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Veröffentlicht am 04.04.2023

stilles Ertrinken

Die spürst du nicht
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Die 14-jährige Sophie Luise Strobl-Martinek ist eine sehr gute Schülerin, aber in der Klasse eine Außenseiterin. Dem sehr stillen Flüchtlingskind aus Somalia, Aayana, geht es genauso und so verbringen ...

Die 14-jährige Sophie Luise Strobl-Martinek ist eine sehr gute Schülerin, aber in der Klasse eine Außenseiterin. Dem sehr stillen Flüchtlingskind aus Somalia, Aayana, geht es genauso und so verbringen die beiden Zeit miteinander. Als die wohlhabenden befreundeten Familien Binder und Strobl-Martinek ihren Urlaub in einer exklusiven Villa in der Toskana verbringen möchten, wird Aayana mit eingeladen. Sophie Luises Mutter, die Grünpolitikerin Elisa, erkämpft sich die Zustimmung von Aayanas Eltern. Statt eines unbeschwerten Urlaubs passiert gleich am ersten Abend das Unglück. Aayana ertrinkt im Pool und keiner bekommt es mit.
Aus verschiedenen Sichtweisen und Befindlichkeiten wird das Leben der Protagonisten, ihrer privaten Probleme und deren Umgang mit dem Unglück beschrieben. Da die Politikerin in der Öffentlichkeit steht gibt es reichlich Kommentare im Netz. Als man glaubt, der Vorfall wird zu den Akten gelegt, klagen Aayanas Eltern auf einen hohen Schadensersatz. Und auch Sophie Luise verändert ihr Verhalten eklatant.
Die Schreibweise ist besonders und die Aufarbeitung des Ertrinkungstod eines Flüchtlingskindes, das sehr unterschiedliche Leben der wohlhabenden Familien gegenüber einer geflüchteten, das Verständnis für Fremde, werden ansprechend und packend thematisiert.

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Veröffentlicht am 10.03.2023

Ermittlungen in Geldwäschekreisen

Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel (Die Mordclub-Serie 3)
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Der Donnerstagsmordclub besteht aus einem Quartett an Bewohnern der exklusiven Seniorenresidenz Coopers Chase. Sie untersuchen alte ungelöste Fälle und der jetzige, die vor über 10 Jahren verschwundene ...

Der Donnerstagsmordclub besteht aus einem Quartett an Bewohnern der exklusiven Seniorenresidenz Coopers Chase. Sie untersuchen alte ungelöste Fälle und der jetzige, die vor über 10 Jahren verschwundene Journalistin Bethany Waites, die als Kollegin eines Nachrichtensprechers tätig war. Joyce wollte diesen Anchorman schon lange kennenlernen und so bietet sich eine perfekte Gelegenheit. Vieles ist unklar an diesem Fall, das Auto von Bethany stürzte einen Hang hinab, ihr Blut war im Auto, jedoch keine Leiche. Kann sie ins Meer getrieben worden sein? Bethany ermittelte in Geldwäschekreisen und hat sich einige Feinde gemacht. Der ehemalige Psychiater Ibrahim versucht durch eine Gefängnisinsassin dem Täter auf die Spur zu kommen während der ehemalige Betriebsratsfunktionär Ron mit dem Hauptverdächtigen Billard spielt. Elisabeth, eine ehemalige MI6 Agentin wird mit ihren demenzkranken Mann Stephen entführt und erpresst. Wenn sie nicht den ehemaligen KGB Agenten Viktor ermordet stirbt ihre Freundin Joyce.
Der muntere Seniorenclub ermittelt wie immer auf recht unkonventionelle Weise, vielfach wird ihr Intellekt aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters unterschätzt, was diese für ihre Befragungen ausnutzen. Sehr humorvoll, spannend und mit viel Empathie geschrieben. Auch wenn der Körper nicht mehr so mitmacht und vieles länger dauert, diese Truppe ist nicht unter zu kriegen.

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Veröffentlicht am 10.02.2023

auf der Suche nach sich selbst

Gleißendes Licht
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Aus dem Autor Marc Sinan wird in diesem Roman der Deutschtürke Kaan, der auf der Suche nach sich selbst und seiner Identität ist. Kaan wächst in München auf, sein Vater ist Deutscher, seine Mutter Nur, ...

Aus dem Autor Marc Sinan wird in diesem Roman der Deutschtürke Kaan, der auf der Suche nach sich selbst und seiner Identität ist. Kaan wächst in München auf, sein Vater ist Deutscher, seine Mutter Nur, was soviel heißt wie gleißendes Licht, ist halb Armenierin, halb Türkin. Ehrgeizig sein und immer besser als die deutschen Kinder wurde für Kaan zur Pflicht. Sehr erfolgreich wurde er mit seinem Gitarrenspiel und eigenen Kompositionen. Die Besuche bei seinen Großeltern nehmen den größten Teil des Romanes ein. Die Geschichte seines Dede, der mit kleinen Gaunereien und viel Tatkraft vom einfachen Landkind zum wohlhabenden Haselnussplantagenbesitzer wurde, sich übernahm und wieder verarmte. Seine Großmutter, seine Anneanne, die von ihrer armenischen Mutter zurückgelassen wurde und Glück hatte, dass sie adoptiert wurde. Anhand dieser Personen wird uns die türkische Geschichte nahegebracht, die Art wie sie denken und fühlen, wie wichtig die Familie ist. Manche Episoden werden aus einer anderen Sicht wiederholt, und dabei haben sie sich ganz anders zugetragen. Was ist wahr, was sind erfundene Geschichten? Wie in vielen Fällen Ansichtssache.
Der Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut. Anspruchsvoll und doch gut lesbar, emotional und psychologisch.

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Veröffentlicht am 10.02.2023

Eifeldorf Wollseifen

Ginsterhöhe
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Im Jahr 1919 kehrt nach längerem Krankenhausaufenthalt der Bauernsohn Albert Lintermann auf seinen Hof im Eifeldorf Wollseifen zurück. Seine Entstellung, das halbe Gesicht wurde von einer Granate zerstört, ...

Im Jahr 1919 kehrt nach längerem Krankenhausaufenthalt der Bauernsohn Albert Lintermann auf seinen Hof im Eifeldorf Wollseifen zurück. Seine Entstellung, das halbe Gesicht wurde von einer Granate zerstört, schockiert seine Frau Bertha, die sich immer mehr von ihm zurückzieht. Dabei hat er den Krieg überlebt, Leni, die Verlobte seines besten Freundes, muss das Leben mit ihrer kleinen Tochter Hildegard alleine bewältigen. Nach und nach wird das Leben für alle besser, man schafft neue Landwirtschaftsgeräte an, sorgt für eine Strom- und Wasserversorgung und denkt, dass man die Schrecken des Krieges überwunden hat.
Bis das rechte Gedankengut und die Nationalsozialisten auch in ihr Dorf ziehen. Der schlimmste ist Johann Meller, der sich auf dubiosen Wegen ein Landgut erschlichen hat. Um im Dorf das Sagen zu haben benötigt er eine Ehefrau. Die schöne Leni kann doch froh sein, wenn sie jemand trotz des unehelichen Kindes heiratet. Leni ist jetzt zwar materiell versorgt, glücklich wird sie mit ihm nicht.
Der Roman behandelt die Zeit von 1919 bis 1949 in der aus dem verschlafenen Wollseifen in der Nazizeit das Ausbildungszentrum Vogelsang entstand und den Charakter des Dorfes zerstörte. Die fiktiven Personen nehmen uns emotional mit in die reale Geschichte, die als Tagebuch des Dorflehrers Martin Faßbender in Zwischenschüben erzählt wird. Realität und Fiktion werden aufs Beste miteinander verwoben.

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Veröffentlicht am 10.02.2023

gab es Hans je?

Der Inselmann
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Warum sich die Eltern von Hans Roleder entschließen, das Leben in der Stadt gegen das auf einer einsamen Insel zu tauschen, erfahren wir nicht. Auch Hans kennt nicht den Grund, doch er freut sich darauf. ...

Warum sich die Eltern von Hans Roleder entschließen, das Leben in der Stadt gegen das auf einer einsamen Insel zu tauschen, erfahren wir nicht. Auch Hans kennt nicht den Grund, doch er freut sich darauf. Endlich wird er nicht mehr von den Nachbarskindern drangsaliert, außer Kalle hatte er keinen Freund. Auf der Insel bewohnt die Familie eine heruntergekommene Hütte, die Schafe im Stall leiden Hunger, der Tod kloppt bei ihnen schon an. Ein verwilderter und abgemagerter Hund wird nun Hans Freund. Gemeinsam durchstreifen sie die Gegend und werden eins mit der Natur. Das Leben dort ist hart, sehr arbeitsam und mit immer der gleichen Graupensuppe am Abend. Doch für Hans ist es das Paradies, er ist hier der König. Bis die Schulbehörde einen Bescheid schickt und er jeden Tag eine Stunde und eine Stunde zurück zur Schule rudert. Dort trifft er wieder auf die Gruppe Jungen, die ihn quälen. Dass er die Schule nicht mehr aufsucht nimmt die Schulbehörde nicht so hin, er wird abgeführt und in eine Besserungsanstalt gesteckt. Statt zu lernen ist es ein Gefängnis, die Jungen werden zu harter Arbeit mit Schläge getrieben. Doch Hans ist stark und der Wunsch, seine Insel, seinen Hund wieder zu sehen, halten ihn am Leben.
Ein Roman über das Anderssein, über Außenseiter und Eigenbrödler, die ein Leben in Einsamkeit dem der Hektik einer Stadt vorziehen. Was diesen Roman so besonders macht ist die lyrische Sprache, mit knappen Worten werden wir in das Leben von Hans hineingezogen, wir leben und leiden mit ihm mit und am Ende stellt sich die Frage, ist die Geschichte traurig? Ist sie schön? Ist sie beides? Gibt es Hans noch? Gab es ihn je?

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