mehr Wohlwollen, Mitgefühl und Gerechtigkeit

Mögen alle Wesen glücklich sein
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In der erste Buchhälfte führt Frau Dr. med. Luise Reddemann Betrachtungen aus zu Brüderlichkeit, Gerechtigkeit, Liebe, Akzeptanz... ergänzt durch Fallbeispiele aus ihrer therapeutischen Praxis sowie Märchentexten ...

In der erste Buchhälfte führt Frau Dr. med. Luise Reddemann Betrachtungen aus zu Brüderlichkeit, Gerechtigkeit, Liebe, Akzeptanz... ergänzt durch Fallbeispiele aus ihrer therapeutischen Praxis sowie Märchentexten samt Aspekten einer tiefenpsychologische Deutung und Ausschnitten aus Bibeltexten. Es gibt reichlich Deutungshinweise und Zitate anderer, ob von Petri, Fromm oder Judt und auch die Bewertung des „Sruwwelpeters“ kommt nicht zu kurz. Ausführungen zu helfenden Berufen, Burn out, Unterdrückung von und Gewalt gegen Frauen, ihrem geringeren Verdienst und die öffentliche Aufmerksamkeit zu Leistungen von Frauen ( z.B. Clara Schuhmann oder Hildegard von Bingen), die Veränderung unseres Sozialstaates ( „Ausdünnung des Wohlfahrtsstaates“) sowie die Feststellung, dass u.a. Akzeptanz, Anerkennung, Mitgefühl, Wohlwollen, Freude und Mitfreude, Menschlichkeit und faire Bezahlung Therapieteilnehmern, Helfenden und auch allen anderen das Leben lebenswerter und gerechter machen.

Im zweiten Teil beschreibt Sylvia Wetzel unterschiedliche Aspekte von Gerechtigkeit und Mitgefühl und die Komponenten Einsicht und Vertrauen. Sie beschreibt die positive Weltsicht im Buddhismus und stellt anahnd verschiedener Übungen, z.B. dem achtfachen Pfad, konkrete Wege zu Mitgefühl und Gerechtigkeit vor. Besonders die Ausführungen zum Buddhismus samt der vorgestellten Übungen fand ich interessant. Vieles, gerade aus dem ersten Teil war mir durch Ausbildung, Beruf und Lesen von Fachliteratur schon bekannt; dennoch finde ich die Erläuterungen wichtig und angebracht.

Beide Autoren blicken auf eine jahrzehntelange Praxis zurück und haben gemeinsam in diesem Buch Überlegungen aus Psychologie, Mythologie, Märchenkunde, Philosophie und Buddhismus vorgestellt, die sie hilfreich finden um sich mit Wohlwollen, Mitgefühl und Freundlichkeit für mehr Gerechtigkeit einzusetzen und machen klar, dass jeder Einzelne gefragt ist und kleine Minderheiten den Stein ins Rollen bringen.

Veröffentlicht am 09.10.2017

wunderschöne, facettenreiche Geschichte - die Illustration konnte nur zum Teil begeistern

Das Weihnachtsgespenst
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Charles Dickens Geschichte „Das Weihnachtsgespenst“ war mir bislang nur in seinen beiden Filmversionen, mit Mickey Mouse oder mit Bill Murray bekannt. Zum Inhalt der Geschichte, die wohl jeder in groben ...

Charles Dickens Geschichte „Das Weihnachtsgespenst“ war mir bislang nur in seinen beiden Filmversionen, mit Mickey Mouse oder mit Bill Murray bekannt. Zum Inhalt der Geschichte, die wohl jeder in groben Zügen als „Der Geist der Weihnacht“ kennt, muß wohl gar nichts weiter verraten werden.

Schon lange wollte ich den Originaltext lesen, der mich sehr erfreut hat. Die Originalgeschichte ist selber viel detailierter, facettenreicher und tiefsinniger erzählt und erfreute mich beim Lesen zusätzlich durch Wortwitz, schöne Sätze und Aussprüche. Die angegebene Altersempfehlung von 10-12 Jahren empfinde ich als für viele eher zu niedrig angesetzt, denn es handelt sich schon um einen anspruchsvollen Text, der wahrscheinlich den jüngeren Lesern zuviel abverlangt.

Die farbigen ganzseitigen Bilder, ganz so, wie das Titelbild, fand ich äußerst ansprechend, die Zeichnungen mit Sprechblasen leider überhaupt nicht. So etwas erwarte ich in einem Comic und nicht in einer ansonsten sehr schönen Ausgabe eines litararischen Klassikers. Bedauerlicherweise befanden sich diese Zeichnungen in der Überzahl und standen für mich im Verlaufe des Buches immer mehr dieser wunderschönen Geschichte im Weg. Aber zum Glück hat da jeder einen eigenen Geschmack...

Fazit: wunderschöne, facettenreiche Geschichte - die Illustration konnte nur zum Teil begeistern

Veröffentlicht am 09.08.2017

professionelle Fotos zur Reise entlang der Westküste Irlands

Wild Atlantic Way
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Stefan Schnebelt hat in seinem Bildband zum Wild Atlantic Way, diesen, beginnend an der Nordspitze, in seiner Länge von gut 2500km dargestellt, aufgeteilt in Kapitel, die den jeweiligen Abschnitt in einem ...

Stefan Schnebelt hat in seinem Bildband zum Wild Atlantic Way, diesen, beginnend an der Nordspitze, in seiner Länge von gut 2500km dargestellt, aufgeteilt in Kapitel, die den jeweiligen Abschnitt in einem Kartenabschnitt darstellen. Zu jedem dieser Abschnitte gibt es einen sehr kurzen Text; die einzelnen Fotos verfügen meistens über eine Unterschrift auf englisch und gälisch.

Stefan Schnebelt hat diesen Foto-Bildband über den Wild Atlantic Way Dank finanzieller Unterstützung durch eine Crowdfunding-Kampagne sowie durch Irland Information, Irland-Journal sowie Irish-Net realisieren können. Da neben den Fotos kaum Texte enthalten sind, finden sich im Anhang Koordinaten der Fotomotive sowie webcodes um zu den einzelnen Fotomotiven auf wild-atlantic-way.de Informationen nachzulesen.

Wir sind den Teil des WAW in Südirland selber schon zweimal entlanggefahren, so dass für uns gerade der nordirische Teil ganz neu anzusehen war.
Die Fotos fallen alle durch ihre Professionalität auf; jedes Motiv wurde perfekt in Szene gesetzt. Gemeinsam haben sie zudem, dass sie nahezu menschen-, tier- und blütenleer, fast schon ein wenig steril wirken. Ansonsten fand ich die Fotos zwar sehr interessant, aber auch nicht unbedingt sehr abwechslungsreich. Zwar wirken sie technisch ausgeführt perfekt, lassen für mich aber den Funken nicht so ganz überspringen, sondern vermitteln eher den Eindruck von Werbeaufnahmen für einen Reisekatalog oder Fotowettbewerb.
Für mich persönlich muss ich feststellen, dass ich stärker belebte Fotos mit direkt begleitenden Texten wesentlich ansprechender finde und mir das pefekt in Szene Gesetzte gar nicht so wichtig ist. Die Möglichkeit, mit Hilfe der webcodes Informationen zu einzelnen Sehenswürdigkeiten online nachzulesen, habe ich nicht genutzt, denn solche Informationen kann ich auch ohne die codes erhalten oder in meinen anderen Büchern über Irland nachlesen.

Fazit: ein Bildband mit äußerst nüchternen, fast schon sterilen, professionellen Fotos

Veröffentlicht am 29.07.2017

Religion vs Ideologie

Der Hirte
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Bei „Der Hirte“ handelt es sich um Ingar Johnsruds Debütroman, dem ersten Teil einer Trilogie, der verschiedene Erzählstränge über drei Generationen und ca. 80 Jahre hinweg beinhaltet.

Die der Glaubensgemeinschaft ...

Bei „Der Hirte“ handelt es sich um Ingar Johnsruds Debütroman, dem ersten Teil einer Trilogie, der verschiedene Erzählstränge über drei Generationen und ca. 80 Jahre hinweg beinhaltet.

Die der Glaubensgemeinschaft „Licht Gottes“ angehörende Tochter einer norwegischen Politikerin wird von ihrer Mutter als vermisst gemeldet; unmittelbar danach entdeckt die Osloer Polizei, dass auf das Anwesen dieser Gemeinde ein Anschlag verübt wurde, bei dem es mehrere Tote gab und die Tochter weiterhin vermisst wird. Ermittelt wird in viele Richtungen, für die es Hinweise gibt; so kann z.B. ein Drogen- oder Glaubenskrieg nicht ausgeschlossen werden. Man ermittelt im gefährlichen religiösen Millieu, zieht das Streben einer anderen Gruppierung nach einem norwegischen Kalifat und religiöse, kulturelle Konflikte mit ein.
Ein anderer Handlungsstrang befasst sich mit einer Wiener Bruderschaft: Forscher, die sich um 1937 zusammenschlossen und in Bezug auf Rassenpflege wohl nicht immer einer Meinung waren, worauf sich diese Bruderschaft auflöste.


Der Thriller ist überwiegend spannend geschrieben und man mag ihn gar nicht mehr aus der Hand legen. Er behandelt so viele Themen über einen langen Zeitraum hinweg; zwangsläufig werden unzähliche norwegische und ungewohnte Namen erwähnt. Um hier den Überblick zu behalten, habe ich versucht, mir eine Liste der Namen anzulegen, was gar nicht so einfach war – und manchesmal habe ich den Überblick verloren. Ganz besonders zum Schluss, bei der Aufklärung, als verschiedene Varianten betrachtet wurden, fand ich es sehr schwierig, diesen komplett zu folgen. Die vielen Wechsel zwischen den Handlungssträngen fand ich zwischendurch auch schon mal anstrengend, denn bei vielen Kapiteln weiß man als Leser nicht sofort, über wen geschrieben wird, man muss sich erst einfinden und dann ist das Kapitel auch schon wieder beendet. Zum Ende des Buches bei ungefähr den letzten 50 Seiten fand ich vieles nicht mehr so ganz überzeugend, z.B. die äußerst detailliert beschriebenen Kampfszenen oder, dass eine geknebelte Frau dennoch deutlich sprechen kann (S. 467).

Fazit: Ein, wenn auch nicht immer voll überzeugendes, doch überwiegend spannendes und gut unterhaltendes Buch, bei dem es sich gar nicht so einfach unterscheiden lässt zwischen Gut und Böse, das auch die Gefahr des Missbrauches von wissenschaftlichen Errungenschaften darstellt und den steten Kampf zwischen Religion und Ideologie.