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Veröffentlicht am 09.03.2023

Mir fehlte ein bisschen die Moral der Geschichte

The truth behind your lies
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Es geht hier im wirklich schwierige Themen. Protagonist der Geschichte ist Jan, der seit Jahren gemobbt wird und nun beschließt, sich zu rächen. Jan war für mich ein bisschen ein schwieriger Charakter. ...

Es geht hier im wirklich schwierige Themen. Protagonist der Geschichte ist Jan, der seit Jahren gemobbt wird und nun beschließt, sich zu rächen. Jan war für mich ein bisschen ein schwieriger Charakter. Einerseits hatte ich gleich Mitgefühl für ihn, andererseits kommt nicht so richtig raus, wie die Clique ihn gemobbt hat. Es war für mich ein bisschen schwer nachvollziehbar, wieso Jan zu einer derart drastischen Maßnahme greift. Er scheint mir recht sensibel zu sein, aber auch irgendwie der typische Außenseiter. Selbstbewusstsein ist hier nicht zu finden und auch sonst ist er recht eigenartig in seinen Gedanken und Handlungen.

Außer Jan begleiten wir noch Emmy und durch ihre Augen dann auch die Clique. Sie scheint mir fast noch die normalste Figur in diesem Buch zu sein, außer Maira, auf die ich später noch zu sprechen komme. Emmy hat auch ihre Probleme, aber die sind bei Weitem nicht so gravierend, wie die der andern Cliquenmitglieder. Dabei bekommt man in diesem Buch von allem sehr viel. Jeder aus der Clique hat mehr oder weniger (eher mehr) Probleme mit sich und seinem Leben. Diese werden von der Autorin gut dargestellt, aber nicht aufgearbeitet. Nun lädt die Geschichte, so wie sie konzipiert ist, auch nicht zur Aufarbeitung ein. Die Clique kennt sich schließlich schon seit Jahren und will einfach nur abschalten. Gelingt nicht so wirklich, denn jeder trägt sein Päckchen mit in den Urlaub hinein.

Spannend fand ich, wie wenig Zusammenhalt und Unterstützung es in dieser Clique gibt. Das machte die Geschichte für mich sehr authentisch, denn letzten Endes bekam ich den Eindruck, dass sich die Mitglieder eigentlich total egal sind. Freundschaft? Hier nicht wirklich zu finden. Es wirkte eher wie eine Zweckgemeinschaft. Das machte sie unglaublich unsympathisch, was mich als Leserin dann wieder auf Jans Seite zog.

Moralische Instanz der Geschichte war die Tochter von Jans Zimmerwirtin, Maira. Auch wenn sie von der ganzen Geschichte nichts ahnt, so zeigt sie doch immer wieder, dass sie die einzige in diesem ganzen Buch ist, die zwischen Richtig und Falsch entscheiden kann.

Die Geschichte folgt einem roten Faden, dennoch hat mir was gefehlt. Der erhobene Zeigefinger. Ihr fragt euch vielleicht, warum. Sonst schreibe ich meistens eher „ich fand es gut, dass die Geschichte ohne erhobenen Zeigefinger auskam“. Hier hätte ich mir aber an der einen oder anderen Stelle etwas Reflexion gewünscht. Keine einzige der Figuren, sei es Jan, sei es einer aus der Clique hinterfragt auch nur ein Mal ihr oder sein Verhalten. Das war mir definitiv zu wenig. Der Titel des Buches lautet ja „The truth behind your lies“ und das hat mir irgendwie gefehlt, dass jemand auf die Suche nach der Wahrheit hinter all den Lügen geht.

Was sehr schön herausgearbeitet wurde ist, dass es hier weder Opfer noch Täter gibt bzw. jeder alles ist. Keine der Figuren (Maira ausgenommen) handelt moralisch vernünftig. Das Opfer wird zum Täter und die Täter werden zu Opfern. Das geht doch recht einfach. Ebenso schön herausgearbeitet wurde, dass die wenigen, die zuerst Täter waren, sich überhaupt nicht reflektieren, als die gesamte Geschichte herauskommt. Typisch für solche Mobbinggeschichten unter Jugendlichen, denke ich. Wer kennt sie nicht? Die beliebten Kids der Schule, die alle anderen im besten Falle ignorieren, im schlimmsten Falle mobben? Ich glaube, dass das heute noch schlimmer geworden ist, und dass die Autorin hier keinen Einzelfall schildert. Dass das Opfer dann zu so drastischen Mitteln greift, wird sicher nicht so oft vorkommen, aber konstruiert wirkte die Geschichte auch nicht. Es könnte sich so zuspielen.

Die Geschichte endet recht abrupt mit einem großen Knall. Ich hätte mir einen Epilog gewünscht, z. B. ein Halbes oder ein Jahr später, in dem nochmal berichtet wird, wie die ganzen Vorfälle aufgearbeitet wurden und was aus den Protagonisten geworden ist.

Der Schreibstil von Silke Heimes ist eingängig und lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Sprache ist einem Jugendthriller angemessen und ich denke, dass Jugendliche ganz gut in die Protagonisten hineinversetzen können.

Insgesamt hat mir die Geschichte echte gut gefallen, aber ich hätte mir ein bisschen moralischen Zeigefinger gewünscht, und wenn auch nur in einem Epilog. Ich vergebe 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 24.01.2023

Schöner Debütroman

Nach oben führt auch ein Weg hinab
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Recht schnell bekommt man eine Ahnung, worum es in dem Buch geht. Schneller, höher, weiter… in den sozialen Medien. Maddy weiß eigentlich gar nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Was ...

Recht schnell bekommt man eine Ahnung, worum es in dem Buch geht. Schneller, höher, weiter… in den sozialen Medien. Maddy weiß eigentlich gar nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Was sie aber weiß ist, dass sie Follower bei Instagram will. Mehr als 5.000, weil sie von ihrer neuen Bekanntschaft in Kanada respektiert und in einer Agentur angenommen werden möchte. Sie bemisst ihren Wert danach, ob sie dieses Ziel erreicht, oder nicht.

Ich hatte sehr schnell Mitleid mit Maddy, denn sie ist eigentlich eine arme Socke. Jemand, der seinen Selbstwert davon abhängig macht, ob er Follower in den Sozialen Medien hat, der kann einem einfach nur Leid tun. Andererseits war ich auch oft böse auf sie, wie sie ihren Großvater behandelt. Total abweisend und sehr kaltherzig.

Sehr hilfreich ist dabei, dieses Verhältnis nach und nach zu verbessern, ist ihr Großvater Stan selbst, mit dem Maddy auf einen abenteuerlichen Road-Trip geht. Nach und nach macht Maddy eine tolle Entwicklung durch. Sie entdeckt für sich, dass gerade im Internet nicht alles Gold ist, was glänzt und ihr Leben nicht davon abhängt, was „das Internet“ von ihr denkt. Sie wird ihrem Großvater gegenüber sehr viel fürsorglicher und ihm zugeneigter. Ich fand, dass die Autorin Maddy Entwicklung sehr schön dargestellt hat. Total authentisch wächst sie mit Hilfe ihres Großvaters und anderer Personen, die die beiden treffen, zu einem besseren Menschen heran.

Ich fand Stan ganz großartig, weil er in seiner ruhigen Art Maddy unglaublich unterstützt und ihr Halt gibt, auch wenn sie das zuerst gar nicht sehen kann. Obwohl er es nicht sagt und sie jederzeit ernst nimmt, gibt er ihr trotzdem zu verstehen, dass das wahre Leben das ist, das gelebt werden will und muss. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass man das Leben einfach leben muss. Es hat mich so sehr berührt, dass er nochmal den Roadtrip mit Maddy machen durfte, auch wenn Maddy Beweggründe zunächst nicht die moralisch hochwertigsten waren.

Ebenso wichtig, wie Stan ist Vince, ein junger Australier, der völlig frei von Sozialen Medien lebt. Von Vince können wir uns wohl fast alle eine Scheibe abschneiden. Er hat mich sehr beeindruckt. Vince weiß, das Leben auszukosten. Er ist in jedem Moment ganz dabei, nicht am Sucher seiner Kamera, sondern total präsent.

April Wynter hat es geschafft, dass ich zwischendurch das Bedürfnis hatte, meine sozialen Medien einfach zu löschen und mein Handy vielleicht sogar komplett zur Seite zu legen. Sie hat an keiner Stelle den Zeigefinger erhoben, aber sie zeigt anhand von Maddy Beispiel, wie sehr wir inzwischen im Internet leben. Gut ist das ganz sicher nicht. Zurück drehen werden wir es aber auch nicht. Aber zumindest ich werde es die nächste Zeit wieder etwas bewusster nutzen.

Ich vergebe gerne 4 Sterne und eine Leseempfehlung. Ein ganz toller Debütroman.

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Veröffentlicht am 25.10.2022

Sehr süßer Jugendroman

New Year's Kiss
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Eigentlich handelt es sich hier gar nicht mehr so ganz um ein Weihnachtsbuch, denn die Geschichte spielt zwischen Weihnachten und Neujahr. Sie umfasst also nur wenige Tage, in denen aber unheimlich viel ...

Eigentlich handelt es sich hier gar nicht mehr so ganz um ein Weihnachtsbuch, denn die Geschichte spielt zwischen Weihnachten und Neujahr. Sie umfasst also nur wenige Tage, in denen aber unheimlich viel passiert.

Tess ist eine Protagonistin, die mir gut gefallen hat. Sie ist eigentlich eher zurückhaltend und der Typ, der alles durchplant. Spontanität ist nicht so ihr Ding, ausgefallene Sachen machen auch nicht. Ihr Leben ist gut durchstrukturiert. Nun entscheidet sie sich aber, endlich mal Dinge zu tun, die sie schon immer machen wollte. Sie schreibt eine Liste, was ja wiederum gut zu ihr passt, und los geht es. Einige Dinge sind verrückt, andere eher normal.

Zwischendurch hat Tess mich allerdings auch ein bisschen genervt, denn sie ist teilweise sehr egoistisch unterwegs. Ihre Bucket List ist plötzlich alles, was zählt. Es geht ihr nur nicht darum, diese fertig zu bekommen. Auch was Christophers Unfall angeht hätte sie mehr nachfragen müssen. Aus meiner Sicht hätte sie sich insgesamt etwas mehr auf Christopher einstellen dürfen. Hier macht sie leider keine allzu große Entwicklung durch.

Bei einigen Sachen, die es zu erledigen gilt, kommt Tess der Zufall zu Hilfe. Naja… mir war es manchmal ein bisschen viel Zufall, aber irgendwie ist das für Bücher ja auch nicht ungewöhnlich und es war noch okay.

Neben Tess sind die weiteren Hauptpersonen Christopher und Lauren, aber auch Carina, ein Mädchen, dass Tess im Resort kennenlernt, spielt eine wichtige Rolle im Buch. Carina hat mir auch total gut gefallen. Sie ist zurückhaltend, aber sehr unterstützend. Sie scheint ein toller Mensch zu sein, der das Herz am rechten Fleck hat.

Christopher war mir sofort sympathisch. Die Auflösung, warum er gegangen ist, fand ich ein bisschen schade. Ich hatte eher den Eindruck, dass er ein Mensch ist, der sich für sich selbst einsetzt. Hier hätte die Autorin ein bisschen mehr rausholen können.

Lauren war zuerst ganz schon harsch zu ihrer Schwester. Nach und nach entdeckt man aber, dass auch sie mit der Situation zu kämpfen hat. Sie zeigt es nur anders, als Tess. Letzten Endes muss man aber auch bei Lauren sagen, dass sie das Herz am rechten Fleck hat.

Gut gefallen hat mir, dass auch die Erwachsenen in diesem Buch in der Lage sind, sich und ihre Verhaltensweisen zu reflektieren. Allen voran, Oma Loretta, der man das so gar nicht zutraut. Sie ist schon eher eine starke Geschäftsfrau, als eine weiche Oma.

Insgesamt muss man sagen, dass die Protagonisten durchweg sympathisch sind. Sie sind authentisch dargestellt und erzählen eine schöne Geschichte.

Lee Matthews hat es geschafft, eine Geschichte zu schreiben, die einerseits ganz süß ist, andererseits aber auch ihre spannenden Momente hat. Die Geschichte entwickelt sich stetig vorwärts, bis zum großen Finale. Der Schreibstil ist mitreißend und bildhaft. Ich konnte mir Tess und ihre Mitstreiter gut vorstellen. Insgesamt hat mir New Year´s Kiss gut gefallen. Eine sanfte Geschichte, die zwischen den Tagen spielt und einem süß, wie eine Tasse Kakao die Kehle runter rinnt.

Ich vergebe gerne 4 Sterne. Wer auf der Suche nach einem seichten Young Adult Roman ist (die Protagonisten sind erst 16 Jahre alt), der ist hier richtig.

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Veröffentlicht am 24.09.2022

Schöne Geschichten rund um Freundschaft und Mut

Anouk, die nachts auf Reisen geht (Anouk 1)
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Hendrikje Balsmeyer und Peter Maffay legen hier ein sehr schönes Kinderbuch vor, in dem es um Mut, Zusammenhalt und Freundschaft geht.

Insgesamt erlebt Anouk bei ihren nächtlichen Reisen sieben Geschichten, ...

Hendrikje Balsmeyer und Peter Maffay legen hier ein sehr schönes Kinderbuch vor, in dem es um Mut, Zusammenhalt und Freundschaft geht.

Insgesamt erlebt Anouk bei ihren nächtlichen Reisen sieben Geschichten, die mit einer Länge von jeweils um die 20 Seiten auch eine gute Länge zum Vorlesen haben.

Anouk ist ein wunderbares kleines Mädchen. Wir begleiten sie zu den Indianern und Eskimos, außerdem in den Zirkus und zu den Rittern. Mit Leo stehen wir auf einer Bühne und mit Lukas suchen wir einen Piratenschatz. Wir lernen z. B. gemeinsam mit Anouk und dem kleinen Indianer Kenai etwas über Mut, oder mit dem kleinen Ritterjungen Mattes etwas darüber, dass man seinen Kindern etwas zutrauen sollte. Nur weil man klein ist, heißt das nicht, dass man nichts kann. Wir begleiten Anouk auf eine Farm, wo wir gemeinsam mit Freda etwas über den Zusammenhalt zwischen Nachbarn lernen. Mit guten Freunden und Nachbarn wird auch das größte Problem zu einem kleinen Hindernis, welches leicht bewältigt werden kann.

Was ich an Anouk etwas schade fand, und wofür ich eine Feder abziehe, war, dass sie ein bisschen zu perfekt ist. Sie weiß alles, sie macht alles, sie kann alles und hat für jeden einen Rat parat. Ein Grundschulkind in der ersten Klasse hätte durchaus auch mal ein bisschen stolpern dürfen, selbst ein bisschen Hilfe brauchen. Sie ist ja wirklich noch klein und in dem Alter braucht man doch auch selbst immer mal wieder Hilfe. Es wäre schön gewesen, wenn vielleicht in einer der Geschichten auch mal das andere Kind die richtige Lösung gefunden hätte und Anouk etwas beigebracht hätte. Wenn ich das richtig gelesen habe, dann wird das Thema, dass auch Anouk nicht alles kann, aber im zweiten Band aufgegriffen. Ich bin gespannt!

Ganz nebenbei lernen wir noch einige Redewendungen, wie z. B. „den Kopf in den Sand stecken (und nicht ins Wasser), dass Lampenfieber kein richtiges Fieber ist, was ein Trapez ist, oder schwierige Wörter, wie Emanzipation. Alles so ganz nebenbei und so, dass man es kaum merkt, dass man neue Dinge gelernt hat.

Wunderschön illustriert hat das Buch Joëlle Tourlonias, die z. B. auch die Geschichten von der kleinen Hummel Bommel illustriert. Ihre Bilder erkennt man gleich an dem wunderschönen, weichen Zeichenstil, den ich sehr liebe. Bei diesem Buch muss ich auch unbedingt was zum Cover sagen. Wir sehen Anouk an ihrer Tür, kurz bevor sie wieder ein Traumland betritt und um sie herum sind goldene Glitzersterne. Und das Cover funkelt hier auch wirklich sehr schön. Ich bin ganz verliebt in dieses wunderschöne Cover.

Ich kann das Buch auch Erwachsenen empfehlen, oder wollt ihr etwa, dass Anouk auch über euch sagt: „Du bist einfach schon viel zu erwachsen.“

Ich vergebe für dieses inspirierende Kinderbuch gerne 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 19.09.2022

Die Hauptfigur hätte sich etwas stärker entwickeln dürfen

Die Partnerschaft
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Es handelt sich bei „Die Partnerschaft“ um den Debütroman der Autorin Sandra Novak.

Ich kann nicht sagen, dass ich Martina wirklich mochte, aber ich konnte mich in sie hinein fühlen. Sie ist unglaublich ...

Es handelt sich bei „Die Partnerschaft“ um den Debütroman der Autorin Sandra Novak.

Ich kann nicht sagen, dass ich Martina wirklich mochte, aber ich konnte mich in sie hinein fühlen. Sie ist unglaublich fremdgesteuert, was man sehr schnell merkt. Ihre Mutter, Ihr Partner, die Kollegen in der Kanzlei, sogar ihr bester Freund. Jeder weiß eigentlich besser, als Martina selbst, was gut für sie ist. Sie ist zwar eine erfolgreiche Anwältin, hat aber, zumindest wirkte es so auf mich, absolut kein Selbstvertrauen. Da ist es aus meiner Sicht kein Wunder, dass sie nicht in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen.

Christian war mir etwas sympathischer, er setzt Martina aber auch sehr stark unter Druck. Das fand ich nicht sonderlich anziehend. Trotzdem fand ich ihn sehr authentisch. Ich kann nachvollziehen, dass er sich eine Familie wünscht und diesen Wunsch auch äußert. Da Martina nicht bereit ist, offen mit ihm zu reden, kann er eigentlich auch gar nicht anders, als das Thema immer wieder ansprechen. Seine Haltung konnte ich nachvollziehen.

Insgesamt ist der Schreibstil von Sandra Novak flüssig, es fehlt den Figuren aber ein bisschen an Tiefe. Die Geschichte insgesamt hat, ebenso wie die Figuren, keine wirklichen Höhen und Tiefen. Sie zeigt eher das normale Leben auf. Martina und auch Christian könnten die Nachbarn von uns allen sein. So läuft das Leben halt. Mal mag man sich, mal streitet man. Es gibt Probleme mit dem Partner, mit den Eltern, mit den Kollegen. Über eines sieht man hinweg, über anderes nicht. Man geht zur Arbeit, man lebt sein Leben.

Das hört sich jetzt vermutlich etwas negativer an, als es ist. Mich konnte die Geschichte obwohl sie so einfach gehalten ist, in ihren Bann ziehen, weil ich einfach so gehofft habe, dass Martina endlich aufwacht. Wie kann man Anwältin sein und trotzdem so wenig Ahnung vom Leben haben und davon, was man selbst möchte? Gut, am Ende habe ich nicht das bekommen, was ich mir erhofft hatte. Was mir definitiv gefehlt hat, war die kritische Auseinandersetzung Martinas mit sich selbst und ihrer Haltung.

Martina ist, wie bereits geschrieben, extrem fremdbestimmt und versucht immer, den Erwartungen anderer Menschen gerecht zu werden. Auch die Frage, ob sie sich von der Kanzlei abwendet oder nicht wird eher von außen, durch die sich nach und nach entwickelnden Umstände bestimmt, als dass Martina eine wirkliche Entscheidung treffen würde. Hier hätte ich mir insgesamt eine stärkere Entwicklung der Hauptfigur gewünscht. Hier hätte an deutlich mehr aus der Geschichte herausholen können.

Insgesamt fand ich die Geschichte aber interessant, denn sie zeigt auf, wie sehr wir teilweise von außen gesteuert werden und wie schwierig es ist, im Leben seinen eigenen Weg zu gehen. Ich vergebe 4 Sterne.

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