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Veröffentlicht am 26.07.2023

Leben ist Abenteuer

Paradise Garden
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Elena Fischer‘s Debüt „Paradise Garden“ war für mich ein Volltreffer, eine Coming of Age Geschichte, die mitten ins Herz trifft.

Die zu Beginn des Buches 14jährige Billie wächst bei ihrer alleinerziehenden ...

Elena Fischer‘s Debüt „Paradise Garden“ war für mich ein Volltreffer, eine Coming of Age Geschichte, die mitten ins Herz trifft.

Die zu Beginn des Buches 14jährige Billie wächst bei ihrer alleinerziehenden Mutter Marika auf, die zwar wenig Geld hat, aber umso mehr Fantasie und Abenteuerlust. Sie hält sich und ihre Tochter mit 2 Jobs über Wasser und zum Ausgleich, dass das Geld am Monatsende nur noch für Nudeln mit Ketchup reicht, beginnt der neue Monat mit einem Ausflug in die Eisdiele und dem titelgebenden, grandiosen Eisbecher „Paradise Garden“. Marika kommt ursprünglich aus Ungarn, ihre Träume sind ein Stück weit zerplatzt und dennoch lebt sie ihr Leben energiegeladen, positiv und voller Liebe für Billie. Nur über deren Vater mag sie überhaupt nicht reden. Dann taucht auch noch die ungarische Großmutter in der kleinen Wohnung im Hochhausblock auf. Sie bringt ein bisschen ungarische Folklore und deftige Kochrezepte mit. Das Verhältnis zwischen ihr und Marika ist alles andere als harmonisch.

Der Tod ihrer Mutter verändert für Billie alles, und plötzlich verspürt sie das dringende Bedürfnis ihren Vater zu suchen. Wir folgen der jungen Protagonistin auf ihrem Roadtrip zum Meer und wünschen ihr, dass sie nicht enttäuscht werden wird.

Elena Fischer schreibt voller Herzblut und mit viel Humor, und ich mochte Billie und ihre Mutter Marika mit ihren verrückten Ideen total gerne. Dass Marika sterben musste, fand ich sehr traurig. Wir erfahren es aber schon im 1.Satz des Romans.

Auch die Nebenfiguren sind einfach nur tolle Menschen, die wenig besitzen aber das Wenige trotzdem gerne teilen.

Den Roadtrip fand ich ein klein wenig unrealistisch. Dass die minderjährige Billie den alten Nissan ihrer Mutter unbehelligt bis an die Nordsee fahren konnte, war schon sehr verwunderlich.

Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt, und wenn man darüber hinwegsieht, kann man diese warmherzige Geschichte einfach nur genießen.

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Veröffentlicht am 22.07.2023

Feinfühlig und tiefgründig

Nachts erzähle ich dir alles
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In ihrem neuen Roman nimmt uns die Autorin Anika Landsteiner mit nach Frankreich. Ihre Protagonistin Léa flieht in die Familienvilla an die Côte d‘Azur, nachdem die Beziehung zu ihrer Freundin Antonia ...

In ihrem neuen Roman nimmt uns die Autorin Anika Landsteiner mit nach Frankreich. Ihre Protagonistin Léa flieht in die Familienvilla an die Côte d‘Azur, nachdem die Beziehung zu ihrer Freundin Antonia zerbrochen ist.

Hier hat sie viel Zeit ihrer Kindheit verbracht und hofft ihre innere Ruhe wiederzufinden. Am ersten Abend begegnet sie der 16jährigen Alice, die sich in ihren Garten geschlichen hat. Die beiden unterhalten sich intensiv und sind sich auf Anhieb sympathisch. Noch in der selben Nacht stirbt das junge Mädchen und da sie, Lèa, die letzte Person war, die Alice vor ihrem Tod gesehen hat, nimmt Alice‘s Bruder Èmile Kontakt zu ihr auf, um Antworten zu finden.

Der Roman transportiert nicht nur sehr gekonnt dieses Frankreich Flair, dass einen als Leser die Côte d‘Azur wirklich fühlen lässt, man verfolgt auch gebannt den vielen, sehr tiefgründigen Gespräche zwischen Léa und Èmile. Èmile ist in Paris ein sehr bekannter Podcaster, der sich nachdem herauskommt, dass seine kleine Schwester schwanger war, intensiv mit den Themen Schwangerschaftsabbruch und Selbstbestimmung auseinandersetzt. Darüberhinaus geht es in dem Buch aber auch um die Vielfältigkeit von Liebesbeziehungen, Ehrlichkeit und Mut. Auch Léa‘s Mutter Brigitte und ihre französische Freundin Claire, die beide für Léa, die ohne ihren Vater aufgewachsen ist, wichtige Bezugspersonen sind, spielen in dem Roman eine große Rolle. Auch ihre Lebensgeschichte wird miterzählt.

Der Einstieg in den Roman fiel mir ein bisschen schwer, aber dann wurde ich zunehmend in die Geschichte hineingezogen. Das Buch bietet viele Anregungen zum Nachdenken und diskutieren und ist wunderbar atmosphärisch geschrieben, so dass man große Lust auf einen Frankreichurlaub bekommt.

Besonders schön ist auch die mitgelieferte Playlist. Ich finde es immer ganz toll wenn man beim Lesen die passenden Songs hören kann, die sehr sorgfältig zur Geschichte ausgewählt wurden.

Auch das sehr geschmackvolle , farbenfrohe Cover gefällt mir sehr.

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Veröffentlicht am 11.06.2023

Big Tech - Grenzenlose Möglichkeiten der Überwachung

Going Zero
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Cy Baxter, Self made Milliardär und Inhaber der Big Tech Firma World Share, wünscht sich nichts mehr als eine Kooperation mit der CIA. Denn sollte er Zugriff auf deren Datenbanken haben, dürfte man mithilfe ...

Cy Baxter, Self made Milliardär und Inhaber der Big Tech Firma World Share, wünscht sich nichts mehr als eine Kooperation mit der CIA. Denn sollte er Zugriff auf deren Datenbanken haben, dürfte man mithilfe seiner immer ausgeklügelteren Überwachungstechniken jeglichen Kriminellen schon im Vorfeld einer Straftat das Handwerk legen können. Doch bevor er dieses Ziel erreichen kann, muß er sein neues Programm Fusion noch einem letzten Betatest unterziehen.

10 im Losverfahren ausgewählte Personen ( 5 Profis und 5 Laien) sollen versuchen 30 Tage unterzutauchen. Dem Zero, ( so nennt man die Kandidat*innen), der es bis zum Ende schafft unter dem Radar seiner Verfolger zu bleiben, soll ein Preisgeld von 3 Millionen Dollar erhalten.

Es beginnt ein rasantes Katz und Mausspiel , bei dem man über die inzwischen möglichen Überwachungstechniken staunt und erschrickt, die es höchstwahrscheinlich schon gibt oder in naher Zukunft sicherlich geben wird.

Der größte Teil der Kandidaten hat nicht den Hauch einer Chance spurlos von der Bildfläche zu verschwinden. Ausgerechnet die Bibliothekarin Kaitlyn entwischt ihren Verfolgern immer wieder und entpuppt sich als echte Herausforderung für die Suchteams bei World Share.

Antony Mc Carten schreibt spannend, mitreißend und mit einem feinen Humor. Nicht nur Cy Baxter hat ein zweites Gesicht, was nicht verwundert, auch Kaitlyn verfolgt mit ihrer Teilnahme eigene Ziele.

Wie bei einem Countdown wird die verbleibende Zeit am Beginn jedes Kapitels angezeigt. Wachsender Zeitdruck und unerwartete Wendungen lassen die Spannung immer weiter ansteigen, so dass man das Buch kaum mehr zur Seite legen mag. Das Ende fand ich schon stimmig, aber auch ein bisschen unrealistisch. Die Zeichnung der Nebenfiguren bleibt recht oberflächlich, was mich aber nicht wirklich gestört hat.


Insgesamt fand ich das Buch wunderbar unterhaltsam. Es lässt einen nochmal gründlich über den Konflikt zwischen immer mehr Sicherheit, die sich jeder wünscht und dem damit verbundenen unweigerlichen Verlust der Privatsphäre nachdenken.

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Veröffentlicht am 06.03.2023

Der Wert von Freundschaft

Alte Sorten
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Liss arbeitet gerade in ihrem Weinberg, als ihr Sally über den Weg läuft. Sie ist jung und aufbrausend, überzeugt davon, dass keiner sie versteht, es in der Regel auch gar nicht erst versucht.

Sie ist ...

Liss arbeitet gerade in ihrem Weinberg, als ihr Sally über den Weg läuft. Sie ist jung und aufbrausend, überzeugt davon, dass keiner sie versteht, es in der Regel auch gar nicht erst versucht.

Sie ist gerade mal wieder aus einer Klinik getürmt, in die ihre Eltern sie aufgrund ihrer Essstörungen eingeliefert haben.

Auf den ersten Blick scheinen Liss und Sally wenig Gemeinsamkeiten zu haben. Die alleinlebende etwa 40jährige Bäuerin Liss macht einen ruhigen Eindruck, ist eher wortkarg und stets mit irgendeiner Arbeit auf ihrem Hof beschäftigt. Sally kann gar nicht glauben, das da jemand ist, der ihr keine Befehle erteilen will, der ihr einfach so ein Zimmer zum Übernachten anbietet und keine Forderungen damit verbindet. Ihr Mißtrauen gegenüber anderen Menschen sitzt tief. Die Freundschaft, die sich ganz langsam zwischen der Frau und dem Mädchen entwickelt ist zerbrechlich, wie sich herausstellt und muß sie sich auch erst bewähren.

Durch Sally‘s Augen entdecken wir als Leser die Schönheit und Vielfalt der Natur, die Arbeiten, die auf einem Hof so anfallen, die nicht enden wollende Arbeit, aber auch die Befriedigung, die diese Arbeit mit sich bringt. Ewald Arenz entwickelt seine Figuren mit viel Empathie und Einfühlungsvermögen.

Nach und nach erfährt man die Lebensgeschichten beider Frauen und auch warum Liss sich in der jüngeren Sally oft selbst wiedererkennt.

„Alte Sorten“ ist eine ruhige Geschichte über den Wert von Freundschaft, die keinen großen Spannungsbogen hat und trotzdem nicht langweilig wird.

Man spürt, dass der Autor sich mit dem Landleben, über das er schreibt gut auskennt. Nicht nur die Idylle, auch die Härte und die Nachteile des bäuerlichen Lebens werden gut beschrieben.

Mir hat der Roman richtig gut gefallen. Im Klappentext heißt es, es sei ein Roman der entschleunigt und den Blick aufs Wesentliche lenkt. Das kann man wirklich unterstreichen.

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Veröffentlicht am 27.02.2023

Das wahre Gesicht der Evelyn Hugo

Die sieben Männer der Evelyn Hugo
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Auf dieses Buch war ich wirklich neugierig. Es hat ja einen richtigen Hype ausgelöst, und letztendlich wollte ich mir doch gerne selbst eine Meinung dazu bilden.



Monique Grant‘s Karriere als Lokaljournalistin ...

Auf dieses Buch war ich wirklich neugierig. Es hat ja einen richtigen Hype ausgelöst, und letztendlich wollte ich mir doch gerne selbst eine Meinung dazu bilden.



Monique Grant‘s Karriere als Lokaljournalistin dümpelt so vor sich hin, als sie das Angebot bekommt, mit der Hollywoodikone Evelyn Hugo ein Interview zu machen. Diese eröffnet ihr in einem der ersten Gespräche, dass sie möchte, dass Monique ihre Biografie schreiben solle, eine Chance, die sich die junge Reporterin nicht entgehen lassen kann.

Evelyn Huge, die inzwischen eine alte Dame ist, allerdings eine Schauspielerin, die immer noch eine Wahnsinnsausstrahlung hat, möchte sicher gehen , dass nach ihrem Tod, die Wahrheit über ihr Leben veröffentlicht wird. Es gibt natürlich viele Geschichten und Skandale, die die Klatschseiten jahrelang gefüllt haben, die aber recht wenig mit der wahren Evelyn Hugo zu tun haben.

Es war sehr spannend, in die schillernde Welt Hollywoods einzutauchen, die ganzen Facetten von Evelyn’s Persönlichkeit nach und nach zu entdecken und rauszufinden, warum sie ganz bewusst Monique als ihren Ghostwriter ausgewählt hat. Erst gegen Ende erfährt der Leser welche Verknüpfung sich die Autorin für diese beiden Leben ausgedacht hat.

Die Figur der Evelyn Hugo, die ja ein fiktiver Charakter ist, fühlte sich wirklich echt an. Man war versucht, die Filme von denen zwischendurch die Rede war zu googeln. Die Figurenzeichnung ist wohl auch die große Stärke von Taylor Jenkins Reid. Die Protagonistin Evelyn ist eine starke Frau, kein ganz einfacher und in jeder Hinsicht liebenswerter Charakter. Sie hat ihre Ecken und Kanten und agiert im Roman manchmal auch recht rücksichtslos gegenüber ihren Mitmenschen, immer dann nämlich, wenn es darum geht eigenen Interessen durchzusetzen. Das hat mir aber gerade gefallen, denn dadurch wirkte sie noch authentischer. Ich fand den Roman sehr unterhaltsam und war überrascht von einigen unerwarteten Wendungen. Es hat großen Spaß gemacht dem Hörbuch, dass mit mehreren Sprecher*innen vertont wurde zu lauschen.

Den Hype kann ich durchaus nachvollziehen. Von mir bekommt das Buch 4,5 Sterne. Es fängt die Zeit der großen Hollywoodstars in den 1950/ 1960 Jahren einfach großartig ein und lässt einen voller Nostalgie zurückblicken.

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