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Veröffentlicht am 04.03.2023

Ein erzählensnotwendiges Buch!

Die ungeduldigen Frauen
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„Munyal“ – Geduld sollen die Frauen haben. Geduld ist das ewige Mantra, mit dem die Männer dieser höchst patriarchalen Gesellschaft in Kamerun die Frauen zu beschwichtigen versuchen, damit sie sich in ...

„Munyal“ – Geduld sollen die Frauen haben. Geduld ist das ewige Mantra, mit dem die Männer dieser höchst patriarchalen Gesellschaft in Kamerun die Frauen zu beschwichtigen versuchen, damit sie sich in ihr Schicksal einfügen. Ein Schicksal als Hausfrau, als Zweit- oder Drittfrau in einer polygamen Ehe voller Konkurrenz zu ihren Mitfrauen.
So ergeht es auch Ramla. Sie soll die Zweitfrau eines alten Mannes werden. Ramla hätte eine gute Zukunft vor sich haben können. Ihr Ziel war es zu studieren, und mit ihrer Wahl eines Ehemannes hätte sie dies tun können. Stattdessen verspricht ihr Vater sie einem wohlhabenden alten Mann. Ramla protestiert, doch „Munyal“ - Geduld soll sie haben. Alles wird sich fügen.
Von Anfang an weiß Ramlas jüngere Schwester Hindou, dass ihr Schicksal schlimmer sein wird. Sie wird an ihren gewalttätigen Cousin verheiratet, der in ihr ein Eigentum sieht, an dem er handeln kann wie ihm beliebt. Aber „Munyal“ - Geduld, er wird sich schon beruhigenm, wenn sie sich im fügt und die untertänige Frau sein, die Allah für alle Männer vorgesehen hat.
Safira derweil sieht in der Zweitfrau Ramla, die ihr Mann umsorgt und bevorzugt, eine Gefahr für ihr Ansehen. Sie versucht mit allen Mitteln die Gunst ihres Mannes wiederzuerlangen und geht zu einem Marabout, ein islamischer Heiliger, der mit mystischen Zeremonien dafür sorgen soll, dass sich Safiras Mann wieder ganz allein ihr zuwendet. „Munyal“ - Geduld, seine Gebete werden wirken.

Djaïli Amadou Amal lässt „Die ungeduldigen Frauen“ drei Frauen offen zu Wort kommen. Ihre Gedanken würden Safira, Ramla und Hindou in dieser männerfokussierten Welt nie so ungeschönt preisgeben, doch als Leser:in erfährt man, was die Frauen im Innersten umtreibt. Denn in einer Gesellschaft, deren soziale Strukturen und Gesetzmäßigkeiten dafür sorgen, dass die Frauen in ihren Geschlechtsgenossinnen Konkurrenz und Missgunst sehen, sind diese Frauen auf sich selbst zurückgeworfen und sämtlicher Bande beraubt.
Die Autorin lässt viel Persönliches in ihren Roman einfließen. Sie selbst wurde als Teenager ebenfalls nach muslimischer Tradition der Fulbe zwangsverheiratet und erfährt selbst misogyne Gewalt. Amadou Amal ist eine wichtige Stimme der Frauenbewegung, ihrem Debüt in deutscher Sprache werden hoffentlich noch weitere Werke folgen.

Veröffentlicht am 04.03.2023

Europapolitischer Schabernack

Herr Sonneborn geht nach Brüssel
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Ich muss direkt zu Beginn erwähnen: Von Politik habe ich nicht die geringste Ahnung. Mir wurde das Buch von einem Bekannten empfohlen, und ich hatte definitiv meinen Spaß beim Lesen. Ungläubiges Kopfschütteln ...

Ich muss direkt zu Beginn erwähnen: Von Politik habe ich nicht die geringste Ahnung. Mir wurde das Buch von einem Bekannten empfohlen, und ich hatte definitiv meinen Spaß beim Lesen. Ungläubiges Kopfschütteln wechselte sich mit lauten Lachern ab (die meine Mitfahrer im ÖPNV regelmäßig irritiert haben).

In chronologischer Abfolge liest man sich durch seine Amtszeit in Brüssel und einmal im Monat für wenige Tage in Straßburg (großartig wahnsinniges Kapitel!), erfährt welche Themen im Europaparlament anstehen, welche Feindschaften sich zu Sonneborn entwickeln und was für Gesetze teilweise so beschlossen (oder abgewendet) werden.
Wenn ein Satiriker wie Sonneborn über das EU-Parlament schreibt, fragt man sich ganz zwangsweise, ob er da nicht ein wenig in seinem Sinne übertreibt; dann guckt man ins Netz und findet in Videos dutzendweise Verifikation dieses Zirkusses der Irren, die von Brüssel aus regieren.
Besonders ulkig fand ich ja, dass sich die etablierten Parteien einerseits über DIE PARTEI lustig machen, sie nicht ernst nehmen wollen und herabwürdigen, auf den letzten Seiten des Buches jedoch erwähnt wird, dass ebendiese anderen Parteien neidisch auf die Reaktionen zur Partei- und Pressearbeit der PARTEI reagieren. Aber diese Wirkung hat die PARTEI, am eigenen Handeln dasjenige der anderen Parteien aufzuzeigen und zu einer Bewertung einzuladen wie die Goldverkäufe der NPD, welche DIE PARTEI mit EU-Banknotenverkäufen (80 Euro gegen 100 Euro) gekonnt parodiert und angeklagt erfolgreich durch mehrere Gerichtsinstanzen Zuspruch erhalten hat. Aber lest selbst!

Man kann es gut- oder schlechtheißen, wenn eine Satirepartei wie DIE PARTEI mit Sonneborn an der Spitze ihren Schabernack in der Politik betreibt, aber man wird wesentlich mehr erfahren als von anderen Parteien oder ihren Programmen, denn Sonneborn benötigt keine falschen Versprechen, er macht einfach das, was das Titanic-Magazin schon immer gemacht hat auch in diesem Buch – die Politik ein wenig transparenter.

Veröffentlicht am 04.03.2023

Angst ist sehr subjektiv!

Schwarzhase
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Als der Hase eines Tages aus seinem Kaninchenloch ins Tageslicht heraustritt, wartet da ein riesengroßer schwarzer Hase. Schwarzhase macht dem Hasen ganz schöne Angst und er versucht ihm davonzulaufen. ...

Als der Hase eines Tages aus seinem Kaninchenloch ins Tageslicht heraustritt, wartet da ein riesengroßer schwarzer Hase. Schwarzhase macht dem Hasen ganz schöne Angst und er versucht ihm davonzulaufen. Hase weiß nicht, dass es sein vergrößerter Schatten ist, der ihn verfolgt und diesen entsprechend nicht abschütteln kann. Erst als Hase auf seiner Flucht im dunklen Wald anhält, hat er den Schwarzhasen abgeschüttelt, denn im Dunkeln gibt es keine Schatten. Im Wald wartet aber eine wirkliche Gefahr auf Hase; während er eine wohlverdiente Rast einlegt, überrascht ihn der Wolf beim Möhrenmampfen, und Hase muss schon wieder wegrennen. Gerade als Hase glaubt, jetzt ist es vorbei mit ihm, hält der Wolf inne und flüchtet zurück in den schützenden Wald: Der Wolf hat nämlich auch den Schwarzhasen gesehen und Angst bekommen! Jetzt erkennt Hase, dass man vor manchen Dingen keine Angst haben muss, weil sie ganz schön hilfreich sind.

Der Hase ist echt niedlich gezeichnet mit seinen kleinen Stummelbeinchen und seinen langen Löffeln! Besonders das Bild im dichten, dunklen Wald, wo Hase auf einem Baumstumpf sitzend dickbäckig eine Karotte mümmelt, hat mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Für mich handelt die Geschichte davon, dass es manchmal Dinge gibt, vor denen man sich auf den zweiten Blick gar nicht zu fürchten braucht und es sich lohnt diese genauer zu betrachten. Ganz süß gezeichnetes Kinderbuch!

Veröffentlicht am 04.03.2023

Für mich eines der besten Werke Yoko Ogawas!

Hotel Iris
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Die jugendliche Mari arbeitet im Hotel ihrer Mutter am Meer. Eines Abends macht eine Prostituierte einen großen Aufstand und schreit vulgär durch die Gänge. Aus dem Zimmer, aus dem die Prostituierte geflohen ...

Die jugendliche Mari arbeitet im Hotel ihrer Mutter am Meer. Eines Abends macht eine Prostituierte einen großen Aufstand und schreit vulgär durch die Gänge. Aus dem Zimmer, aus dem die Prostituierte geflohen ist, ertönt die durchdringende Stimme eines Mannes mit den Worten:“Schweig, Hure!“
Mit diesen Worten beginnt die Faszination Maris für den deutlich älteren Mann. Als sie ihn in der Stadt zufällig wiedersieht, entschließt sie sich ihm heimlich zu folgen, was ihm aber nicht verborgen bleibt. Er spricht sie an, und aus Interesse aneinander verbringen sie Zeit zusammen. Sie verabreden sich an einem folgenden Tag. Mari erfährt, dass der alte Mann Übersetzer ist und Texte aus dem Russischen ins Japanische übersetzt. Maris Faszination für den Mann lässt sie ihn auf die kleine Insel folgen, auf der er wohnt.
Sonst ein sehr zugewandter, behutsamer, höflicher und freundlicher Mann ist das Haus auf der Insel sein Reich, in dem Mari sich ihm komplett unterordnet und beherrschen lässt. Anders als bei ihrer Mutter, deren Herumkommandieren sie als notwendiges Übel erträgt, empfindet sie in den Befehlen des Übersetzers eine sexuelle Lust. Was die beiden abgeschieden im Haus auf der Insel ausleben, könnte auch die Seiten einer BDSM-Novelle füllen. Das Besondere an Yoko Ogawas „Hotel Iris“ empfinde ich in der Vereinigung ihrer sonst üblichen unscheinbaren und bisweilen stillen Beschreibungen der Dinge in einem harten Kontrast mit dem intensiven vulgären Szenario dieser Geschichte.

Der ältere Mann, der Übersetzer, wird nie mit Namen erwähnt; er bleibt ein namenloser Herr. Der Gescichte ist dies sehr zuträglich, verstärkt es doch die ungleiche Rollenverteilung zwischen ihm und dem jungen Mädchen, das unvergleichliche Lust dabei empfindet sexuell von dem Mann erniedrigt und benutzt zu werden. Mit einigen Werken Ogawas bin ich bereits vertraut, es war jedoch äußerst erfrischend ihre eleganten, wohl platzierten Worte in dieser anrüchigen Konstellation eines dominant-devoten-Verhältnisses zu erleben. Dabei sind die Attribute auf ihre Weise bunt gemischt: Unschuld sowie Lust, davon haben beide ein wenig; Mari ist unerfahren und unschuldig in allen sexuellen Belangen, während der ältere Mann sich unerfahren und unbeholfen in der Welt bewegt.
Für mich neben „Der Herr der kleinen Vögel“ bisher eines der besten Werke Yoko Ogawas!

Veröffentlicht am 04.03.2023

Süße erste Liebe

Zuckerkringel-Ferien mit Marie
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Max fährt mit seiner Familie nach Frankreich in den Urlaub ans Meer. Auf dem Schoß hat er sein geliebtes Segelboot, das er selbst gebaut hat und schon darauf brennt, es im Meer zu Wasser zu lassen. Sein ...

Max fährt mit seiner Familie nach Frankreich in den Urlaub ans Meer. Auf dem Schoß hat er sein geliebtes Segelboot, das er selbst gebaut hat und schon darauf brennt, es im Meer zu Wasser zu lassen. Sein Bruder Ben hingegen hat nur Fußball im Kopf und möchte am liebsten sofort auf den Bolzplatz.
Endlich am Meer angekommen, stellt Max fest, dass der Wellengang für sein Boot zu hoch ist. Ihm fällt am Strand aber ein Mädchen auf, das Gebäck verkauft. Er erfährt, dass sie Marie heißt und jeden Tag Chichis verkauft, weil sie dringend Geld benötigt. Max entwickelt ein besonderes Interesse für das Mädchen. Marie spricht auch ganz viele Sprachen. Daher kennt sie auch ganz viele Leute, so wie Luuk, ein Junge aus den Niederlanden, auf den Max ganz schön eifersüchtig wird.
Max und Marie werden unzertrennlich, sie zeigt ihm die besten Plätze im Urlaubsort und erzählt, wofür sie so dringend viel Geld verdienen muss. Max ist daraufhin wild entschlossen ihr zu helfen. Er erfährt von einem Talentwettbewerb, bei dem es als Preisgeld 100€ zu gewinnen gibt. Marie hat aber kein wirkliches Talent, und auch Max fällt nichts ein. Doch Luuk hat ein ganz spezielles Talent und will für Marie antreten. Doch Max Bruder Ben will antreten.

Eine ganz niedliche Urlaubsgeschichte, in der sich eine erste Liebe entwickelt. Das Buch hat mein Augenmerk auf sich gezogen, weil Illustrationen von Joelle Tourlonias diese Wirkung auf mich haben. Sie hat nicht nur das Cover gestaltet, sondern auch innerhalb des Buches illustriert. Die Bilder von ihr begleiten die Story sehr harmonisch. Besonders gut an dem Buch hat mir gefallen, dass es so international gehalten ist. Man kommt mit französischen, englischen und niederländischen Wörtern in Kontakt, genau wie an einem richtigen Urlaubsstrand.
Eine tolle Urlaubsgeschichte, finde ich!