Cover-Bild Die Freiheit einer Frau
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17,00
inkl. MwSt
  • Verlag: S. FISCHER
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 96
  • Ersterscheinung: 10.11.2021
  • ISBN: 9783100000644
Édouard Louis

Die Freiheit einer Frau

Hinrich Schmidt-Henkel (Übersetzer)

Édouard Louis erzählt in »Die Freiheit einer Frau« schonungslos und liebevoll von seiner Mutter. Die Geschichte der Befreiung einer Frau.

»Meine Mutter hat ihr ganzes Leben mit Armut und männlicher Gewalt gekämpft.« 

Eines Tages stand Édouard Louis’ Mutter einfach auf und ging. Weg aus der Gegend, weg von ihrem zweiten Mann, der wie der erste soff und sie demütigte. Édouard Louis erzählt eindringlich und gnadenlos vom Wunsch, als Kind eine andere Mutter zu haben, und vom großen Glück, sie heute als befreite und glückliche Frau zu erleben.



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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2023

Ein wichtiges und lesenswertes Buch

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Nach seinem erfolgreichen Debütroman “Das Ende von Eddy”, in dem Édouard Louis mit seiner eigenen Vergangenheit abschließt und auf den unter Anderem ein Buch über seinen Vater folgte, beschäftigt sich ...

Nach seinem erfolgreichen Debütroman “Das Ende von Eddy”, in dem Édouard Louis mit seiner eigenen Vergangenheit abschließt und auf den unter Anderem ein Buch über seinen Vater folgte, beschäftigt sich der Autor nun in “Die Freiheit einer Frau” mit dem Leben seiner Mutter.
Ausgehend von einem Foto, auf dem sie glücklich scheint und das damit in einem starken Kontrast zu den Erinnerungen Louis’ an die Mutter seiner Kindheit und Jugend steht, zeichnet das Buch all die Höhen und Tiefen, Hoffnungen und Träume, Schicksalsschläge und Enttäuschungen nach, die das Leben seiner Mutter geprägt haben.

Louis’ Mutter wächst in einem Arbeitermilieu auf. Mit achtzehn erwartet sie ihr erstes Kind, muss eine Ausbildung zur Köchin abbrechen und dabei zusehen, wie die ersten Lebensträume zu zerplatzen anfangen. Ihr Mann entpuppt sich als Trinker, der sie außerdem betrügt und schon bald scheint sich das Unglück tief in ihrem Alltag festzusetzen.

Doch sie befreit sich, lernt schließlich Louis’ Vater kennen und hofft auf einen Neuanfang. Sie beginnt zu ahnen, dass sie auch in dieser Beziehung kein Glück finden wird. Spätestens die Beschimpfung “fette Kuh”, die der Vater ihr vor dem ganzen Dorf an den Kopf wird, zeigt, wie tief Gewalt und Fremdbeherrschung ihr Leben prägen.

Ihr Denken besteht aus Konjunktiven, aus den Wenns und den Hättes. Eintönigkeit, Monotonie und Melancholie sind das bröckelige Fundament ihrer Existenz.

Louis’ Buch kann einerseits als Aufarbeitung und Analyse der eigenen Beziehung zur Mutter verstanden werden, die durchaus komplex und schwierig ist und sich durch Scham, Entfremdung und wachsende Klassenunterschieden auszeichnet. Andererseits ist es ein Denkmal und ein Porträt, dem Anerkennung zugrunde liegt und das die Geschichte einer Nichtexistenz in eine Geschichte der Transformation und der Selbstbefreiung umschreibt.

“Die Freiheit einer Frau” ist ein wichtiges und lesenswertes Buch, das ihr nicht verpassen solltet!

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Veröffentlicht am 02.12.2021

Édouard Louis - Die Freiheit einer Frau

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Der junge französische Autor Édouard Louis setzt die Erzählung seiner Familie fort. Nachdem er in „En finir avec Eddy Belleguele“ (dt. „Das Ende von Eddy“) seine eigene Geschichte erzählte, in „Histoire ...

Der junge französische Autor Édouard Louis setzt die Erzählung seiner Familie fort. Nachdem er in „En finir avec Eddy Belleguele“ (dt. „Das Ende von Eddy“) seine eigene Geschichte erzählte, in „Histoire de la violence“ (dt. „Im Herzen der Gewalt“) eine nahezu unerträgliche Gewalteskapade ausführte, näherte er sich in „Wer hat meinen Vater umgebracht“ seinem Vater. Jetzt ist seine Mutter, die auch das Cover ziert, in „Die Freiheit einer Frau“ im Fokus. Genau jenes Bild, das er zufällig entdeckte, war auch der Auslöser für das Buch, das einmal mehr in seiner ganz eigenen literarischen Form zwischen Erzählung, Memoiren und Biografie verfasst wurde.

„Sie war gedemütigt, aber sie hatte keine andere Wahl, oder sie dachte, sie hätte keine, die Grenze dazwischen ist schwer zu bestimmen, (...)“

Moniques Leben gerät früh schon auf die schiefe Bahn. Während der Ausbildung wird sie als Teenager schwanger, bekommt bald schon das zweite Kind. Sie verlässt den Vater der Kinder für einen anderen Mann, der jedoch ebenso gewalttätig und unterdrückend ist. Mit ihm folgen weitere Kinder, darunter auch Édouard. Ihr bleibt das Leben als Hausfrau und Mutter auf dem nordfranzösischen Dorf. Dass sie einmal eine lebenslustige Frau mit Träumen war, davon ist nichts mehr zu spüren. Stoisch erträgt sie das Schicksal, das ihr scheinbar zugewiesen wurde. Sie braucht Jahrzehnte, um sich zu erinnern, dass sie schon einmal geflüchtet ist und dass sie sie diese Möglichkeit wieder hätte.

„Sie war sich ganz sicher, dass sie ein anderes Leben verdiente, dass es dieses Leben irgendwo gab, abstrakt gesehen, in einer virtuellen Welt, so gut wie in Reichweite, und dass ihr Leben in der wirklichen Welt eigentlich wegen eines Versehens so aussah wie es war.“

Was die Erzählungen Édouard Louis‘ auszeichnet, ist die gnadenlose Beschreibung einer unschönen Realität. Er kommt aus einem prekären Milieu, das von Gewalt und Hoffnungslosigkeit geprägt ist und eröffnet mit seinen Büchern einen Blick in diese Welt, vor der man lieber die Augen verschließen möchte. Ihm selbst ist nicht nur der soziale Aufstieg geglückt, er kann mit dem Abstand von Zeit und Raum auch das reflektieren, was er als Kind und Jugendlicher erlebt und gesehen hat und schreibt dies nieder.

Auch wenn die schon bekannte endlose Spirale, die sich von Generation zu Generation wiederholt - geboren in Gewalt und Armut, den Ausweg nicht finden, den Weg der Eltern reproduzieren, selbst gewalttätig werden und mit prekären Jobs gerade so überleben – auch hier geschildert wird, erlaubt der Blick auf die Mutter doch auch einen Funken von Hoffnung. Und Versöhnung, denn der Sohn ist älter und reifer, erkennt seine eigenen Fehler gegenüber der Mutter, seine Fehleinschätzungen, die blinden Flecken, die er in jungen Jahren nicht sehen oder richtig deuten konnte. Somit wird der Bericht auf eine Reflektion über das eigene Denken und das Eingeständnis von selbst ausgeübter Gewalt, die in seinem Fall eher psychologisch denn physisch war.

Eine Hommage an eine letztlich starke Frau, keine schöne Lebensgeschichte, aber eine aus dem echten Leben, das nun einmal nicht immer rosarot ist.